Gelehrtenschule des Johanneums

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Gelehrtenschule des Johanneums
Wappen
Wappen des Johanneums
Schulform Gymnasium
Gründung 1529
Adresse

Maria-Louisen-Straße 114

Ort Hamburg
Land Hamburg
Staat Deutschland
Koordinaten 53° 35′ 23″ N, 10° 0′ 23″ O53.58972222222210.006388888889Koordinaten: 53° 35′ 23″ N, 10° 0′ 23″ O
Träger Staatlich
Schüler 788 Stand: 2013
Lehrkräfte 60
Leitung Inken Hose
Website www.johanneum-hamburg.de

Das Johanneum – genauer die Gelehrtenschule des Johanneums – ist ein humanistisches Gymnasium in Hamburg, das 1529 von Johannes Bugenhagen gegründet wurde. Damit ist es das älteste Gymnasium Hamburgs.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Johanneum wurde von Johannes Bugenhagen, dem geistlichen Gesandten des Reformators Martin Luther, gegründet. 1528 kam er nach Hamburg, um der Stadt eine evangelisch-lutherische Kirchenordnung, die Erbarn Stadt Hamborch Christlike Ordeninge, zu geben. Am 24. Mai 1529 öffnete das Johanneum zunächst im Gebäude des säkularisierten alten St. Johannis-Klosters, auf dem Gelände des heutigen Rathausmarktes als „Latinsche Schole“ seine Pforten. Die eigentlichen Schulräume befanden sich in Fachwerkbauten im Innenhof des Klosters. Anfangs war das Johanneum eine Gelehrtenschule. Später widmete es sich in einem zweiten Zweig, der Bürgerschule, auch der Ausbildung von Söhnen der Kaufleute und Gewerbetreibenden.

Gelehrtenschule des Johanneums im alten St. Johannis-Kloster (um 1744), ganz rechts, in der Mitte Gymnasium und Bibliothek
Johanneum auf dem Domplatz, erbaut von Carl Ludwig Wimmel, um 1840

Neubau am Speersort[Bearbeiten]

1826 erging der Auftrag für den Neubau der Schule, der aber wegen Geldmangels zunächst nicht umgesetzt werden konnte. Von 1838 bis 1840 entstand schließlich der Neubau am Speersort auf dem Gelände des 1806 abgerissenen Domes, wo einst die Keimzelle Hamburgs lag, die sogenannte Hammaburg. Zugleich wurde das mittelalterliche Johannis-Kloster abgerissen. Der imposante klassizistische Neubau nach Entwürfen von Carl Ludwig Wimmel (* 1786; †  1845) und Franz Gustav Forsmann (* 1795; †  1878), von Süden her durch den Haupteingang zu betreten, verfügte über zwei Flügelbauten, die zur heutigen Domstraße hin durch Arkaden miteinander verbunden waren. Dem Bau lagen konkurrierende Entwürfe von Alexis de Chateauneuf (* 1799; †  1853) und Carl Ludwig Wimmel zugrunde.

Im Johanneum wurde das Patriziat der Stadtrepublik Hamburg humanistisch erzogen, bedeutende Gelehrte und Autoren der Frühaufklärung wirkten hier (Hermann Samuel Reimarus, Barthold Heinrich Brockes, Michael Richey, Johann Albert Fabricius und andere), Georg Philipp Telemann und Philipp Emanuel Bach waren hier Kantoren, und dies stiftete eine anhaltende Tradition und Reputation. Das Johanneum überstand den Großen Brand von 1842, der zahlreiche Gebäude ringsum in den Flammen aufgehen ließ.[1]

Die Schule heute
Eingang der Schule

Neubau Maria-Louisen-Straße[Bearbeiten]

1914 zog das Johanneum in den heutigen, von Fritz Schumacher entworfenen Gebäudekomplex in der Maria-Louisen-Straße, während das alte Gebäude nun ganz von der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg genutzt wurde. Der Altbau wurde 1943 bei den Bombenangriffen auf Hamburg größtenteils zerstört, die Reste (u. a. Arkadengang) wurden 1955 für Straßenverbreiterungen beseitigt (2005 wurden die Fundamente bei archäologischen Grabungen auf dem Domplatz wieder freigelegt). Die Gesamtanlage des Johanneums in der Maria-Louisen-Straße mit den Schumacher-Bauten steht seit 1979 unter Denkmalschutz.[2] Das von Engelbert Peiffer geschaffene Bugenhagen-Denkmal im Hof steht schon seit 1958 unter Denkmalschutz.[3]

1948, drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, besuchte eine Schülergruppe des Johanneums London. Frederick Wilkinson, der Schulleiter der Latymer Upper School, war der Überzeugung, dass nur gegenseitiges Kennenlernen junger Menschen Verständigung, Versöhnung und damit einen dauerhaften Frieden in Europa herbeiführen könne. In diesem Geiste initiierte er den Schüleraustausch, der seitdem jedes Jahr stattfindet. Später kam Godolphin and Latymer School dazu. Außerdem wird in junger Tradition der Austausch mit Schülern und Schülerinnen aus Griechenland betrieben. Es gibt auch einen Orchesteraustausch mit den beiden Londoner Partnerschulen. Seit 1982 besteht außerdem ein Hockey-Austausch mit dem Magdalen College in Oxford. 1989 hat das Johanneum als eine der ersten Schulen in Hamburg einen Schulaustausch mit Polen aufgebaut.

Stets wohl dotiert, beherbergt es heute noch eine bedeutende historische Bibliothek, die der Forschung auch zugänglich ist. In anfeuernder Konkurrenz mit dem erst 250-jährigen Christianeum, das 1937 mit Altona zu Hamburg kam, hielt es hohe Maßstäbe aufrecht. Es vertritt auch heute noch einen humanistisch-bildungsbürgerlichen Anspruch[4] und nach wie vor kann bzw. muss man hier sein Abitur in den alten Sprachen Latein oder Altgriechisch ablegen. Auch die Studienreisen im Schuljahr des Abiturs müssen zu antiken Stätten führen.

Die Koedukation begann am Johanneum spät. Zwar wurden schon früher einzelne Mädchen in den oberen Klassen aufgenommen, aber erst 1977 wurden die ersten Mädchen in die Sexta eingeschult.

Im Johanneum gibt es aktuell zwei aktive Theater-AGs. Des Weiteren finden halbjährlich Konzerte der Orchester und Chöre statt, die Sommer- und Weihnachtskonzerte. Seit 2004 hatte das Johanneum die Schülerzeitung, „Der Chauffeur“, die inzwischen eingestellt wurde. Dafür ist Ende 2011 die neue Schülerzeitung „Humanistische Manifest“ erschienen.

Forum Johanneum[Bearbeiten]

Das Johanneum hat durch die Millionenspende eines Mäzens einen großen Neubau erhalten. Es handelt sich um ein dreigeschossiges Gebäude mit einer Gesamtfläche von 2.200 Quadratmetern, das Kunst- und Musikräume, eine Cafeteria, einen Theater-Probenraum und eine Sporthalle enthält. Das Forum Johanneum wurde am 24. Mai 2007 als ein neues Gebäude feierlich eröffnet.[5]

Kantoren[Bearbeiten]

Der Kantor des Johanneums war seit der Gründung nicht nur Lehrer der Schule, sondern auch zuständig für die Musik an den Hamburger Kirchen. Dabei waren die Schüler des Johanneums zum Kirchengesang verpflichtet. Der erste namentliche bekannte Cantor Johannei war Eberhard Decker, der das Amt von 1580 bis 1605 innehatte. Ihm folgten bis 1822, als das Amt aufgehoben wurde, sieben Kantoren nach. Die bekanntesten unter ihnen waren Georg Philipp Telemann, der die Stelle 46 Jahre innehatte, und sein Nachfolger Carl Philipp Emanuel Bach.

Bibliothek[Bearbeiten]

Die Hauptbibliothek der Schule umfasst mehr als 55.000 Bände mit einem bedeutenden Altbestand. Das älteste Buch ist eine lateinische Bibel-Inkunabel aus dem Jahre 1491. Die alte Bibliothek gliedert sich in zwei Bereiche:

  • Eine wissenschaftliche Bibliothek. Die Basis wurde durch Stiftungen und Schenkungen namhafter Hamburger Privatgelehrter mit einer Fülle von erstklassigen Ausgaben und Kommentaren griechischer und lateinischer Autoren gelegt. Manche Autoren sind von den Wiegendrucken des Humanismus bis in die Gegenwart in lückenloser Reihe vertreten.
  • Eine literarische Bibliothek. Der Grundstock ist die griechische und lateinische Literatur; dazu kommt die deutsche mit Schwergewicht auf der Weimarer Klassik. Die Weimarer Goethe-Ausgabe ist ebenso vorhanden wie die Nationalausgabe der Schillerschen Werke. Auch Erstausgaben bzw. Ausgaben letzter Hand von Herder, Wieland und Jean Paul gehören dazu. Die englische, französische, italienische Literatur – jeweils in Übersetzung wie in Originalausgaben – ist stark vertreten.

Die Bibliothek befand sich bis Sommer 2008 im Umbau, da die Bibliothek noch mehr für Schüler zugänglich sein sollte – bisher war sie nur für Oberstufenschüler zugänglich. Seit Oktober 2007 wurden die alte Bibliothek sowie ein alter Kunstsaal in die neue Bibliothek umgebaut. Der Bau ist inzwischen nach einigen Verzögerungen abgeschlossen und wurde am 11. November 2008 eingeweiht.[6]

In der sogenannten neuen Bibliothek finden sich nun Handbücher für alle Unterrichtsfächer, dazu sind die folgenden Nachschlagewerke zu rechnen: die Realenzyklopädie der Altertumswissenschaften, die Encyclopædia Britannica, die französische Enzyklopädie von Diderot und d'Alembert, die Allgemeine Deutsche Biographie, das Lexikon des Mittelalters, das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm, der Thesaurus Linguae Latinae oder Kindlers Neues Literaturlexikon.

Forum Johanneum[Bearbeiten]

In Anlehnung an die Foren im Römischen Reich ist Forum Johanneum der Name einer kontinuierlichen Vortragsreihe am Johanneum, in deren Rahmen auch viele bekannte Personen als Redner aufgetreten sind, unter anderem:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Astrid Sänger, Antje Theise, Anja Wolkenhauer: Emblemata Hamburgensia, Verlag Ludwig, Kiel, 2009, S. 70–73, (online)
  • Ralph Giordano: Rassismus und Militarismus im NS-Schulalltag. In: Ich bin angenagelt an dieses Land. Reden und Aufsätze über die deutsche Vergangenheit und Gegenwart. Knaur-TB 80024, Droemer Knaur, München 1994, ISBN 3-426-80024-1, S. 99–107. (Aspekte des Schulalltages an der Hamburger Gelehrtenschule des Johanneums zwischen 1933 und 1940, beschrieben durch den ehemaligen Schüler Giordano)
  • Fritz Ulmer: Festbericht zur Vierhundertjahrfeier Gelehrtenschule des Johanneums zu Hamburg, 21. bis 25. Mai 1929, Lütcke & Wulff, Hamburg, 1929
  • Edmund Kelter: Hamburg und sein Johanneum im Wandel der Jahrhunderte 1529-1929, Lütcke & Wulff, Hamburg, 1928
  • Friedrich Karl Kraft: Zu den feierlichen Redeübungen, welche ... , Chronik des Hamburgischen Johanneums vom Ende des Jahres 1827 bis Anfang Mai 1840, (Verlag) Theodor Gottlieb Meissner, Hamburg, 1860, (online)
  • Carl Bertheau: Bericht über die Realschule des Johanneums, (Verlag) Joh. Aug. Meissner, Hamburg, 1846, (online)
  • Ernst Philipp Ludwig Calmberg: Geschichte von Johanneum zu Hamburg, Verlag J. Aug. Meissner, Hamburg, 1829, (online)
  • Johannes Gurlitt, Cornelius Müller (Hrsg.), Hamburgische Schulschriften, W. Heinrichshofen, Magdeburg, 1829, (online), (enthält div. Reden und Ansprachen zur Einführung von Lehrern und Abgängen von Schülern am Johanneum)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gelehrtenschule des Johanneums – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Text der ersten beiden Absätze von Insa Gall für die Zeitung Welt vom Freitag, 8. Juli 2005 http://www.johanneum-hamburg.de/news.php?nid=196
  2. Denkmalschutzamt in der Behörde für Kultur, Sport und Medien (Hrsg.): Denkmalliste der Freien und Hansestadt Hamburg (PDF; 915 kB), Stand 13. April 2010. Hamburg 2010, S. 115, Denkmallisten-Nr. 591.
  3. Denkmalschutzamt in der Behörde für Kultur, Sport und Medien (Hrsg.): Denkmalliste der Freien und Hansestadt Hamburg (PDF; 915 kB), Stand 13. April 2010. Hamburg 2010, S. 115, Denkmallisten-Nr. 459.
  4. Insa Gall, Erfolgsmodell Johanneum, in: Die Welt vom 22. Dezember 2009 [1]
  5. Hamburger Abendblatt vom 22. November 2004 http://www.johanneum-hamburg.de/news.php?nid=141
  6. http://www.johanneum-hamburg.de/news.php?nid=386&subid=