Gelsenkirchener Barock
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Als Gelsenkirchener Barock bezeichnet man wuchtige - meist gebauchte und hochglänzend edelholzfurnierte - ornamentreiche Möbel, wie sie in Deutschland erstmals in den 1930er Jahren und noch einmal um ca. 1950 produziert wurden und populär waren. Gelsenkirchen steht hier stellvertretend für das gesamte Arbeitermillieu der deutschen Kohle- und Stahlindustrie im Ruhrgebiet, wo diese Möbel anfänglich überwiegend zu finden waren. Die Bezeichnung Barock spielt auf die schwungvolle Üppigkeit der Formen und Verzierungen an.
Gelsenkirchener Barock ist kein akademischer Stilbegriff, sondern vielmehr ein volksmundlicher, liebevoll-ironischer bis kritisch-despektierlicher Kommentar zu einer Design- und Einrichtungskultur, die man als altmodisch, spießig, geschmacklos und überladen empfindet.
Typische Beispiele für sogenannten Gelsenkirchener Barock sind industriell serienmäßig hergestellte Kopien von ursprünglich handwerklichem Mobiliar des 19. Jahrhunderts. Diese Objekte entstanden zunächst in den 1930er Jahren als nostalgische Antwort auf die besonders in wohlhabenderen Kreisen zunehmende Verbreitung von (heute so genannten) klassisch-modernen Möbeln (z.B. leichte Freischwinger aus Stahlrohr) wie sie u.a. das Bauhaus und der Werkbund hervorgebracht haben.
In der Ära des deutschen Wirtschaftswunders nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Möbel dieser Art erneut in großer Stückzahl aufgelegt und erfolgreich verkauft, wobei moderne Produktionstechniken die Formenvielfalt weiter vergrößerten. Die damals große Beliebtheit mag u.a. darin begründet sein, dass die unübersehbaren Exponate eines vermeintlich gediegenen Wohnstils einer vielleicht eher kleinbürgerlichen Sehnsucht nach Tradition, Sicherheit und deutscher Gemütlichkeit entgegen kamen und sich mit ihnen gleichzeitig der Stolz auf die Überwindung kriegsbedingter Entbehrungen im Wohnalltag zum Ausdruck bringen ließ. Vermutlich fand der Begriff in dieser Zeit Eingang in die - auch heute noch gebräuchliche - deutsche Alltagssprache.
Das Städtische Museum Gelsenkirchen veranstaltete im Jahre 1991 eine Ausstellung über den „Gelsenkirchener Barock“.
[Bearbeiten] Literatur
- Gelsenkirchener Barock : Ausstellung, Gelsenkirchen, 22.9.1991 – 12.1.1992; Köln Möbelmesse 21.1. – 26.1.1992] / hrsg. von der Stadt Gelsenkirchen, Städtisches Museum. Mit Texten von Stephan Brakensiek [u. a.]. Heidelberg: Ed. Braus, 1991. ISBN 3-89466-005-8
[Bearbeiten] Weblinks
- Arte-TV Sendung vom 19. Oktober 2008 [1]

