Gemeine Schmerwurz

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Gemeine Schmerwurz
Gemeine Schmerwurz (Dioscorea communis), blühende Pflanze

Gemeine Schmerwurz (Dioscorea communis), blühende Pflanze

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Ordnung: Yamswurzelartige (Dioscoreales)
Familie: Yamswurzelgewächse (Dioscoreaceae)
Gattung: Yams (Dioscorea)
Art: Gemeine Schmerwurz
Wissenschaftlicher Name
Dioscorea communis
(L.) Caddick & Wilkin

Die Gemeine Schmerwurz (Dioscorea communis, Syn.: Tamus communis L.) ist eine Kletterpflanze aus der Pflanzenfamilie der Yamswurzelgewächse (Dioscoreaceae). Der Name leitet sich von ahd. smerte = scharf ab. Weitere Bezeichnungen sind Echte Schmerwurz, Gewöhnliche Schmerwurz, Schmerzwurz, Stickwurz, Feuerwurzel.

Beschreibung und Verbreitung[Bearbeiten]

Es sind zweihäusig getrenntgeschlechtige (diözische) einkeimblättrige Pflanzen mit unterirdischen Knollen. Die Stängel werden bis zu 4 Metern lang. Sie sind gestreift, kahl und manchmal verzweigt. Die Blätter sind ungeteilt, wechselständig, mit langen Blattstiel, herzförmig, etwa 8-15(-20) cm lang und 4-11(-16) cm breit, ganzrandig, lang zugespitzt, dunkelgrün und glänzend, mit 3-9 bogig verlaufenden Nerven, aber von netznerviger Verzweigung. Selten kommen auch dreilappig-spießförmige Blätter vor. Solche Exemplare wurden von Carl von Linné Tamus cretica genannt, doch kommt ihnen höchstens der Rang einer Varietät zu.[1] Am Grunde des Blattstiels treten hakenförmige feste Gebilde auf, die zum Anklammern dienen und vielleicht umgebildete Nebenblätter sind.[2] Die Blütenstände sind achselständige Trauben. Die Blüten sind dreizählig, grüngelb und etwa 3-6 mm groß. Die Blütenhülle der männlichen Blüten ist urnenförmig-glockig mit sechs fast gleichen Zipfeln. Diese enthalten 6 Staubblätter. Die Blütenhülle der weiblichen Blüten besteht aus sechs schmalen kleinen Zipfeln. Dazu gehört der unterständige Fruchtknoten mit einem dreispaltigen Griffel. Die Früchte sind rote, selten gelbliche Beeren, die 10-12 mm im Durchmesser haben und bis zu 6 Samen enthalten. Die Samen sind kugelig.

Die Chromosomenzahl ist 2n = 48.

Die Gemeine Schmerwurz ist die einzige auch in Mitteleuropa vorkommende Art dieser Familie, z. B. in Süddeutschland (Oberrhein, Hochrhein, Bodensee). Weitere Verbreitungsgebiete sind Atlantik- und Mittelmeerländer bis zum Iran.

Die Schmerwurz wächst an Rändern von Laubwäldern, in Hecken und Gebüschen auf frischen und nährstoffreichen Böden, wo sie eine Höhe von bis zu drei Metern erreicht. Die rechtswindende Kletterpflanze trägt von Mai bis Juni gelblich grüne, entweder männliche oder weibliche Blüten.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Wegen in den Pflanzenteilen enthaltener Saponine und Kalziumoxalat ist die Schmerwurz giftig. Beim Reiben des Safts der Beeren oder der Wurzeln auf der Haut kann eine Hautreizung erzeugt werden, die durch winzige Oxalatkristalle und Histamin im Saft hervorgerufen wird.[3] Die Wurzel enthält weiterhin Phenanthren-Derivate und die Glykoside Dioscin und Gracillin sowie deren Abkömmlinge. In einer Laborstudie gab es Hinweise auf entzündungshemmende Wirkung des Wurzelsafts.[4] In der Volksheilkunde wurde die Pflanze früher u. a. gegen Rheuma und Prellungen verwendet, daher auch die französische Bezeichnung „herbe aux femmes battues“ („Kraut der geschlagenen Frauen“). Heute spielt sie in der Homöopathie noch eine Rolle.

Bilder[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vernon Hilton Heywood: Dioscoreaceae In: Thomas Gaskell Tutin u.a.: Flora Europaea. Band 5, Seite 84-85. Cambridge University Press 1980. ISBN 0-521-20108-X
  2. Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage, Band 2, 2. Teil. Seite 374-377. Verlag Carl Hanser, München 1939.
  3. R. J. Schmidt, S. P. Moult: The dermatitic properties of black bryony (Tamus communis L.). Contact Dermatitis. 1983 Sep;9(5):390-6. PMID 6627925
  4. N. Mascolo u.a.: Local anti-inflammatory activity of Tamus communis. J Ethnopharmacol. 1987 Jan-Feb;19(1):81-4. PMID 3586696