Gemeiner Bocksdorn

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Gemeiner Bocksdorn
Gemeiner Bocksdorn (Lycium barbarum)

Gemeiner Bocksdorn (Lycium barbarum)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Nachtschattenartige (Solanales)
Familie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Gattung: Bocksdorne (Lycium)
Art: Gemeiner Bocksdorn
Wissenschaftlicher Name
Lycium barbarum
L.

Der Gemeine Bocksdorn (Lycium barbarum, synonym: L. halimifolium[1]) ist ein Nachtschattengewächs (Solanaceae) aus der Gattung der Bocksdorne (Lycium). Die Pflanze ist ein Neophyt und wird auch Gewöhnlicher Bocksdorn, Gemeiner Teufelszwirn, nur Teufelszwirn oder Hexenzwirn[2] oder Chinesische Wolfsbeere genannt. In China heißt sie Níngxià gǒuqǐ (chinesisch 宁夏枸杞 ‚Gǒuqǐ aus Ningxia‘), im englischsprachigen Raum Goji oder Wolfberry. Sie wird als Zierpflanze verwendet und ist Bestandteil der chinesischen Küche und der traditionellen chinesischen Medizin. Der EPPO-Code ist LYUHA.

Beschreibung[Bearbeiten]

Blüte des Bocksdorn

Der Gemeine Bocksdorn ist ein sommergrüner Strauch, der zwei bis vier Meter hoch werden kann. Seine rutenförmigen, meist stachligen Äste hängen bogenartig herab und tragen längliche, lanzettförmige lange, ganzrandige, graugrüne Blätter, die 2 bis 3 cm breit und 3 bis 10 cm lang werden und einzeln oder gegenständig am Ast sitzen.[3][4] Die Blütezeit des Gemeinen Bocksdorns ist von Juni bis August und teils bis September.[2] Der Blütenstand enthält eine oder mehrere fünfzählige, zwittrige (hermaphroditische) Blüten, die jeweils auf einem 1 bis 2 cm langen Stiel sitzen. Der Blütenkelch ist 4 bis 5 mm im Durchmesser, glockenförmig und zweilappig. Die Blütenkrone ist violett und trichterförmig, mit 5 bis 6 mm langen, sich spreizenden Blütenblättern, die am Rand fast unbehaart sind. Der Kelch hat eine Länge von 8 bis 10 Millimetern, die Staubgefäße und Griffel stehen daraus leicht hervor.[3][4] Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Bienen) oder Selbstbestäubung. Die leuchtend roten oder orange-gelben, länglichen bis eiförmigen, 0.4 bis 2 mm breiten und 5 bis 12 mm langen Früchte reifen von August bis Oktober und verbreiten ihre Samen mithilfe der Tiere, von denen sie gefressen werden. Jede einzelne Frucht enthält 4 bis 20 braun-gelbe runde Samen mit einem Durchmesser von etwa 2 mm.[3][4][5] Die Pflanze gilt als sehr winterhart und verträgt Frost bis -25 °C. Am Standort verbreitet sich Bocksdorn durch Wurzeln (Rhizome) und wird deshalb durch Rhizomsperren begrenzt. Als weitere Verbreitungsmöglichkeit sind Ableger von herabhängenden Zweigen und die Aussaat von Samen bekannt.[6]

Der Gemeine Bocksdorn in Thomés Flora von 1885

Vorkommen[Bearbeiten]

Nach Ellenberg ist der Gemeine Bocksdorn eine Volllichtpflanze. Er kommt vorwiegend in und nahe den Städten Ostdeutschlands vor, verwildert an Mauern und Zäunen. Weniger häufig sieht man ihn im Westen Deutschlands. Er verträgt weder Salz noch Schwermetalle.[3] Durch die häufige Verwendung zur Dammbepflanzung und als Zierpflanze kommt Bocksdorn vor allem in südlichen Ländern verwildert vor.[5]

Ökologie[Bearbeiten]

Auf dem Bocksdorn wurden Schmetterlingsraupen der Arten Tabakschwärmer, Manduca quinquemaculatus und des Totenkopfschwärmers beobachtet.[7] Besonders Echter Mehltau ist auf Bocksdorn zu finden. Als Schädlinge kommen Läuse der Gattungen Aphis und Paratrioza vor, gelegentlich auch Schnecken.[6]

Herkunft und Geschichte[Bearbeiten]

Wo die eigentliche Heimat des Bocksdorns liegt, ist unklar. Sein natürlicher Standort ist von Südosteuropa bis China zu finden. Eine typische Wolfsbeerenregion in China ist Ningxia. Von dort breitete er sich als Kulturpflanze nach ganz Asien, Europa, Nordamerika, Nordafrika und Australien/Neuseeland aus. Andere geben als Verbreitungsgebiet nur den Mittelmeerraum an. Besonders die verwandten Arten L. chinense, L. ruthenicum und L. turcomanicum sind in Asien verbreitet. Die Art L. pallidum ist in Mittelamerika und L. europaeum im Mittelmeergebiet bis Portugal zu finden.[1] In den nordwestchinesischen Provinzen Gansu, Ningxia, Qinghai und Innere Mongolei ist der Bocksdorn sehr stark verbreitet.

Systematik[Bearbeiten]

Vom Gemeinen Bocksdorn gibt es zwei Varietäten.

  • L. barbarum var. auranticarpum K.F.Ching: Diese Varietät kommt nur in China vor. Die Blätter sind eher schmal und fleischig. Nur 4 bis 8 Samen befinden sich in den orange-gelben Früchten.
  • L. barbarum var. barbarum L.: Die Blätter sind eher breit, dünn oder sogar papierartig. Die Anzahl der Samen pro Frucht liegt höher als 15. Die Früchte haben eine rote Farbe.[4]

Synonyme von Lycium barbarum sind Lycium halimifolium Miller und Lycium vulgare Dunal.[8]

Molekularbiologische Untersuchungen belegen eine stark unterstützte Klade, die neben dem Gemeinen Bocksdorn (Lycium barbarum) aus Lycium ruthenicum und Lycium chinense besteht. Die Beziehungen der drei Arten zu anderen altweltlichen Arten ist jedoch nicht eindeutig geklärt.[9]

Verwendung[Bearbeiten]

Küche[Bearbeiten]

Reife Bocksdorn-Beeren
Getrocknete Bocksdorn-Beeren

Bocksdorn wird in China zum Kochen und in der Naturheilkunde verwendet. Im Sommer und Herbst werden die Früchte geerntet und in der Sonne getrocknet.[10] Die Früchte werden gekocht oder, wenn es süße sind, auch roh gegessen; einige Varianten sind sehr sauer. Blätter von Jungpflanzen werden auch als Blattgemüse verwendet. In Europa wird der Fruchtsaft von einigen Herstellern angeboten.[6]

Lagerung[Bearbeiten]

Die Beeren können eingefroren oder in getrocknetem Zustand aufbewahrt werden.

Zierpflanze[Bearbeiten]

Der Bocksdorn wird auch als Zierpflanze verwendet.[11] Bocksdorn wird auch als Strauch zur Dammbepflanzung als Erosionsschutz genutzt.[1]

Medizinische Bedeutung[Bearbeiten]

Pharmakologie[Bearbeiten]

Die Goji-Beere sei gesund, aber sie habe normalem Obst und Gemüse nichts voraus, fasst der Ernährungswissenschaftler Emilio Martínez de Victoria von der University of Granada zusammen.[12]

Frühere Vermutungen, der Bocksdorn würde Hyoscyamin enthalten, gehen fast ausnahmslos auf eine Arbeit von 1890 zurück und konnten seitdem nicht bestätigt werden. Aktuelle pharmakologische Untersuchungen widerlegen diese Aussagen.[13][14]

Manche wissenschaftliche Prüfungen insbesondere der Inhaltsstoffe Zeaxanthin und Lutein in Laborstudien ergaben erste Hinweise auf medizinische Wirksamkeit:

  • Extrakte aus gemeinem Bocksdorn schützen vor Zerstörung des optischen Nervs, wenn ein Glaukom vorliegt.[15]
  • Polysaccharide aus der Pflanze haben immunmodulierende Wirkung.[16]
  • Aussagekräftige Laborstudien und klinische Studien nach Standardbedingungen zur Wirksamkeit gegen Krebs existieren bislang nicht.[17]
  • Wässrige Extrakte aus gemeinem Bocksdorn haben starke antioxidative Eigenschaften.[18]

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung "gibt es keine Hinweise auf schädliche Wirkungen der Gojibeeren" [19] für den Verzehr von Gojibeeren in üblichen Mengen (50 g getrocknete Gojibeeren entsprechend ca. 66 mg Zeaxanthin). Aber bei randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten chinesischen Studien bis 2010 blieben die "physiologischen und klinisch-chemischen Parameter [...] unverändert".[20]

Medizinische Wirkung[Bearbeiten]

Traditionell nehmen die Chinesen getrocknete Bocksdornbeeren gegen hohen Blutdruck und Blutzucker, bei Augenproblemen, zur Unterstützung des Immunsystems und zur Vorbeugung und Behandlung von Krebs. Als Einzeldosierung werden 6 bis 15 Gramm der getrockneten Beeren als Absud, in Wein oder als Tinktur angegeben.[10]

In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) werden Gojibeeren verwendet, um das Yin zu erhöhen. Bei Mangel an Yin in Leber und Nieren gibt es für sie in der TCM folgende Indikationen: Benommenheit, Diabetes, Anämie, Erkältungen, Erschöpfung, Impotenz, Müdigkeit, vorzeitiges Altern, Nachtschweiß, Potenzstörungen, Schwäche in Rücken und Knien, Schwindel, Tinnitus und Sehschwäche, Überanstrengung und Unfruchtbarkeit.[21]

Giftigkeit[Bearbeiten]

Vergiftungsfälle sind beim Menschen nicht bekannt. Daher wird Bocksdorn nicht als giftig eingestuft.[5] Die bei Roth[1] beschriebene Giftigkeit beruft sich wohl auf einen Artikel von 1890, der jedoch schon 1891 widerlegt wurde. Wenn, dann sind es lediglich kleinste Mengen Hyoscyamin, die sich aber nicht toxisch auswirken.[14]

Allergie[Bearbeiten]

Die Frucht kann Allergien auslösen. Es bestehen diverse Kreuzreaktionen und hohes Sensibilisierungspotential.[22]

Wechselwirkungen[Bearbeiten]

Bei gleichzeitiger Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten (z.B. Marcumar), die zur Blutverdünnung verwendet werden, wird die blutverdünnende Wirkung verstärkt. Es besteht ein erhöhtes Risiko für Blutungen.[23]

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b c d L. Roth, M. Daunderer, K. Kornmann und M. Grünsfelder: Giftpflanzen + Pflanzengifte - Vorkommen, Wirkung, Therapie und allergische und phototoxische Reaktionen, 5. erweiterte Auflage, NIKOL Verlag, ISBN 978-3-86820-009-6, 2008, S. 475.
  2. a b H. Jäger: Die Ziergehölze der Gärten- und Parkanlagen: alphabetisch geordnete Beschreibung, Kultur und Verwendung aller bis jetzt bekannter Holzpflanzen und ihrer Abarten, die in Deutschland von gleichem Klima im Freien gezogen werden können., Weimar, 1865, S. 299.
  3. a b c d Bundesamt für Naturschutz, FloraWeb. Auf http://www.floraweb.de/datenservice/artenhome.xsql?suchnr=3555&
  4. a b c d Flora Of China Project, Flora Of China. Vol. 17. S.~303, auf http://www.efloras.org/florataxon.aspx?flora_id=2&taxon_id=200020536.
  5. a b c K. Lauber und G. Wagner: Flora Helvetica - Nr. 1546 Lycium barbarum L., 4. Auflage, 2007, ISBN 978-3-258-07205-0, S. 812-813.
  6. a b c E. Toensmeier: Perennial vegetables: from artichoke to zuiki taro, a gardener's guide to over 100 delicious, easy-to-grow edibles, Chelsea Green Publishing, 2007, ISBN 978-1-931498-40-1, S. 186-187.
  7. G. S. Robinson u.a.: HOSTS - a database of the hostplants of the world's Lepidoptera. Auf http://www.nhm.ac.uk/research-curation/projects/hostplants/
  8. GRIN Taxonomie (Engl.).
  9. Rachel A. Levin et al.: Evolutionary Relationships in Tribe Lycieae (Solanaceae). In: D.M. Spooner, L. Bohs, J. Giovannoni, R.G. Olmstead und D. Shibata (Hrsg): Solanaceae VI: Genomics meets biodiversity. Proceedings of the Sixth International Solanaceae Conference, ISHS Acta Horticulturae 745, Juni 2007. S. 225-239. ISBN 978-90-6605-427-1.
  10. a b J. P. Hou: The Healing Power of Chinese Herbs and Medicinal Recipes. ISBN 0-7890-2202-8, Haworth Integrative Healing Press, 2005, S. 152 ff.
  11. A.D. Webster: Hardy Ornamental Flowering Trees and Shrubs. Kessinger Publishing 2004. ISBN 1-4191-2283-5. S. 87.
  12. http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/news/goji-beere-entzauberung-der-wunderbeere_aid_582672.html focus.de vom 18. Dezember 2010.
  13. M. Adams et al.: HPLC-MS trace analysis of atropine in Lycium barbarum berries. Phytochem Anal. 17/5/2006. S. 279-83. PMID 17019928
  14. a b D. Frohne und H.J. Pfänder: Poisonous Plants: a handbook for doctors, pharmacists, toxicologists, biologists and veterinarians. Blackwell Publishing, 2. Ausgabe, 2005, S. 370, ISBN 1-874545-94-4.
  15. H. C. Chan, R. C. Chang, A. Koon-Ching Ip, K. Chiu, W. H. Yuen, S. Y. Zee, K. F. So: Neuroprotective effects of Lycium barbarum Lynn on protecting retinal ganglion cells in an ocular hypertension model of glaucoma. In: Exp. Neurol. 203, 2007, S. 269–273, PMID 17045262.
  16. T. Heinze und H. Barsett (Hrsg.): Polysaccharides I: Structure, Characterisation And Use. Springer 2005. ISBN 3-540-26112-5. S. 87.
  17. R. Moss: A Friendly Skeptic Looks At Goji Juice. Auf http://chetday.com/gojijuice.htm.
  18. S.J. Wu et al.: Antioxidant activities of some common ingredients of traditional chinese medicine, Angelica sinensis, Lycium barbarum and Poria cocos. Phytother Res. 18/12/2004. S. 1008-12. PMID 15742346.
  19. http://www.bfr.bund.de/cm/350/risikobewertung-von-pflanzen-und-pflanzlichen-zubereitungen.pdf Risikobewertung von Pflanzen und pflanzlichen Zubereitungen, S. 19–40.
  20. http://www.bfr.bund.de/cm/350/risikobewertung-von-pflanzen-und-pflanzlichen-zubereitungen.pdf , S. 29.
  21. http://www.bfr.bund.de/cm/350/risikobewertung-von-pflanzen-und-pflanzlichen-zubereitungen.pdf S. 25.
  22. Jerónimo J Carnés: Recently introduced foods as new allergenic sources: Sensitisation to Goji berries (Lycium barbarum).Food Chem 137(1-4):130-5 (2013) PMID 23200000.
  23. I. Flügge: Mögliche Interaktion zwischen Vitamin-K-Antagonisten und der Goji-Beere –– Risiko von INR-Erhöhung und schweren Blutungsereignissen. In: Bulletin zur Arzneimittelsicherheit, Informationen aus BfArM und PEI, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM, Bonn) und Paul-Ehrlich-Institut (PEI, Langen) (Hrsg.), Ausgabe 1. März 2013. (Online (PDF), abgerufen am 21. April 2013).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gemeiner Bocksdorn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien