Gemeiner Efeu

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Dieser Artikel behandelt die Art Gemeiner Efeu. Zur Gattung Efeu siehe Efeu (Gattung).
Gemeiner Efeu
Efeublätter

Efeublätter

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Araliengewächse (Araliaceae)
Unterfamilie: Araliaoideae
Gattung: Efeu (Hedera)
Art: Gemeiner Efeu
Wissenschaftlicher Name
Hedera helix
L.

Der Gemeine Efeu, auch Gewöhnlicher Efeu oder kurz Efeu (Hedera helix), ist eine Pflanzenart aus der Gattung Efeu (Hedera) innerhalb der Familie der Araliengewächse (Araliaceae). Landschaftlich unterschiedlich wird diese Art auch Eppich genannt, eine Bezeichnung, die für mehrere verschiedene Pflanzen verwendet wird. Der Efeu wurde im November 2009 zur Arzneipflanze des Jahres 2010 gekürt.[1]

Beschreibung[Bearbeiten]

Adventivwurzeln
Kriechende Jugendform
Unter Naturschutz steht dieser Efeu, der in Loket (Tschechien) eine Felswand 15 Meter empor wächst
Laubblätter der Altersform
Gestieltes, fünflappiges Laubblatt der Jugendform
Blütenstand mit Blüten im Detail
Reife Früchte
Illustration aus Otto Wilhelm Thomé: Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz, 1885

Erscheinungsbild und Blatt[Bearbeiten]

Der Gemeine Efeu ist eine immergrüne, ausdauernde Pflanze. Sehr variabel ist der Gemeine Efeu in seinen Lebensformen, es liegt Sprossdimorphismus vor. Es erfolgt eine epigäische Keimung. Zuerst entwickelt er sich dann als ausdauernde krautige Pflanze, so überwuchert der Efeu gelegentlich flächendeckend den Boden. Ihre Sprossachsen sind niederliegend bis kriechend, plagiotrop.[2] Die Rinde junger Sprossachsen sind mit stern- bis schildförmigen Haaren (Trichomen) flaumig bedeckt. An den Sprossachsen werden im dichten Abstand Adventivwurzeln gebildet. Sobald Bäume, Zäune oder Mauern erreicht werden, ist der Efeu in der Lage durch Haftwurzeln daran emporzuklettern; dabei erklimmt er Höhen von 20 oder selten bis zu 30 Metern.[3] Der Gemeine Efeu ist der einzige in Mitteleuropa einheimische Wurzelkletterer.[4] Nach einigen Jahren beginnen die Sprossachsen zu verholzen und der Gemeine Efeu entwickelt sich vom Halbstrauch zum Strauch, Liane[2] bis er selten baumartig wächst.[3] Efeu kann ein Höchstalter von 450 Jahren erreichen, Altersformen können etwa 20 Jahren nach der Keimung auftreten. Adulte Exemplare besitzen rundliche und aufrechte, orthotrope Sprossachsen. Diese Sprossachsen sind stets wurzellos.[2] Verholzte Stämme können einen Durchmesser von 10 bis zu 30 Zentimeter erreichen.[3][2]

Beim Gemeinen Efeu liegt Heterophyllie vor. Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die einfachen, ledrigen Blattspreiten sind kahl. An den Jugendformen sind die Blattspreiten bei einer Länge von meist 4 bis 10, selten bis zu 25 Zentimeter handförmig gelappt mit drei bis fünf dreieckigen, ganzrandigen Blattlappen. Bei den blühfähigen Altersformen sind die Blattspreiten bei einer Länge von 6 bis 10 Zentimeter eiförmig bis rhombisch und nicht gelappt. Die Blattoberseite ist glänzend dunkelgrün, oft mit helleren Blattnerven, und die Blattunterseite ist heller. Manchmal werden die Blattspreiten im Spätsommer hellgrün bis gelblich und die Blattoberseite kann im Winter purpurfarben getönt sein. Es sind keine Nebenblätter vorhanden.[3]

Blütenstand und Blüte[Bearbeiten]

Endständig zu dritt bis sechst in rispigen Gesamtblütenständen oder einzeln stehen auf Blütenstandsschäften in halbkugeligen bis kugeligen, doldigen Blütenständen etwa 20 gestielte, unscheinbare Blüten zusammen.[2] Die Blütenstandsschäfte und Blütenstiele sind filzig mit Sternhaaren bedeckt.[3]

Die relativ kleinen, gelblich-grünen Blüten sind zwittrig, radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind ziemlich klein und dreieckig. Die fünf, selten sechs, freien, gelblich-grünen Kronblätter sind bei einer Länge von 3 bis 4 Millimeter dreieckig-eiförmig und am oberen Ende etwas kapuzenförmig. Es ist nur ein Kreis mit fünf Staubblättern vorhanden. Fünf Fruchtblätter sind zu einem unterständigen fünfkammerigen Fruchtknoten verwachsen. Die fünf Griffel stehen zu einer Säule zusammen. Die Nektarsekretion erfolgt an einem gewölbten Diskus, der den Fruchtknoten umgibt.[3]

Frucht und Samen[Bearbeiten]

In den Fruchtständen stehen die Früchte dicht zusammen. Die bei Reife bläulichen oder grünlich-schwarzen, selten gelben oder weißen[3] Beeren sind bei einer Länge von 5 bis 9 Millimeter und einem Durchmesser von 6 bis 9 Millimeter kugelig und besitzen ein Durchschnittsgewicht von 281,5 mg.[2] Die Beeren enthalten in einer purpurfarbenen Pülpe ein bis fünf Samen.[3] Die Samen besitzen eine Länge von 5,7 Millimeter sowie einen Durchmesser von 3,7 Millimeter.[2] Die weißliche Samenschale ist runzelig. Der kleine Embryo besitzt zwei Keimblätter (Kotyledonen). Das Endosperm ist ruminat.[3]

Chromosomensatz[Bearbeiten]

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 12, es liegt Tetraploidie vor, also 2n = 48.[5]

Ökologie und Phänologie[Bearbeiten]

Der Gemeine Efeu ist ein Chamaephyt, Phanerophyt oder Liane.[6] Im Schatten oder bei reichlich Lichteinfall sehen die Laubblätter (Schatten- und Sonnenblätter) unterschiedlich aus. Laubblätter werden während der ganzen Vegetationszeit von März bis Oktober gebildet, aber zwischen April und Mai entwickeln sich besonders viele. Ein einzelnes, immergrünes Laubblatt überdauert etwa drei bis vier Jahre, die Hauptzeit des Laubfalles liegt im späten Frühling.[2]

Schwebfliege auf einem Efeu-Blütenstand

Beim Gemeinen Efeu liegt Protandrie. Er ist selbstinkompatibel (Selbstbefruchtung und Samenansatz ist genetisch verhindert),[5] es ist Fremdbestäubung erforderlich, die durch eine Vielzahl von Insektenarten sichergestellt wird.[2] Mit einer späten Blütezeit in den Monaten September bis Oktober ist der Efeu eine Besonderheit innerhalb der mitteleuropäischen Flora mit ihren hauptsächlich in den Frühjahrs- und Sommermonaten blühenden Pflanzen. Aufgrund dieser späten Blütezeit ist der Efeu eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen, Wespen und Schwebfliegen. Von den Schmetterlingen besucht der Admiral die Blüten. Die Efeu-Seidenbiene hat sich sogar ausschließlich auf Efeu-Pollen für die Aufzucht ihrer Brut spezialisiert (Monolektie). In anderen Gebieten als Mitteleuropa liegt die Blütezeit teilweise in anderen Monaten.[2]

Die Früchte werden zwischen Januar und April reif. Die Beeren werden beispielsweise vom Gartenrotschwanz, der Mönchsgrasmücke, dem Star, der Amsel und dem Rotkehlchen gefressen, die auf diese Weise die Samen ausbreiten (Endochorie, Verdauungsausbreitung[6]).

Vorkommen[Bearbeiten]

Natürliche Verbreitung nach Metcalfe 2005[3]

Der Gemeine Efeu ist in West-, Mittel- und Südeuropa von der Ebene bis in mittlere Gebirgslagen heimisch, im Norden reicht sein Verbreitungsgebiet bis nach Südschweden.

Als Standort werden Wälder und Auengehölze, Steinbrüche und Ruinen bevorzugt. Im Bereich der Auwälder deutet ein Aufklettern des Efeus an den Bäumen auf eine höhere Luftfeuchte hin. Dies geht meist mit Veränderung der Blattformen im oberen Bereich einher. Der Efeu schadet dem bewachsenen Baum nicht, von einer umgreifenden Konkurrenz zu der weiteren Bodenvegetation ist nicht auszugehen.

Der Gemeine Efeu entstammt den Tropenwäldern des Tertiärs. Daran erinnern die Träufelspitzen seiner Blätter, die das Wasser rasch ableiten.

Im Rahmen der europäischen Kolonisation wurde der Gemeine Efeu über große Teile der Welt verbreitet. In vielen gemäßigten Klimaten (Nordamerika, Australien, Neuseeland) tritt er daher als Neophyt auf und wird zum Teil als invasive Pflanze bekämpft. Beispielsweise ist im Bundesstaat Oregon der Verkauf und Import von Efeu verboten.[7] Im kanadischen Vancouver wird er als invasive Art bekämpft.[8] In Australien wird er als invasive Pflanze angesehen, die beseitigt werden sollte.[9] Auch in Neuseeland gilt Efeu als invasive Pflanze, deren Ausbreitung gehemmt werden sollte.[10]

Taxonomie[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Hedera helix erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 202.[11] Synonyme für Hedera helix L. sind: Aralia capitata Jacq., Hedera caucasigena Pojark., Hedera helix subsp. caucasigena Takht. & Mulk., Hedera taurica (Paul) Carrière. Homonym von Hedera helix L. Hedera helix Lowe (veröffentlicht in Richard Thomas Lowe: A Manual Flora of Madeira, 1864, S. 376).[12][13]

Baumschäden durch Efeu[Bearbeiten]

Freistehender Baum mit extremem Efeubewuchs
Als Kletterpflanze an Bäumen

Dem Efeu werden im Volksglauben, bisweilen auch im Waldbau, zahlreiche schädigende Wirkungen auf Bäume nachgesagt. So soll er Bäume mit seinen Wurzeln „aussaugen“, die Baumkrone überwuchern und dem Baum das Licht nehmen, die Baumrinde vom Zugang zu Luft und Licht abschneiden, den Stamm „erdrosseln“, den Baum durch sein Gewicht schwächen und die Gefahr von Wind- oder Schneebruch steigern, und mit dem Baum um Wasser und Nährstoffe konkurrieren.[14] Zu der Möglichkeit, dass der Efeu seine Trägerbäume schädigen könnte, liegen in der Fachliteratur unterschiedliche Angaben vor. Mehrheitlich wird die Auffassung vertreten, dass der Efeu für Bäume unschädlich ist.[15]

Die Haftwurzeln des Efeu können keine Nährstoffe aufnehmen, ein Schmarotzen an Bäumen mit Hilfe der Luftwurzeln findet nicht statt.[16][14] Junge Haftwurzeln können sich aber in einem geeigneten feuchten Milieu zu Nährwurzeln umbilden. In einem Fall ist berichtet worden, dass eine solche Nährwurzel sich mehrere Zentimeter unter die Borke einer Tanne geschoben hat. Der Eindruck, ein Efeu wachse aus einem Baum heraus, kann in sehr seltenen Fällen dadurch entstehen, dass ein heranwachsender Baum mit seinem Stamm einen Efeu umschließt.[17]

Efeu wächst vorrangig am Stamm und an den starken Ästen der Bäume. Die für die Photosynthese wichtigen Blätter der Bäume befinden sich im Wald im oberen Teil der Baumkrone, bei freistehenden Bäumen in den Randbereichen.[18] Eine schädliche Lichtkonkurrenz ist daher nur bei einem sehr starken Bewuchs möglich. Bei Weißdorn und Obstbäumen, konnte ein derart starker Bewuchs mit Efeu beobachtet werden. Es wird angenommen, dass Bäume mit einer maximalen Wuchshöhe von deutlich weniger als 20 Metern durch die Lichtkonkurrenz des Efeu gefährdet werden können, insbesondere Birken und andere Bäume mit schmalen Kronen. Für die großen einheimischen Baumarten wie Eiche und Esche wird eine Gefährdung nicht erwartet.[19]

Ein „Erdrosseln“ des Stützgehölzes, indem die wachsenden Efeutriebe den umschlungenen Baum am Dickenwachstum hindern, wurde in der Vergangenheit von mehreren Autoren als Tatsache dargestellt. Sie machten jedoch keine Angaben dazu, wie dieser Vorgang nachgewiesen worden ist. Untersuchungen der Jahresringe von Bäumen mit Efeubewuchs haben die Behauptung nicht bestätigt.[20]

Die Behauptung, Efeu könne dadurch Schäden verursachen, dass er die Baumrinde von Licht und Luft abschneidet, ist nicht belegt. Es besteht jedoch bei mehreren einheimischen Harthölzern die Gefahr, dass im Schatten gebildete Rinde durch Sonnenbrand geschädigt wird, wenn der Schatten entfällt. Dies kann durch das Fällen von Bäumen in der Umgebung bedingt sein, oder durch das Entfernen von Efeu. Die Frage, inwieweit ein Efeubewuchs Schutz vor Frostrissen bieten kann, ist noch nicht untersucht worden. Auch die Hypothese, eine Stützpflanze könne durch das Gewicht des Efeu Schaden nehmen, ist nicht belegt worden.[20] Die Gefahr des Bruchs durch Wind und Schnee, bedingt durch die vergrößerte Angriffsfläche, konnte nur für Sträucher und junge Bäume in der Strauchschicht bestätigt werden, alte gesunde Bäume sind dadurch nicht gefährdet.[21]

Die Schädigung eines Baums durch Nahrungskonkurrenz im Wurzelbereich ist nicht belegt. Durch seinen Laubabwurf im Frühjahr verbessert der Efeu das Bodenleben so deutlich, dass seine Anwesenheit für die Stützbäume weniger eine Konkurrenz als eine Förderung darstellt.[22]

Dem Efeu im konkreten Einzelfall zugeschriebene Schadwirkungen sind fast immer eine Schädigung des Stützbaums durch andere Ursachen, die im Vergleich zu dem Bewuchs mit Efeu nicht so offensichtlich sind. Der Efeu geht fast immer mit seinem Stützbaum unter, ein erneutes Aufsteigen an einem zweiten Baum findet sehr selten statt. Somit wäre die unterstellte schädigende Wirkung regelmäßig auch eine Selbstschädigung.[23]

Nutzung[Bearbeiten]

Giftigkeit und Verwendung in der Pflanzenheilkunde[Bearbeiten]

Sämtliche Pflanzenteile des Gemeinen Efeus sind giftig. Bekannte giftige Inhaltsstoffe sind α-Hederin (Triterpensaponin), das sich durch Abbaureaktionen aus dem Hederasaponin C bilden kann (zu 80 % enthalten) sowie Falcarinol. Zeichen der Vergiftung können schon nach Einnahme von zwei bis drei Beeren auftreten: Brennen im Rachen, Durchfall und/oder Erbrechen, Kopfschmerzen, erhöhter Puls, Krämpfe. Nach Aufnahme großer Mengen (unwahrscheinlich, da sehr bitter) können Schock und Atemstillstand auftreten. Häufig sind auch Kontaktdermatiden durch Reaktion des Falcarinols mit den Proteinen der Haut.[24]

Zubereitungen aus Efeublättern finden wegen – in niedrigen Dosen – expektorierender und spasmolytischer Eigenschaften Anwendung bei Bronchialerkrankungen, Krampf- und Reizhusten. In höheren Dosen wirkt der Extrakt jedoch reizend auf Schleimhäute und die Haut.[25]

In der Volksheilkunde wird ein Efeu-Umschlag bei Nervenschmerzen empfohlen.[26]

Historisch wird auch von der empfängnisverhütenden und sogar abtreibenden Wirkung der Pflanze berichtet,[27] die wohl auf die toxische Wirkung zurückzuführen ist: „Alle frommen Frauen sollen sich hüten, von diesem Safte gekochte oder gebrannte Wasser zu sich zu nehmen.[28]

Fassadenbegrünung an einem Haus in den Niederlanden
Efeuranken an einem Mauerwerk

Verwendung als Zierpflanze[Bearbeiten]

Der gemeine Efeu wird als für die Begrünung von Zäunen, Mauern und Fassaden als sehr geeignet betrachtet.[29] Ein Efeubewuchs schützt die bewachsenen Flächen vor Regen und vor Spannungsrissen durch starke Temperaturschwankungen, und er wirkt als Wärmeisolierung.[30] Daneben wird die ökologische Bedeutung einer Fassadenbegrünung als Lebensraum für Insekten und Nistplatz für Singvögel hervorgehoben.[31]

Efeu benötigt auf nicht zu glattem Untergrund keine Rankhilfe, da er sich mit seinen Haftwurzeln am Mauerwerk verankert. Aus diesem Grund wird auch unterstellt, dass er die Fassaden schädigen könne.[32] Voraussetzung für eine Schädigung sind bereits vorhandene Spalten und Risse im Mauerwerk, die durch das Dickenwachstum der eingedrungenen Haftwurzeln aufgesprengt werden können.[31] Die Fassade muss das Gewicht der nicht verholzten Teile des Efeu tragen können. Fassaden mit beschädigtem Mauerwerk, vorgehängten Elementen und Wärmedämmverbünde gelten daher für die Bepflanzung mit Efeu als ungeeignet.[30][33]

Sehr alter Efeu an der Ruine des Tempelherrenhauses in Weimar

Historische Entwicklung[Bearbeiten]

Im klassischen Altertum war der Efeu den Göttern des Weines geweiht. Sowohl der altägyptische Osiris als auch der griechische Dionysos und der römische Bacchus wurden mit Wein- und Efeulaub bekränzt dargestellt.

Die Griechen trugen bei festlichen Gelagen Efeukränze, weil die Blätter teils als bacchische Begeisterung weckend, teils als gehirnkühlend galten. Auch die Trinkbecher auf Festen zu Ehren des Gottes Bacchus wurden mit Efeu berankt.

Dionysosverehrer glaubten, reichliches Efeuvorkommen an einem Ort sei ein sicheres Zeichen für die Anwesenheit des Gottes. Dichter bekränzte man mit Efeu, weil der Efeu auch eine heilige Pflanze des Gottes Apoll und der Musen war. In der Antike ist er deshalb bereits in den Gärten angebaut worden, obwohl Plinius der Ältere in seinen Schriften behauptete, dass diese Pflanze Mauerwerk und Bäumen schadete und sich unter ihren Blättern Schlangen heimisch fühlten. Bereits in der Antike kannte man Sorten, deren Blätter weiß oder gelb panaschiert waren.

Für Deutschland lässt sich seine gärtnerische Verwendung erstmals für die Mitte des 16. Jahrhunderts belegen. Der schweizerische Arzt und Naturforscher Conrad Gesner, der ein Verzeichnis der Gartenpflanzen Deutschlands anlegte, zählte den Efeu 1561 zu den Gartenpflanzen. Gartenbücher, die gegen Ende des 17. Jahrhunderts veröffentlicht wurden, nannten auch erstmals seit der Antike wieder Sorten mit panaschierten Blättern. Die Gärten des Barock und der Renaissance boten für den wuchernden Efeu jedoch wenig Raum. Populärer wurde der Efeu als Gartenpflanze erst, als in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die weiträumigen Landschaftsparks in Mode kamen. Mit der zunehmenden Popularität des Efeus nahm auch die Anzahl der Sorten zu. Eine 1872 in Großbritannien von Shirley Hibberd veröffentlichte Efeu-Monografie listete bereits mehr als 200 Sorten auf.

Vegetative Vermehrung[Bearbeiten]

Mit Stecklingen in feuchter Erde lässt sich der Gemeine Efeu leicht vermehren. Juvenilformen behalten ihre Wuchsform bei und können bei geeigneten Bedingungen Blühsprossen bilden. Eine Efeu-Pflanze, die durch vegetative Vermehrung aus einer Adultform hervorgegangen ist, behält ihren aufrechten Wuchstyp bei und kann niemals Kriechsprossen ausbilden (Topophysis).

'Green Ripple' als Bodendecker
Die Sorte 'Buttercup'

Sorten[Bearbeiten]

Vom Efeu existieren heute etwa 400 Sorten mit einer großen Bandbreite an Blattformen und -farben. Sie werden üblicherweise vegetativ mit Stecklingen vermehrt. Manche Formen sind in weiten Teilen Europas winterhart, andere Formen nur in den wärmeren Lagen; einige werden als Zimmerpflanzen verwendet. Im Gartenbau wird Efeu als Kletterpflanze und auch als Bodendecker geschätzt. Als niedrige Sträucher eignen sich aus Kopfstecklingen der Altersformen vermehrte Pflanzen, die nicht mehr klettern oder in die Breite wachsen, sondern ihre Wirkung durch aufrechten bis kugeligen Wuchs und jährliche Blüte entfalten.

Auswahl von Ausleseformen:

  • Hedera helix 'Atropurpurea': Diese Form hat violettfarbene Blätter und wird bis zu 8 Meter hoch.
  • Hedera helix 'Buttercup': Diese Sorte zeichnet sich durch leuchtend gelbe Blätter aus, die nur gelegentlich noch grüne Flecken aufweisen. Sie wächst lediglich bis zu einer Höhe von 2 Metern.
  • Hedera helix 'Dentata variegata': Dies ist eine Sorte vom riesenblättrigen Hedera colchica. Ihre Blätter besitzen einen gelben Rand. Die Sorte ist winterhart.
  • Hedera helix 'Goldchild': Diese Form wird nur bis etwa 1 Meter hoch; ihre Blätter besitzen einen goldgelben Rand.
  • Hedera helix 'Hibernica': Dies ist die bekannteste Sorte. Sie hat dunkelgrüne Blätter, wächst schnell, ist winterhart und eignet sich auch für vollen Schatten.
  • Hedera helix 'Ivalace': Diese ebenfalls nur bis zu 1 Meter hoch werdende Zuchtform hat dunkelgrüne, glänzende Blätter mit zu den Rändern hin stark aufgewölbten Lappen und mit deutlich helleren Blattadern.
  • Hedera helix 'Marginata elegantissima': Die Blätter dieser Sorte haben einen weißen Blattrand. Sie wächst dicht und ist für den Halbschatten geeignet.

Kulturelle Bedeutung[Bearbeiten]

Mit Efeu überwachsener Betonpfeiler eines ehemaligen Eisenbahnviadukts

Symbolik[Bearbeiten]

Marianne Beuchert berichtet, dass die ersten Christen gläubige Verstorbene auf Efeu, die Nichtbekehrten auf Zypressen legten. Wer in Christo getauft sei, der sei unsterblich, die Ungetauften aber seien ohne Hoffnung auf Auferstehung, gleich den Zypressen, die einmal gefällt, nie mehr nachwachsen. Wenn heute Grabstätten häufig mit Efeu bepflanzt werden, so ist das eine meist unbewusste Nutzung des Symbols vom ewigen Leben. „Wie im Leben so im Tod“ steht als Inschrift auf manchem alten efeuumschlungenen Grabstein.

Da der Efeu nicht bestehen kann, ohne sich anzuschmiegen, ist er seit alters her auch Sinnbild für Freundschaft und Treue. Schon im Altertum war diese immergrüne Pflanze Sinnbild der Treue und des ewigen Lebens, im alten Griechenland erhielt ein Brautpaar einen Efeuzweig als Symbol immerwährender Treue.

Da Efeu den Göttern des Weines sowohl im alten Ägypten (Osiris) als auch in Griechenland (Dionysos) und in Rom (Bacchus) zugeordnet war, galt er auch als Symbol der Heiterkeit, der Geselligkeit und der Freundschaft.[34]

Acht Universitäten an der Ostküste der Vereinigten Staaten bilden die sogenannte Ivy League (wörtlich: „Efeu-Liga“), die einige der weltbesten Universitäten umfasst (u. a. Harvard und Yale). Der Name rührt möglicherweise daher, dass viele dieser Hochschulen schon lange bestehen und efeubewachsene alte Gebäude haben. Außerdem war es an einigen dieser Universitäten Sitte, dass im Rahmen von akademischen Zeremonien Efeu gepflanzt wurde.[35][36]

Aberglauben und Brauchtum[Bearbeiten]

In Westfalen brachten am dritten Fasten-Sonntag Mädchen den Nachbarn Efeukränze, die über dem Herd aufgehängt wurden, um so den Frühling ins Haus zu bringen. Als Orakelpflanze soll Efeu am 24. Februar (Namenstag Matthias) verwendet worden sein. Nachts tanzten die Mädchen bei Fackelschein und warfen die Efeu- und Strohkränze ins Wasser. Hinter ihrem Rücken mussten sie versuchen, einen Kranz zu fassen. Der Efeukranz bedeutete Glück in der Liebe, es sollte noch in demselben Jahr Hochzeit sein. Der Strohkranz zeigte dagegen Unglück an. Ebenso wurde mit Efeublättern in der Andreasnacht orakelt. Man warf zwei Efeublätter in eine Schale mit Wasser, so dass sie auf der Oberfläche schwammen. Waren die Blätter am nächsten Morgen zusammengetrieben, dann sollte es noch in diesem Jahr Hochzeit geben. Trieben sie getrennt voneinander, dann musste man noch länger warten.

Efeu in der Ornamentik

Kunst[Bearbeiten]

Als Hinweis auf treue Verbundenheit und ewiges Leben ist die besonders häufige Darstellung von Efeublättern auf frühchristlichen Sarkophagen und Katakomben-Fresken zu verstehen. Der Efeu bedeutet, dass die Seele lebt, wenn auch der Körper tot ist.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Daniel J. Metcalfe: Hedera helix L. (= Biological Flora of the British Isles. No. 240), In: Journal of Ecology. Volume 93, Issue 3, 2005, S. 632–648. doi:10.1111/j.1365-2745.2005.01021.x (Volltext-online)
  • Hartmut Dierschke: Zur Lebensweise, Ausbreitung und aktuellen Verbreitung von „Hedera helix“, einer ungewöhnlichen Pflanze unserer Flora und Vegetation. In: Hoppea. Band 66, 2005, ISSN 0340-4196, S. 187–206.
  • Ingo Hetzel, Armin Jagel: Hedera helix – Gewöhnlicher Efeu (Araliaceae). Arzneipflanze des Jahres 2010. In: Jahrbuch des Bochumer Botanischen Vereins. Band 2, 2011, S. 206–214, Online PDF 2,2 MB, abgerufen am 28. Januar 2014.
  • Georg Wilhelm: Efeu an Bäumen - ein Problem? Was wir über die Wirkungen einer außergewöhnliche Pflanze wissen. Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Kreisgruppe Region Hannover 2010, Online PDF 1,8 MB, abgerufen am 28. Januar 2014.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert Emmerich: Efeu ist Arzneipflanze des Jahres 2010. Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 19. November 2009.
  2. a b c d e f g h i j Melissa A. Waggy, 2010: Hedera helix. In: Fire Effects Information System online vom US-Department of Agriculture, Forest Service, Rocky Mountain Research Station, Fire Sciences Laboratory.
  3. a b c d e f g h i j Daniel J. Metcalfe: Hedera helix L. In: Journal of Ecology. Volume 93, Issue 3, 2005, S. 632–648.
  4. Wurzelkletterer bei der Uni Ulm.
  5. a b Datenblatt bei BiolFlor - Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
  6. a b Gemeiner Efeu. In: FloraWeb.de.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatOregon bans sale of English ivy, butterfly bushes. 10. Februar 2012, abgerufen am 9. Dezember 2012 (englisch).
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatCommunity Invasive Species Management at Stanley Park. 13. Mai 2013, abgerufen am 13. Mai 2013 (englisch).
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatEnglish Ivy. Department of Primary Industries des Bundesstaats Victoria, 3. Juni 2011, abgerufen am 9. Dezember 2012 (englisch).
  10. Clayson Howell: Consolidated list of environmental weeds in New Zealand (= Department of Conservation research & development series. 292). Department of Conservation, Science & Technical Pub., Wellington 2008, ISBN 978-0-478-14413-0, (PDF-Datei; 284 kB).
  11. Erstveröffentlichung eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  12. Hedera helix bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis. Abgerufen am 31. Januar 2014.
  13. Hedera helix im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 31. Januar 2014.
  14. a b Georg Wilhelm: Efeu an Bäumen - ein Problem? Was wir über die Wirkungen einer außergewöhnliche Pflanze wissen, S. 3.
  15. Georg Wilhelm: Efeu an Bäumen - ein Problem? Was wir über die Wirkungen einer außergewöhnliche Pflanze wissen. S. 2–3, BUND 20. Mai 2010: Volltext-PDF.
  16. Ingo Hetzel, Armin Jagel: Hedera helix – Gewöhnlicher Efeu (Araliaceae). Arzneipflanze des Jahres 2010, S. 208–209.
  17. Georg Wilhelm: Efeu an Bäumen - ein Problem? Was wir über die Wirkungen einer außergewöhnliche Pflanze wissen, S. 3–4.
  18. Ingo Hetzel, Armin Jagel: Hedera helix – Gewöhnlicher Efeu (Araliaceae). Arzneipflanze des Jahres 2010, S. 209.
  19. Georg Wilhelm: Efeu an Bäumen - ein Problem? Was wir über die Wirkungen einer außergewöhnliche Pflanze wissen, S. 4–5.
  20. a b Georg Wilhelm: Efeu an Bäumen - ein Problem? Was wir über die Wirkungen einer außergewöhnliche Pflanze wissen, S. 5–6.
  21. Georg Wilhelm: Efeu an Bäumen - ein Problem? Was wir über die Wirkungen einer außergewöhnliche Pflanze wissen, S. 6–7.
  22. Georg Wilhelm: Efeu an Bäumen - ein Problem? Was wir über die Wirkungen einer außergewöhnliche Pflanze wissen, S. 7.
  23. Georg Wilhelm: Efeu an Bäumen - ein Problem? Was wir über die Wirkungen einer außergewöhnliche Pflanze wissen, S. 7–8.
  24. Giftpflanzen in Deutschland. Universität Münster, Pharmazeutische Biologie (PDF-Datei (Version vom 23. August 2007 im Internet Archive); 4,1 MB).
  25. Efeu. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 18. Februar 2013.
  26. wdr.de vom 25. Februar 2010: Efeu. In: frauen-heilkraeuter.de 6. Oktober 2013.
  27. Robert Jütte: Lust ohne Last: Geschichte der Empfängnisverhütung (= Beck'sche Reihe. 1511). Beck, München 2003, ISBN 3-406-49430-7, S. 61, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  28. Otto Brunfels: Contrafayt Kreuterbuch. 1532.
  29. Ilja Ratschinski: Infoblatt Garten. Kletterpflanzen, Verband Wohneigentum Rheinland e. V., Düsseldorf o. J. (ca. 2006), S. 7.
  30. a b ohne Verfasser: Information zur Begrünung von Fassaden (Informationsblatt), Landeshauptstadt Dresden, Umweltamt, Dresden 2006, Online PDF 194 kB, abgerufen am 28. Januar 2014.
  31. a b Markus van Berlo: Kirchliche Gebäude im grünen Gewand - Fassadengrün, Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW, Recklinghausen 2002, Online PDF 1,2 MB, abgerufen am 28. Januar 2014.
  32. Ingo Hetzel, Armin Jagel: Hedera helix – Gewöhnlicher Efeu (Araliaceae). Arzneipflanze des Jahres 2010, S. 212.
  33. Iris Scholl, Margot Zahner, Robert Kull: Fassadenbegrünung. Bauen mit Natur, Beauftragter für Umweltschutz der Stadt Winterthur und Stadtgärtnerei Winterthur, o. J. (ca. 2004), Online PDF 304 kB, abgerufen am 28. Januar 2014.
  34. Blatt-Extrakte gegen Keuchhusten - Der Efeu ist „Arzneipflanze des Jahres 2010“
  35. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatThe Harvard Crimson. 3. Juni 1893, abgerufen am 9. Dezember 2012 (englisch).
  36. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatIvy Day and Ivy Stones, a Penn Tradition. University of Pennsylvania, abgerufen am 9. Dezember 2012 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gemeiner Efeu (Hedera helix) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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Dieser Artikel wurde am 5. März 2006 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.