Echte Betonie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Gemeiner Ziest)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Echte Betonie
Echte Betonie (Betonica officinalis)

Echte Betonie (Betonica officinalis)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Lamioideae
Gattung: Betonien (Betonica)
Art: Echte Betonie
Wissenschaftlicher Name
Betonica officinalis
L.

Die Echte Betonie (Betonica officinalis), auch Heil-Ziest, Flohblume, Pfaffenblume, Zahnkraut oder Zehrkraut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Betonien (Betonica). Die Art gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und wurde von manchen Autoren der Gattung der Zieste (Stachys) zugeordnet.

Als Heilpflanze hatte die Betonie seit Dioskurides 1800 Jahre eine große historische Bedeutung als Phytopharmakon.[1] Die weite Nutzung der Betonie in der Antike und im Mittelalter ist durch die häufige Darstellung in klassischen Kräuterbüchern vielfach belegt.[2] Im 20. Jahrhundert verschwand sie vermutlich durch die zu groß überlieferte Indikationsfülle aus dem Arzneischatz, wie der aktuellen Arzneipraxis.[3][4] Neue Untersuchungen belegen aber die Plausibilität überlieferter Indikationen aufgrund der tatsächlichen Inhaltsstoffe, für die nach aktuellen pharmazeutischen Wissen auch die überlieferte breite historische arzneiliche Nutzung belegbar ist.[5] Darunter fallen insbesondere Indikationen im Zusammenhang der Erkrankungen der Atemwege, des Magen-Darm-Traktes, der Harnwege sowie als Analgetikum bei Schmerzen.[2] In der Volksmedizin hat die Betonie aber nach wie vor ihren festen Platz behaupten können.

Beschreibung[Bearbeiten]

Ikonographie Curtis's Botanical Magazine, 1820

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Die Echte Betonie ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die sehr variable Art, von der zahlreiche infraspezifische Varietäten beschrieben wurden,[6] erreicht Wuchshöhen von zumeist (20)30 - 80(120) Zentimetern.[7] Der Stängel ist aufrecht, charakteristisch stumpf vierkantig und fast kahl oder trägt bis zu 1,5 mm lange, anliegende Haare.[8] Als Hemikryptophyt bildet sie ein unterirdisches, knotiges Rhizom als Überdauerungsorgan aus. 2-3 Paare der Laubblätter sind kurz gestielt bis sitzend am Stängel und sind kreuzgegenständig, 5-10 Laubblätter sind als sitzende Blütentragblätter angeordnet. Die übrigen Laubblätter mit ihren 4-12 cm langen Blütenstielen stehen in einer Rosette zusammen. Die Laubblätter sind schmal eiförmig bis oval, gestielt (die unteren bis zu 15 cm lang) und am Grund herzförmig. Sie besitzen eine deutliche Zahnung, Netznervatur und eine vorwiegend unterseitige Behaarung.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die Infloreszenz aus zu locker stehenden Scheinähren zusammengesetzten Scheinquirlen besteht aus jeweils etwa zehn Blüten. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph. Kelchblätter werden 5 bis 7 mm lang, sind behaart und sind in ihrem oberen Teil oft violett und besitzen unbedeutend hervorgehobene Nerven.[9] Der glockige, fünfzähnige Kelch ist zweilippig mit gezähnter ober- und Unterlippe. Die Unterlippe der Blumenkrone besitzt einen großen zweilappigen Zipfel und zwei kleine zahnförmige, oft fehlende Seitenzipfel. Die Oberlippe ist deutlich helmförmig, zur Spitze hin flacher werdend gewölbt. Die Kelchblattröhre ist um 5 mm lang. Die Kronblätter sind 8 bis 15 mm lang und pink, violett,rot bis dunkelrosa, selten weiß.

Die äußeren violett-braunen Staubblätter der kleinen Blüte sind anfänglich parallel angeordnet und drehen sich spätestens zum Ende der Blütezeit nach außen. Durch diese Eigenschaft unterscheidet sich die Betonie deutlich von anderen Lippenblütlern. Der zweiblättrige Fruchtknoten trägt an jedem Fruchtblatt nur zwei Samenanlagen und zerfällt längs zu vier glatten, braunen und über 3 mm langen Früchten, die als Klausen bezeichnet werden.

Die Ausbreitung erfolgt Endochor, Epizoochor oder Anemochor.[10] Die Blütenformel stellt sich folgendermaßen dar: \downarrow K_{(5)} \; [C_{(5)} \; A_{4-2}] \; G_{\underline{(|2)}} Blühzeit ist von Juni bis September.

Ökologie[Bearbeiten]

Der Rostfarbige Dickkopffalter (Ochlodes sylvanus) nutzt Pflanzen wie den Heilziest als Sitzplatz zur Verteidigung seines Revieres. Dort kann er sich am Nektar des Heilziests stärken.

Die Blüten sind nektarführende, vormännliche Lippenblumen; sie werden durch Bienen (besonders Hummeln), Schmetterlinge und Schwebfliegen bestäubt; gegen Ende der Blütezeit ist auch spontane Selbstbestäubung möglich.[11] Samenausbreitung erfolgt als Windstreuer (auch Tierstreuer).[11] Wechseltrockene Streuwiesen mit der Echten Betonie sind Habitate des Heilziest-Dickkopffalters dessen Wirtspflanze die Echte Betonie ist.[12] Der Heilziest-Dickkopffalter ist in Deutschland nur von drei regionalen Vorkommen in Baden-Württemberg und Bayern bekannt.

Die Betonie nimmt auf ihren Standorten eine breite ökologische Amplitude ein. Zerstreut kommt sie in Moorwiesen, mageren Bergwiesen und Heidegesellschaften vor. Sie bevorzugt feuchte, basenreiche oft kalkarme Böden an etwas wärmeren Standorten. Sie kommt außerdem in verschiedenartigen Waldtypen, Strauchgesellschaften und unterschiedlichen Degradationsstadien von Laubwäldern vor.[13]

Auch in mediterranen Garigues im pflanzensoziologischen Verband Cisto-Ericion wie in Istrien, dem Kvarnergolf, Dalmatien und der Halbinsel Pelješac in Kroatien wird sie beobachtet.[14] In den höheren Regionen submediterraner Karstgebirge der Dinariden zwischen Velebit, Dinara und Orjen ist sie in der unteren Montanstufe (Oro-Mediterrane Höhenstufe) in Gesellschaften mit der Schwarzwurzel (Scoronzera villosa - Scorzonero-Chrsopogonetalia) ein Element der weitverbreiteten wärmeliebenden Felsflockenblumen-Erdseggen-Trockenrasen.[15] Hierin hat sie den Rang eine pflanzensoziologischen Verbands- und Charakterart.[16]

Weiterhin tritt sie in Südosteuropa in xerothermen Orient-Hainbuchenwäldern an der ostadriatischen Mittelmeerküste auf, die oft zu Gebüschen degradiert sind.[17][18]

In montanen Kulturwiesen der Balkanhalbinsel ist sie in mäßig feuchten, nährstoffreichen Fettwiesen der Niederungen (Arrhenatherion),[19][20] wie in Trocken- und Halbtrockenrasen der Balkaneichen-Zone verbreitet.[21] Die letztgenannten Standorte der ostbalkanischen xerophilen Trockenrasen im pflanzensoziologischen Verband Chrysopogoni Danthonion sind schon durch zahlreiche Steppenelemente gekennzeichnet. In Griechenland, Südblulgarien und Serbien ist die Betonie als stetiges Element der weitverbreiteten Balkaneichen-Zerreichenwälder zu betrachten.[22] Auch im Tataren-Ahorn-Flaumeichen Steppenwald der Donauniederung Ungarns, Bessarabiens und Bulgariens ist die Echte Betonie häufig.[23] Stetig ist sie zudem in wärmeliebenden Kiefernwäldern auf Serpentin und Dolomit in Westserbien.[24]

Im feuchteren Gebirgsklima findet sich die Betonie in mitteleuropäischen Magerrasen der pflanzensoziologischen Assoziation Bromo-Plantaginetum auf basenreichen Substraten ein.[24]

Nach Ellenberg ist er eine Halblichtpflanze, intermediär-kontinental verbreitet, auf stickstoffarmen Standorten wachsend[25] und in Mitteleuropa wie im nördlichen Südosteuropa eine Verbandscharakterart der Pfeifengras-Streuwiesen (Molinion).[26][27]

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Verwandtschaftskreis um die Echte Betonie (u.a. Betonica allopecuros) entfaltet sich größtenteils in der höheren montanen Stufe der submeridionalen Gebirge von der westlichen Metiterraneis bis zum Tienschan (Betonica betonicaeflora) mit einem Zentrum im Kaukasus (Betonica longifolia, Betonica nivea). [28]

Die in verschiedene Rassen aufgegliederte Sippe der Echten Betonie besiedelt dabei als einzige ein ausgedehntes temperates Areal, das vom Atlantik bis zum Ural reicht (noch in der Cyrenaika in Nordafrika). Einen Verbreitungsschwerpunkt findet sie in lockeren Gehölzen und Halbtrockenrasen zusammen mit zahlreichen anderen lichtliebenenden Pflanzen.[29] Die Arealdiagnose lautet dabei: (meridional/montan) – submediterran/(montan) - temperat (ozeanisch) in Europa und Westsibirien.[30]

In Europa reicht das geschlossene Verbreitungsgebiet bis 58° nördlicher Breite, weiter nördlich finden sich nur vereinzelte, unbeständige Vorkommen. Im Nordwesten ist sie dabei selten oder fehlt.

Systematik[Bearbeiten]

Die Echte Betonie wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum erstveröffentlicht.[31]

Sie gliedert sich in folgende Unterarten, die teilweise nur unter dem Gattungsnamen Betonica keine gültigen Namen auf Unterartebene besitzen:[32]

  • Betonica officinalis var. algeriensis (de Noé) Ball (Syn.: Stachys officinalis subsp. algeriensis (de Noé) Franco), ist auf der Iberischen Halbinsel und in Nordwestafrika.[32]
  • Betonica officinalis subsp. haussknechtii Nyman (Syn.: Stachys officinalis subsp. haussknechtii (Nyman) Greuter & Burdet), kommt in Mittelgriechenland, Südost-Bulgarien und in der Türkei vor.[32]
  • Betonica officinalis L. subsp. officinalis (Syn.: Stachys officinalis (L.) Trev., Stachys betonica Benth., Stachys bulgarica (Degen & Nejceff) Hayek, Betonica glabriflora Borbás, Betonica peraucta Klokov, Betonica brachyodonta Klokov, Betonica fusca Klokov), kommt in Europa bis zum Kaukasus vor.[32]
  • Betonica officinalis var. serotina (Host) Nyman (Syn.: Stachys officinalis subsp. serotina (Host) Hayek, Betonica serotina Host), ist in Italien und im Nordwesten der Balkanhalbinsel verbreitet.[32]
  • Stachys officinalis subsp. skipetarum Jáv., ist ein Endemit Albaniens.[32]
  • Betonica officinalis subsp. velebitica (A.Kern.) Nyman (Syn.: Stachys officinalis subsp. velebitica (A.Kern.) Hayek, Betonica velebitica A.Kern.), kommt nur im Nordwesten der Balkanhalbinsel vor.[32]

Medizinischer Nutzen[Bearbeiten]

Zehrkraut - Betonica officinalis bei Friedrich Losch; Friedrich Losch, Kräuterbuch unserer Heilpflanzen in Wort und Bild, Tafel 63, 1913

Die Arzneiliche Nutzung der Betonie ist durch Kräuterbücher seit der Antike vielfach belegt. Zahlreich Kapitel zur arzneilichen Nutzung der Betonie lieferten antike Autoren, die durch eine umfangreiche Anwendungsbeschreibung mittelalterlichen Kräuterbücher sowie die pharmakologischen Werke der Renaissance prägten.[33] Dioskurides Materia Medica (Viertes Buch mit der Abhandlung zur Betonie), dessen kritische Arbeit sich auf vorgehende Werke von Herakleides von Tarent, Iollas von Bithynien und Sextius Niger gestützt hatte, blieb bis ins Mittelalter Standardlehrbuch der Pharmakologie, für die das Kapitel mit den Indikationen der Betonie auch in späteren Werken wie im Lorscher Arzneibuch, bei Walahfried Strabo, im Macer floridus des Odo Magudensis, bei Leonhart Fuchs, Matthiolus, Adam Lonitzer oder dem Gart der Gesundheit[34] übernommen wurde.[1] Plinius der Ältere behandelte die Betonie in seinem naturkundlichen Werk Naturalis Historia in den Bänden 26 und 27,[35] Antonius Musa, Leibarzt Kaiser Augustus, gab in der lateinischen Quellfassung eines Briefes an Marcus Agrippa ganze 46 Anwendungen für die Betonie an (Antonio Musae de herba vettoica liber).[36] Auch diese Werke blieben erheblich für die pharmazeutische Indikation mittelalterlicher und neuzeitlicher Autoren.

Bei einigen Autoren des Mittelalters wurde die Echte Betonie wie bei Hildegard von Bingen auch durch hohen Anteil an magischen Indikationsnennungen hervorgehoben. Diese magischen Indikationen bleiben nach aktuellen pharmazeutischen Wissen jedoch ohne belegbare Erklärung.[37] So wurde der Betonie auch nachgesagt das diese als Amulett getragen eine Wirkung zur Abwehr der Pest hätte.[38] Unabhängig von antiken Wissen ist dagegen die Drogenbeschreibungen der Circa instans für die im Heil-Ziestkapitel keine direkter oder indirekter Einfluss der historischen Autoren bemerkbar ist. Hier wird die Betonie unter anderem als Analgetikum bei Kopfschmerzen und Magenschmerzen empfohlen was auf pharmakologische Eigenschaften von Bitterstoffen und Gerbstoffen zurückgeführt werden kann.[39]

Lateinisch wird das Betonienkraut pharmakologisch als Herba Betonicae (Betonicae folium, herba et radix) bezeichnet.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Im Bezug des aktuellen pharmazeutischen Kenntnisstandes ist die Bewertung der Inhaltsstoffe und ihre Wirkung auf den menschlichen Körper ausschlaggebend. Die Pflanze enthält Polyphenole wie Bitter- und Gerbstoffe, sowie vor allem Stachydrin, Betonicin, Turicin, Cholin und andere Alkaloide aus der Familie der Betaine. Der Gehalt an ätherischen Ölen ist gering. Diesem geringen Gehalt an ätherischen Ölen wird daher keine pharmakologische Wirkung zugesprochen.

Die gesammtheit der pharmazeutisch relevanten Pflanzeninhaltsstoffe sind dabei:

  • 0,5% Betaine mit viel Betonicin und weniger Stacydrin und Turcin
  • 0,5 % Kaffeesäure, daneben Chlorogen- und Rosmarinsäure
  • Phenylpropanderivate: 4-Kaffeoylchinasäure (Kryptochlorogensäure), Neochlorogensäure, 1-Kaffeoylchinasäure (Pseudochlorogensäure)
  • Harpagid
  • Flavanoide
  • Gerbstoffe
  • Bitterstoffe
  • Cholin
  • Ätherisches Öl, in Spuren
  • Flavinglykosid
  • Glykoside

Kulturgeschichte[Bearbeiten]

Die Echte Betonie wurde schon bei Karl dem Großen als eine der Pflanzen in seinen Gärten erwähnt. Als geschätzte Heilpflanze hatte sie einen Stammplatz in jedem Kloster- und Apothekergarten oder wurde um Kirchen gepflanzt. Die Betonie hatte auch als Amulett-Kraut große Beliebtheit und wurde mit roter Wolle ums Handgelenk oder um den Hals getragen. Diese magische Applikation sollte unter anderen auch vor Hexerei schützen. Auch in der angelsächsischen Kultur hatte die Betonie neben dem Echten Eisenkraut die größte Wertschätzung als Schutzmittel gegen Hexerei.[40] Diese hohe Stellung zeigt auch ein englisches Gedicht des 14. Jahrhunderts (ca. 1400. A treatise in rhyme on the virtues of herbs.), das stilistisch auf älteren lateinischen Vorbildern basierte, wo unter den 24 besungenen Kräutern die Echte Betonie an erster Stelle steht:

“Of erbs xxiiij I woll you tell by and by
Als I fond wryten in a boke at I in boroyng toke
Of a gret ladys preste of gret name she barest
At Betony I wol begyn at many vertuos het within.”

Angewandte Nutzungen fanden sich im Würzen von Wein und Guinness ale. Bei Plinius dem Älteren wurde erstmals die Kombination mit Wein beschrieben. John Gerard, ein Elisabethanischer Kräuterkundler, gab Rezepte zum Herstellen von Ale mit Kräutern, daneben der Echten Betonie heraus.[41] Solche Biere die mit Echter Betonie gebraut wurden, hatten auch einen medizinischen Hintergrund und wurden bis ins 18. Jahrhundert unter dem Namen Old Doctor Butler's Head vermarktet, einem Topos, der bis heute für einen historischen Londoner Pub erhalten ist.

In verschiedenen Redewendungen hat sich die kulturgeschichtliche Bedeutung der echten Betonie erhalten. In Italien sagt ein Sprichwort Vende la tunica en compra la Betonia, "Verkaufe deinen Mantel und kaufe Betonien;" weil im modernen Italienisch ein besonderer Mensch He piu virtù che Bettonica (Übersetzt: „Er hat so viele Talente wie die Betonie“), tituliert gesagt wird.

Getrocknetes Betonienblattpulver ein Bestandteil von Schnupftaback wie beispielsweise Rowley's British Herb Snuff, das einst ziemlich bekannt gegen Kopfschmerzen war.[42]

Unter den heutigen Nutzungen ist insbesondere die Bienenweide erhalten. Die Echte Betonie gehört zu den reichtragenden Bienenpflanzen, die reich beflogen wird.[43]

Etymologie[Bearbeiten]

Die Echte Betonie trägt im deutschen verschiedene Namen: Braune Betonie, Batunge, Zehrkraut, Heil-Ziest oder Flohblume. Der lateinische Artname Betonica lässt sich vom spanischen Volksstamm der Vettonier ableiten, welche die Pflanze nach Plinius zum ersten Mal als Arzneimittel eingesetzt haben.[44] Die volkstümlichen Namen leiten sich oft vom Namen Betonica ab. Althochdeutsch (700-1050) bathenia, pandonia, patönig, mittelhochdeutsch (1050-1350) betonick, bathonien und neuhochdeutsch (1650 bis Gegenwart) Batunge, Batenge.[45]

In den klassischen Quellen variiert die Bezeichnung der Pflanze deutlich. Bethenia, Hildegard von Bingen/ Betonick, Leonhart Fuchs/ Vetonica, Antonius Musa Debreziner Fassung/ Betonig, Antonius Musa Wiener Fassung/ Bathonienkräuter, Hyronimus Bock/ Kestron, Dioskurides/ Betonienkraut, Friedrich Losch/ Betonien, Gart der Gesundheit/ Bethonien, Adamus Lonicerus/ Batunge, Lorscher Arzneibuch/ Betonica, Macer floridus/ Vettonica, Pseudo-Apuleius/ Betonie, Speyerer Kräuterbuch/ Betonien, Tabernaemontanus.[45]

In den slawischen Ländern des Balkans bezieht sich der Volksname der Betonie auf ihre Wundheilkraft: ranilist (serb., kroat. Wundblatt), navadni čistec (slo. Wundheiler) oder ranjenik (Verletzter).[46] In den angelsächsischen Ländern wurde die Echte Betonie im Mittelalter "St. Antony's Tea" (Tee des Hl. Antonius) genannt.[47]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jeker, Marianne: Taxonomische und phytochemische Untersuchungen in der Gattung Betonica L. Diss. / M. Jeker ; Eidgenössische Technische Hochschule Zürich. - Zürich, 1993. - 177 S.: Abb. - (Diss. ETH ; 10312)
  • Andreas Kleinsteuber: Lamiaceae, Labiatae. In:  Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 5: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Asteridae): Buddlejaceae bis Caprifoliaceae, Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1996, ISBN 3-8001-3342-3, 10. Betonica L. 1753, S. 179.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Michael Verhoeven: Stachys officinalis - Eine große Arzneipflanze der traditionellen europäischen Medizin. Ihr historischer Stellenwert und ihre aktuelle Bewertung. Dissertation an der Julius-Maximilians Universität Würzburg. Würzburg 2011.
  2. a b Michael Verhoeven: Stachys officinalis - Eine große Arzneipflanze der traditionellen europäischen Medizin. Ihr historischer Stellenwert und ihre aktuelle Bewertung. Dissertation an der Julius-Maximilians Universität Würzburg. Würzburg 2011. S. 191
  3. Michael Verhoeven: Stachys officinalis - Eine große Arzneipflanze der traditionellen europäischen Medizin. Ihr historischer Stellenwert und ihre aktuelle Bewertung. Dissertation an der Julius-Maximilians Universität Würzburg. Würzburg 2011. S. 35
  4. Michael Verhoeven: Stachys officinalis - Eine große Arzneipflanze der traditionellen europäischen Medizin. Ihr historischer Stellenwert und ihre aktuelle Bewertung. Dissertation an der Julius-Maximilians Universität Würzburg. Würzburg 2011. S. 193
  5. Michael Verhoeven: Stachys officinalis - Eine große Arzneipflanze der traditionellen europäischen Medizin. Ihr historischer Stellenwert und ihre aktuelle Bewertung. Dissertation an der Julius-Maximilians Universität Würzburg. Würzburg 2011. S. 185
  6. Čedomil Šilić: Šumske zeljaste biljke. Svjetlost, Sarajevo, S. 144, ISBN 86-01-00638-8
  7. KAREL DUŠEK, ELENA DUŠKOVÁ, KATEŘINA SMÉKALOVÁ 2009: VARIABILITY OF MORPHOLOGICAL CHARACTERISTIC AND CONTENT OF ACTIVE SUBSTANCES IN BETONICA OFFICINALIS L. IN THE CZECH REPUBLIC. Agriculture (Poľnohospodárstvo), 55, 2009 (2): 102-110
  8. Čedomil Šilić: ibid. 144
  9. Čedomil Šilić: ibid. 144
  10. Čedomil Šilić: ibid. 144
  11. a b  Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen. Die Flora von Deutschland interaktiv. Sehen – Bestimmen – Wissen. Der Schlüssel zur Pflanzenwelt. CD-ROM, Version 2.0, Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2004, ISBN 3-494-01368-3.
  12. http://bemann.alfahosting.org/Carcharodusflocciferus.htm Carcharodus flocciferus (Heilziest-Dickkopffalter) (Zeller, 1847)
  13. Čedomil Šilić: ibid. 144
  14. Ivo Horvat, Vjekoslav Glavač und Heinz Ellenberg: Vegetation Südosteuropas. Gustav Fischer, Stuttgart 1974, S. 168
  15. Ivo Horvat, Vjekoslav Glavač und Heinz Ellenberg: Vegetation Südosteuropas. Gustav Fischer, Stuttgart 1974, S. 483
  16. Ivo Horvat, Vjekoslav Glavač und Heinz Ellenberg: Vegetation Südosteuropas. Gustav Fischer, Stuttgart 1974, S. 209
  17. Ivo Horvat, Vjekoslav Glavač und Heinz Ellenberg: Vegetation Südosteuropas. Gustav Fischer, Stuttgart 1974, S. 388
  18. Ivo Horvat, Vjekoslav Glavač und Heinz Ellenberg: Vegetation Südosteuropas. Gustav Fischer, Stuttgart 1974, S. 167
  19. Ivo Horvat, Vjekoslav Glavač und Heinz Ellenberg: Vegetation Südosteuropas. Gustav Fischer, Stuttgart 1974, S. 268
  20. Čedomil Šilić: ibid. 144
  21. Ivo Horvat, Vjekoslav Glavač und Heinz Ellenberg: Vegetation Südosteuropas. Gustav Fischer, Stuttgart 1974, S. 263
  22. Ivo Horvat, Vjekoslav Glavač und Heinz Ellenberg: Vegetation Südosteuropas. Gustav Fischer, Stuttgart 1974, S. 235
  23. Ivo Horvat, Vjekoslav Glavač und Heinz Ellenberg: Vegetation Südosteuropas. Gustav Fischer, Stuttgart 1974, S. 284
  24. a b Ivo Horvat, Vjekoslav Glavač und Heinz Ellenberg: Vegetation Südosteuropas. Gustav Fischer, Stuttgart 1974, S. 456
  25.  Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht (= UTB für Wissenschaft. Grosse Reihe. Band 8104). 5. stark veränderte und verbesserte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1996, ISBN 3-8252-8104-3.
  26.  Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 808 (als Stachys officinalis).
  27. Ivo Horvat, Vjekoslav Glavač und Heinz Ellenberg: Vegetation Südosteuropas. Gustav Fischer, Stuttgart 1974, S. 402
  28. Meusel H., Jäger E., Rauschert S. & Weinert E., 1978: Vergleichende Chorologie der zentraleuropäischen Flora. 2/1, pp. 105, Gustav Fischer Verlag, Jena.
  29. Meusel H., Jäger E., Rauschert S. & Weinert E., 1978: ibid. 105
  30. Meusel H., Jäger E., Rauschert S. & Weinert E., 1978: ibid. 222
  31. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 573, Digitalisat
  32. a b c d e f g Rafael Govaerts u. a.: Word Checklist of Lamiaceae. Stachys. Royal Botanic Gardens, Kew, Internet-Veröffentlichung, abgerufen am 8. Februar 2014.
  33. Michael Verhoeven: Stachys officinalis - Eine große Arzneipflanze der traditionellen europäischen Medizin. Ihr historischer Stellenwert und ihre aktuelle Bewertung. Dissertation an der Julius-Maximilians Universität Würzburg. Würzburg 2011. S. 190
  34. Gart der Gesundheit: Bethonien.
  35. Michael Verhoeven: Stachys officinalis - Eine große Arzneipflanze der traditionellen europäischen Medizin. Ihr historischer Stellenwert und ihre aktuelle Bewertung. Dissertation an der Julius-Maximilians Universität Würzburg. Würzburg 2011. S. 63
  36. Michael Verhoeven: Stachys officinalis - Eine große Arzneipflanze der traditionellen europäischen Medizin. Ihr historischer Stellenwert und ihre aktuelle Bewertung. Dissertation an der Julius-Maximilians Universität Würzburg. Würzburg 2011. S. 91
  37. Michael Verhoeven: Stachys officinalis - Eine große Arzneipflanze der traditionellen europäischen Medizin. Ihr historischer Stellenwert und ihre aktuelle Bewertung. Dissertation an der Julius-Maximilians Universität Würzburg. Würzburg 2011. S. 84
  38. http://www.weiterbildung.uzh.ch/programme/ethnobot/Abschlussarbeiten/WulfersAbschlussarbeitFinal.pdf Ellen Wulfers: Die Pest in Europa. Heilpflanzen als Mittel gegen die Pest im Mittelalter und in der frühen Neuzeit
  39. Michael Verhoeven: Stachys officinalis - Eine große Arzneipflanze der traditionellen europäischen Medizin. Ihr historischer Stellenwert und ihre aktuelle Bewertung. Dissertation an der Julius-Maximilians Universität Würzburg. Würzburg 2011. S. 182
  40. Eleanour Sinclair Rohde: The Old English Herbals. [1]
  41. http://zythophile.wordpress.com/page/2/
  42. William Thomas Fernie: Herbal Simples Approved for Modern Uses of Cure http://www.oldtimeremedies.co.uk/2008_03_01_archive.html
  43. Čedomil Šilić: ibid. 144
  44. Michael Verhoeven: Stachys officinalis - Eine große Arzneipflanze der traditionellen europäischen Medizin. Ihr historischer Stellenwert und ihre aktuelle Bewertung. Dissertation an der Julius-Maximilians Universität Würzburg. Würzburg 2011. S. 16
  45. a b Michael Verhoeven: Stachys officinalis - Eine große Arzneipflanze der traditionellen europäischen Medizin. Ihr historischer Stellenwert und ihre aktuelle Bewertung. Dissertation an der Julius-Maximilians Universität Würzburg. Würzburg 2011. S. 17
  46. Čedomil Šilić: ibid. 144
  47. http://campus.udayton.edu/mary/resources/m_garden/JS-TCMUSBG-MG.html The Cloisters - Mary's U.S. Botanical Garden

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Echte Betonie (Betonica officinalis) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien