Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) (englisch: „Community of Protestant Churches in Europe“ (CPCE), französisch: „Communion d'Eglises protestantes en Europe“ (CEPE)) ist eine Gemeinschaft von Kirchen, die fast alle lutherischen, reformierten und methodistischen Kirchen Europas einschließt.

Die Mitgliedskirchen haben sich 1973 in Leuenberg bei Basel mit der Leuenberger Konkordie zu gegenseitiger Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft verpflichtet. Der Name der Kirchengemeinschaft lautete daher zunächst Leuenberger Kirchengemeinschaft. Auf ihrer Tagung Ende Oktober/Anfang November 2003 änderte die Gemeinschaft ihren Namen entsprechend ab.

Grundlage und Ziel[Bearbeiten]

Die Konkordie reformatorischer Kirchen in Europa, kurz Leuenberger Konkordie, ist das Gründungsdokument der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, früher Leuenberger Kirchengemeinschaft. Sie entstand nach zwischenkirchlichen Lehrgesprächen 1973 im Schweizer Tagungshaus Leuenberg in Hölstein bei Basel. Sie beendete die Kirchenspaltung zwischen den reformierten und den lutherischen Kirchen und stellte Kirchengemeinschaft unter den evangelischen Kirchen lutherischer und reformierter Prägung in Europa her.

In der Leuenberger Konkordie fanden die beteiligten lutherischen, reformierten, unierten und vorreformatorischen Kirchen zu einer grundsätzlich gemeinsamen Auffassung von Taufe, Abendmahl und Evangelium und erklärten die gegenseitigen Verwerfungen der Reformation als heute nicht mehr zutreffend. Sie erkennen die Ordinationen gegenseitig an, erklären Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft und verpflichten sich zur Verwirklichung der Kirchengemeinschaft in Zeugnis und Dienst.

Die methodistischen Kirchen Europas traten 1997 auf der Grundlage einer „Gemeinsamen Erklärung zur Kirchengemeinschaft“ bei. Die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche ist der Konkordie reformatorischer Kirchen in Europa nicht beigetreten, da in ihrer Wahrnehmung gerade die lutherische Lehre vom Heiligen Abendmahl aufgegeben wurde.[1] Kritik kam auch von lutherischen Theologen innerhalb der Landeskirchen, so von den Dogmatikern Ernst Sommerlath und Jörg Baur. Auch die meisten evangelischen Freikirchen wie die Adventisten, Baptisten und die in der Reformationszeit entstandenen Mennoniten, die die Glaubenstaufe praktizieren, sind nicht beteiligt. Zwischen 2002 und 2004 fanden jedoch mehrere offizielle Konsultationen zwischen der Europäischen Baptistischen Föderation und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa statt. 2010 wurde eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Entsprechende Konsultationen mit Mennoniten oder Adventisten fanden nicht statt.

In fortlaufenden Lehrgesprächen werden theologische und Glaubensfragen behandelt und reformatorische Positionen zu geistlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen formuliert. Die Ergebnisse dieser Lehrgespräche werden in der Buchreihe Leuenberger Texte veröffentlicht und können von der Homepage der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa heruntergeladen werden.

Ebenso pflegt die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa ökumenische Kontakte zum Ökumenischen Rat der Kirchen, zur Konferenz Europäischer Kirchen, zum Lutherischen Weltbund, zur Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, zur Anglikanischen Kirchengemeinschaft und zur Europäischen Baptistischen Föderation.

Seit 2001 versucht die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, die Positionen ihrer Mitgliedskirchen zu gesellschaftspolitischen Fragen zu bündeln und in den Dialog mit den europäischen Institutionen einzubringen. Diese Arbeit geschieht in enger Kooperation mit der Konferenz Europäischer Kirchen.

Sitz der GEKE ist seit 2007 das Kirchenamt der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich in Wien. Geschäftsführender Präsident ist der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig Friedrich Weber, Generalsekretär der lutherische Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich Michael Bünker.

Mitgliedskirchen[Bearbeiten]

Bis heute gehören 105 Kirchen aus praktisch allen Ländern Europas zur Gemeinschaft, darunter:

Die folgenden Kirchen beteiligen sich an der Arbeit der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, ohne die Leuenberger Konkordie unterzeichnet zu haben

Vollversammlungen[Bearbeiten]

  • 1976: Sigtuna (Schweden): „Zeugnis und Dienst reformatorischer Kirchen im Europa der Gegenwart“
  • 1981: Driebergen (Niederlande): „Konkordie und Kirchengemeinschaft reformatorischer Kirchen im Europa der Gegenwart“
  • 1987: Straßburg (Frankreich): „Konkordie und Ökumene“
  • 1994: Wien (Österreich): „Wachsende Gemeinschaft in Zeugnis und Dienst – Reformatorische Kirchen in Europa“
  • 2001: Belfast (Vereinigtes Königreich): „Versöhnte Verschiedenheit – Der Auftrag der evangelischen Kirchen in Europa“
  • 2006: Budapest (Ungarn): „Gemeinschaft gestalten – Evangelisches Profil in Europa“
  • 2012: Florenz (Italien): „Frei für die Zukunft – evangelische Kirchen in Europa“

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrich Asendorf, Friedrich Wilhelm Künneth (Hrsg.): Leuenberg Konkordie oder Diskordie? Ökumenische Kritik zur Konkordie reformatorischer Kirchen in Europa. Verlag Die Spur, Berlin u. a. 1974, ISBN 3-87126-204-8.
  • Tuomo Mannermaa: Von Preußen nach Leuenberg. Hintergrund und Entwicklung der theologischen Methode der Leuenberger Konkordie (= Arbeiten zur Geschichte und Theologie des Luthertums. NF Bd. 1). Lutherisches Verlags-Haus, Hamburg 1981, ISBN 3-7859-0480-0.
  • Elisabeth Schieffer: Von Schauenburg nach Leuenberg. Entstehung und Bedeutung der Konkordie reformatorischer Kirchen in Europa (= Konfessionskundliche und kontroverstheologische Studien. Bd. 48). Verlag Bonifatius-Druckerei, Paderborn 1983, ISBN 3-87088-341-3 (Zugleich: Freiburg (Breisgau), Universität, Dissertation, 1982).
  • William G. Rusch, Daniel F. Martensen (Hg.): The Leuenberg Agreement and Lutheran Reformed Relationships. Evaluations by North American and European Theologians. Augsburg, Minneapolis MN 1989, ISBN 0-8066-2436-1.
  • Wilhelm Hüffmeier (Hrsg.): Konkordie reformatorischer Kirchen in Europa. (Leuenberger Konkordie). = Agreement between reformation churches in Europe. Lembeck, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-87476-292-0.
  • Martin Friedrich: Von Marburg bis Leuenberg. Der lutherisch-reformierte Gegensatz und seine Überwindung. Spenner, Waltrop 1999, ISBN 3-933688-29-9.
  • Wilhelm Hüffmeier, Udo Hahn (Hrsg.): Evangelisch in Europa. 30 Jahre Leuenberger Kirchengemeinschaft. = Being Protestant in Europe. Lembeck, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-87476-442-7.
  • Wilhelm H. Neuser: Die Entstehung und theologische Formung der Leuenberger Konkordie 1971 bis 1973 (= Theologie: Forschung und Wissenschaft. Bd. 7). Lit, Münster 2003, ISBN 3-8258-7233-5.
  • André Birmelé: Zur Ekklesiologie der Leuenberger Kirchengemeinschaft. In: Peter Walter, Klaus Krämer, George Augustin (Hg.): Kirche in ökumenischer Perspektive. Kardinal Walter Kasper zum 70. Geburtstag. Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 2003, ISBN 3-451-27435-3, S. 46–61.
  • Heinrich Leipold: Einheit auf dem Prüfstand. Zum Zielkonflikt im ökumenischen Dialog. Ein Plädoyer für das Leuenberger Modell der Kirchengemeinschaft. In: Friederike Schönemann, Thorsten Maaßen (Hrsg.): „Prüft alles, und das Gute behaltet!“ Zum Wechselspiel von Kirchen, Religionen und säkularer Welt. Festschrift für Hans-Martin Barth zum 65. Geburtstag. Lembeck, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-87476-466-4, S. 83–132.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lutherische Abendmahlsauffassung im Gegenüber zum reformierten Abendmahlsverständnis und zur Leuenberger Konkordie