Gendarmenmarkt

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Gendarmenmarkt
Coat of arms of Berlin.svg
Platz in Berlin
Gendarmenmarkt
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Mitte
Angelegt 17. Jahrhundert
Neugestaltet 1773
1936
1976
Hist. Namen Lindenmarkt,
Mittelmarkt,
Friedrichstädtischer Markt,
Neuer Markt,
Schillerplatz,
Platz der Akademie
Einmündende Straßen
Jägerstraße,
Taubenstraße,
(sowie begrenzend:)
Französische Straße,
Markgrafenstraße,
Mohrenstraße,
Charlottenstraße
Bauwerke Schauspiel- oder Konzerthaus,
Französischer Dom
Französische Friedrichstadtkirche
Deutscher Dom
Deutsche Kirche
Schillerdenkmal
Nutzung
Nutzergruppen Fuß- und Radverkehr

Der Gendarmenmarkt ist ein Platz in der historischen Mitte von Berlin und gilt gemeinhin als „schönster Platz Berlins“. Im Zentrum befindet sich das Schauspielhaus, das an der Südseite vom Deutschen und an der Nordseite vom Französischen Dom flankiert wird.

Lage[Bearbeiten]

Der rund 3,3 Hektar große Platz liegt inmitten des auf dem Reißbrett geschaffenen Stadtviertels Friedrichstadt. Er nimmt drei der Karrees ein und wird begrenzt durch die Französische Straße im Norden, die Charlottenstraße im Westen, die Mohrenstraße im Süden und die Markgrafenstraße im Osten. Die Jäger- und die Taubenstraße werden durch den Platz geteilt und sind im Bereich des Platzes – als Straßen kaum noch kenntlich – in Form einer Fußgängerzone ausgelegt.

Geschichte[Bearbeiten]

Gendarmenmarkt mit Nationaltheater von Carl Gotthard Langhans, Aquarell von Friedrich August Calau, ca. 1815
Royal Naval College (Greenwich)
Gendarmenmarkt in Berlin,
Gemälde von Carl Hasenpflug, 1822
Gendarmenmarkt, um 1900
Der Gendarmenmarkt, 1903
Briefmarke (1949) der Serie Berliner Bauten

Der Platz entstand ab 1688 nach Plänen von Johann Arnold Nering als Teil der Friedrichstadt, die Kurfürst Friedrich III., der spätere König Friedrich I. in Preußen, Ende des 17. Jahrhunderts anlegen ließ. In diesem historischen Viertel siedelte sich ein Großteil der französischen Einwanderer (Hugenotten) an, denen der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg mit dem Edikt von Potsdam im Jahr 1685 den Schutz ihrer religiösen Freiheit und volles Bürgerrecht zugesichert hatte.

König Friedrich I. wies sowohl der lutherischen als auch der französisch-reformierten Gemeinde je eine Stelle auf dem Platz zum Kirchenbau zu: im Norden für die Französische Friedrichstadtkirche und im Süden für die Deutsche Kirche. Beide Kirchenbauten entstanden nach 1701, allerdings ohne die später angebauten Türme.

Die eigentliche Gestalt erhielt der Platz unter Friedrich II. (Friedrich der Große) mit den beiden identischen Kuppeltürmen neben den Kirchen. Sie wurden in den Jahren 1780–1785 nach Plänen von Carl von Gontard errichtet. Als Vorbild für die Neugestaltung wird oft die Piazza del Popolo in Rom erwähnt, Laurenz Demps jedoch bezweifelt dies.[1] Da das Charakteristikum des Platzes in der Überdimensionierung der Türme, um Vielfaches größer als die Kirchen, besteht, wird manchmal auch als Vorbild das Old Royal Naval College (1703) in Greenwich genannt.

Ursprünglich als Markt angelegt, hieß der Platz im 17. Jahrhundert Linden-Markt, im 18. Jahrhundert bis 1786 Mittelmarkt bzw. Friedrichstädtischer Markt, danach Neuer Markt. Seinen heutigen Namen erhielt er 1799 in Erinnerung an die Stallungen des Kürassierregiments der „Gens d'armes“, die der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. 1736 hier errichten ließ. Um den Platz herum lagen die Wohnhäuser hoher Beamter des Königs, staatliche Behörden, aber auch bedeutende Hotels, darunter das Hotel de Brandebourg.

Friedrich der Große, der Sohn des „Soldatenkönigs“, ließ die Stallungen im Jahr 1773 abreißen, und der Platz erhielt nach den Plänen von Georg Christian Unger eine einheitliche Umbauung mit dreigeschossigen Häusern. Zwischen den beiden Kirchen wurde ein kleines französisches Komödientheater gebaut. Es wurde in den Jahren 1800 bis 1802 durch ein neues Nationaltheater mit 2000 Sitzplätzen ersetzt. Dieses vom Architekten Carl Gotthard Langhans geschaffene Theater brannte 1817 ab. Karl Friedrich Schinkel lieferte die Pläne für das an seiner Stelle im Jahr 1821 fertiggestellte königliche Schauspielhaus, das heutige Konzerthaus, das den Mittelpunkt dieses einmaligen Ensembles bildet.

Der Gendarmenmarkt war auch Ort des wechselhaften politischen Geschehens in Berlin: Die Revolution von 1848/1849 kündigte sich schon 1847 auf dem Gendarmenmarkt durch die sogenannte „Kartoffelrevolution“ an, einen Aufruhr gegen gestiegene Lebensmittelpreise. Die in den Barrikadenkämpfen während der Märzrevolution von 1848 Gefallenen wurden auf den Stufen des Deutschen Doms feierlich aufgebahrt. Ab September 1848 tagte die Preußische Nationalversammlung mehrere Wochen im Großen Saal des Schauspielhauses.

Das Denkmal für Friedrich Schiller vor dem Schauspielhaus ist eine Auftragsarbeit an Reinhold Begas. Die feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 10. November 1859 anlässlich des 100. Geburtstags des Nationaldichters Friedrich Schiller, zwölf Jahre später die Einweihung. Zwischen 1871 und 1936 hieß dieser Teil des Gendarmenmarkts Schillerplatz.

Im Jahr 1936 wurde das Schillerdenkmal entfernt sowie die gärtnerischen Schmuckanlagen vor dem Schauspielhaus beseitigt und durch das heute noch vorhandene großflächige Muster quadratischer Platten ersetzt. Die Umgestaltung repräsentativer Plätze im Zentrum Berlins während der nationalsozialistischen Herrschaft – neben dem Gendarmenmarkt betraf dies den Lustgarten und den Wilhelmplatz – diente vor allem dazu, Aufmarschplätze für propagandistische Veranstaltungen zu schaffen. Auf dem Gendarmenmarkt fanden beispielsweise sogenannte Weihen von „Pimpfen” (Deutsches Jungvolk) zur Aufnahme in die Hitlerjugend statt.[2]

Auf dem zerbombten Platz fand 1946 ein Konzert des Alexandrow-Ensembles, des berühmten sowjetischen Soldatenchors und -orchesters, statt. Am 2. Oktober 1990, dem Vorabend der Deutschen Wiedervereinigung, fand hier der letzte Staatsakt der DDR-Regierung unter Lothar de Maizière mit der Aufführung von Beethovens 9. Sinfonie unter Kurt Masur statt.

Der im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Platz wurde 1950 anlässlich der 250-Jahr-Feier der 1946 als Deutsche Akademie der Wissenschaften wiedergegründeten Preußischen Akademie der Wissenschaften in Platz der Akademie umbenannt. 1991 erhielt er seinen ursprünglichen Namen zurück.

Im Jahr 1976 erteilte der Magistrat von Berlin den Auftrag zur Umgestaltung des Platzes zu einem geistig-kulturellen Zentrum, bei der er den Charakter in seiner heutigen Gestalt erhielt.[3]

Am Gendarmenmarkt findet man zahlreiche Restaurants, Geschäfte und Hotels.

Sehenswürdigkeiten auf und um den Platz[Bearbeiten]

Zur Randbebauung des Gendarmenmarktes gehören

Auf dem Platz stehen einige bemerkenswerte Bäume, von denen die folgenden als Naturdenkmal unter Schutz stehen: zwei Japanische Schnurbäume, eine Strauchkastanie sowie ein Französischer Ahorn.[6]

Feste auf dem Gendarmenmarkt[Bearbeiten]

  • Seit 1992 findet einmal jährlich im Spätsommer das Classic Open Air-Konzert auf dem Platz statt.[7]
  • Im Dezember gibt es den Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt.
  • An jedem 3. Oktober veranstaltet der Verein der Freunde und Förderer des Gendarmenmarktes e. V. anlässlich des Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung ein „Einheitsfest“ auf dem Platz.

Literatur[Bearbeiten]

Fachliteratur
  • Laurenz Demps: Der Gensd'armen-Markt. Gesicht und Geschichte eines Berliner Platzes. Henschel, Berlin 1987, ISBN 3-362-00141-6.
  • Laurenz Demps: Der schönste Platz Berlins. Der Gendarmenmarkt in Geschichte und Gegenwart. Henschel, Berlin 1993, ISBN 3-89487-012-5.
  • Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR – Berlin I. Hrsg. Institut für Denkmalpflege im Henschelverlag, Berlin 1984. S. 212–218.
  • Dietmar Schings: Schauplatz Gendarmenmarkt 1800–1848. Verlag Vorwerk 8, Berlin 2010.
Belletristik

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gendarmenmarkt – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Gendarmenmarkt – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. s. Literaturliste: Demps 1993, S. 42.
  2. Eva-Maria Kaufmann Von der Wanderschaft der Denkmäler in Berlin. In: Der Bär von Berlin: Jahrbuch des Vereins für die Geschichte Berlins, 56. Folge 2007. Verein für die Geschichte Berlins e. V. Berlin, 2007, S. 35.
  3. Adalbert Behr und Alfred Hoffmann Das Schauspielhaus in Berlin. VEB Verlag für Bauwesen. Berlin, 1984. Seite 131.
  4. Baudenkmal im Karree Französische/Charlotten-/Behrenstraße
  5. Homepage der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
  6. Website des Senats mit Detailinformationen zu den Bäumen; abgerufen am 16. März 2014
  7. Homepage zum „Classic Open Air“ mit Diashow

52.51333333333313.393055555556Koordinaten: 52° 30′ 48″ N, 13° 23′ 35″ O