Gender Medicine

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Gender Medicine (auch Gender-Specific Medicine, deutsch: Gendermedizin) ist die internationale Fachbezeichnung für Humanmedizin unter einer geschlechtsspezifischen Betrachtungsweise in der Erforschung und Behandlung von Krankheiten. Sie wurde in den 1990er Jahren entwickelt und ist Teil der personalisierten Medizin.

Eine der führenden Vorkämpferinnen der Gender Medicine ist die amerikanische Kardiologin und Medizinwissenschaftlerin Marianne Legato, die schon in den 1980er Jahren auf Unterschiede von Herzerkrankungen bei Frauen gegenüber Männern gestoßen war. Neben ihrer Forschungstätigkeit hat sie mit ihrem Buch Evas Rippe die Thematik erstmals einer breiten Öffentlichkeit erschlossen. Auch ist sie Gründungsredakteurin der Zeitschrift „Gender Medicine“, welches als führendes internationales Organ dieser jungen Disziplin gilt[1].

In den 1980er Jahren begann sich die Weltgesundheitsorganisation WHO auf dem Hintergrund der Frauengesundsheitsforschung mit den Unterschieden zwischen Frauen und Männern in der Medizin zu beschäftigen. 2001 gab sie eine Empfehlung heraus, im Gesundheitswesen lokale Strategien für eine geschlechtsspezifische Gesundheitsvorsorge zu entwickeln und umzusetzen.

In Deutschland begründete die Fachärztin für Kardiologie Vera Regitz-Zagrosek die Geschlechterforschung in der Medizin an der Charité in Berlin. Sie gab 2011 zusammen mit Sabine Oertelt-Prigione das erste Lehrbuch heraus unter dem Titel Sex and Gender Aspects in Clinical Medicine.

Die Gender Medizin widmet sich neben den sozialen und psychologischen Unterschieden den Symptomen und Ausprägungen von Krankheiten bei Frauen und Männern, die durch unterschiedliche genetische und biologische Voraussetzungen begründet sind. So ist etwa seit längerem bekannt, dass Frauen im Vergleich zu Männern aufgrund einer stärkeren Immunantwort auch stärkere Entzündungsreaktionen aufweisen, im Zusammenhang damit stehen auch Autoimmunerkrankungen, von denen wiederum Männer prozentual geringer betroffen sind. Registriert bzw. behandelt werden Frauen häufiger als Männer beispielsweise wegen psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Männer häufiger wegen Suchterkrankungen, insbesondere Alkoholabhängigkeit.

Besondere Bedeutung erhielt die Gender Medicine im Zusammenhang von Untersuchungen bezüglich Herzerkrankungen bei Frauen. Wobei festgestellt wurde, dass weibliche Patienten oft, auch aufgrund anderer Symptomatik, zu spät oder falsch diagnostiziert werden (so zeigten sich signifikante Unterschiede in der Zahl der gesetzten Herzkatheter bei Frauen und Männern, sowie im Zeitraum der bis zur Einweisung in die Intensivstation verging). Bei Männern wiederum wurden bisher psychologische Gesichtspunkte vernachlässigt, etwa in der postoperativen Betreuung bei Prostatakrebs, im Vergleich zum Brustkrebs bei Frauen. Auch das unterschiedliche Gesundheitsbewusstsein, Unterschiede in der Wirksamkeit von Medikamenten (die meisten Medikamente werden in der Regel an jungen Männern erprobt) oder im Suchtverhalten sind Schwerpunkte der Gender Medicine.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexandra Kautzky-Willer (Autorin), Elisabeth Tschachler (Autorin): Gesundheit: Eine Frage des Geschlechts. Orac, Wien, 1. Auflage (Februar 2012), ISBN 978-3-7015-0541-8
  • Alexandra Kautzky-Willer (Hrsg.): Gendermedizin. UTB Böhlau, Wien, 1. Auflage (März 2012), ISBN 978-3-8252-3646-5
  • Sabine Oertelt-Prigione, Vera Regitz-Zagrosek (Hrsg.): Sex and Gender Aspects in Clinical Medicine. (Lehrbuch) Springer, London 2011, ISBN 978-0-85729-831-7
  • Margarethe Hochleitner (Hrsg.): Gender Medicine 3. Facultas, Wien, 1. Auflage (Februar 2010), ISBN 978-3-7089-0551-8
  • Margarethe Hochleitner (Hrsg.): Gender Medicine 2. Facultas, Wien, 1. Auflage (Februar 2009), ISBN 978-3-7089-0346-0
  • Marianne J. Legato (Hrsg.): Principles of Gender-Specific Medicine. Academic Press, Burlington, MA, 2. Auflage (November 2009), ISBN 978-0-12-374271-1
  • Margarethe Hochleitner (Hrsg.): Gender Medicine. Facultas, Wien, 1. Auflage (Februar 2008), ISBN 978-3-7089-0215-9
  • Anita Rieder (Autorin), Brigitte Lohff (Hrsg.): Gender Medizin - Geschlechtsspezifische Aspekte für die klinische Praxis. Springer, Wien, 1. Auflage (August 2004), ISBN 3-211-00766-0

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gender Medicine: Editorial Board. In: www.gendermedjournal.com, Hrsg Elsevier Inc., gesehen am 12. März 2012.