Generalstabsoffizier

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Generalstabsoffizier, Generalstäbler, auch (Offizier) im Generalstab oder im Generalstabsdienst sind Bezeichnungen für Offiziere (kein Dienstgrad) ab dem Dienstgrad Hauptmann, die einen Generalstabslehrgang oder die erforderliche Ausbildung an einer entsprechenden militärischen Bildungseinrichtung, beispielsweise Kriegsakademie oder Generalstabsakademie, erfolgreich abgeschlossen haben. Die betreffenden Personen führen in deutschsprachigen Streitkräften in der Regel zusätzlich zur jeweiligen Dienstgradbezeichnung den Zusatz im Generalstabsdienst (i.G.) [1], beispielsweise Major i.G; äußeres Kennzeichen ist die Waffenfarbe Karmesinrot der Kragenspiegel sowie der Unterlage und Paspelierung der Schulterstücke.[2] Ausgenommen von diesen Regelungen sind in Deutschland Admiralstabsoffiziere (Marineoffiziere mit Generalstabsausbildung). Generalstabsoffiziere werden in herausgehobenen Stabsverwendungen, in der Adjutantur oder auf Dienstposten höherer Truppenkommandeure eingesetzt.

In der Schweiz lautet die Bezeichnung im Generalstab, kurz i Gst.

Geschichtliche Entwicklung[Bearbeiten]

Oberst der Luftwaffe 1941/1942 Karmesinrot Offizier im Generalstab (i.G.)

Für den Dienst in Generalkommandos, Generalstäben bis hin zu Kriegsministerien und Hauptquartieren wurden von Beginn an besonders qualifizierte Offiziere benötigt. So wurden bereits unter Karl V. zu Toledo und Wallenstein zu Beginn des 17. Jahrhunderts an Kriegsakademien erstmals entsprechend befähigte Offizier ausgebildet.

Mit der Aufstellung von Massenheeren und der Herausbildung der Waffengattungen und Truppengattungen im 19. Jahrhundert wurden beispielsweise in Preußen, Bayern, Frankreich, Polen und Russland Offiziere in zwei- bis dreijährigen Generalstabslehrgängen unterrichtet und befähigt. Der Generalstabsausbildung gingen in der Regel die bis zu neun Monate bemessene Offizierslehrgänge an einer Kriegsschule oder vergleichbaren militärischen Bildungseinrichtung voraus.

Die betreffenden Soldaten bedurften einer aufwendigen, Teilstreitkraft und Truppengattung übergreifenden, Ausbildung. Die Selektion ging oft bis zur Kadettenanstalt, Junkerschulen und Kriegsschule zurück, um die zeitgemäßen Erfordernisse der Streitkräfte in ihrer Gesamtheit zu verstehen. Zur Generalstabsausbildung wurden deshalb stets die vermeintlich besten Offiziere eines Jahrgangs ausgewählt.

Die Ausbildung zum Generalstabsoffizier war zukünftig die grundlegende Voraussetzung für eine Verwendung als Generalstabsoffizier, den Einsatz in Spitzenverwendungen oder Berufungen, bis hin zur Beförderung zum Oberst und der nachfolgenden Ernennung zum Generalmajor (später Brigadegeneral).

Die Reichswehr, der eine Generalstabsausbildung verboten war, zog sich ihre Generalstabsoffiziere in der Führergehilfenausbildung heran.[3]

In der gemeinsamen k.u.k. Armee trugen Generalstabsoffizier als Kennzeichen tiefrote Paspelierung. Absolventen der Akademie des Generalstabs der Polnischen Streitkräfte und der Generalstabsakademie der UdSSR wurde hingegen ein spezielles Absolventenabzeichen verliehen.

Bundeswehr[Bearbeiten]

Offiziere i.G.
D-Bw-GensOff-KS-v1.pdf
Kragenspiegel
(Heer/Luftwaffe)
DH271-Oberst i.G..png
Oberst i.G.
(Heer)
HA OS3 53 Oberst i.G..svg
Oberst i.G.
(Aufziehschlaufe)
DL271-Major i.G.png
Major i.G.
(Luftwaffe)
Kennzeichen Bundeswehr

Die Generalstabsausbildung war seit der Gründung der Bundeswehr fordernd und besonders geeigneten Soldaten vorbehalten. Sie bestand zum Teil aus mehreren Phasen an der Generalstabsakademie, wissenschaftlichen Studien und zwischenzeitlichem Dienst in der Truppe.

Seit 1957 werden die Generalstabsoffiziere des Heeres und der Luftwaffe und die Admiralstabsoffiziere der Marine in einem zweijährigen Lehrgang (Nationaler Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst, LGAN)[4] an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in Hamburg ausgebildet. Seit 1962 werden auch ausländische Stabsoffiziere ausgebildet, die nicht der NATO angehören. Hierfür gibt es den zehnmonatigen Lehrgang „Generalstabs-/Admiralstabsdienst mit internationaler Beteiligung“ (LGAI)[5], an dem auch ausgewählte deutsche Offiziere teilnehmen. Gleichartige Generalstabslehrgänge, an denen deutsche Offiziere teilnehmen, gibt es auch in anderen Nationen.

Bestimmte Dienstposten sind in den Organisationsgrundlagen von Dienststellen für Generalstabsoffiziere ausgebracht. Diese Dienstposten findet man in höheren militärischen Stäben – im Heer von der Brigadeebene an aufwärts –, im Bundesministerium der Verteidigung, an Akademien und Schulen oder in Botschaften (Militärattaché).

Offiziere des Heeres und der Luftwaffe, die auf Generalstabsdienstposten verwendet werden, führen zu ihrem Dienstgrad den Zusatz „i.G.“ mit der Bedeutung „im Generalstabsdienst“. Sie tragen traditionell die Waffenfarbe  karmesinrot als Grundfarbe von Kragenspiegel und Paspelierung der Schulterklappe. Der Zusatz „i.G.“ entfällt, wenn der betreffende Offizier auf einem Dienstposten eingesetzt wird, der nicht als Verwendung im Generalstabsdienst ausgewiesen ist. Dies ist in der Regel der Fall, wenn Generalstabsoffiziere beispielsweise als Bataillonskommandeur verwendet werden. Andererseits kann ein Stabsoffizier, der auf einem Generalstabsdienstposten eingesetzt ist, ebenfalls den Zusatz „i.G.“ und die betreffenden Kennzeichen für Dauer dieser Verwendung führen. Mit dem Zeitpunkt der Pensionierung entfällt der Zusatz „i.G.“ für alle Offiziere.[6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christian E. O. Millotat: Das preussisch-deutsche Generalstabssystem: Wurzeln, Entwicklung, Fortwirken. vdf Hochschulverlag AG, 2000, ISBN 3728127493, S. 23.
  • Wörterbuch zur deutschen Militärgeschichte. 1. Auflage, Seite 411–413. Lizenz-Nr.5, P 189/84, Best.Nr.: 746 6350, Berlin 1985.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. bis 1945 bedeutete i.G. „im Generalstab“
  2. Im Preußischen Heer, der Reichswehr und Wehrmacht wurden zudem auch karmesinrote Lampassen an den Uniformhosen getragen. In der Luftwaffe (Wehrmacht) waren diese in goldgelber Waffenfarbe gehalten.
  3. Der vierte Anfang der Generalstabsausbildung (Bundeswehr)
  4. Lehrgang für den Generalstabsdienst/Admiralstabsdienst national (LGAN). Führungsakademie der Bundeswehr, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  5. Lehrgruppe Lehrgänge General-/ Admiralstabsdienst International (LGAI) / Europäische Sicherheit (ESich). Führungsakademie der Bundeswehr, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  6. Interview mit Absolvent Verwendungslehrgang Gens (17. LG), aus „Generalstab im Wandel, Model/Prause“, ISBN 3-7637-5241-2 (S. 212., lfd.Nr. 30)