Geneticin

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Strukturformel
Struktur von Geneticin
Allgemeines
Freiname Geneticin
Andere Namen
  • G-418
  • O-2-Amino-2,7-didesoxy-D-glycero- α-D-gluco-heptopyranosyl- (1→4)-O-(3-desoxy-4-C-methyl-3-(methylamino)- β-L-arabinopyranosyl- (1→6))-D-streptamin
  • (2R,3S,4R,5R,6S)-5-Amino-6-[(1R,2S,3S,4R,6S)- 4,6-diamino-3-[(2R,3R,4R,5R)-3,5-dihydroxy- 5-methyl-4-methylaminooxan-2-yl]oxy- 2-hydroxycyclohexyl]oxy-2-(1-hydroxyethyl)oxan- 3,4-diol (IUPAC)
  • Geniticin
Summenformel C20H40N4O10
CAS-Nummer
  • 49863-47-0
  • 1405-41-0 (Monosulfat)
  • 108321-42-2 (Disulfat)
PubChem 123865
Kurzbeschreibung

farbloses Pulver[1]

Eigenschaften
Molare Masse 496,55 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Löslichkeit

löslich in Wasser[2]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben [1]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [4][5]
Gesundheitsschädlich
Gesundheits-
schädlich
(Xn)
R- und S-Sätze R: 42/43​‐​61
S: 24/25
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Geneticin (G-418) ist eine antibakteriell wirksame Substanz (Antibiotikum) aus der Gruppe der Aminoglycoside. Es vermittelt seine antibiotische Wirkung über eine Hemmung der Proteinbiosynthese. Da Geneticin in besonderem Ausmaß auch die Proteinbiosynthese in Zellen höherer Organismen (z. B. Säugetierzellen) hemmt, findet Geneticin keine therapeutische Anwendung. Sein wichtigstes Anwendungsgebiet ist die Zellbiologie, in welcher Geneticin zur Selektion von genetisch veränderten Zelllinien dient.

Vorkommen[Bearbeiten]

Geneticin wurde erstmals 1974 aus dem Micromonospora rhodorangea-Stamm NRRL 5326 isoliert.[6]

Wirkmechanismus[Bearbeiten]

Wie auch die anderen Aminoglykoside hemmt Geneticin die zelluläre Proteinbiosynthese. Während viele Aminoglykoside ausschließlich prokaryotische 70S-Ribosomen in verschiedenen Stadien der Translation inhibieren, wirkt Geneticin auch auf die Proteinbiosynthese in eukaryotischen Zellen.[7] So bindet Geneticin an die 80S-Ribosomen aus Pilzen, Algen, pflanzlichen wie auch aus tierischen Zellen.[8] An Ribosomen gebundenes Geneticin verhindert die Elongation der Translation.

Anwendungsgebiete[Bearbeiten]

Geneticin findet insbesondere in der Zellbiologie zur Selektion stabil transfizierter eukaryotischer Zellen Anwendung. Hierbei wird einerseits die Zelltoxizität des Geneticins für eukaryotische Zellen und andererseits die Möglichkeit der intrazellulären Geneticininaktivierung durch Einschleusung eines Neomycin-Geneticin-Resistenzgens (Neor) ausgenutzt.[9] Die für Resistenzen gegen Geneticin verantwortlichen Gene codieren für Aminoglykosid-Phosphotransferasen (APT). Diese phosphorylieren Geneticin an den Hydroxygruppen und unterdrücken damit die Wirkung der Substanz.[10][11]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Datenblatt G 418 disulfate salt bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 3. April 2011 (PDF).
  2. Datenblatt bei Calbiochem (PDF; 25 kB).
  3. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  4. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  5. MSDS von Invitrogen
  6. Wagman, G.H. et al. (1974): Antibiotic G-418, a new Micromonospora-produced aminoglycoside with activity against protozoa and helminths: fermentation, isolation, and preliminary characterization. In: Antimicrob. Agents Chemother. Bd. 6, S. 144–149. PMID 15828184
  7. Bar-Nun, S. et al. (1983): G-418, an elongation inhibitor of 80 S ribosomes. In: Biochim. Biophys. Acta. Bd. 741, S. 123–127. PMID 6193810; doi:10.1016/0167-4781(83)90018-0
  8. Davies, J. und Jimenez, A. (1980): A new selective agent for eukaryotic cloning vectors. In: Am J Trop Med Hyg. 29(5 Suppl); 1089–1092; PMID 7001938; PDF (freier Volltextzugriff, engl.).
  9. Davies, J. & Jimenez, A. (1980): A new selective agent for eukaryotic cloning vectors. In: Am. J. Trop. Med. Hyg. Bd. 29, 1089–1092. PMID 7001938
  10. Spektrum Akademischer Verlag GmbH: Herder LEXIKON der Biochemie und der Molekularbiologie Spektrum. Heidelberg-Berlin-Oxford 1995, ISBN 3-86025-158-9 (Bd. 2).
  11. Hadfield, C. et al. (1990): G418-resistance as a dominant marker and reporter for gene expression in Saccharomyces cerevisiae. In: Curr. Genet. Bd. 18, S. 303–313. PMID 2174744