Genossenschaft der Töchter der christlichen Liebe vom Hl. Vinzenz von Paul

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Dieser Artikel erläutert den in Paris gegründeten Orden, siehe auch Vinzentinerinnen und Barmherzige Schwestern.
Mutterhaus in der Rue du Bac, Paris
Schwestern (2013)

Die Genossenschaft der Töchter der christlichen Liebe vom Heiligen Vinzenz von Paul (kurz Töchter der christlichen Liebe oder Barmherzige Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul, Vinzentinerinnen, lateinisch Societas Filiarum Caritatis a S. Vincentio de Paulo, französisch Compagnie des Filles de la Charité de Saint Vincent de Paul, Ordenskürzel FdC, deutsch auch TdchL/TchrL[1] oder BHS) ist eine römisch-katholische Gesellschaft apostolischen Lebens, die der vinzentinischen Familie angehört und sich der Armen- und Krankenpflege widmet. Ihr Mutterhaus befindet sich seit 1815 in der Rue du Bac Nr. 136 in Paris (7. Arrondissement).

2006 umfasste die Genossenschaft etwa 21.000 Schwestern. Sie wirkt weltweit in über 2.400 Gemeinschaften in 94 Ländern.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Genossenschaft ging aus der im Jahr 1633 unter der Bezeichnung Filles de la Charité, deutsch Barmherzige Schwestern, offiziell Töchter der christlichen Liebe von Vinzenz von Paul (1581-1660) und Louise von Marillac (1591-1660) gegründeten Gemeinschaft hervor, die am 18. Januar 1655 vom Erzbischof von Paris bestätigt wurde und 1668 die päpstliche Anerkennung erhielt.

Bereits im Jahr 1617 hatte Vinzenz von Paul die erste Confrérie des Dames de la Charité, deutsch "Bruderschaft der Damen der Barmherzigkeit" gegründet, der bald weitere folgten, mit deren Koordination er Louise de Marillac beauftragte. Doch zeigte sich, dass die vornehmen Damen sich bald durch ihre filles, die Dienstmädchen, ersetzen ließen. Dies veranlasste Louise de Marillac, ab 1633 in ihrem Haus in der rue de Versailles (heute 21 rue Monge) vier arme Landmädchen aufzunehmen und als Helferinnen auszubilden.

Bis 1964 trugen die Schwestern eine große, gestärkte Haube, die „Cornette“, die auf eine Bäuerinnentracht zurückgeht.

Die Zahl dieser sogenannten filles de la charité, auch soeurs grises, deutsch graue Schwestern genannt, stieg so rasch, dass sie im Jahr 1636 in das Dorf La Chapelle (heute 2 rue Marx-Dormoy in Paris) umzogen, bevor Vinzent von Paul ihnen im Jahr 1641 ein Haus in der rue du Faubourg Saint-Denis (heutige Nummern 94–114) zur Verfügung stellte, das er im gleichen Jahr für die ihm unterstehende Maison de Saint Lazare gekauft hatte und das dieser gegenüberlag. In diesem neuen Haus residierte auch Louise de Marillac und dort starb sie im Jahr 1660 im Alter von 68 Jahren. Der Bau umfasste drei Wohnflügel zwischen Hof und Garten und war von Mauern umgeben. Nach dem Ausbruch der französischen Revolution wurde die Gemeinschaft im Jahr 1790 aufgehoben, ihr Mutterhaus beschlagnahmt und im Jahr 1797 unter der Bedingung verkauft, dass auf dem Gelände eine neue Straße angelegt werde (rue de la Fidélité).

Im Jahr 1797 gelang es Schwester Deleau einige ihrer Genossinnen wieder zu vereinen und gemeinsam fanden sie auf der Rive Gauche im Quartier Latin Unterkunft in einem Haus der rue des Maçons-Sorbonne (heute rue Champollion), das sie im Jahr 1801 verließen, um sich in der rue du Vieux Colombier (N° 11) in dem ehemaligen, ebenfalls während der Revolution aufgehobenen Waisenhaus Orphelines de la Mère-Dieu niederzulassen, dessen Gebäude noch heute existiert.

Schließlich stellte die Stadt Paris ihnen im Jahr 1815 das ehemalige Hôtel de la Vallière in der rue du Bac (N° 136) zur Verfügung, wo das Mutterhaus der Genossenschaft der Töchter der christlichen Liebe noch heute ansässig ist.

Dort soll im Jahr 1830 die heilige Jungfrau Maria der Novizin Catherine Labouré dreimal erschienen sein, was Anlass zu der Verbreitung der Wundertätigen Medaille gab.

Im Jahr 1882 erwarb die Genossenschaft in Bethlehem ein Grundstück und errichtete dort ein Hospital. Das Hospital wurde im Jahr 1985 an den Malteserorden übertragen, dieser betreibt es unter dem Namen „Holy Family Hospital Bethlehem“ seit dem Jahr 1990.[3]

Verbreitung[Bearbeiten]

Im deutschsprachigen Raum gibt es zwei Provinzen.[4]

Provinz Köln-Niederlande[Bearbeiten]

Am 5. Juni 2011 wurden die Provinzen Deutschland und Niederlande zu einer Provinz Köln-Niederlande zusammengeschlossen. Provinzoberin bleibt Sr. Hildegard Köhler.[5]

  • Köln-Nippes (seit 1852) mit Niederlassungen unter anderem in Düsseldorf, Speicher, Mönchengladbach und Bonn, rund 120 Schwestern (Januar 2006)[6]

Provinz Graz-Mitteleuropa[Bearbeiten]

Die Niederlassung Graz wurde 1841, Salzburg/Schwarzach 1844 begründet (Missionshaus Schwarzach, Mutterhaus seit 1863 in Salzburg), beide vereinigten sich später (Graz 1851, Salzburg 1882) mit der Ursprungsgemeinschaft in Paris. Aus den zahlreichen Filialgründungen in der Habsburgermonarchie entstanden eigenständige Provinzen (Ungarn 1905, Jugoslawien 1919, Slowakei 1922 und Rumänien 1925). 2004 vereinten sich die Provinz Graz und Provinz Salzburg zur Provinz Österreich, mit dem Provinzialat in Graz, 2011 wurden Österreich, Ungarn und Rumänien zur Provinz Graz-Mitteleuropa vereint.[7] Am Tag der Zusammenlegung hatte die neue Provinz 331 Schwestern (Österreich 241, Ungarn 73, Rumänien 17 Schwestern), mit 16 Lokalgemeinschaften (Österreich 12, Ungarn 2, Rumänien 2).[7] Sie umfasst:[8]

Die österreichischen Niederlassungen Graz/Salzburg der Töchter der christlichen Liebe sind den anderen österreichischen Häusern der Vizentinen, die der Föderation Vinzentinischer Gemeinschaften angehören, eng verbunden, und nennen sich selbst ebenfalls Barmherzige Schwestern.[22]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Company of the Daughters of Charity of Saint Vincent de Paul – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. in Unterscheidung zu anderen Vinzentinerinnen, vergl.
    Superiorenkonferenz der Männerorden und Vereinigung der Frauenorden: Ordensabkürzungen, Ordensgemeinschaften Österreich (Eintrag T.d.ch.L);
    Erzdiözese Salzburg: Frauen Orden, Eintrag Töchter der Christlichen Liebe Barmherzige Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul TchrL
  2. Angabe nach offizielle Webseite der Filles de la Charité de Saint Vincent de Paul
  3. History. Website des Hospitals (engl.). Abgerufen am 1. Dezember 2014.
  4. Die Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul in Europa
  5. Ordenskorrespondenz, 2011, Heft 3, S. 355
  6. Webseite der europäischen Vinzentinerinnen
  7. a b Provinz Graz-Mitteleuropa, bhsgraz.at
  8. Einrichtungen, bhsgraz.at;
    Barmherzige Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul - Provinz Österreich, Referat für die Kulturgüter der Orden, kulturgueter.kath-orden.at
  9. Kindergarten Mariengasse
  10. luisenheim.at; 50 Jahre Luisenheim, Barmherzige Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul Graz / Salzburg; Luisenheim, katholische-kirche-steiermark.at
  11. Maria Rast in Dult, katholische-kirche-steiermark.at
  12. Private und Neue Hauptschule des Schulvereins der Barmherzigen Schwestern Schloss Dobl
  13. St. Margarethen an der Raab Barmherzige Schwestern, katholische-kirche-steiermark.at
  14. Wundschuh Barmherzige Schwestern, katholische-kirche-steiermark.at
  15. Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern. In: Salzburger Nachrichten: Salzburgwiki.
  16. Herz-Jesu-Heim
  17. Krankenhaus Schwarzach
  18. dieses vorher 1741–1839 Benediktiner der Universität Salzburg
  19. St. Vinzenz-Heim
  20. Haus St. Vinzenz
  21. Özel Avusturya Sen Jorj Hastanesi (türkisch)
  22. barmherzige-schwestern.at, gemeinsame Webseite der Vinzentinerinnen in Österreich
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