Genovese-Familie

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Die Genovese-Familie ist eine kriminelle Vereinigung und gilt als die größte der Fünf Familien der US-amerikanischen „La Cosa Nostra“ von New York City.

Ausdehnung und Einflussbereich[Bearbeiten]

Auf dem Höhepunkt ihrer Ausdehnung war die Genovese-Familie nicht nur in New York City tätig, sondern unterhielt regelrechte Niederlassungen in

Bis zur Kubanischen Revolution war der Clan auch in Havanna auf Kuba tätig. Diese territorialen Ausdehnungen führten zu Überschneidungen, welche diverse Auseinandersetzungen mit anderen Cosa-Nostra-Familien aus New York und dem Chicago Outfit provozierten und damit unvermeidbar Thema zwischen den Bossen im National Crime Syndicate waren.

Es gab auch immer eine Verbindung zur originären Mafia (Cosa Nostra) nach Sizilien und die Zusammenarbeit mit anderen kriminellen Vereinigungen und verbrecherischen Organisationen. So war zum Beispiel die „French Connection“ in den 1960er und 1970er Jahren eine regelrechte logistische Kette des Drogenhandels unterschiedlicher nationaler Verbrecherbanden, die über den Nahen Osten, Sizilien, Marseille in die Vereinigten Staaten auch zur Genovese-Familie führte, die wiederum die Verteilung an den Endkonsumenten über Kleindealer den jeweiligen Straßengangs vor Ort überließ.

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprünge[Bearbeiten]

Die Geschichte der später als „Genovese-Familie“ klassifizierten Gruppe geht bis 1890 zurück, als Ignazio „Lupo the Wolf“ Saietta, aus Sizilien kommend, in New York City eintraf. Dessen Black Hand Gang arbeitete mit den sizilianischen Emigranten zusammen, die sich insbesondere bereits unter Antonio Morello zu einer Bande zusammengeschlossen hatten. Zusammen begründeten sie einen umfangreichen Falschgeldring in Manhattan, was allerdings dazu führte, dass u.a. Saietta und Peter Morello 1910 ins Gefängnis mussten.

Unter Nicholas „Nick“ Morello entstand dann die heute als typisch geltende Struktur, wie sie noch heute für die US-amerikanische La Cosa Nostra gilt.

Nick Morello wurde 1916 in einem Straßencafé ermordet; vermutlich während eines Treffens mit dem rivalisierenden Gangboss Pellegrino Morano um den Krieg zwischen den Sizilianern (Mafia) und der Camorra friedlich zu beenden. Auf Grund der Verhaftung und Ausweisung Moranos wurde seine Gruppe durch den Sizilianer Salvatore D’Aquila übernommen, der als Begründer des später als „Gambino-Familie“ klassifizierten Mafia-Clans gelten kann. Morellos Leute schlossen sich Ciro Terranova bzw. seinem Bruder Peter Morello an, allerdings verloren beide mit dem Aufstieg von Joe Masseria an Bedeutung.

Ciro Terranova, der in den 1920er Jahren als Capo unter Joe Masseria diente, galt nach dessen Ermordung als derartig demotiviert, dass sogar die Polizei ihn aus den Akten entfernte. Peter Morello wurde am 15. August 1930 erschossen, ein Umstand der heute als Beginn der blutigen Auseinandersetzung, welche als Krieg von Castellammare bezeichnet wurde, gesehen wird.

Krieg von Castellammare[Bearbeiten]

Die Ermordung von Joe Masseria im April des Jahres 1931, stellt den Schlusspunkt des sogenannten Krieg von Castellammare von 1930 bis 1931 dar. Nach dieser Auseinandersetzung formte sich die US-amerikanische Mafia insbesondere in New York City zu der im Prinzip noch heute gültigen Form der fünf Familien, die später als Bonanno, Colombo, Gambino, Lucchese und Genovese klassifiziert wurden.

Die Auseinandersetzung hatte begonnen, als Salvatore Maranzano, aus Sizilien kommend, begann, auf das Gebiet von Joe Masseria vorzudringen. Eigentlich ein riskantes Vorgehen, denn durch die Ermordung von Salvatore D’Aquila im Jahr 1928 stand Alfred Mineo von der Gambino-Familie (auch als Mineo-Familie bekannt) Masseria als wichtiger Verbündeter zur Seite. Als dieser und sein 'Leutnant' Steve Ferrigno am 5. November 1930 erschossen wurden, hatte sich das Blatt gewendet.

Eine ganze Reihe der „Mustache Petes“ waren mehr oder minder gewaltsam ausgeschieden, ermordet oder kaltgestellt worden. Ein großes Massaker, wie es von dem Killer „Bo“ Weinberg später postuliert worden war, hatte es jedoch nicht gegeben. Als Salvatore Maranzano offenbar anstrebte, sich als Oberhaupt über alle Fünf Familien zu stellen („capo di tutti i capi“), wurde auch er am 10. September 1931 unter der Beteiligung von „Bo“ ermordet.

Eine neue Generation von Mafiosi war an die Macht gekommen und sah sich bald vor das Problem gestellt, neue lukrative Geschäftsfelder zu erschließen, nachdem die Prohibition, die den Clans seit der Einführung im Januar 1920 zum Aufstieg verholfen hatte, im Dezember 1933 beendet wurde.

Das neue Oberhaupt der Familie wurde Lucky Luciano, welcher maßgeblichen Einfluss auf den Ausgang der Auseinandersetzung genommen hatte. Zu seinen besten Leuten gehörten die späteren Bosse Frank Costello und Vito Genovese, und zusammen führten sie nun die größte und mitgliederstärkste Familie in New York City an.

Frank Costello[Bearbeiten]

Formal gesehen war die Amtszeit von Luciano nur kurz, da es Thomas E. Dewey 1936 gelang, Luciano wegen Prostitution zu 30-50 Jahren Haft verurteilen zu lassen. Allerdings leitete er weiterhin aus dem Gefängnis die Aktivitäten, und Frank Costello setzte zunächst als „acting boss“ diese in den 1940er Jahren um, bevor er nach der Abschiebung von Luciano nach Italien im Jahr 1946 selbst Oberhaupt der Familie wurde.

Buchmacherei, Kreditwucher, Gewerkschaftskorruption und die Textilindustrie in New York City waren die primären Geschäftsfelder unter Frank Costellos Führung. Dessen auffällig vorbildlicher Führungsstil überzeugte (zum Wohl der Familie) auch viele Politiker und Justizangehörige, ein Umstand, der Frank Costello den Spitznamen „Prime Minister“ eintrug. Diese Überzeugungsarbeit hatte allerdings auch eine monetäre Seite, und so versuchte Costello angeblich, auch den FBI-Direktor J. Edgar Hoover auf seine Seite zu ziehen, indem er Pferderennen manipulierte, bei denen Hoover gewettet hatte.

Costello weitete das Geschäftsfeld auf Glücksspielautomaten aus, und mit Hilfe des Gouverneurs von Louisiana, Earl Long, einem Bruder des erschossenen Huey Pierce Long, gelang es der Familie sogar - neben New York City - vor allem in New Orleans Fuß zu fassen.

Vito Genovese[Bearbeiten]

Während Costello also neue Geschäftsfelder erschloss und politische Verbindungen knüpfte, stand Vito Genovese buchstäblich am Rande des Geschehens, da er 1937 nach Italien verschwunden war, um einer Mordanklage zu entgehen: Eigentlich hatte er sich immer als Nachfolger von Lucky Luciano gesehen.

Luciano, der seit 1936 inhaftiert war, wurde 1946 nach Sizilien abgeschoben, während Genovese 1945 nach New York zurückkehrte. Auf diese Weise wurde er anscheinend ein Verbindungsmann zwischen Costello und Luciano und auch heute noch gibt es Stimmen, die Luciano immer noch als den eigentlichen, damaligen Boss der Familie sehen.

Costellos Macht basierte auch auf den Leuten in New Jersey, da ihn Willie Moretti und seine Leute tatkräftig unterstützten, welche dort die Interessen der Familie vertraten. Zwar gelang es Genovese 1951, die Ermordung von Moretti mit einzufädeln, er musste dann aber bestürzt feststellen, dass die Allianz zwischen Costello und Albert Anastasia, Boss des später als „Gambino-Familie“ bezeichneten Clans, die Position von Costello weiter gefestigt hatte.

Als Costello einen schwachen Auftritt bei den Anhörungen des „Kefauver Committee“ hinlegte, scheint Genovese - angesichts der sich abzeichnenden Ränkespiele zur Ablösung von Costello - zu der Meinung gekommen zu sein, nun nicht länger abwarten zu können. Am 2. Mai 1957 wurde Costello Ziel eines Anschlages, der vermutlich von Vincent Gigante begangen wurde, während Thomas Eboli den Fluchtwagen gesteuert haben soll. Frank Costello überlebte, nahm den Kampf aber nicht auf und zog sich zurück. Auf dem Apalachin-Meeting wurde ihm das dann auch offiziell erlaubt und Genovese wurde Anführer der nun nach ihm benannten Familie. Da am 25. Oktober 1957 außerdem Albert Anastasia ermordet und auf diesem Treffen des National Crime Syndicate Carlo Gambino als dessen Nachfolger bestätigt wurde, ist zu vermuten, das Genovese seine Macht auch auf die anderen Familien ausdehnen wollte.

Allerdings endete das Apalachin-Meeting am 27. November 1957 chaotisch, da es von der örtlichen Polizei entdeckt worden war. Die Teilnehmer versuchten, der Polizeikontrolle zu entgehen, was allerdings misslang. Für dieses Fiasko machten viele Mafiosi den Organisator Vito Genovese verantwortlich. 1959 wurde Vito Genovese im Rahmen einer Rauschgiftoperation der Polizei festgenommen und zu 15 Jahren Haft verurteilt. Der Tipp, welcher zur Festnahme von Vito Genovese führte, soll von Lucky Luciano und Meyer Lansky gekommen sein, um dessen Ambitionen als „Capo di tutti i capi“ zum Scheitern zu bringen.

Der illegale Drogenhandel wurde während der 1950er eine ganz neue und lukrative Einnahmequelle der US-amerikanischen Mafia. Allerdings sahen die alteingesessen Mitglieder auch das Risiko starker polizeilicher Verfolgung, Unterminierung der Organisation und Profilverlust, während Genovese einfach nur den großen Profit im Auge behielt, den er aber anscheinend nicht unbedingt teilen wollte.

Eine Hauptfigur des illegalen Drogenhandels war Lucky Luciano, der - ausgewiesen nach Italien - von dort den Handel aufzog. Selbst wenn nicht der These gefolgt würde, Costello sei weiterhin der „Acting Boss“ unter Oberhaupt Luciano gewesen; der Rückzug des bewährten, klugen Organisators und Kontakteknüpfers Costello lag nicht in Lucianos Interesse.

Lanciert wurde der Tipp, der Genovese ins Gefängnis brachte, über den kleinen Drogendealer Nelson „Melon“ Cantellops aus Puerto Rico. Noch in Haft versuchte das formale Oberhaupt der Familie seine Rache zu planen, starb aber am 14. Februar 1969 an einem Herzinfarkt. „Acting Boss“ war seit seiner Inhaftierung 1959 bereits Thomas Eboli gewesen.

Kontrolle durch die Gambino-Familie[Bearbeiten]

Allerdings besagt eine These, dass Thomas Eboli nicht alleiniges Oberhaupt der Familie gewesen sei und zusammen mit Jerry Catena und Mike Miranda ein Führungstrio („ruling council“) gebildet hätte; seine Führungsrolle endete jedenfalls am 1. Juli 1972, als er in seinem Auto in Crown Heights in Brooklyn erschossen wurde. Offenbar steckte hinter dem Anschlag Carlo Gambino, dem Eboli 3.000.000 Dollar nach einem gescheiterten Drogen-Deal schuldete und der lieber Frank Tieri als Oberhaupt der Genovese-Familie sah; daraufhin rückten die beiden Familien näher zusammen und die Gambino-Familie übernahm schleichend Geschäfte und Mitglieder des Genovese-Clans. Daran änderte sich auch nichts, als Tieri als erster Mafiaboss 1981 aufgrund des „RICO Acts“ vor Gericht aussagen musste, zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde und noch vor Haftantritt eines natürlichen Todes starb.

Es dämmerte den Untersuchungsbeamten langsam, dass hier andere die Fäden in der Familie gezogen hatten als Thomas Eboli oder Frank Tieri. Dieses wurde 1981 nach der Übernahme durch Philip Lombardo deutlich, der zwar aus gesundheitlichen Gründen sein 'Amt' als Oberhaupt nach nur zwei Wochen wieder abgab; allerdings wird von vielen heute angenommen, das er bereits seit den späten 1960er Jahren das eigentliche Oberhaupt der Familie gewesen war. Das FBI verfügt diesbezüglich über entsprechende Tonband-Aufzeichnungen, zum Beispiel von John Gotti.

Die Boxer[Bearbeiten]

Vincent Gigante und Dominick Cirillo waren beide ursprünglich Boxer gewesen. Gigante hatte sich, als er Oberhaupt der Familie wurde, bald einen besonderen Trick ausgedacht, der ihn vor juristischer Verfolgung schützen sollte. In Pyjama und Slippers bekleidet, ein Aufzug, mit dem er auch vor Gericht erschien, gab er den harmlosen alten Mann; jedenfalls kaufte ihm letztendlich das Gericht seine Senilität und Demenz nicht ab und er wurde verurteilt. Ob es nun Schauspiel war oder nicht, sein Verhalten trug ihm seinen zweiten Spitznamen „The Oddfather“ ein.

Gigante führte seinen Clan in die Neuzeit und stieg in die Computerkriminalität ein. Neben den klassischen Geschäftsfeldern, die selbstverständlich beibehalten wurden, ist dabei die Bauindustrie nicht zu vergessen, welche als (auch vordergründig legale) Basis der Genovese-Familie gelten kann.

Sein Nachfolger wurde Dominick Cirillo, der ebenfalls von Thomas Eboli als Manager betreut worden war und immer in der Nähe von Gigante zu finden gewesen war, den aber viele nur als „Acting Boss“ ansehen. Da dieser nun im März 2006 eine 46-monatige Haftstrafe antreten musste, stellt sich die Führungsfrage in der Genovese-Familie erneut. Zumindest als „Acting Boss“ gilt Mario Gigante, der Bruder des 2005 verstorbenen Vincent Gigante.

Oberhaupt der Familie[Bearbeiten]

Nicht immer ist das Oberhaupt einer Familie so eindeutig zu identifizieren; insbesondere, wenn durch eine Haftstrafe ein anderes Familienmitglied in den Vordergrund rückt. Die Betrachtung von außen macht es nicht immer einfach, ein neues Oberhaupt als solches zu erkennen bzw. dessen genaue Amtszeit festzustellen. Außerdem scheint sich gewissermaßen ein Präsidialsystem durchzusetzen; d.h. das Oberhaupt verlagert seine Macht mehr auf einen sogenannten „acting boss“ und /oder „street boss“, die ihrerseits wiederum das Oberhaupt als solches weiter anerkennen, auch wenn es zum Beispiel in Haft sitzen sollte.

Im Wesentlichen kann aber von folgendem Ablauf innerhalb der Genovese-Familie ausgegangen werden, wobei es auch üblich ist, die Morello-Terranova-Familie als Vorphase zu sehen und die Geschichte der 'Familie' erst mit Joe Masseria beginnen zu lassen:


Zeitraum Oberhaupt der Genovese-Familie Lebenszeit Todesursache Spitzname Anmerkung damaliger Familienname
1890-1909 Peter Morello 1867-1930 erschossen „The Clutch Hand“ Morello-Familie
1910-1916 Nicholas Morello 1890-1916 ermordet „Nick Morello“ Morello-Familie
1916-1920 Vincenzo Terranova 1886-1922 erschossen „Vincent“ Morello-Familie
1920-1922 Peter Morello 1867-1930 erschossen „The Clutch Hand" Morello-Familie
1922-1931 Joe Masseria 1886-1931 erschossen „Joe the Boss“
1931-1946 Charles Luciano 1897-1962 Herzinfarkt „Lucky“
1946-1957 Frank Costello 1891-1973 Herzinfarkt „The Prime Minister“
1957-1969 Vito Genovese 1897-1969 natürlicher Tod „Don Vito“ war seit 1959 in Haft Genovese-Familie
1969-1981 Philip Lombardo 1911-1987 natürlicher Tod „Benny Squint“
1981-2005 Vincent Gigante 1928-2005 natürlicher Tod „The Chin“ war seit 1997 in Haft


Acting Boss

Underboss der Familie[Bearbeiten]

Der Underboss ist die Nummer zwei in der Verbrecher-Familie, er ist der stellvertretende Direktor des Syndikats. Er sammelt Informationen für den Boss, gibt Befehle und Instruktionen an die Untergebenen weiter. In Abwesenheit des Bosses führt er die kriminelle Gruppe.

Consigliere der Familie[Bearbeiten]

Auf derselben Ebene wie der Underboss steht der Consigliere, der Berater der kriminellen Familie. Es handelt sich meist um ein älteres Mitglied der Familie, das in seiner kriminellen Karriere die Stellung des Bosses nicht erreicht und sich nun teilweise von der aktiven kriminellen Tätigkeit zurückgezogen hat. Er berät den Boss und den Underboss und hat dadurch einen beträchtlichen Einfluss und erhebliche Macht.

  • 1931-1937 — Frank Costello
  • 1937-1957 — Sandino
  • 1957-1972 — Michele Miranda
  • 1972-1975 — Anthony Salerno
  • 1975-1978 — Antonio Ferro
    • Acting: 1978-1980 — Dominick Alongi
  • 1980-1981 — Dominick Alongi
  • 1981-1990 — Louis Manna
    • Acting: 1989-1990 — James Ida
  • 1990-1997 — James Ida
  • 1997–2008 — Lawrence Dentico
  • 2008-heute — Dominick Cirillo

Mitglieder und Assoziierte[Bearbeiten]

Abgrenzung[Bearbeiten]

„Schriftliches, oder gar Mitgliederlisten, kämen der Mafia nie in den Sinn; eine Bürokratie wie bei der P2 ebenfalls nicht; sie würde die Flexibilität und Wandelbarkeit des Clans nicht nur stören, sondern wohl total zerstören“

Werner Raith [1]

Dieser Satz über die originäre Mafia in Sizilien und Italien gilt auch für die US-amerikanische La Cosa Nostra. So gesehen kann und wird es per Definition nie eine vollständige Liste von Mitgliedern geben; aber durch die notwendige Außendarstellung einerseits und die Ermittlungserkenntnisse der Behörden andererseits lässt sie auf Dauer die Zugehörigkeit der wichtigsten Mitglieder erkennen und bestimmen. Da außerdem das Gebot des Schweigens (Omertà) zunehmend von den Mitgliedern der Mafia selbst gebrochen wird, hat sich die Informationslage für Außenstehende deutlich verbessert.

Hinzu kommt die Unschärfe auf Grund der Hierarchie in der Familie selbst, die auch Assoziierte und die Zusammenarbeit mit Außenstehenden zulässt. So wurde insbesondere die Gruppe der heute als Kosher Nostra klassifizierten Personen in der Vergangenheit einfach der sizilianischen Mafia zugeschlagen. Insbesondere Meyer Lansky war aber zum Beispiel weder Mitglied der Genovese-Familie noch eines anderen Clans der Mafia gewesen; trotzdem hielt er einen Sitz in der „Kommission“ des National Crime Syndicate und hat damit maßgeblich Einfluss auch auf die Genovese-Familie genommen.

Mitglieder[Bearbeiten]

Für die Genovese-Familie können folgende hochrangige Mitglieder gelistet werden:

Name Geburt Tod † Ursache Spitzname Anmerkung
Adonis, Joe 1902 1972 Herzinfarkt alias Giuseppe Antonio Doto
Alo, Vincent 1904 2001 natürlich Freund von Meyer Lansky
Anastasio, Anthony 1906 1963 natürlich „Tough Tony“
Bellomo, Liborio 1957 „Barney“ „116th Street Crew“; z.Z. in Haft
Carfano, Anthony 1898, um 1959 erschossen „Little Augie Pisano“ Baute das Glücksspiel in Süd-Florida auf
Cafaro, Vincent 1933 „Fish“ seit 1987 Pentito im Zeugenschutzprogramm
Catania, Giuseppe Jr ermordet „Joe the Baker“ 1930-1931 „Unterboss“
Catena, Gerardo 1902 2000 natürlich „Gery“ 1957-1975 „Unterboss“
Cirillo, Dominick 1929 „Quiet Don“ seit Oktober 2005 in Haft
Cirillo Sr, Louis Partner von Thomas Eboli, French Connection
Coppola, Michael 1904 1966 natürlich „Trigger Mike“ Monopol auf Straßenlotterie und Artischocken-Handel
Coppola, Michael „Mikey Cigars“ Mörder von John „Johnny Cokes“ Lardiere, seit DNA-Test 1996 in Haft
Costello, Frank 1891 1973 Herzanfall „Irish“ Oberhaupt 1946-1957
DeCarlo, Angelo 1902 1973 „Gyp“
Dentico, Lawrence 1923 „Larry Fab“, „The Little Guy“ Capo in New Jersey, Consigliere, Haftentlassung 2009
DeSimone, Ralph 1943 1991 „Cousin“
Eboli, Thomas 1911 1972 erschossen „Tommy Ryan“ Oberhaupt 1969-1972
Genovese, Vito 1897 1969 „Don Vitone“ namensgebendes Oberhaupt 1957–1969
Gigante, Mariano 1923 „Mario“ Oberhaupt 2006-2007
Gigante, Vincent 1928 2005 „Chin, The“ Oberhaupt 1987–2005
Gussage, Chee 1936 „Unterboss“
Ianniello, Matthew 1920 „Matty the Horse“ 1997-2005 „Acting boss“; seit 2006 wieder in Haft
Leo, Daniel 1941 „The Lion“ seit 2007 Oberhaupt der Familie
Lombardo, Philip 1911 1987 natürlich „Cockeyed Phil“ Oberhaupt 1981
Luciano, Lucky 1896 1962 Herzanfall legendäres Oberhaupt 1931-1946
Mangano, Venero Frank 1921 „Benny Eggs“ Bruder von Vincent Mangano, 1931-1951 Boss der Gambino-Familie
Massaratti, Cassina „Carlo“
Masseria, Joe 1879 1931 erschossen Oberhaupt 1925-1931
Matarazzo, John 1933 unbekannt „Johnny the Watch“
Morello, Giuseppe 1870 1930 erschossen „Clutch Hand, The“ Morello-Familie
Morello, Nicholas 1866/1890 1916 erschossen „Nico“, „Nick“ Morello-Familie
Moretti, Guarino 1894 1951 erschossen „Willie“ „Underboss“
Muscarella, Ernest 1944 1998-2002 „Underboss“ unter Gigante, 2002-2007 in Haft
Perello, Pasquale Jr.
Perello, Pasquale Sr. Capo; Sohn von Pasquale P. Sr
Perello, Dominick 2004 ermordet Sohn von Pasquale P. Sr.; seit 2004 verschwunden
Perello, Ryan Sohn von Pasquale P. Sr.
Ponte, Angelo Malteserorden, nach „Operation Wasteland“ 1997 in Haft
Provenzano, Anthony 1917 1988 Herzanfall „Tony Pro“ In das Verschwinden von Jimmy Hoffa verstrickt
Salerno, Anthony 1911 1992 natürlich „Fat Tony“ Oberhaupt 1981-1987, „Number Game“-Straßenlotterie
Serpico, Frank 2002 Krebs „Farby“ 1987-2001 „Acting-Boss“
Strollo, Anthony C. 1899 1962 spurlos verschwunden „Tony Bender“ kam von der Bonanno-Familie, wechselte zur Gambino-Familie
Terranova, Ciro 1889 1938 Schlaganfall Morello-Familie
Terranova, Vincent 1887, um 1922 erschossen Morello-Familie
Tieri, Frank 1904 1981 Krebs „Funzi“, „The Old Man“ Oberhaupt 1972-1981
Valachi, Joseph Michael 1903 1971 „Joe“,„Joe Cargo“ Pentito
Valenti, Umberto 1922 Morello-Familie
Zaccardi, Eli 1972-1974 „Acting-Boss“

Assoziierte[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Werner Raith: Parasiten und Patrone; Büchergilde Gutenberg 1990, S.111, ISBN 3-7632-3737-2
  2. Fredric Dannen: Hit Men: Power Brokers and Fast Money Inside the Music Business, 2003, S. 33

Literatur[Bearbeiten]

  • Hannelore Gude Hohensinner: Die Genoveses Eine Mafia-Familie, die Angst zu Geld gemacht hat
  1. Europa Verlag , München/Wien 1998 ISBN 3-203-77533-6
  2. Heyne-Verlag 2001, ISBN 3-453-18102-6

Weblinks[Bearbeiten]