Genshagen

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52.31472222222213.31611111111136Koordinaten: 52° 18′ 53″ N, 13° 18′ 58″ O

Genshagen
Höhe: 36 m
Eingemeindung: 31. Dezember 1997
Postleitzahl: 14974
Vorwahl: 03378

Genshagen ist ein ehemaliges Gutsdorf und seit 31. Dezember 1997 Ortsteil der Stadt Ludwigsfelde.[1] Das Angerdorf liegt rund 9 Kilometer südlich von Berlin und 17 Kilometer östlich von Potsdam in Brandenburg auf einer Höhe von 36 m.

Geschichte[Bearbeiten]

Kirche, wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert
Schloss Genshagen im Januar 2006
Schloss Genshagen

Das Dorf Janshagen wurde 1289 erstmals urkundlich erwähnt. Die bemerkenswerte Dorfkirche mit aufgesetztem hölzernen Dachturm entstand in ihrer Grundstruktur wahrscheinlich im 14. Jahrhundert als einfache Rechteckkirche. Umbauten erfolgten 1707 und 1862, verschiedene Renovierungen und Anbauten im 20. Jahrhundert. Seit dem 16. Jahrhundert gehörte das Dorf je zur Hälfte den Familien von Otterstedt und von Zicker. 1780 war die adlige Familie von Hake aus Kleinmachnow alleiniger Gutsbesitzer, die das Gut 1838 für 130.000 Reichstaler an den Königlich-Preußischen Geheimen Justizrat Karl Ferdinand Schulz verkaufte.

Das zum Gut gehörige Herrenhaus überließ Karl Ferdinand Schulz im September 1854 seiner Tochter Friederike Pauline von Eberstein als Hochzeitsgeschenk. Unter ihrer Regie entstand der heute denkmalgeschützte, 7,5 Hektar große Park. Von 1878 bis 1880 wurde das Schloss auf den Fundamenten des Herrenhauses in eklektizistischem Stil neu erbaut.

Dem letzten Besitzer von Schloss und Gut Genshagen, Leberecht von Eberstein (1869–1955), wurde 1935 ein Fünftel des Gutsbesitzes enteignet. Dort entstand für eine Tochterfirma der Daimler-Benz AG, die Daimler-Benz Motoren GmbH, das Flugmotorenwerk Genshagen, das bereits im Februar 1937 die Produktion aufnahm. Da von Eberstein sich danach immer noch weigerte, der NSDAP beizutreten, drohten ihm die Parteifunktionäre mit weiteren Enteignungen mit dem Hinweis, dass dem Staat ein schönes Gästehaus 20 km vom Potsdamer Platz, dem Zentrum des Dritten Reiches, entfernt, sehr gefallen würde. Hierauf trat von Eberstein im nächsten Jahr der Partei bei. Am 6. August 1944 wurde das Flugmotorenwerk bei einem alliierten Luftangriff zu großen Teilen zerstört.

Am 21. April 1945 wurden die von Ebersteins von einer SS-Einheit, die das Schloss besetzte, „wegen Kampfhandlungen“ aus dem Haus verwiesen. Sie flüchteten zu Verwandten nach Schleswig-Holstein. Später beschlagnahmte die sowjetische Militäradministration Schloss und Gut Genshagen. Nach der Enteignung durch die DDR diente das Schloss als Verwaltungsschule des Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft der DDR, von 1973 bis 1991 war es das Wissenschaftlich-Technische Zentrum (WTZ) für Landwirtschaft des Bezirkes Potsdam.

Auf dem Friedhof von Genshagen befindet sich neben dem Familiengrab der von Ebersteins auch das Grabmal des ehemaligen Landrats des Kreises Teltow Ernst von Stubenrauch (1853–1909), auf dessen Initiative der im Süden Berlins verlaufende Teltowkanal erbaut wurde. Stubenrauch heiratete Frieda Baronesse von Eberstein, eine Kusine von Leberecht von Eberstein. Außer den Gräbern auf dem kleinen Dorffriedhof erinnert in Genshagen und im Schloss nichts mehr an die Familie von Eberstein.

Stiftung Genshagen[Bearbeiten]

Das Schloss Genshagen gehört heute der „Stiftung Genshagen“, die sich in der Hand des Bundes und des Landes Brandenburg befindet. [2] Das Schloss wird heute als Tagungs- und Bildungszentrum genutzt, vor allem vom Land Brandenburg und von der Stiftung Genshagen – Berlin-Brandenburgisches Institut für Deutsch-Französische Zusammenarbeit in Europa, die hier seit 1993 ihren Sitz hat. Die Stiftung möchte einen Ort für interkulturelle Begegnung bieten und den Dialog zwischen der Zivilgesellschaft und Politikern anregen. Sie organisiert beispielsweise Diskussionsabende, Studienreisen und Tagungen zu politischen oder kulturellen Themen. Laut ihrer Satzung ist der Zweck der Stiftung die Förderung der Völkerverständigung und des Dialogs in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur, um die deutsch-französische Zusammenarbeit in Europa insbesondere auch mit den östlichen Nachbarn zu vertiefen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Das auf dem ehemaligen Gutsbesitz errichtete Flugzeugmotorenwerk wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Teil des VEB Industriewerke Ludwigsfelde, wo zunächst Motorroller, später dann der LKW IFA W 50 gebaut wurden. Ab 1965 ist es unter der Bezeichnung VEB Automobilwerke Ludwigsfelde bekannt. Nach der politischen Wende 1989 übernahm der Automobilkonzern Daimler-Benz die Produktionsanlagen. Heute werden dort vorwiegend Kleintransporter gefertigt, das Unternehmen ist einer der größten Arbeitgeber Brandenburgs.

Siehe auch: Heizwerk Genshagen

Verkehr[Bearbeiten]

Bei Genshagen kreuzen Anhalter Bahn und Berliner Außenring. Der Bahnhof Genshagener Heide wurde am 9. Dezember 2012 geschlossen und durch den Haltepunkt Ludwigsfelde-Struveshof ersetzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmuth Bauer: Innere Bilder wird man nicht los. Die Frauen im KZ-Außenlager Daimler-Benz Genshagen. Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Band 30. Metropol Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-940938-88-6
  • Stephan Jegielka: Das KZ-Außenlager Genshagen. Marburg: Tectum Verlag, 2005. ISBN 3-8288-8895-X
  • Georg Piltz, Peter Garbe: Schlösser und Gärten in der Mark Brandenburg. Seemann, Leipzig 1987, ISBN 3-363-00063-4, S. 188-189, 197.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dorf und Schloss Genshagen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997
  2. Sheila Jasanoff: Designs on nature: science and democracy in Europe and the United States, S. 1