Genthios

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Genthios (griechisch Γένθιος, lateinische Form: Gentius) war der letzte illyrische König. Er regierte von 180 bis 168 v. Chr. in Scodra und gehörte dem Stammesverband der Labeaten an. Er war der Sohn des Königs Pleuratos II. und der Eurydike[1].

Reich des Genthios, rot schraffiert
2000-Lek-Banknote mit Genthios (albanisch Genti) als Motiv, ausgegeben 2008

Am Beginn seiner Herrschaft machten sich 180 die Delmaten von den Labeaten selbständig. Im Streit zwischen Rom und dem makedonischen König Perseus nahm er, von beiden Seiten umworben, eine schwankende Haltung ein, weil es mit keiner der beiden Mächte verderben wollte. Zunächst stand er auf Perseus' Seite. 171 gelang es dem römischen Gesandten Lucius Decimius nicht, mit Rom ein formelles Bündnis abzuschließen[2]. Genthios stellte Rom aber dennoch im 1. Kriegsjahr (170 v. Chr.) im Krieg zwischen Rom und Makedonien den Römern 54 Lemben zur Verstärkung der römischen Flotte[3]. 169 ging er dann ein Bündnis mit dem Makedonenkönig Perseus ein, ohne dass dieser Genthios Geldforderungen (300 Talente) bewilligte, die er erst 168 gegen Austausch von Geiseln zugestand. Allerdings zahlte Perseus nur eine Anzahlung von 10 Talenten[4]. Von nun an nahm Genthios aktiv am Krieg gegen Rom teil: Er ließ die römischen Gesandten Marcus Perperna und Lucius Petillius gefangen nehmen und verwüstete die Gegend der Städte Apollonia und Dyrrhachium, die mit den Römern verbündet waren. 168 wurde er von einem römischen Heer unter Führung des Prätors Lucius Anicius Gallus vor Shkodra geschlagen, gefangen genommen und nach Rom geführt. Als besiegter Feind musste Genthios 167 am Triumphzug des Anicius Gallus teilnehmen. Danach war er in Iguvium interniert. Sein Todesdatum ist unbekannt, aber es gibt die Ruinen seines Grabes.

Er heiratete Etuta[5] (oder Etleua)[6] die Tochter des Dardanen Monunios.

Nach Plinius soll er als erster die Heilkraft des Enzians entdeckt haben, der nach ihm Gentiana heißt[7].

Er ist auf der Rückseite der 50-albanische Lek-Münze und auf der 2000-Lek Banknote abgebildet.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Edward Herbert Bunbury: Gentius. In: William Smith: Dictionary of Greek and Roman Biography and Mythology. Band 2, Little, Brown & Co, Boston 1870, S. 244–245, online
  • Pierre Cabanes: Les Illyriens, de Bardylis à Genthios, IVe au IIe siècle avant J.-C. Regards sur l'Histoire. Paris 1988
  • Linda-Marie Günther: Genthios. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 4, Metzler, Stuttgart 1998, ISBN 3-476-01474-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Livius, ab urbe condita 44, 30, 2.
  2. Livius, ab urbe condita 42, 17, 1 ff. und 45, 8.
  3. Livius, ab urbe condita 42, 8, 8.
  4. Livius, ab urbe condita 44, 23, 2 ff.
  5. So die Namensform bei Titus Livius 4, 30. Vgl. J. J. Wilkes: The Illyrians. Blackwell, Oxford 1992, ISBN 0-631-19807-5, S. 85: “... Longarus, Bato and Monunius, whose daughter Etuta was married to the Illyrian king Gentius, are all Illyrian”.
  6. Jane D. Chaplin (Hrsg.): Livy: Rome’s Mediterranean Empire. Books forty-one to forty-five and the Periochae. University Press, Oxford 2007, ISBN 0-19-283340-5, S. 147: “to Etleua, a daughter of Monunius”.
  7. Beleg ?