Geologische Zeitskala

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Äonothem Ärathem System Alter
(mya)
Phanerozoikum
Dauer: 541 Ma
Känozoikum
Erdneuzeit
Dauer: 66 Ma
Quartär 2,588–0
Neogen 23,03–2,588
Paläogen 66–23,03
Mesozoikum
Erdmittelalter
Dauer: 186,2 Ma
Kreide 145–66
Jura 201,3–145
Trias 252,2–201,3
Paläozoikum
Erdaltertum
Dauer: 288,8 Ma
Perm 298,9–252,2
Karbon 358,9–298,9
Devon 419,2–358,9
Silur 443,4–419,2
Ordovizium 485,4–443,4
Kambrium 541–485,4
Prä­kambrium Proterozoikum
Dauer: 1.959 Ma
Neoproterozoikum
Jungproterozoikum
Dauer: 459 Ma
Ediacarium 635–541
Cryogenium 850–635
Tonium 1.000–850
Mesoproterozoikum
Mittelproterozoikum
Dauer: 600 Ma
Stenium 1.200–1.000
Ectasium 1.400–1.200
Calymmium 1.600–1.400
Paläoproterozoikum
Altproterozoikum
Dauer: 900 Ma
Statherium 1.800–1.600
Orosirium 2.050–1.800
Rhyacium 2.300–2.050
Siderium 2.500–2.300
Archaikum
Dauer: 1.500 Ma
Neoarchaikum
Dauer: 300 Ma
2.800–2.500
Mesoarchaikum
Dauer: 400 Ma
3.200–2.800
Paläoarchaikum
Dauer: 400 Ma
3.600–3.200
Eoarchaikum
Dauer: 400 Ma
4.000–3.600
Hadaikum
Dauer: 600 Ma
4.600–4.000

Die geologische Zeitskala ist eine hierarchische Unterteilung der Erdgeschichte. Sowohl die Hierarchie-Ebenen als auch die Zeitabschnitte sind benannt. Die feiner unterteilenden Ebenen reichen nicht bis zur Entstehung der Erde zurück. Die Unterteilung der älteren Zeitalter erfolgt ausschließlich anhand tektonischer Phasen. Mit Beginn des Phanerozoikums („Zeitalter des sichtbaren [tierischen] Lebens“) vor 541 Millionen Jahren setzt der kontinuierliche Fossilbericht ein, der mit den Methoden der Biostratigraphie eine differenziertere Einteilung ermöglicht. Die Grenzen der Zeitabschnitte werden mit den Methoden der Geochronologie, hauptsächlich radiometrisch, mit einem absoluten (numerischen) Alter belegt.

Konventionell wird die zeitliche Abfolge von unten nach oben dargestellt, so wie die Serien der Sedimentgesteine innerhalb eines idealisierten, tektonisch ungestörten Gesteinsprofils anzutreffen sind.

Eine international verbindliche Einteilung der geologischen Zeitskala wird von der International Commission on Stratigraphy (ICS) vorgenommen. Die Tabelle rechts zeigt die stratigraphischen Einheiten nach ICS-Standard in kompakter, nicht maßstäblicher Darstellung (die Einheiten der beiden untersten Hierarchieebenen sind nicht mit enthalten). Eine ausführlich kommentierte Tabelle ist hier zu finden.

Duale Nomenklatur [Bearbeiten]

Die Erdgeschichte überspannt einen gigantischen Zeitraum, der in hierarchisch strukturierte Intervalle unterteilt wird. In der von der Internationalen Kommission für Stratigraphie (ICS) festgelegten globalen Standard-Zeitskala, an der sich alle anderen globalen Skalen orientieren,[1] folgt die hierarchische Gliederung zwei parallel verwendeten und einander relativ ähnlichen Konzepten: der Geochronologie und der Chronostratigraphie. Die geochronologische Gliederung bezieht sich ausschließlich auf die Zeitabschnitte der Erdgeschichte („Erdzeitalter“, geologische Zeit). Die Chronostratigraphie bezieht sich hingegen auf die geologische Überlieferung, das heißt auf die Gesamtheit oder eine bestimmte Teilmenge der Gesteine, die aus einem solchen Zeitabschnitt überliefert sind.

Das geochronologische und das chronostratigraphische Konzept unterscheiden sich nomenklatorisch nur in der Benennung der Hierarchieebenen. Die Bezeichnungen der geochronologischen Hierarchieebenen lauten:

  • Äon (engl. eon, gr. αἰών aiṓn „Ewigkeit“)
    • Ära (engl. era, mlat. aera „Zeitalter“), auch Gruppe oder vereinfachend Zeitalter genannt
      • Periode (engl. period, gr. περίοδος períodos „sich wiederholender Abschnitt“)
        • Epoche (engl. epoch, gr. ἐποχή epochḗ „Haltepunkt“)

Der nicht exakt definierte, allgemeinsprachlich oder in populärwissenschaftlichem Zusammenhang gebräuchliche Begriff Erdzeitalter steht meist für einen größeren Zeitabschnitt der Erdgeschichte.[2] In der Regel bezieht er sich auf die Ären und Perioden der geologischen Zeitskala[3] und damit auf Intervalle von mindestens zwei, meist jedoch zwischen 40 und 250 Millionen Jahren.

Die Bezeichnungen der chronostratigraphischen Hierarchieebenen lauten:

Die Namen der Intervalle sind in beiden Konzepten identisch.

Beispiel zur Veranschaulichung: Die Aussage „Im Devon lebten die ersten Landwirbeltiere“ bezieht sich auf die geologische Zeit und das geochronologische Konzept des Intervalls Devon (Periode). Die Aussage „Im Devon Grönlands wurden zahlreiche Überreste früher Landwirbeltiere gefunden“ bezieht sich auf die geologische Überlieferung und das chronostratigraphische Konzept des Intervalls Devon (System). Im letztgenannten Fall könnte man den Namen des Zeitabschnittes auch durch die Nennung einer oder mehrerer lithostratigraphischer Einheiten ersetzen („In der [devonischen] Britta-Dal-Formation Grönlands wurden zahlreiche Überreste früher Landwirbeltiere gefunden“) und eine Präzisierung der stratigraphischen Angabe „Devon“ ist mittels der Attribute „oberes“ bzw. „unteres“ vorzunehmen („Im oberen Devon Grönlands wurden zahlreiche Überreste früher Landwirbeltiere gefunden“ bzw. In der oberdevonischen Britta-Dal-Formation Grönlands wurden [...]“). Bei Nutzung des geochronologischen Konzeptes eines Intervalls ist die Präzisierung mittels der Attribute „frühes“ bzw. „spätes“ vorzunehmen („Im späten Devon lebten die ersten Landwirbeltiere“).

Beide Konzepte sind eng miteinander verknüpft, denn absolute (numerische) Alters- bzw. Zeitangaben können nur aus geologisch überliefertem Material gewonnen werden, im Regelfall durch radiometrische Datierung.[4] Eine strikte Trennung von Geochronologie und Chronostratigraphie wird in der Praxis daher nur selten durchgehalten. Die aktuelle Version der Standard-Zeitskala der ICS trägt den Titel International Chronostratigraphic Chart, obwohl im Tabellenkopf auch die Bezeichnungen für die geochronologischen Hierarchieebenen stehen.[5]

Regionale Skalen[Bearbeiten]

In verschiedenen Regionen der Erde (Nordamerika, Westeuropa, Osteuropa, China, Australien) werden neben der globalen Standard-Zeitskala auch regionale Skalen verwendet. Diese unterscheiden sich voneinander und von der Standard-Zeitskala hinsichtlich der Benennung einiger Intervalle, meist der mittleren und unteren Hierarchieebenen, sowie hinsichtlich des absoluten (numerischen) Alters einiger Intervallgrenzen. Sie tragen damit Besonderheiten der geologischen Überlieferung in der entsprechenden Region Rechnung. Es handelt sich folglich um „rein“ chronostratigraphische Tabellen. Einzelne Abschnitte dieser regionalen Skalen können in subregionalem Maßstab wiederum voneinander abweichen.

Beispielsweise sind für die Kaltzeiten des Pleistozäns von Nordamerika, der Norddeutschen Tiefebene und des Alpenraums unterschiedliche Bezeichnungen in Gebrauch und das Perm von Mitteleuropa, Dyas genannt, beginnt früher als das Perm der globalen Zeitskala und anderer regionaler Skalen.

Historie der geologischen Skalen[Bearbeiten]

Bereits im 17. Jahrhundert war durch die Arbeiten von Nicolaus Steno bekannt, dass verschiedene Gesteinsschichten verschiedene Zeiträume der Erdgeschichte repräsentieren, doch gab es keine Methode, sie zu datieren oder zu ordnen. Fossilienfunde von Meeresbewohnern im Hochgebirge ließen auch frühzeitig den Schluss zu, dass die Erde nicht unveränderlich, sondern tiefgreifenden Umwälzungen unterzogen ist. Diese Erkenntnis wirkte schon deshalb befremdlich, weil die geologischen Zeiträume gewaltig unterschätzt wurden. Eine Möglichkeit der absoluten Altersbestimmung gab es noch lange nicht. Ebenfalls irrtümlich wurde angenommen, dass verschiedene Fundstücke der gleichen Gesteinsart, die von verschiedenen Orten der Erde stammten, gleichzeitig entstanden seien. Das Problem wurde von zahlreichen Wissenschaftlern immer wieder aufgeworfen, darunter die britischen Geologen William Smith und Charles Lyell.

Heute sind das Alter der Erde sowie die wirkenden geologischen Prozesse allgemein bekannt und anerkannt, wobei jedoch der genaue Ablauf der geologischen Entwicklung nur unvollständig verstanden ist. Insbesondere über die lange Zeit vor dem Erscheinen erster Fossilien gibt es derzeit nur schemenhafte Kenntnisse.

Erste graphische Darstellungen entstanden, indem Einzelpersonen die Abfolge von Gesteinsschichten aufzeichneten und solche Darstellungen in einer Tabelle zusammenführten. Auch moderne Skalen folgen dieser Tradition, wobei die Struktur der Tabellen heute von Organisationen festgelegt wird. Deren Mitglieder einigen sich nach festgelegten Kriterien auf einen Konsens. Die International Commission on Stratigraphy (ICS), eine Kommission der International Union of Geological Sciences (IUGS) legt derzeit so den globalen Standard einer einheitlichen Zeitskala fest.

Definition der Einheitengrenzen[Bearbeiten]

Der „goldene Nagel“, der die Untergrenze des Ediacariums und damit die Obergrenze des Cryogeniums im Referenzprofil (Aufschluss einer Dolomit-Abfolge am Enorama Creek, South Australia) kennzeichnet. Oberhalb und links der Markierung sind Beprobungsstellen zu sehen.

Die Grenzen der Einheiten bzw. Intervalle des Phanerozoikums sind primär meist anhand des Erscheinens (engl.: first appearance date, FAD) oder Verschwindens (engl.: last appearance date, LAD) bestimmter Tierarten im Fossilbericht (ein sogenanntes Bioevent) definiert. Es handelt sich dabei stets um Überreste von Meeresorganismen, weil zum einen Meeressedimente, speziell Schelf­sedimente, in der geologischen Überlieferung wesentlich häufiger sind als festländische Sedimente, und zum anderen, weil Schelfsedimente im Schnitt deutlich fossilreicher sind als festländische Sedimente. Definiert ist jeweils immer nur die Basis, die Untergrenze, einer Einheit, und die Obergrenze ist identisch mit der Basis der nächstfolgenden. Neben den primären Markern sind die Einheiten zusätzlich durch sekundäre Marker definiert, die das Auffinden der Einheitengrenze in Sedimenten, die den Primärmarker fazies­bedingt (vgl. → Ablagerungsmilieu) nicht enthalten, ermöglichen soll. Neben Fossilien dienen auch geochemische[6] und/oder magnetostratigraphische Anomalien als Marker. Für einen Großteil der Einheiten der geologischen Zeitskala im Rang einer Stufe wurden mittlerweile spezielle Aufschlüsse bestimmt, in deren Sedimentgesteinsschichten die entsprechend definierte Stufenuntergrenze mit dem Primärmarker und ggf. mehreren Sekundärmarkern enthalten und optisch („goldener Nagel“) gekennzeichnet ist. Dieses Referenzprofil wird Global Stratotype Section and Point (GSSP) genannt.[7] Die Untergrenze einer höherrangigen Einheit (Serie, Periode usw.) wird durch die Untergrenze der untersten in ihr enthaltenen Stufe festgelegt. Die Untergrenze der Kreidezeit wird folglich definiert durch die gleichen Kriterien, die auch die Untergrenze des Berriasiums definieren.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden Methoden entwickelt mit deren Hilfe es möglich wurde, bestimmte Gesteine, in der Regel magmatischen Ursprunges, absolut (numerisch) radiometrisch zu datieren. Aus dem Alter eines solcherart datierten Gesteins ergibt sich indirekt das absolute Mindest- oder Höchstalter auf- bzw. darunterlagernder fossilführender Sedimentgesteine, damit auch das ungefähre absolute Alter der darin enthaltenen Fossilien, und durch weltweit ausgiebige Beprobung schließlich auch das absolute Alter jener Fossilien, die die Grenzen der Einheiten der geologischen Zeitskala definieren. Entsprechend sind auch die absoluten Alter dieser Einheiten bekannt sowie die absoluten Zeitspannen, über die sie sich erstrecken.

Die Zusammenfassung der Alter/Stufen zu Perioden/Systemen und dieser wiederum zu Ären/Ärathemen erfolgt aufgrund gemeinsamer Merkmale der Fossilüberlieferung in den Sedimentgesteinen dieser Einheiten. Die Grenzen höherrangiger Einheiten fallen daher oft mit bedeutenden Massenaussterben zusammen. Die geologische Zeitskala bildet damit letztlich auch die Evolution ab.

Die Einteilung des Präkambriums und damit des weitaus längsten Abschnittes der Erdgeschichte kann, mit Ausnahme des Ediacariums, hingegen nicht auf Grundlage von Fossilien erfolgen, weil es in diesen Gesteinen keine oder wenigstens keine brauchbaren Fossilien gibt. Stattdessen wird eine „künstliche“ Gliederung verwendet, die auf Mittelwerten radiometrisch ermittelter Altersdaten tektonischer Ruhephasen fußt.[8] Diese auf volle 50 oder 100 Millionen Jahre gerundeten Werte werden Global Standard Stratigraphic Age (GSSA) genannt.[9]

Für die älteren Einheiten des Präkambriums wird die geologische Überlieferung mit zunehmendem Alter immer schlechter. Die seit milliarden Jahren permanent ablaufende exogene und endogene Aufarbeitung („Recycling“) der Erdkruste (siehe → Gesteinskreislauf) hat einen Großteil dieser frühen Gesteine zerstört. Fast völlig unbekannt sind die Geschehnisse im Hadaikum, weil keine Gesteine, sondern nur einige wenige detritische Zirkone, eingeschlossen in jüngerem Gestein, aus dieser Zeit überliefert sind. Das Hadaikum ist die einzige Einheit der geologischen Zeitskala für die keine Basis definiert ist.

Neugliederung des Präkambriums[Bearbeiten]

Im Zuge des Abrückens von rein radiometrisch bestimmten Periodengrenzen soll jetzt gemäß Gradstein u. a. (2012) das GSSP-Prinzip so weit wie möglich auch im Präkambrium Anwendung finden. Perioden und Ären werden anhand von bedeutenden geologischen Ereignissen definiert und nicht mehr an willkürlichen radiometrischen Altern.[10] Gleichzeitig erfolgt eine grundlegende Neuordnung des Präkambriums: das Eoarchaikum wird entfernt, das Hadaikum wird in zwei Ären unterteilt und den Ären ab dem Archaikum werden neugeschaffene Perioden zugewiesen. Die vorgeschlagenen Änderungen präsentieren sich wie folgt :

  • Hadaikum – 4600 bis 4030 Millionen Jahre BP. Das 570 Millionen Jahre dauernde Äon ist 30 Millionen Jahre kürzer und erhält die beiden Ären:
  • Archaikum – 4030 bis 2420 Millionen Jahre BP, Dauer 1610 Millionen Jahre. Das neudefinierte Äon ist 110 Millionen Jahre länger, es beginnt 30 Millionen Jahre früher und endet 80 Millionen Jahre später.
    • Paläoarchaikum – 4030 bis 3490 Millionen Jahre BP. Die neudefinierte Ära rückt an die Stelle des weggefallenen Eoarchaikums, sie dauert 540 Millionen Jahre und erhält die beiden Perioden:
      • Acastum – 4030 bis 3810 Millionen Jahre BP, Dauer 220 Millionen Jahre. Die neugeschaffene Periode wurde nach dem Acasta-Gneis in Kanada benannt.
      • Isuum – 3810 bis 3490 Millionen Jahre BP, Dauer 320 Millionen Jahre. Die Bezeichnung dieser Periode leitet sich vom Isua-Grünsteingürtel in Grönland ab.
    • Mesoarchaikum – 3490 bis 2780 Millionen Jahre BP. Die neudefinierte Ära dauert 710 Millionen Jahre und erhält die beiden Perioden:
      • Vaalbarum – 3490 bis 3020 Millionen Jahre BP. Der Beginn dieser 470 Millionen Jahre dauernden Periode ist erstmals durch einen GSSP definiert (sämtliche folgenden Perioden werden ebefalls durch einen GSSP festgelegt). Die Bezeichnung ist ein Portemanteau-Begriff, der sich aus dem Transvaal-Kraton in Südafrika und dem Pilbara-Kraton in Westaustralien zusammensetzt.
      • Pongolum – 3020 bis 2780 Millionen Jahre BP. Diese 240 Millionen Jahre dauernde Periode ist nach der Pongola Supergroup in Südafrika und in Swaziland benannt.
    • Neoarchaikum – 2780 bis 2420 Millionen Jahre BP. Die durch einen GSSP neudefinierte Ära dauert 360 Millionen Jahre und besteht aus den beiden Perioden:
      • Methanium – 2780 bis 2630 Millionen Jahre BP. In dieser 150 Millionen Jahre dauernden Periode treten methanotrophe Eukaryoten gehäuft auf.
      • Siderium – 2630 bis 2420 Millionen Jahre BP. Über 210 Millionen Jahre hinweg wurden riesige Bändererzvorkommen gebildet.
  • Proterozoikum - 2420 bis 541 Millionen Jahre BP. Das neudefinierte Äon ist 80 Millionen Jahre kürzer, es dauert 1879 Millionen Jahre.
    • Paläoproterozoikum - 2420 bis 1780 Millionen Jahre BP. Die 640 Millionen Jahre dauernde Ära beginnt 80 Millionen Jahre später und endet 180 Millionen früher. Sie ist um 260 Millionen Jahren verkürzt und verliert ihre vormaligen Perioden Siderium, Rhyacium, Orosirium und Statherium. An ihre Stelle treten:
    • Mesoproterozoikum - 1780 bis 850 Millionen Jahre BP. Das neudefinierte, 930 Millionen Jahre dauernde Mesoproterozoikum beginnt 180 Millionen Jahre früher und endet 150 Millionen Jahre später. Es verlängert sich somit um 330 Millionen Jahre. Seine drei ehemaligen Perioden Calymmium, Ectasium und Stenium werden ersetzt durch das alleinige:
      • Rodinium - 1780 bis 850 Millionen Jahre BP, Dauer 930 Millionen Jahre - benannt nach dem sehr stabilen Superkontinent Rodinia.
    • Neoproterozoikum - 850 bis 541 Millionen Jahre BP. Das neudefinierte Neoproterozoikum dauert 309 Millionen Jahre. Es ist um 150 Millionen Jahre verkürzt und verliert seine erste Periode, das Tonium, behält jedoch weiterhin seine beiden letzten Perioden:

Skalenmaßstab und Ausschnitte[Bearbeiten]

Das Phanerozoikum ist als „Zeitalter der Fossilien“ und aufgrund der gegenüber dem Präkambrium generell besseren geologischen Überlieferung am detailliertesten gegliedert. Generell gilt: je jünger ein Teil der geologischen Überlieferung, desto feiner ist er gegliedert bzw. desto kürzer ist die Dauer der chronostratigraphischen Einheiten, die ihn beinhalten. Daher wechselt der Skalenmaßstab in manchen Darstellungen innerhalb der geologischen Zeitskala, meistens zwei Mal: einmal an der Präkambrium-Kambrium-Grenze und einmal an der Kreide-Tertiär-Grenze.

Gesamtes Erdalter Vergrößerung Phanerozoikum Vergrößerung Känozoikum


Ebenfalls zur besseren Darstellung der Einheiten der niedrigsten Ränge und eventueller Untereinheiten werden einzelne Abschnitte, in der Regel die Perioden/Systeme, in separaten Tabellen dargestellt.

Paläobotanische Zeitskala[Bearbeiten]

Die Einteilung der paläobotanischen Zeitskala basiert nicht, wie die der geologischen Zeitskala, auf der Evolution wirbelloser Meerestiere, sondern auf der Evolution der Pflanzenwelt, vor allem der Landpflanzen. Sie enthält auch nur eine Hierarchieebene, die den Ären/Ärathemen der geologischen Zeitskala entspricht. Die Namen dieser „Ären“ sind analog zu denen der geologischen Zeitskala, enden jedoch nicht auf -zoikum, sondern auf -phytikum. Anstelle des Paläozoikums werden zwei „Ären“ unterschieden: Eophytikum (Kambrium und Ordovizium) und Paläophytikum (Silur bis Perm). Weil die Evolution der Landpflanzen nicht mit der Evolution der wirbellosen Meerestiere korreliert, decken sich die Grenzen der paläobotanischen „Ären“ nur sehr grob mit denen der geologischen Zeitskala. So beginnt das Neophytikum (= Känophytikum) vor 95 Millionen Jahren, mit Einsetzen der Dominanz der Bedecktsamer im Fossilbericht, während das „Neozoikum“ (= Känozoikum) vor 65 Millionen Jahren mit dem Aussterben unter anderem der Ammoniten und Belemniten beginnt.

Veranschaulichung der Zeiträume[Bearbeiten]

Die Erdzeitalter umfassen enorme Zeitspannen, die kaum zu ermessen sind. Daraus können Missverständnisse resultieren, zum Beispiel die Meinung, für die gesamte Evolution habe nicht genug Zeit zur Verfügung gestanden. Die folgenden Vergleiche sind zur Veranschaulichung der Zeiträume gebräuchlich.

Vergleich Erdzeitalter – Ein Tag[Bearbeiten]

Die untenstehende Tabelle listet in der mittleren Spalte erdgeschichtliche Ereignisse in chronologischer Reihenfolge auf, die eine Schlüsselstellung in der biologischen und kulturellen Evolution des Menschen einnehmen. Die linke Spalte zeigt die tatsächlich seit der Entstehung der Erde verstrichene Zeit und die rechte Spalte zeigt die gleichen Zeitspannen, jedoch auf die Dauer eines einzigen Tages (24 Stunden) heruntergerechnet. In diesem Fall erschiene der moderne Mensch (Homo sapiens) erst rund 4 Sekunden vor Tagesende.

Die von der geologischen Zeitskala abgedeckte Zeitspanne, heruntergerechnet auf die Dauer eines Tages: Das Präkambrium endet erst um etwa 21:10 Uhr.
tatsächlich
bis heute
verstrichene Zeit
[Mio. Jahre]
erdgeschichtliches
Ereignis
(Entstehung der/von...)
runtergerechnet
auf einen Tag
(verbleibende Zeit
bis Tagesende)
0,01 (Holozän) Ackerbau und Viehzucht 0,2 s
0,19 (spätes Pleistozän) Homo sapiens 3,6 s
2 (frühes Pleistozän) Homo habilis 38 s
7 (spätes Miozän) „Vormenschen“ 2 min 15 s
20 (frühes Miozän) Menschenaffen 6 min
40 (Eozän) Affen 12 min
60 (Paläozän) Primaten 18 min
200 (früher Jura) Säuger 1 h 5 min
315 (spätes Karbon) Amnioten 1 h 40 min
360 (spätes Devon) Landwirbeltiere 1 h 55 min
425 (Silur) Knochenfische 2 h 15 min
470 (Ordovizium) Wirbeltiere 2 h 30 min
600 (Ediacarium) Bilateria 3 h 10 min
1500 (Mesoproterozoikum) Eukaryoten 7 h
2400 (Neoarchaikum) Photosynthese 13 h
3800 (Eoarchaikum) Einzeller 20 h
4570 (Hadaikum) Erde 24 h

Frühere Einteilung des Känozoikums[Bearbeiten]

Tertiär[Bearbeiten]

Das Ärathem des Känozoikums wurde früher in Tertiär und Quartär eingeteilt. Mittlerweile wird das Tertiär von der Internationalen Kommission für Stratigraphie in der geologischen Zeitskala (Geologic Time Scale 2004) nicht mehr verwendet. Heute wird das Känozoikum in Paläogen, Neogen und Quartär eingeteilt.

Die Bezeichnung „Tertiär“ (66–1,806 Ma) rührt daher, dass Europas frühere Geologen (vor etwa 200 Jahren) diesen Zeitabschnitt wegen der sehr mächtigen Sedimente stark überschätzten. So wurde er als Dritte Epoche der Erdgeschichte dem Meso- und Paläozoikum zur Seite gestellt.

Wegen der in den stark besiedelten Beckenlagen festgestellten dicken Sedimentschichten und wegen der alpidischen Gebirgsbildung unterteilte man das Tertiär sehr vielfältig:

Quartär[Bearbeiten]

Der Name Quartär (2,588 Ma bis heute) bedeutet „Vierte Erdepoche“ – Begründung wie oben.

Von einigen Wissenschaftlern, speziell Vertretern der „Global Change research community“,[12] also jenen Forschern, die sich unmittelbar mit dem anthropogen beeinflussten Wandel des Systems Erde beschäftigen, wird ein neues Erdzeitalter vorgeschlagen, das Anthropozän, über dessen Beginn aber keine Einigkeit besteht.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Felix M. Gradstein, James G. Ogg, Alan G. Smith (Hrsg.): A Geologic Time Scale 2004. Cambridge University Press, Cambridge (UK) 2004, ISBN 0-521-78673-8
  • Felix M. Gradstein, James G. Ogg, Mark Schmitz, Gabi Ogg (Hrsg.): The Geologic Time Scale 2012. Elsevier B.V., 2012, ISBN 978-0-444-59425-9

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. beispielsweise die Geologic Time Scale der Geological Society of America
  2. Lemma Erdzeitalter im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache
  3. Lemma Erdzeitalter im Spektrum-Kompaktlexikon der Biologie
  4. Anmerkung: Tatsächlich ist das Konzept der geologischen Zeit von dem der geologischen Überlieferung abgeleitet. So waren im deutschen Sprachraum früher Bezeichnungen wie Karbon-Formation, Trias-Formation usw. üblich, wenn Gesteinsabfolgen eines bestimmten relativen Alters gemeint waren. Mittlerweile ist der Begriff der Formation enger definiert und wird nicht mehr in der Chronostratigraphie benutzt.
  5. International Chronostratigraphic Chart, offizielle Webpräsenz der ICS (www.stratigraphy.org)
  6. Anmerkung: Der bekannteste geochemische Marker dürfte die Iridiumanomalie an der Kreide-Tertiär-Grenze sein.
  7. Liste aller bislang festgelegten GSSPs auf der Website der ICS (Englisch) mit numerischem Alter, Lokalitätsdaten, Art des oder der stratigraphischen Marker(s) usw.; ein Datenblatt mit weiteren Details ist jeweils in der ganz linken Spalte verlinkt
  8. M. J. Van Kranendonk, Wladyslaw Altermann, Brian L. Beard, Paul F. Hoffman, Clark M. Johnson, James F. Kasting, Victor A. Melezhik, Allen P. Nutman, Dominic Papineau, Franco Pirajno: A Chronostratigraphic Division of the Precambrian – Possibilities and Challenges. In: Felix M. Gradstein, James G. Ogg, Mark Schmitz, Gabi Ogg (Hrsg.): The Geologic Time Scale 2012. Band 1, Elsevier B.V., 2012, S. 299-392, doi:10.1016/B978-0-444-59425-9.00016-0, S. 300
  9. Felix M. Gradstein, James G. Ogg: The Chronostratigraphic Scale. In: Felix M. Gradstein, James G. Ogg, Mark Schmitz, Gabi Ogg (Hrsg.): The Geologic Time Scale 2012. Band 1, Elsevier B.V., 2012, S. 31-42, doi:10.1016/B978-0-444-59425-9.00002-0, S. 34
  10.  Felix M. Gradstein u. a.: On the Geologic Time Scale. In: Newsletters on Stratigraphy. 45/2, 2012, S. 171-188.
  11. a b  Goldblatt, C., Zahnle, K. J., Sleep, N. H. und Nisbet , E. G.: The eons of Chaos and Hades. In: Solid Earth (Copernicus Publications on behalf of the European Geosciences Union). 1, 2010, S. 1–3.
  12. Subcommission on Quaternary Stratigraphy: Working Group on the “Anthropocene”.
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