Georg Benjamin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Georg Benjamin (* 10. September 1895 in Berlin; † 26. August 1942 im KZ Mauthausen) war ein deutscher Kinderarzt und Widerstandskämpfer jüdischer Herkunft.

Leben und Tod[Bearbeiten]

Nachdem er 1914 ein Mathematikstudium begonnen hatte, studierte er nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg Medizin. 1923 wurde er an der Universität Berlin mit einer Schrift Über Ledigenheime promoviert. Er arbeitete ab 1926 im Berliner Arbeiterbezirk Wedding als amtlicher Schul- und Kinderarzt.[1] Außerdem war er Abgeordneter in der Bezirksverordnetenversammlung Wedding.[1] Nachdem er bereits 1931 entlassen wurde, erhielt er ab 1933 wegen seiner Mitgliedschaft in der KPD Berufsverbot.

Politisch aktiv wurde Benjamin ab 1920 erst in der USPD und ab 1922 in der KPD. Nach 1933 arbeitete er in der Leitung der illegalen KPD in Deutschland. Wegen dieser Tätigkeit wurde er am 12. April 1933 in „Schutzhaft“ gestellt, kam aber im Dezember 1933 wieder aus dem KZ Sonnenburg frei. Nach der erneuten Verhaftung am 14. Mai 1936 wurde er zu sechs Jahren Zuchthaus wegen Hochverrats verurteilt, die er im Zuchthaus Brandenburg verbrachte. Anschließend wurde er ins KZ Mauthausen gesperrt, wo er im September 1942 kurze Zeit nach Einlieferung ums Leben kam. Die Totenliste des Lagers gibt als Todesursache „Freitod durch Starkstrom“ an.[2] Hilde Spiel schreibt dagegen in ihrer Autobiografie, dass Benjamin erschlagen worden sei.[3] Benjamins Grab befindet sich auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf im Feld B I-W II-6.

Familie[Bearbeiten]

Er hatte eine politisch aktive Familie. So war seine Ehefrau (Heirat 1926) Hilde Benjamin als Anwältin für die Rote Hilfe der KPD aktiv (1953 wurde sie Justizministerin der DDR). Sein Bruder war der bekannte Philosoph Walter Benjamin, der zwar keiner Partei angehörte, aber seit den 1920er-Jahren mit dem Kommunismus sympathisierte. Sein Sohn Michael wurde 1932 geboren. Dieser war nach den Rassengesetzen „Halbjude“ und wurde deshalb bis 1945 diskriminiert. Nach 1990 wurde er als Repräsentant der Kommunistischen Plattform in der PDS bekannt. Eine Cousine war die Dichterin Gertrud Kolmar, die auch nach Benjamins Inhaftierung engen Kontakt zur Familie unterhielt. Sie wurde 1943 als Jüdin umgebracht. Über die Schwester von Walter und Georg, Dr. Dora Benjamin, ist relativ wenig bekannt, offenbar war sie jedoch bis 1933 aktiv in der Berliner Sozialfürsorge. Ab 1933 war sie im Exil und starb mit fündundvierzig Jahren 1946 in der Schweiz.[4][5] Die Ehefrau von Walter, ebenfalls Dora, wurde durch die veröffentlichten Briefwechsel des Philosophen bekannt.

Ehrung[Bearbeiten]

Sein Name ist in der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde als Mitglied des antifaschistischen Widerstands aufgeführt. Bis 1992 trug eine Schule für Körperbehinderte in Berlin-Lichtenberg den Ehrennamen dieses Widerstandskämpfers.

In Berlin erinnern zwei Gedenktafeln an die Stätten seines Wirkens:

  • Badstraße 40, Berlin-Gesundbrunnen (ehemals Bezirk Wedding)
  • Binzstraße 50, Berlin-Pankow

Eine an der oben genannten Spezialschule angebrachte Tafel ist entfernt worden.

Das NVA-Kurheim Sorge (Harz) (ehemalige Johanniter-Heilstätte Sorge) trug bis 1989 ebenso seinen Namen wie das Kreiskrankenhaus in Staaken-West in der DDR.

Die Akademie der Gesundheit Berlin/Brandenburg e.V. in Berlin-Buch hieß von 1974 bis 1990 Medizinische Fachschule „Dr. Georg Benjamin“.

Das Bergarbeiterkrankenhaus des Gesundheitswesens der SDAG Wismut in Erlabrunn/Erzgebirge, heute „Kliniken Erlabrunn gGmbH“, trug bis 1992 den Namen „Bergarbeiterkrankenhaus Dr. Georg Benjamin“.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Luise Kraushaar et al.: Deutsche Widerstandskämpfer 1933–1945. Biographien und Briefe. Dietz-Verlag: Berlin 1970, Band 1, S. 112–115
  • Hans-Rainer Sandvoß: Widerstand in Wedding und Gesundbrunnen. Gedenkstätte Deutscher Widerstand: Berlin 2003 (Band 14 der Schriftenreihe über den Widerstand in Berlin von 1933 bis 1945), speziell S. 289-290 ISSN 0175-3592
  • Uwe-Karsten Heye: Die Benjamins: Eine deutsche Familie, Aufbau, Berlin, 2014, ISBN 978-3-351-03562-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Uwe-Karsten Heye: Die Benjamins. Eine deutsche Familie. Aufbau-Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-351-03562-4, S. 37.
  2. Marianne Brentzel: Die Machtfrau Hilde Benjamin 1902–1989. Links, Berlin 1997, ISBN 3-86153-139-9, S. 284 ff. (online; abgerufen am 17. November 2012).
  3. Alexandra Kleinlercher: Zwischen Wahrheit und Dichtung: Antisemitismus und Nationalsozialismus bei Heimito von Doderer. Böhlau, Wien 2011, ISBN 978-3-205-78605-4, S. 95 (online; abgerufen am 17. November 2012).
  4. Eva Schöck-Quinteros: Kinderarbeit ist eine Kulturschande - Dora Benjamin (1901 Berlin - 1946 Zürich). http://www.scheinschlag.de/archiv/2001/04_2001/texte/28.html
  5. Eva Schöck-Quinteros: Dora Benjamin: „… denn ich hoffe nach dem Krieg in Amerika arbeiten zu können.“ Stationen einer vertriebenen Wissenschaftlerin (1901-1946); in: Barrieren und Karrieren, die Anfänge des Frauenstudiums in Deutschland, Berlin 2000, S.71-102.
  6. http://www.xxarchiv.de/fileadmin/webdav/onlinerecherche/main.php?m=stammdaten_details&id=640