Georg Friedrich Brandes

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Georg Friedrich Brandes, Porträt von Johann Georg Ziesenis

Georg Friedrich Brandes (getauft 12. Dezember 1709 in Celle; † 6. September 1791 in Hannover) war ein deutscher Jurist, Universitätsreferent der Hannoverschen Regierung und Bücher- und Kunstsammler.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Brandes war der Sohn des Georg Friedrich Brandes (1688–1778), königlich und kurfürstlicher Rat und Hofgerichts-Sekretär in Celle. Er studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Göttingen und Leiden. Ab 1740 war er Hofmeister bei der Familie von Steinberg und durchreiste mit Georg Friedrich von Steinberg auf einer Grand Tour Holland, England und Deutschland.[1] Nach seiner Rückkehr 1746 wurde er als Sekretär bei der kurfürstlichen geheimen Kanzlei in Hannover angestellt, wo er als Fachbereich die Aufsicht über die sogenannte Kloster- und Lüneburgische Salinen-Expedition erhielt. Nach mehreren diplomatischen Sendungen an verschiedene deutsche Höfe wurde ihm im 1770 auf Vorschlag Kurators der Universität Göttingen Gerlach Adolph von Münchhausen kurz vor dessen Tod das Referat für Angelegenheiten der Universität Göttingen in der Regierung übertragen. Durch einsichtsvollen Rat[2] hatte Brandes bis zu seinem Tod unter sechs nacheinander folgenden Kuratoren Anteil an dem Wachstum der Universität. Sein langjähriger Freund und Schwiegersohn (seit 1777) Christian Gottlob Heyne war dabei sein engster Vertrauter auf Seiten der Professorenschaft.

Brandes’ Wirksamkeit für Kunst und Wissenschaft reichte weit über sein amtliches Wirken hinaus. 1770 erhielt er den Charakter (Ehrenrang) als Hofrat und wurde zum Dechant des Bonifatius-Stifts in Hameln ernannt. Er entwarf den Plan zu einer Bedienten- (Staatsdiener-) Wittwen-Casse und gab damit den Anstoß zur Einrichtung der calenbergischen allgemeinen Wittwen-Casse. Lange Jahre hindurch war er Mitarbeiter der Zeitschrift Bibliothek der schönen Wissenschaften und Rezensent englischer und italienischer Werke über Kunst. Er verfasste ausführliche Anzeigen über englische Kupferstiche sowie Beiträge zu Carl Heinrich von Heinekens Dictionnaire des artistes und zu den Göttingischen Gelehrten Anzeigen.

Er war verheiratet mit seiner Stiefschwester Marie Friederike (1730–1807), Tochter von Conrad Wilhelm Werckmeister, braunschweig-lüneburgischer Rat, und Dorothea Schultze, die in zweiter Ehe seinen Vater Georg Friedrich Brandes geheiratet hatte. Das Paar hatte einen Sohn, den späteren Juristen Ernst Brandes (1758-1810), und drei Töchter, darunter Louise Amalie, die den Göttinger Mediziner und Zoologen Johann Friedrich Blumenbach († 1840) heiratete, und Georgine Christine Dorothea, die spätere Frau des Göttinger Philologen Christian Gottlob Heyne († 1812).

Sammlungen[Bearbeiten]

Bibliothek[Bearbeiten]

Beispielbände der Sammlung Brandes
Exlibris EX MUSEO GEORG:FRID:BRANDES

Brandes Bibliothek gilt als eine der bedeutendsten deutschen Privatbibliotheken der Aufklärung. Brandes hatte diese Bibliothek im Laufe seines Lebens zusammengetragen und sich dabei von Göttinger Universitätsbibliothekaren, vor allem von Christian Gottlob Heyne, beraten lassen. Die Elemente einer gelehrten und bibliophilen Bibliothek vereinigende Sammlung umfasst alle Wissenschaftsfächer. Die 22.000 Bände haben jedoch einen klaren Schwerpunkt in der Wissenschaftsgeschichte sowie in den Geisteswissenschaften, insbesondere im Bereich der Geschichte des Altertums und der Sprach- und Literaturwissenschaft. Sie enthält auch Handschriften wie die Nachschrift einer Algebravorlesung von Abraham de Moivre, den Brandes 1742 in London hörte.[3] Die Bibliothek weist anhand ihrer reich geschmückten Ledereinbände und Buchschnitte einen deutlich bibliophilen Charakter auf.

Herzog Peter Friedrich Ludwig von Oldenburg kaufte 1790 die etwa 22.000 Bände umfassende, enzyklopädisch angelegte Bibliothek für 24.000 Taler. Sie bildete 1792 den Grundstock der heutigen Landesbibliothek Oldenburg. Heute wird sie jedoch nicht mehr als geschlossene Sammlung aufbewahrt, sondern ist in die alte Systematik des Bestandes integriert. Sie ist aber sowohl über die typischen Einbände als auch über die zahlreichen Exlibris und handschriftlichen Namensvermerke bis heute eindeutig zu identifizieren. Seit Ende 2010 wird in der sogenannten Digitalen Sammlung Brandes der Landesbibliothek eine Auswahl von rund 200 Bänden präsentiert.[4] Die Digitalisierung erfolgt im Rahmen eines Projektes vor Ort und steht im Zusammenhang mit einer großen Ausstellung über Brandes, die von November 2010 bis Februar 2011 in der Landesbibliothek gezeigt wird.[5]

Kupferstichsammlung[Bearbeiten]

Brandes besaß auch eine der bedeutendsten Kupferstichsammlungen seiner Zeit von über 42000 Blättern, darunter 15000 Gelehrten-Porträts und über 550 Blätter von Albrecht Dürer. Er selbst hatte dafür einen Katalog in vier Foliobänden nach den fünf Schulen (Italienische, Niederländische, Französische, Deutsche und Englische Malschule) entworfen, den nach seinem Tode Professor Michael Hubert (1727–1804) 1793 als Catalogue raisonné du Cabinet d’Estampes de feu Mr. Brandes in zwei Bänden herausgab. Die Sammlung wurde in zwei Teilen am 18. April und 3. Oktober 1796 in Leipzig verkauft und gilt heute als verschollen.

Werke[Bearbeiten]

  • Bemerkungen über das Londoner, Pariser und Wiener Theater. Göttingen: bey Johann Christian Dieterich 1786

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Hinweis in ADB, er sei als Führer des späteren Generals Johann Ludwig von Wallmoden-Gimborn mit diesem gereist, erscheint nicht glaubwürdig, da dieser erst 1736 geboren wurde
  2. ADB (Lit.)
  3. Menso Folkerts: Eine Algebravorlesung von Abraham de Moivre, in: Form, Zahl, Ordnung: Studien zur Wissenschafts- und Technikgeschichte: Ivo Schneider zum 65. Geburtstag. (Boethius. Texte und Abhandlungen zur Geschichte der Mathematik und der Naturwissenschaften 48). Franz Steiner Verlag, 2004, ISBN 3-515-08525-4, S. 269-277
  4. Digitale Sammlungen der Landesbibliothek Oldenburg
  5. Hinweise zur Ausstellung