Georg Habsburg-Lothringen

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Georg Habsburg-Lothringen

Paul Georg Habsburg-Lothringen[1] (ungarisch Habsburg György,[2] in Deutschland, Ungarn und medial auch (Paul) Georg von Habsburg) (* 16. Dezember 1964 in Starnberg als Paul Georg Maria Joseph Dominikus Habsburg-Lothringen) ist Manager in der Medienbranche und war ab 16. Dezember 1996[3] als Sonderbotschafter Ungarns für die EU-Verhandlungen tätig.[4]

Er steht hinter seinem Neffen Ferdinand Zvonimir an zweiter Stelle der Nachfolge seines Bruders Karl als Oberhaupt des „Hauses Habsburg“.[5] Nach den historischen Traditionen wird Georg Habsburg-Lothringen medial und gesellschaftlich oft auch als Erzherzog bezeichnet.[6][4]

Leben[Bearbeiten]

Paul Georg Habsburg-Lothringen ist der jüngste Sohn von Otto und Regina Habsburg-Lothringen (von Habsburg). Nach seinem Abitur 1984 in Tutzing (Bayern) studierte er von 1984 bis 1993 Rechtswissenschaft, Politikwissenschaften, Geschichte und Islamistik in Innsbruck, Madrid und München. Władysław Bartoszewski bezeichnete seinen ehemaligen Studenten im Rückblick als „eher rechtskonservativ gesinnt“.[7] Neben seinem Studium war er 1987/88 Mitarbeiter beim ZDF für Zeitgeschichte und leitete von 1990 bis 1992 eine TV-Produktionsfirma.[3]

Seit 1993 lebt Georg Habsburg-Lothringen in Sóskút bei Budapest, wo er ab 1995 leitende Funktionen in Fernsehproduktionsfirmen und TV-Anstalten übernahm.[3] Ende 1996 wurde er Sonderbotschafter Ungarns[8] und setzte sich für die 2004 erfolgte Aufnahme des Landes in die Europäische Union ein.[4] Bei der Europawahl 2009 zum Europäischen Parlament kandidierte er auf der Liste des Magyar Demokrata Fórum (MDF).[9] Das moderat-konservative Ungarische Demokratische Forum erreichte nur 5,3 % und mit nur einem Mandat, das jedoch nicht an Georg Habsburg fiel.[10]

Anders als Otto Habsburg-Lothringen, der einen Vollbeitritt der Türkei zur EU gänzlich ablehnte und eine „privilegierte Partnerschaft“ bevorzugte, versichert Sohn Georg der Türkei, wenn sie aus seiner Schätzung in 10 bis 15 Jahren die Beitrittskriterien erfüllt, seine Unterstützung.[11] Er spricht sechs Sprachen,[5] darunter die Muttersprache Deutsch und Ungarisch.

Familie[Bearbeiten]

1995 lernte der Katholik bei einer Bergwanderung im Allgäu[8] die Protestantin Eilika Herzogin von Oldenburg (* 22. August 1972 in Bad Segeberg) kennen. Das Paar verlobte sich im Februar 1997 und heiratete am 18. Oktober 1997 in der St. Stephans-Basilika von Budapest. Das Paar hat drei Kinder, Sophia, Ildikó und Karl-Konstantin.[1]

„Traumhochzeit“

An dem von den Medien als „Traumhochzeit“ bezeichneten Ereignis nahmen der ungarische Staatspräsident Árpád Göncz und der Ministerpräsident Gyula Horn teil.[6] Árpád (v.) Klimó sieht darin in einem Aufsatz zur ungarischen Vergangenheitsbewältigung ein „konkreter[es]“ Zeichen dafür, „dass in Ungarn keine Aufarbeitung, sondern eher eine Auslöschung der Periode von 1945-89 statt[finden]“ würde, wo nun die „Heilige Stephanskrone“ „nun wieder, wie zur Horthyzeit das ungarische Staatswappen [ziert]“ „und man […] von einer sehr oberflächlichen Rechristianisierung und Remonarchisierung der staatlichen Symbole sprechen“ könne.[12]

Staatsbürgerschaften und Name[Bearbeiten]

(Paul) Georg Habsburg-Lothringen ist von Geburt österreichischer Staatsbürger. 1991[13] erhielt er die ungarische Staatsbürgerschaft. Die Frage in einem Interview der Budapester Zeitung im März 2009: „Im Gegensatz zu Ihrem Vater scheinen Sie den Namenszusatz ‚von‘ eher selten zu tragen. Warum?“ beantwortete er mit:[9]

„Ich selbst verwende das ‚von‘ überhaupt nicht. Es kommt auch in meinen beiden Pässen, dem österreichischen und dem ungarischen, nicht vor. Eigentlich brauche ich als ein Habsburg auch kein ‚von‘. Wer mit Habsburg nichts anfangen kann, kann auch mit einem ‚von‘ nichts anfangen. Immer wieder werde ich aber von anderen Leuten mit ‚von Habsburg‘ angesprochen oder bei Veranstaltungen so angekündigt. Natürlich verbessere ich dann die Leute nicht oder streiche das ‚von‘ weg. Schließlich ist es der historische Name.“

Zugehörigkeiten und Ehrenämter[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Eilika Habsburg-Lothringen auf der Website ihrer Habsburg-Eilika-Stiftung. Abgerufen am 22. Juni 2011.
  2. Ein Picknick wie ein Geschichtsunterricht. In: Der Standard, 23.. August 2010. Abgerufen am 22. Juni 2011.
  3. a b c Georg von Habsburg. In: Thomas W. Schwarzers „Autorisierte Ehrenseite“ zu „Otto von Habsburg“ und seiner Familie. Abgerufen am 22. Juni 2011.
  4. a b c Boris Kálnoky: Erlebte Geschichte. Georg von Habsburg über Ungarns Weg. In: Die Welt Online, 12. März 2009. Abgerufen am 22. Juni 2011.
  5. a b Habsburg: Eine europäische Familie im 21. Jahrhundert. Georg Habsburg. In: DiePresse.com, 4. Oktober 2010. Abgerufen am 22. Juni 2011.
  6. a b Hochzeit auf den Spuren von Sissi. Paul Georg von Habsburg heiratet in Budapest Eilika von Oldenburg. In: Rhein-Zeitung/AP, 19. Oktober 1997. Abgerufen am 22. Juni 2011.
  7. Władysław Bartoszewski: Polen und Deutschland. Interessen- und Wertegemeinschaft. Programmschrift zu: „I. Deutsch-Polnischer Kongress Lokaler Selbstverwaltungen, Piechowice, 26.–27. November 2007“, S. 17. (PDF; S. 9. Abgerufen am 22. Juni 2011.)
  8. a b Boris Kálnoky: Des Kaisers Enkel ist ein Macher. In: Die Welt Online, 18. Oktober 1997. Abgerufen am 22. Juni 2011.
  9. a b Jan Mainka: „Ungarn braucht jede helfende Hand“. Interview mit Georg Habsburg. In: Budapester Zeitung, 23. März 2009. Abgerufen am 22. Juni 2011.
  10. Patricia Driese, dpa: Dati und Basescu: Das EU-Parlament schillert. In: EU-Info.Deutschland/dpa, 8. Juni 2009. Abgerufen am 22. Juni 2011.
  11. Clemens Neuhold: Ein Habsburger geht nach Brüssel. „Der Enkel des letzten Kaisers könnte bald EU-Abgeordneter für Ungarn sein.“ In: EUspresso, 2009 (ohne Datum). Abgerufen am 22. Juni 2011.
  12. Árpád v. Klimó: Überlegungen zur „Vergangenheitsbewältigung“ in Ungarn 1989-99. Ausarbeitung eines Beitrags zum Geschichtsforum Berlin, 30. Mai 1999. In: Email von Klimo Arpad an H-Soz-u-Kult, 4. Jänner 2001. Abgerufen am 22. Juni 2011.
  13. Hamburger Abendblatt, 6. April 1996: Über die ungarische Staatsbürgerschaft Georg Habsburg-Lothringens. „auf seiner Visitenkarte steht ein schlichtes, bürgerliches "Habsburg György" (Georg Habsburg)“.
  14. Tüke-Preis an Diözesanbischof Michael Mayer Christliche Identität stärken. In: Neue Zeitung. Ungarndeutsches Wochenblatt 6. Februar 2010. Abgerufen am 22. Juni 2011.