Georg Hermann

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Georg Hermann mit seiner Ehefrau, 1908. Foto von Marta Wolff.
Gedenktafel am Haus Kreuznacher Str. 28 in der Künstlerkolonie Berlin

Georg Hermann, eigentlich Georg Hermann Borchardt (* 7. Oktober 1871 in Berlin; † 19. November 1943 im KZ Auschwitz-Birkenau)[1] war ein deutsch-jüdischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Familie und Jugend[Bearbeiten]

Georg Hermann wurde 1871 als jüngstes von sechs Kindern einer alteingesessenen jüdisch-berlinerischen Familie mit dem Namen Georg Borchardt geboren. Der gewählte Name Hermann war der Vorname seines Vaters,[2] „dessen Leben und Sterben das harte Leben und bittere Sterben des hoffnungslos Unterliegenden war.“ Den Namen des Vaters sollte er wieder zu Ehren bringen – so Georg Hermann zur Wahl seines Pseudonyms.

Der Ägyptologe und Archäologe Ludwig Borchardt war sein Bruder. Georg Hermann arbeitete als kaufmännischer Lehrling und besuchte von 1896 bis 1899 literarische, kunstgeschichtliche und philosophische Vorlesungen an der Universität Berlin. Später war er beim Statistischen Amt Berlin beschäftigt und schrieb für vierzig Zeitungen und Zeitschriften, vor allem aus dem Ullstein-Verlag.

Schriftsteller[Bearbeiten]

Georg Hermann war im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ein vielgelesener Schriftsteller. Sein literarisches Vorbild war Theodor Fontane, was ihm auch die Bezeichnung „jüdischer Fontane“ eintrug. Die Romane Jettchen Gebert und Henriette Jacoby, die im Berlin der 1840er Jahre spielen und ein Bild des liberalen Geistes dieser Zeit in einer jüdischen Familie zeichnen, waren seinerzeit Bestseller mit zusammen mehr als 260 Auflagen. Seine anderen Romane erreichten nicht die gleiche Popularität.

Georg Hermann war 1909 Mitgründer und 1910–1913 erster Vorsitzender des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller, dem bald fast alle prominenten Schriftsteller deutscher Sprache beitraten.

Verfolgung und Exil[Bearbeiten]

Durch die Nationalsozialisten ständig bedroht, entschloss sich Hermann nach dem Reichstagsbrand im Jahre 1933, Deutschland zu verlassen. Mit seinen zwei jüngsten Töchtern und seiner geschiedenen Frau ging er nach Holland ins Exil. Georg Hermanns Werke standen auf der „Schwarzen Liste“ und wurden bei den Bücherverbrennungen im Mai 1933 den Flammen übergeben. Im Exil schrieb Hermann unter schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen Eine Zeit stirbt sowie drei weitere Romane. Nach der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht wurde er Anfang 1943 gezwungen, sich von seinem Wohnort Hilversum nach Amsterdam zu begeben.[3] Aus Amsterdam wurde Hermann mit der Tochter aus zweiter Ehe Ursula und deren Sohn Michael in das Durchgangslager Westerbork und am 16. November 1943 ohne Tochter und Enkel in das KZ Auschwitz deportiert. Der Transport mit 995 „Juden aus dem Lager Westerbork“ erreichte Auschwitz am 17. November 1943. Als Todesdatum gilt der 19. November 1943.[4]

Gedenkstein[Bearbeiten]

Gedenkstein im Georg-Hermann-Garten

Dem Schriftsteller ist der parkähnliche Georg-Hermann-Garten in Berlin-Friedenau gewidmet. Dieser Garten wurde 1962 als Gedenkort eingeweiht. In seinem Roman Der kleine Gast aus dem Jahr 1925 beschrieb Hermann seinen damaligen Wohnort Friedenau liebevoll als idyllisches Gartenviertel und als „Eldorado der Tonzwerge“. Die Zugänge zum Garten liegen in der Goßlerstraße 24–25 und in der Stubenrauchstraße 6. Der Zugang Bundesallee 79–81 führt jetzt nur noch zur Kindertagesstätte Pestalozzi-Fröbel-Haus. Im Garten wurde ein Gedenkstein für Georg Hermann aufgestellt, der etwas versteckt auf dem eingezäunten Kita-Spielplatz steht.

Werke[Bearbeiten]

Romane/Erzählungen[Bearbeiten]

  • Spielkinder, 1896
  • Modelle, 1897
  • Die Zukunftsfrohen, 1898
  • Aus dem letzten Hause, 1900
  • Jettchen Geberts Geschichte, 1906-1909 (120. Auflage 1927)
  • Henriette Jacoby, 1908
  • Kubinke, 1910 (Die Geschichte eines Berliner Frisörs, 18. Aufl. 1922)
  • Aus guter alter Zeit, 1911
  • Die Nacht des Doktor Herzfeld, 1912 (19. Aufl. 1922)
  • Heinrich Schön jr., 1915 (26. Aufl. 1922)
  • Vom gesicherten und ungesicherten Leben, 1915 (5. Aufl. 1922)
  • Der Guckkasten, 1916
  • Einen Sommer lang, 4. Aufl. 1917
  • Kleine Erlebnisse, 1920
  • Schnee, 1921 (über den Weltkrieg)
  • Die steile Treppe, 1925
  • Der kleine Gast,. 1925
  • Spaziergang in Potsdam, 1926
  • Tränen um Modesta Zamboni, 1927
  • Träume der Ellen Stein, 1929
  • Grenadier Wordelmann, 1930
  • November 18, 1930
  • Das Buch Ruth, 1931
  • Ruths schwere Stunde, Amsterdam 1934
  • Rosenemil, 1935
  • Der etruskische Spiegel. Zeichnungen von Charles Eyck, Verlag Menno Hertzberger, Amsterdam1936. Charles Eyck war ein in den Niederlanden sehr bekannter Künstler.
  • Nur für Herrschaften, 1949

Dramen[Bearbeiten]

  • Der Wüstling, 1911
  • Frau Antonie, 1917
  • Mein Nachbar Ameise, 1918

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Die deutsche Karikatur im 19. Jahrhundert, 1901
  • Wilhelm Busch, Berlin 1902
  • Skizzen und Silhouetten, Darmstadt 1902
  • Max Liebermann, Berlin 1904
  • Die Kette, 1917-1934 (fünfbändige Darstellung jüdischen Lebens des Deutschland von 1899-1923)
  • Randbemerkungen, 1919 (politische Kommentare, 3. Aufl. 1920)
  • Der doppelte Spiegel, Berlin 1926 (polemische Schrift über die Judenproblematik in Deutschland)
  • Eine Zeit stirbt, 1933 (autobiographisch)
  • M. B., der unbekannte Fussgänger, 1935 (autobiographisch)
  • Weltabschied, 1935 (Essay, Reflexionen über sein eigenes Judentum)

Werkausgaben[Bearbeiten]

  • Georg Hermann. Gesammelte Werke. Berlin und Leipzig, 1922 (5 Bände).
  • Unvorhanden und stumm, doch zu den Menschen noch reden. Briefe aus dem Exil 1933-1941 an seine Tochter Hilde. Mit einem Essay: Weltabschied, hrsg. von L. Nussbaum, Mannheim 1991
  • Gert und Gundel Mattenklott (Hg): Georg Hermann. Werke und Briefe in 21 Bänden. Verlag Das Neue Berlin, Berlin 1996 bis 2001 (davon 10 Bände erschienen)

Herausgebertätigkeit[Bearbeiten]

  • Das Biedermeier im Spiegel seiner Zeit, Briefe, Tagebücher, Memoiren, Volksszenen und ähnliche Dokumente, Berlin 1913.[5]

Bearbeitungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. John F. Oppenheimer (Red.): Lexikon des Judentums. Bertelsmann, Gütersloh 1971, ISBN 3-570-05964-2, Sp. 285.
  2. ein nicht sehr erfolgreicher Kaufmann, der 1875 bankrottging
  3. Digital Monument to the Jewish Community in the Netherlands.
  4. Bundesarchiv 2007: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945
  5. online bei archive.org

Weblinks[Bearbeiten]