Georg II. (Sachsen-Meiningen)

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Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen, (* 2. April 1826 in Meiningen; † 25. Juni 1914 in Bad Wildungen) war regierender Herzog von Sachsen-Meiningen, Reformator und Förderer der Theaterkunst, Theaterleiter, Regisseur, Bühnenbildner, Kulturpolitiker und ein Förderer der Musik, auch bekannt als „Theaterherzog“. Georg II. war aber auch ein großer Reformator der Politik in seinem Herzogtum.

Herzog Georg II.

Leben[Bearbeiten]

Werdegang[Bearbeiten]

Ellen Franz, dritte Ehefrau von Georg II., 1870

Erbprinz Georg II. von Sachsen-Meiningen wurde am 2. April 1826 in Meiningen als Sohn von Bernhard II., Herzog von Sachsen-Meiningen, und dessen Gattin Marie geb. Prinzessin von Hessen-Kassel (1804–1888) geboren. In seiner Kindheit – er hatte nur eine wesentlich jüngere Schwester namens Auguste (1843–1919), ab 1862 Prinzessin von Sachsen-Altenburg - wurde er von bedeutenden Pädagogen wie Friedrich Fröbel und Moritz Seebeck erzogen. Ab 1844 studierte er an der Bonner Universität Kunstgeschichte, Geschichte und Recht, unter anderem bei Ernst Moritz Arndt, Friedrich Christoph Dahlmann und Gottfried Kinkel, 1847 beendete er sein Studium in Leipzig. Später genoss er eine Malereiausbildung bei dem Hofmaler Paul Schellhorn. Er kam in Kontakt mit bedeutenden Künstlern seiner Zeit und galt als großer Mäzen. Seinem Bonner Studienkollegen August Schleicher ermöglichte er eine ausgedehnte Forschungsreise, indem er ihn finanziell unterstützte. Anschließend leistete er seinen Militärdienst.

Familie[Bearbeiten]

1850 ehelichte Erbprinz Georg mit einer Liebesheirat die preußische Prinzessin Charlotte (1831–1855), Tochter von Albrecht von Preußen und Prinzessin Marianne von Oranien-Nassau. Der Ehe entstammen die drei Kinder Bernhard III., Georg Albrecht (1852–1855) und Maria Elisabeth (1853–1923). Prinzessin Charlotte starb gemeinsam mit ihrem vierten Kind im Kindbett. 1858 heiratete Georg Prinzessin Feodora (1839–1872), Tochter von Ernst I. Fürst zu Hohenlohe-Langenburg (1794–1860) und dessen Frau Feodora Prinzessin zu Leiningen (1807–1872), einer Halbschwester der britischen Königin Victoria. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor: Ernst (1859–1941), Friedrich Johann (1861–1914) und Viktor, der wenige Tage nach seiner Geburt im Mai 1865 verstarb. Seine dritte Gemahlin wurde die Schauspielerin Ellen Franz (1839–1923), die vor der Hochzeit 1873 zur Helene Freifrau von Heldburg ernannt wurde. Seit 1868 seine Geliebte, verband die beiden das gemeinsame künstlerische Interesse und die Theaterarbeit. Diese morganatische Ehe rief unter Adelskreisen Entrüstung hervor.

Regentschaft[Bearbeiten]

5 Mark von 1908 mit Konterfei Georgs II.

Auf Druck Otto von Bismarcks musste Georgs Vater Herzog Bernhard II., der im Deutschen Krieg auf der Seite von Österreich stand, im Jahre 1866 abdanken, so dass er als Georg II. regierender Herzog des Landes wurde. 1867 übernahm er das Kommando über das 2. Thüringische Infanterie-Regiment Nr. 32, das seinen Standort in der Meininger Hauptkaserne hatte. 1871 nahm Herzog Georg II. gemeinsam mit seinem ältesten Sohn und Erbprinzen Bernhard III. am Deutsch-Französischen Krieg teil und auch an der Kaiserproklamation in Versailles am 18. Januar 1871[1] [2]. Eingeschränkte Souveränitätsrechte blieben dem Herzog auch nach der Bildung des Deutschen Reichs. Die Reichsgründung zunächst positiv bewertend, kam es aber 1889 zum Bruch zwischen Georg II. und dem Kaiser Wilhelm II., da sich die liberalen und humanistischen Grundsätze von Georg II. nicht mit der konservativen, chauvinistischen Politik des Hohenzollern und Kaisers vereinbaren ließen. Georg II. trat für eine liberale, parlamentarische und englandfreundliche Monarchie ein, die eine Integration der neu entstandenen Sozialdemokratie in die Landespolitik beinhaltete.

Unter der Regentschaft von Herzog Georg II. fand eine Liberalisierung der Politik, des Rechtswesens und der Gesellschaft statt, und es wurden weiterhin Reformen im Schulsystem (Volksschulgesetz und schulärztliche Versorgung ab 1875), im Wahlsystem und in der Verwaltung (Gemeindegesetz 1897) durchgeführt. Georg II. setzte sich auch für die Gleichberechtigung der Frau in pädagogischen und akademischen Berufen ein. Seine Tätigkeit als regierender Herzog ist somit genauso hoch einzuschätzen wie seine Verdienste in der Kultur und Kunst.

Förderer von Kunst und Kultur[Bearbeiten]

Inschrift am 1909 erbauten Meininger Theater – ein Zeugnis der Volksverbundenheit von Georg II.

Berühmt war Georg II. für sein Wirken für das Theater und insbesondere mit der Neuorganisation des Meininger Hoftheaters und der Meininger Theatergruppe (siehe Meininger). Er führte selbst Regie, entwarf Kostüme und ging mit seinen Reformen des Regietheaters, den sogenannten Meininger Prinzipien, in die Kulturgeschichte ein. Zusammen mit seiner dritten Frau, der Schauspielerin Ellen Franz, der späteren Helene Freifrau von Heldburg (Hochzeit 1873 in Bad Liebenstein), und Regisseur Ludwig Chronegk führte er die „Meininger“ zu internationalem Ruhm mit Auftritten in Berlin, Wien, Moskau, London und in vielen weiteren Städten Europas. Durch diese Tourneen, die bis 1890 durchgeführt wurden, verbreiteten sich seine Ideen des modernen Regietheaters rasch auf den Bühnen Europas. Meiningen gilt noch heute als Theaterstadt.

Unter Georg II. gelangte auch die Meininger Hofkapelle zu Weltruhm. Der Aufbau wurde durch das Engagement von Hans von Bülow im Jahre 1880 begonnen, der hier die "Meininger Prinzipien" der Orchesterarbeit schrieb und die Kapelle zu einem Eliteorchester formte, das unter Führung weiterer bekannter Dirigenten seine hohe Qualität bis 1914 beibehalten konnte. Ein enger Freund von Georg II. wurde in dessen letzten Lebensjahren Johannes Brahms, der oft im Herzoghaus zu Gast war und mit der Hofkapelle zusammenarbeitete.

Der Herzog unterhielt weitere zahlreiche Beziehungen zu Malern, Bildhauern, Schauspielern, Musikern und Wissenschaftlern, deren Arbeiten er förderte und unterstützte. Viele Künstler und Intellektuelle waren bei ihm zu Gast in der Residenz Meiningen, auf Schloss Altenstein, der Veste Heldburg, dem Berghaus Salet Alp und insbesondere in der Villa Carlotta. Georg II. war somit auch ein Förderer der Kunst und Kultur nicht nur im Herzogtum, sondern auch darüber hinaus. Durch seine humanistische Lebenseinstellung und die durchgeführten liberalen Reformen war er bei seinem Volk äußerst beliebt. Bei einem Kuraufenthalt in Bad Wildungen starb Herzog Georg II. am 25. Juni 1914 im Alter von 88 Jahren und wurde am 28. Juni 1914 auf dem Parkfriedhof Meiningen beigesetzt.

Nach Herzog Georg II. ist in Meiningen die „Georgsbrücke“ über die Werra westlich der Altstadt und die Geriatrische Fachklinik „Georgenhaus“ (zuvor Georgenkrankenhaus 1832–1952, danach Bezirkskrankenhaus) benannt.

Nachkommen[Bearbeiten]

Grabanlage von Georg II. und Helene Freifrau von Heldburg auf dem Parkfriedhof Meiningen

Aus erster Ehe mit der Prinzessin Charlotte (1831–1855):

∞ 1878 Prinzessin Charlotte von Preußen (1860–1919)

Aus zweiter Ehe mit der Prinzessin Feodora zu Hohenlohe-Langenburg (1839–1872):

∞ 1892 Katharina Jensen (1875–1945), „Freifrau von Saalfeld“ 1892
∞ 1889 Prinzessin Adelheid zur Lippe-Biesterfeld (1870–1948)
  • Viktor (*/† 1865)

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Trinks: Erinnerungen an Herzog Georg II. und Zeitbilder aus und für Saalfeld-Saale. Saalfeld 1925
  • Ulrich Heß: Georg II.. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 6, Duncker & Humblot, Berlin 1964, ISBN 3-428-00187-7, S. 228 f. (Digitalisat).
  • Hannelore Schneider, Alfred Erck: Georg II. von Sachsen-Meiningen. Ein Leben zwischen ererbter Macht und künstlerischer Freiheit. Zella-Mehlis/Meiningen 1997.
  • Alfred Erck: Geschichte des Meininger Theater. Das Meininger Theater 2006.
  • Kuratorium Meiningen: Lexikon zur Stadtgeschichte Meiningen. Bielsteinverlag Meiningen, 2008, ISBN 978-3-9809504-4-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Georg II. (Sachsen-Meiningen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource Der siebzigste Geburtstag Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen. In: Die Gartenlaube, Jahrgang 1896online verfügbar bei Wikisource

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dr. Theodor Toeche-Mittler: Die Kaiserproklamation in Versailles am 18. Januar 1871 mit einem Verzeichniß der Festtheilnehmer, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1896
  2. H. Schnaebeli: Fotoaufnahmen der Kaiserproklamation in Versailles, Berlin 1871
Vorgänger Amt Nachfolger
Bernhard II. Herzog von Sachsen-Meiningen
1866–1914
Bernhard III.