Georg Quander

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Georg Quander (2011)

Georg Quander (* 29. November 1950 in Düsseldorf) ist ein deutscher Opern- und Filmregisseur, Musikjournalist, Autor und ehemaliger Staatsopernintendant der Deutschen Staatsoper Berlin, Kulturmanager und vom 1. Juni 2005[1] bis zum 31. Mai 2013 Kulturdezernent in Köln. Als Nachfolgerin wählte am 30. April 2013 der Stadtrat die Parteilose Susanne Laugwitz-Aulbach.[2]

Leben und Karriere[Bearbeiten]

Georg Quander, geboren 1950 als Sohn des Tierarztes Joachim Quander, studierte nach seinem Abitur 1970 am Düsseldorfer Görres-Gymnasium Theaterwissenschaften, Musikwissenschaft, Kunstwissenschaft, Kunstgeschichte und Altamerikanistik an der FU Berlin und arbeitete seit 1973 während des Studiums als Dramaturg, freier Musikjournalist und Autor für verschiedene Rundfunkanstalten, Zeitungen und Kulturinstitutionen. Seit 1979 war Quander Musikredakteur beim damaligen SFB-Hörfunk und -Fernsehen (bis 1987) und arbeitete von 1988–1991 als Hauptabteilungsleiter Musik und Unterhaltung beim damaligen RIAS Berlin. Von 1991 bis 2002 war er Intendant der Staatsoper Unter den Linden Berlin an der Seite des Generalmusikdirektors Daniel Barenboim. In dieser Zeit hat er die DDR-Staatsoper in einen modernen Opernbetrieb umgewandelt und die Zahl der Mitarbeiter von rund 1.400 auf 700 reduziert, dies ohne Skandale. Sein Metier auf dem Parkett waren überwiegend Stücke, die seit dem 18. Jahrhundert an der Staatsoper uraufgeführt wurden. Neben den Barockwerken hat er immer wieder Uraufführungsaufträge zur Moderne vergeben.

2001 ernannte ihn die (Fach-)Hochschule Bremen zum Professor ehrenhalber.[3] Die Honorarprofessoren des berufsbegleitenden Studienganges Musik- und Kulturmanagement stellen u.a. Praktikumsplätze in ihren Einrichtungen zur Verfügung.[4]

Am 28. April 2005 wurde der parteilose Georg Quander auf Vorschlag der CDU mit großer Mehrheit vom Rat der Stadt Köln für acht Jahre zum Dezernenten für Kunst und Kultur gewählt. Damit tritt er nach einer Vakanz von rund einem Jahr die Nachfolge der plötzlich verstorbenen Marie Hüllenkremer an, nachdem die Kandidatur des Kasseler Theaterintendanten Christoph Nix gescheitert war.

In seiner Amtszeit will sich Quander unter anderem für eine weitere Aufstockung des Kulturetats einsetzen, den er bereits erhöhen konnte. Ferner will er die freie Szene in der Stadt Köln mehr fördern sowie den Kulturinstitutionen, insbesondere den städtischen Museen, eine größere Selbständigkeit einräumen.

Für 2007 erreichte Quander eine Erhöhung des Kölner Kulturetats von zehn Millionen Euro und beabsichtigt für die kommenden Jahre weitere Steigerungen. Unter dem Motto Kulturmetropole am Rhein wurde Ende 2008 ein Kulturentwicklungsplan erarbeitet, der dann vom Rat der Stadt diskutiert und verabschiedet wurde.[5][6]

Ein weiteres, richtungsweisendes Projekt ist die Verwirklichung der „Archäologischen Zone“ zur Regionale 2010, die durch das Städtebauministerium des Landes NRW großzügig finanziell unterstützt wird. Die Realisierung des Großprojektes wird begleitet von einer Umsetzungsgruppe, die aus Vertretern von Stadt, Land, Bezirksregierung, der Agentur Regionale 2010 und dem Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirats der Zone, Gundolf Precht, besteht. Seit Juli 2009 ist die DU Diederichs Projektmanagement zusätzlich als externer Projektsteuerer eingesetzt.[7] Doch obgleich der auf Betreiben des damaligen Oberbürgermeisters Fritz Schramma vorgezogene Wettbewerb für das Museum im Juni 2008 dem Entwurf des Architektenbüros Wandel, Hoefer, Lorch und Hirsch zufiel, ist zumal nach der Verabschiedung der „Gesellschaft zur Förderung eines Hauses und Museums der Jüdischen Kultur“ aus dem Projekt Grundsätzliches ungeklärt.[8] Diskutiert wird nun die teilweise Übernahme (zwischen 51 und 100 %) des Projektes durch den Landschaftsverband Rheinland (LVR).[9]

Zeitgleich war Quander an einer Intendanz an der Stuttgarter Oper interessiert, um dort ab 2011 den damaligen Leiter Albrecht Puhlmann zu beerben. Für Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) war Quander Favorit für den Chefposten.[10][11][12] Dagegen hat es starke Proteste bei den übrigen drei Intendanten des Dreispartenhauses Reid Anderson/Ballett, Hasko Weber/Schauspiel und Marc-Oliver Hendriks/Geschäftsführung, gegeben, zumal keine Findungskommission eingesetzt wurde. Am 20. Juli 2009 hat Quander in einem ausführlichen Telefonat mit Baden-Württembergs Kunstminister Peter Frankenberg (CDU) „mit Bedauern“ angekündigt, „für das Amt nicht mehr zur Verfügung zu stehen“. Da die Entscheidung auf unbestimmte Zeit verschoben wurde, sehe er sich mit Rücksicht auf sein Kölner Amt leider genötigt, sich aus dem Verfahren zurückzuziehen.[13][14] [15][16][17] [1]

Nachdem der Kölner Opernintendant Christoph Damann ab 2008 an das Teatro Nacional de São Carlos in Lissabon wechselte, wurde die Neubesetzung von einer Findungskommission organisiert, deren Vorsitz Peter F. Raddatz von den Städtischen Bühnen der Stadt Köln einnahm und in der zunächst auch Georg Quander Mitglied war (bis er am 21. Mai 2007 aufgrund von möglichen Interessenkonflikten austrat). Georg Quander hatte selbst Interesse an dem Intendantenposten bekundet. „Er selbst will sich aber nicht selbst vorschlagen“, so Quander gegenüber der Kölnischen Rundschau. Quander hatte sich selbst für eine Nichtverlängerung des Vertrages von Christoph Dammann eingesetzt. Die Mitglieder der Findungskommission Sir Peter Jonas, ehemaliger Bayerischer Staatsintendant, der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Klaus Zehelein, der Intendant der Ruhrtriennale Jürgen Flimm, der Kölner Generalmusikdirektor Markus Stenz und der Geschäftsführer der Städtischen Bühnen Köln Peter F. Raddatz haben dann den Schauspieler und Regisseur Uwe Eric Laufenberg berufen.[18] Dem seit der Spielzeit 2009/2010 amtierenden Intendanten der Oper der Stadt Köln Laufenberg wurde dann im Juni 2012 fristlos gekündigt. Dagegen will Laufenberg gerichtlich vorgehen.[19] Auf seinen Vorschlag hin (einzige Kandidatin) wurde dann als Nachfolgerin Birgit Meyer zum Beginn der Spielzeit 2012/2013 (1. September 2012) und zunächst für drei Interimsspielzeiten bis 2014/2015 zur Opernintendantin berufen.[20]

In Quanders Amtszeit fällt ferner die Berufung von Karin Beier zur inszenierenden Intendantin des Schauspiel Köln, deren Vertrag im Juli 2010 bis zur Spielzeit 2013/14 verlängert wurde[21] , dann aber am 7. November 2011 zum 31. August 2013 aufgelöst wurde,[22], da sie bereits zur Spielzeit 2013/14 die Leitung des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg übernehmen wird. Als Nachfolger von Karin Beier hat Quander zum 1. September 2013 den Schweizer Stefan Bachmann geholt. 2012 wurde der Schweizer Ausstellungskurator Philipp Kaiser zum neuen Direktor des Museums Ludwig als Nachfolger Kasper Königs ab dem 1. November 2012 berufen.[23]In Quanders Amtszeit fällt 2012 die Eröffnung der Akademie der Künste der Welt Köln und die Berufung von Marcus Dekiert zum Direktor des Wallraf-Richartz-Museums & Fondation Corboud in der Nachfolge von Andreas Blühm.[24]

Im Dezember 2012 hat sich der Rat der Stadt Köln gegen seine Wiederwahl als Kulturdezernent ausgesprochen. Die Fraktionen von SPD, Grünen und FDP haben dagegen, die CDU für eine Verlängerung gestimmt. Für seine Wiederwahl hatten sich zahlreiche Kulturinitiativen, etwa die Theaterkonferenz und Initiativen der freien Szene, das Kölner Kulturnetz, der Kölner Kulturrat, Leiter städtischer Kultureinrichtungen, das Gürzenich-Orchester, die Fördervereine der städtischen Kölner Museen und der Personalrat der Kulturverwaltung ausgesprochen. Quanders Amtszeit endete am 31. Mai 2013.[25]

Seit 1988 ist Georg Quander mit Jutta, geb. Blaznik, verheiratet und hat zwei Töchter.

Filme[Bearbeiten]

Uraufführungen und Inszenierungen[Bearbeiten]

Mitgliedschaften/Jurys[Bearbeiten]

Publikationen (in Auswahl)[Bearbeiten]

  • Gustav Mahler, Appolini et Musis.
  • Montezuma als Gegenbild des großen Friedrich, in: Preußen. Versuch einer Bilanz, Band 4, Berlin 1981, S. 121-134.
  • Schauplätze für Musik. Tendenzen im amerikanischen Musiktheater der Gegenwart, in: Hellmuth Kühn: 'Musiktheater heute, Mainz u. a., 1982, S. 105ff.
  • Hrsg. mit Hellmut Kühn: Gustav Mahler. Ein Lesebuch mit Bildern. Orell Füssli, Zürich 1982, ISBN 3-280-01377-1.
  • Vom Minimal zum Maximal: Gedanken zu "Satyagraha" von Philip Glass, in: Neue Zeitschrift für Musik Band 143, 1/1982, S. 43-46.
  • Vom Minimal zum Maximal: Zum Problem der musikalischen Disposition, der Zeitstruktur und der Wirklichkeitsstufen in Phil Glass' Oper "Satyagraha", in: Oper heute. Studien zur Wertungsforschung Bd. 16, Böhlau Verlag, Wien, Graz 1985.
  • Das Schweigen des Lord Chandos. Eine musikalische Hommage à Hugo von Hofmannsthal, in: Hofmannsthal-Forschungen Band 8, S. 217-232, Hofmannsthal-Gesellschaft, Freiburg i. Br. 1985.
  • mit Walter Rösler, Manfred Haedler, Micaela von Marcard (Hrsg.): Das Zauberschloß Unter den Linden. Die Berliner Staatsoper. Geschichte und Geschichten von den Anfängen bis heute. Verlag Ed. q, 1997, ISBN 3-8612-43342.
  • Staatsoper unter den Linden (Hg.): Staatsoper unter den Linden 1991 - 2002. Da capo al Fine, Berlin Selbstverlag, 2002.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wer ist Wer? Das deutsche Who’s Who. Band XLIII 2004/05, Bundesrepublik Deutschland. Schmidt Römhild, Lübeck 2004, ISBN 3-7950-2038-7, S. 1102.
  • Who is Who in der Bundesrepublik Deutschland. Band 2. 2. Ausgabe 1992. Zusammengestellt und herausgegeben von Ralph Hübner. Verlag für Prominentenenzyklopädien, Zug (Schweiz) 1992, ISBN 3-7290-0012-8, S. 1188.
  • Hartmut Wilmes: Köln soll Spitzentöne produzieren. Kulturdezernent bilanziert, blickt voraus und bekennt sich zum Amt und Auf Kurs. In: Kölnische Rundschau. Nr. 126, 2. Juni 2007, S. 12.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Georg Quander – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Interview mit Georg Quander: „Köln hat große Fortschritte gemacht”, Kölnische Rundschau 30. Dezember 2011
  2. Kölner Stadt-Anzeiger (KStA) Köln vom 30. April 2013: Verwaltung. Rat wählt Kulturdezernentin (ksta), abgerufen am 1. Mai 2013
  3. http://www.operundtanz.de/archiv/2001/05/namenfakten.shtml
  4. http://www.graduatecenter.org/master-ma/master-teilzeit/master-in-kulturmanagement/lehrende/honorarprofessoren.html
  5. http://www.ksta.de/html/artikel/1246883646962.shtml
  6. http://www.theaterzeitung-koeln.de/archiv/akt28-dezember-2011/aus-der-koelner-theaterszene-dezember-2011/interviewt/
  7. http://www.report-k.de/content/view/20213/127/
  8. http://www.ksta.de/html/artikel/1246883778008.shtml
  9. Projekt Jüdisches Museum sucht Träger im Kölner Stadt-Anzeiger (KStA) erstellt 25. August 2011
  10. http://www.suedwest-aktiv.de/landundwelt/feuilleton/4457088/artikel.php?SWAID=1630e702f93dcd11e1f477a096acec28
  11. http://www.tagesspiegel.de/kultur/art772,2846190
  12. http://zenongo.blogspot.com/2009/07/flimm-puhlmann-quanderwar-doch-nur-ein.html
  13. http://www.news-adhoc.com/quander-will-nicht-mehr-opernintendant-in-stuttgart-werden-idna2009072040845/
  14. http://www.stuttgarter-nachrichten.de/stn/page/detail.php/2133220
  15. http://www.ksta.de/html/artikel/1247853625059.shtml
  16. http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2133243_0_9223_-opernintendant-fuer-stuttgart-quander-macht-am-telefon-schluss.html
  17. http://www.pr-inside.com/de/quander-wirft-frankenberg-laquo-chaotisches-raquo--r1400004.htm
  18. http://www.stadt-koeln.de/1/presseservice/mitteilungen/2007/02078/
  19. Stadt feuert Intendant Laufenberg Kölner Stadtanzeiger, 20. Juni 2012, abgerufen 4. Juli 2012
  20. http://www.stadt-koeln.de/1/presseservice/mitteilungen/2012/07247/index.html Homepage Stadt Köln Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit 6. August 2012
  21. Saarbrücker Zeitung (Kultur) vom 28. Juli 2010, S. B5
  22. Stefan Palm: Hauptausschuss fällt wichtige Personalentscheidungen. Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, 8. November 2011, abgerufen am 8. November 2011.
  23. Stefan Palm: Hauptausschuss fällt wichtige Personalentscheidungen. Abschluss der Verträge für Chefs von Museum Ludwig und Schauspiel beschlossen. Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, 8. November 2011, abgerufen am 8. November 2011.
  24. Lob der Alten Meister. Marcus Dekiert, Leiter der Alten Pinakothek in München, übernimmt das TraditionshausKölner Stadt-Anzeiger (Druckausgabe), 19. Oktober 2012, S. 26
  25. Homepage Kölner Stadt-Anzeiger (KStA) vom 21. Dezember 2012 Offener Brief: Quander dankt der Kulturszene, abgerufen am 30. Dezember 2012