Georg Ratzinger (Kirchenmusiker)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Georg Ratzinger

Georg Ratzinger (* 15. Januar 1924 in Pleiskirchen bei Altötting in Oberbayern) ist ein deutscher römisch-katholischer Priester und Kirchenmusiker. Er ist der Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI. und Großneffe des Reichstagsabgeordneten Georg Ratzinger.

Leben[Bearbeiten]

Georg Ratzinger wurde am 15. Januar 1924 als Sohn des Gendarmeriemeisters Joseph (* 6. März 1877; † 25. August 1959) und der Köchin Maria, geb. Peintner (* 7. Januar 1884; † 16. Dezember 1963) geboren. Er hat zwei Geschwister, Joseph Aloisius (* 16. April 1927) und Maria Ratzinger (* 7. Dezember 1921; † 2. November 1991). Letztere widmete sich bis zu ihrem Tod dem Haushalt Georgs sowie dem Haushalt des späteren Papstes Benedikt XVI.

Bereits als Elfjähriger spielte Georg Ratzinger auf der Kirchenorgel. 1935 trat er in das Kleine Seminar in Traunstein ein, wo er ersten professionellen Instrumentalunterricht erhielt. 1941 hörte er zum ersten Mal die Regensburger Domspatzen, als sie zum Mozartjahr 1941 in Salzburg sangen. Im gleichen Jahr wurde er im Zuge der Beitrittspflicht Mitglied der Hitler-Jugend. Im Sommer 1942 wurde er zum Reichsarbeitsdienst und im Herbst zur Wehrmacht eingezogen. 1944 wurde er in Italien am rechten Oberarm verwundet und geriet gegen Kriegsende in amerikanische Gefangenschaft. Im Juli 1945 kehrte er nach Traunstein heim.

Im Januar 1946 trat er zusammen mit seinem jüngeren Bruder Joseph, dem späteren Papst Benedikt XVI., in das Priesterseminar der Erzdiözese München und Freising ein, gleichzeitig führte er aber seine musikalischen Studien fort. 1951 wurde er zusammen mit seinem Bruder von Kardinal Michael von Faulhaber zum Priester geweiht. Er studierte Kirchenmusik an der Musikhochschule in München, während er gleichzeitig von der Diözese an verschiedenen Orten als Priester eingesetzt wurde. 1957 schloss er die Meisterklasse ab und wurde Chordirektor in Traunstein.

Am 1. Februar 1964 wurde er der Nachfolger von Theobald Schrems als Domkapellmeister am Regensburger Dom und „Chef“ der Regensburger Domspatzen. Dort entstanden unter seiner Leitung Einspielungen großer Werke der Chormusik (u. a. das Weihnachtsoratorium und Motetten von Johann Sebastian Bach und die Psalmen Davids von Heinrich Schütz). Der Chor entfaltete eine rege Konzerttätigkeit mit Reisen in die USA, nach Skandinavien, Kanada, Taiwan, Japan, Irland, Polen, Ungarn, in den Vatikan sowie jährlich einer Deutschlandtournee und erfüllte weiterhin die liturgischen Dienste im Dom von St. Peter in Regensburg.

1976 feierten die Domspatzen ihr 1000-jähriges Bestehen. Im darauf folgenden Jahr leitete Georg Ratzinger den Chor bei der Weihe seines Bruders Joseph zum Erzbischof von München und Freising. 1994 trat er von seinem Amt als Domkapellmeister zurück und lebt seither als Kanonikus des Kollegiatstiftes St. Johann in Regensburg. Sein Nachfolger ist Roland Büchner.

Am 29. Juni 2011 feierte er mit seinem Bruder und weiteren Weihekollegen in Rom sein 60-jähriges Priesterjubiläum.

Im September 2011 erschienen Ratzingers Erinnerungen an seinen Bruder mit dem Titel Mein Bruder, der Papst. Aufgezeichnet wurden sie von dem Journalisten Michael Hesemann.

Wirken[Bearbeiten]

Georg Ratzinger widmete sich der Kirchenmusik nicht nur in seinem Amt als Domkapellmeister (Dirigent), sondern auch als Komponist und Arrangeur. Anlässlich des Heiligen Jahres 2000 schrieb er die Messe L’Anno Santo. Auch ein Satz zu O du fröhliche, der von den Domspatzen gelegentlich als Zugabe in Weihnachtskonzerten gesungen wird, stammt von ihm.

Ehrungen[Bearbeiten]

Im Jahre 1967 verlieh Papst Paul VI. Georg Ratzinger den Ehrentitel Kaplan Seiner Heiligkeit und 1976 den Titel Päpstlicher Ehrenprälat. 1981 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen, 1983 erhielt er den Bayerischen Verdienstorden und 1989 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Am 23. Oktober 1993 wurde ihm von Johannes Paul II. mit dem Titel Apostolischer Protonotar die höchste päpstliche Ehrenprälatenwürde verliehen. Im Jahre 1994 wurde er mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Im Mai 2005 erhielt er außerdem das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse und am 17. Januar 2009 das Großkreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik.

Im August 2008 wurde Georg Ratzinger die Ehrenbürgerschaft von Castel Gandolfo verliehen. Am 25. Januar 2009 wurde er anlässlich seines 85. Geburtstages im Rahmen einer feierlichen Pontifikalvesper von Bischof Gerhard Ludwig Müller zum Ehrendomherrn am Regensburger Dom ernannt.[1]

2010 erhielt er in Rom den „Ehrenpreis der Fondazione Pro Musica e Arte Sacra“, die höchste Auszeichnung, die von der römischen Stiftung für geistliche Kunst und Musik vergeben wird.[2]

Am 15. Januar 2014 beging Georg Ratzinger seinen 90. Geburtstag im Vatikan. Ihm zu Ehren wurde in Anwesenheit seines Bruders, Papst em. Benedikt XVI., ein privat organisiertes Konzert gegeben, Michael Hesemann sprach eine Laudatio. [3]

Kontroverse um pädagogischen Führungsstil[Bearbeiten]

Im März 2010 geriet der pädagogische Führungsstil Ratzingers in die Kritik. Er selber räumte ein, „Früher waren Ohrfeigen einfach die Reaktionsweise auf Verfehlungen oder bewusste Leistungsverweigerung.“, und somit habe auch er solches Verhalten der Sängerknaben am Anfang seiner Chorleitertätigkeit (1964ff.) gelegentlich mit Ohrfeigen bestraft. An das gesetzlich Verbot körperlicher Züchtigungen habe er sich striktissime gehalten, und das habe ihn innerlich erleichtert.[4] Nach Angaben des Nachrichtenmagazins Der Spiegel bezeichneten ehemalige Sänger der Regensburger Domspatzen Ratzinger als „extrem cholerisch und jähzornig“. Er soll „noch Ende der achtziger Jahre bei Chorproben erzürnt Stühle in die Männerstimmen hineingeworfen“ haben.[5] Andere ehemalige Domspatzen, welche sich kurz darauf an die Mittelbayerische Zeitung wandten, nahmen Ratzinger dagegen in Schutz und betonten, es habe zu ihrer Zeit keine derartigen Gewaltanwendungen gegen Sänger gegeben.[6]

Schriften[Bearbeiten]

  • mit Michael Hesemann: Mein Bruder, der Papst. Herbig, München 2011, ISBN 978-3-7766-2678-0.
  • Missa L' anno santo für gemischten Chor a cappella, Feuchtinger & Gleichauf, Regensburg 2000

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Winterer: Der Domkapellmeister. Georg Ratzinger – ein Leben für die Regensburger Domspatzen. Mittelbayerische Druck- und Verlagsgesellschaft, Regensburg 1994, ISBN 3-927529-34-6.
  • Anton Zuber: Der Bruder des Papstes. Georg Ratzinger und die Regensburger Domspatzen, Verlag Herder GmbH, Freiburg 2007, ISBN 978-3-451-29604-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Georg Ratzinger wird Ehrendomherr, Meldung der Diözese Regensburg vom 17. Januar 2009
  2. Italien: Papstbruder erhält Auszeichnung, Radio Vatikan, 25. Oktober 2010
  3. Georg Ratzinger feierte 90. Geburtstag mit seinem Bruder Benedikt XVI., kath.net, 16. Januar 2014
  4. Domspatzen: Papstbruder Ratzinger verteilte Ohrfeigen bei Chorproben Der Spiegel vom 9. März 2010
  5. www.spiegel.de, abgerufen am 14. März 2010
  6. Ehemalige Domspatzen nehmen Georg Ratzinger in Schutz Mittelbayerische Zeitung vom 16. März 2010
Vorgänger Amt Nachfolger
Theobald Schrems Domkapellmeister am Regensburger Dom
19641994
Roland Büchner