Georg Riedel (Komponist)

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Georg Riedel (* 6. Juni 1676 in Sensburg, Herzogtum Preußen; † 5. Februar 1738 in Königsberg i.Pr.) war ein deutscher Kantor und Komponist.

Leben[Bearbeiten]

Über Riedels Leben und Wirken ist wenig bekannt. 1694 immatrikulierte er sich an der Albertus-Universität Königsberg. Seine musikalische Ausbildung erhielt er beim Königsberger Kapellmeister Georg Raddäus. Ihm widmete Riedel im Jahr 1698 eine Geburtstagsmusik, in deren Titel er sich „theol. et phil. stud“ nennt. Zu den Krönungsfeierlichkeiten für Friedrich I. im Januar 1701 komponierte Riedel als „Vormann der Studenten“ die Abendmusik der Königsberger Studentenschaft. Am 24. Mai 1709 kam er als Nachfolger des verstorbenen Kantors Chr. Stephanis an die Altstädtische Kirche (Königsberg). Zugleich wurde er Inspizient des Pauperhauses. Am 24. Oktober 1709 heiratete er in Königsberg Anna Regina Remmerson, Tochter des Goldschmieds Friedrich Wilhelm Remmerson.

Der Kantor Helmut Kickton ist ein Nachfahre von Georg Riedel.

Werke[Bearbeiten]

  • Passionskantate (1719)
  • Reformationskantate (Text von Johann Christoph Gottsched) (1723)
  • Evangelium Sanct Matthäi (1721) (Vertonung des gesamten Matthäusevangeliums [1158 Seiten])
  • Psalmen Davids […] auff alle Sonn- u. Fest Tage (1724) (Vertonung des gesamten Psalters [734 Seiten])
  • Die geistreiche geheimte Offenbarung des Evangelisten Johannis“ (1734) (Vertonung der gesamten Offenbarung [710 Seiten])
  • Harmonische Freuden frommer Seelen (Kasualmusik) [einziges erhaltenes Werk] (Ausgabe: Das Erbe Deutscher Musik)
  • Gelegenheitskompositionen (vollständige Liste: siehe Georg Küsel, Literaturverzeichnis)

Überlieferungsproblematik[Bearbeiten]

Einige Jahre vor seinem Tod übergab Georg Riedel den Großteil seiner Kompositionen dem Archiv des Pauperhauses, welches später in das Königsberger Stadtarchiv überging. Dort überdauerten die Handschriften die Jahrhunderte, bis sie im Jahr 1923 von Georg Küsel (siehe Literaturliste) durch Zufall wiederentdeckt wurden. Den Werken Riedels, besonders den in der Musikgeschichte einzigartigen Monumentalkompositionen (Vertonung des gesamten Matthäusevangeliums, des gesamten Psalters und der gesamten Offenbarung Johannis), wurde von verschiedenen Musikwissenschaftlern eine herausragende Qualität bescheinigt. Umso bedauerlicher ist es, dass der Verbleib dieser Werke bis heute ungeklärt ist.

Zwar wurde der Bestand des Königsberger Stadtarchivs bei den Bombenangriffen im Jahr 1944 aller Wahrscheinlichkeit nach zerstört, nur befanden sich die Musikhandschriften zu dieser Zeit möglicherweise nicht mehr dort, denn es wurde schon gleich nach der Entdeckung der Kompositionen Riedels über eine Überführung in eine der Königsberger Bibliotheken diskutiert, da das Stadtarchiv für eine Aufbewahrung derart wertvoller Bestände nicht über die nötige Ausstattung verfügte.

Es ist nicht bekannt, wann und wohin die Musikalien abgegeben wurden, da sämtliche Belege und Notizen aus der Zeit nicht zugänglich oder verloren sind. Der Großteil der Bestände der übrigen Königsberger Bibliotheken und Archive taucht nach und nach in verschiedenen Orten der ehemaligen Sowjetunion auf. So wurde ein beachtlicher Teil der Königsberger Bücher in Vilnius entdeckt.

Diskografie[Bearbeiten]

  • Trauerkantaten (Telemann, Boxberg, Riedel, Bach) (Ricercar-Consort), 1990, Ricercar RIC 079061 (neu aufgelegt 2003 als RIC 224)

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Küsel: Beiträge zur Musikgeschichte der Stadt Königsberg in Preußen. Königsberger Studien zur Musikwissenschaft, II. Königsberg 1923.
  • Hermann Güttler: Königsbergs Musikkultur im 18. Jahrhundert. Königsberg 1925.

Weblinks[Bearbeiten]