Georg Schrimpf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Georg Gerhard Schrimpf (* 13. Februar 1889 in München; † 19. April 1938 in Berlin) war ein deutscher Maler und Grafiker. Er zählt zu den bedeutendsten Vertretern der Kunstrichtung Neue Sachlichkeit.

Martha, 1925

Biografie[Bearbeiten]

Stillleben mit Katze (Ofenecke), 1923, Pinakothek der Moderne
Porto Ronco, 1917, Öl auf Leinwand, Größe 66 x 59 cm, Privatsammlung

Georg Schrimpf begann schon als Kind begeistert zu zeichnen, seine Lieblingsmotive waren Indianer. Die künstlerische Neigung fand im Elternhaus kein Verständnis, schon gar nicht eine Förderung. Der Stiefvater drängte das Kind 1902 zu einer Zuckerbäckerlehre in Passau. Georg schloss sie 1905 ab und ging sofort auf Wanderschaft. Sie führte ihn durch viele deutsche Städte, auch durch Belgien und Frankreich. Sein Geld verdiente er als Kellner, Kohlenschaufler und Bäcker.

1913 freundete er sich mit dem Schriftsteller Oskar Maria Graf an, ebenfalls ein gelernter Bäcker. Mit ihm zog er durch die Schweiz und Oberitalien. Einige Monate verbrachten die beiden in einer Anarchistenkolonie in Ascona/Tessin, zeitweise bei Karl und „Gusto“ Gräser auf dem Monte Verità. Es entstand eine lebenslange tiefe Freundschaft. Von O. M. Graf stammen die ersten Würdigungen der künstlerischen Tätigkeit Schrimpfs.

1915 übersiedelte Schrimpf nach Berlin. Sein Leben fristete er zunächst als Arbeiter in einer Schokoladenfabrik. Aber er fing jetzt intensiv zu malen an. Bald fand er die Beachtung des Kunstexperten, Galeristen und Publizisten Herwarth Walden, der Schrimpfs erste Ölbilder ausstellte (Sturm 1916). Sie fanden große Beachtung. Mit Holzschnitten wurde Schrimpf Mitarbeiter der Zeitschriften "Die Aktion" und "Der Sturm".

Spielendes Mädchen, 1918, Holzschnitt aquarelliert, 21 x 15,9 cm

1917 heiratete er die Malerin und Grafikern Maria Uhden, mit der ihn auch künstlerisch viel verband. Noch im selben Jahr zog das Paar nach München. Maria Uhden starb im August 1918 an den Folgen der Geburt ihres Sohnes Markus. Seit dem Jahr 1918 stellte Schrimpf regelmäßig in der Münchner Galerie Neue Kunst Hans Goltz aus. Er beteiligte sich als Mitglied des Aktionsausschuß revolutionärer Künstler aktiv an der Münchner Räterepublik. Er schloss sich ebenso der Novembergruppe an, auf deren Ausstellungen er sich 1919, 1920, 1924 und 1929 beteiligte. Schrimpf veröffentlichte Arbeiten u.a. in den Münchner expressionistischen Zeitschriften Der Weg, Die Bücherkiste und Die Sichel. 1920 stellte Schrimpf zum ersten Mal bei der Neuen Sezession im Glaspalast München aus. Ein Jahr später wurde er Mitglied dieser Gruppe. Sie sagte ihm besonders zu, denn hier fühlte er sich nicht in eine bestimmte Richtung gedrängt. Von 1926 bis 1933 übte er eine Lehrtätigkeit an der Kunstgewerbeschule München aus.

1932 kam es zur Gründung und Beginn einer Wanderausstellung der Gruppe Die Sieben, der neben Georg Schrimpf auch die Künstler Theo Champion, Adolf Dietrich, Hasso von Hugo, Alexander Kanoldt, Franz Lenk und Franz Radziwill angehören.

1933 wurde er als außerordentlicher Professor an die Staatliche Hochschule für Kunsterziehung in Berlin-Schöneberg berufen. Seine Lehrtätigkeit endete im September 1937 auf Anordnung von Bernhard Rust, dem Preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Als Gründe wurden genannt, dass Schrimpf von Januar bis April 1919 der Kommunistischen Partei und 1925/26 ein Jahr lang der KPD-nahen Roten Hilfe angehört hatte. Die Haltung des NS-Regime gegenüber Person und Werk von Georg Schrimpf wirft ein bezeichnendes Licht auf die Widersprüchlichkeit der so genannten "Kunstpolitik". Er galt als Roter und somit automatisch als "entartet". Als auf Grund eines Erlasses des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, rund 16000 Bilder als wertlos und entartet aus deutschen Museen entfernt wurden, waren auch 33 Werke Schrimpfs darunter. Gleichzeitig zählten einige Nazi-Größen zu den Sammlern von Schrimpf-Gemälden, wie die Reichsminister Heß und Darré. Im Jahr vor seinem Tod wurde er im Juli 1937 in der NS-Ausstellung Entartete Kunst erneut diffamiert.[1]

1995 gab die Deutsche Bundespost zu Ehren Schrimpfs eine Zwei-D-Mark-Sonderbriefmarke heraus, unter Verwendung seines Gemäldes "Stillleben mit Katze" von 1923 (siehe Abbildung rechts).

Werk[Bearbeiten]

Stehender Mann im langen Mantel (Selbstportrait), Bleistiftzeichnung auf Papier, Blattmaß ca. 38 x 32 cm, Privatsammlung

Schrimpf war Autodidakt. Er zeichnete von Kindheit an wie besessen, aus dem Kopf und nach Vorlagen, und kopierte Bilder, die ihm besonders gefielen. 1913, nach seiner Rückkehr aus Ascona, besuchte er in München eine Malschule - ganze acht Tage lang. Seine Selbstzweifel waren so stark, dass er seine Arbeiten vor fremden Augen versteckte. Außer vor seinem Freund, dem Schriftsteller Oskar Maria Graf (wie Schrimpf ehemaliger Bäckergeselle). Der sandte einige Blätter nach Berlin zur "Aktion". Sie wurden sofort angenommen. Schrimpf war überrascht, dass andere an seiner Arbeit überhaupt Interesse finden konnten. Jetzt begann seine künstlerische Laufbahn. Zu seinen frühen Förderern zählen neben dem Publizisten und Kunstmäzen Herwarth Walden (Der Sturm/Aktion) auch die Kunsthistoriker und -kritiker Franz Roh und Werner Haftmann.

Schrimpf arbeitet vor allem mit Kohle, Kreide, Öl und Holzschnitt. Sein Werk zeichnet sich durch klare Umrisslinien und zarte Farbgebung aus. Von jedem Bild geht eine ungeheure Ruhe aus - gerade im Gegensatz zu Schrimpfs rastlosem Wanderleben. Seine Motive sind vor allem Frauen und Landschaften. Er malt Frauen vor dem Spiegel, Frauen am Fenster, Frauen, die voll Erwartung in die Weite schauen. Seine Landschaften sind menschenleer, pure Natur (berühmt: die Osterseen).

Mutter mit Kind und Lamm, 1921, Aquarell auf Papier, Blattmaß ca. 24 x 32 cm, Privatsammlung

Die künstlerischen Strömungen seiner Zeit scheinen Schrimpf nicht berührt zu haben. Es gibt bei ihm keine Gesellschaftskritik, keine Tagespolitik, kein aufregendes Großstadtleben, keine Sozialprobleme. Auch darin offenbart sich eine merkwürdige Ambivalenz seiner Persönlichkeit. Denn Schrimpf hatte sich früh mit linkem Gedankengut nicht nur beschäftigt, sondern angefreundet. Er war ein Jahr lang Mitglied der SPD. Als er Reden von Erich Mühsam hörte, war er so beeindruckt, dass er sich dessen Gruppe "Tat" anschloss. Er sympathisierte immer mit "Revoluzzern". Aber in seinem Werk schuf er eine Gegenwelt, eine Welt, wie er sie sich wohl als Ziel einer gelungenen Revolution erträumte.

Arbeiten in Museen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Olaf Peters: Schrimpf, Georg. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 23, Duncker & Humblot, Berlin 2007, ISBN 978-3-428-11204-3, S. 549–551 (Digitalisat).
  • Georg Schrimpf, Eine Reise um die Welt in 16 Bildern. Curt Steinitz Verlag, München o.J.
  • Oskar Maria Graf, Ua-Pua! Indianer-Dichtungen. Mit 30 Kreidezeichnungen von Georg Schrimpf. Franz Ludwig Habbel Verlag, Regensburg 1921
  • Oskar Maria Graf: Georg Schrimpf. Verlag von Klinkhardt & Biermann, Leipzig 1923 (Junge Kunst, Band 37)
  • Georg Schrimpf. Einleitung von Matthias Pförtner. Rembrandt Verlag, Berlin 1940
  • Wolfgang Storch: Georg Schrimpf und Maria Uhden. Leben und Werk. Mit einem Werkverzeichnis von Karl-Ludwig Hofmann und Christmut Praeger. Charlottenpresse, Frölich & Kaufmann, Berlin 1985
  • Ulrich Gerster: Kontinuität und Bruch. Georg Schrimpf zwischen Räterepublik und NS-Herrschaft, in: Zeitschrift für Kunstgeschichte, Band 63, Heft 4, 2000, S. 532–557
  • Helga Margarete Heinrich: Verfemt, nicht "entartet". Der Maler Georg Schrimpf (1889-1938). In: Literatur in Bayern - Vierteljahresschrift für Literatur, Literaturkritik und Literaturwissenschaft, Ausgabe Nr. 98, München: Dezember 2009, ISSN 0178-6857, S. 35-47.
  • Ulrich Gerster: Der Schützling des Stellvertreters. Georg Schrimpf und sein Gemälde "Mädchen vor dem Spiegel", in: Uwe Fleckner (Hg.): Das verfemte Meisterwerk. Schicksalswege moderner Kunst im "Dritten Reich". Akademie Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-05-004360-9, S. 335–363.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 547.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Georg Schrimpf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien