Georg Speyer

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Georg Speyer (bis 1857 Gustav S.) (* 1. Januar 1835 in Frankfurt am Main; † 24. April 1902 ebenda) war ein deutscher Bankier und Frankfurter Mäzen.

Vorfahren[Bearbeiten]

Georg Speyer entstammt einer 1644 nach Frankfurt am Main eingewanderten jüdischen Bankiersfamilie. Ihr Stammvater war der aus Speyer gebürtige Michael Isaac Speyer († 1692), der in der Judengasse das Haus Goldener Hirsch bewohnte[1]. Er brachte es zu Ansehen und Wohlstand und war ab 1691 Vorsteher der Jüdischen Gemeinde Frankfurts. Ein Sohn Michael Isaacs, Isaac Michael, Großonkel des Georg Speyer, war Sonderbeauftragter der gesamten Jüdischen Gemeinde am kaiserlichen Hof in Wien. 1792 wurde dieser Isaac Michael, zusammen mit zwei weiteren prominenten Bürgern Frankfurts, vom französischen General Adam-Philippe de Custine als Geisel nach Mainz gebracht, um von der Stadt Frankfurt Kriegssteuern zu erpressen.[2]

Speyers Großvater Joseph Lazarus (1783–1846) übernahm 1818 das Bankhaus seines Schwiegervaters Gumperz Isaak Ellissen, um es unter dem Namen Lazard Speyer-Ellissen weiterzuführen. Von seinen drei Söhnen übernahm der Älteste, Lazarus Joseph (1810–1876) 1846 das Frankfurter Stammhaus. Sein Bruder Philipp Speyer (1815–1896) gründete 1837 in New York eine amerikanische Filiale (Speyer & Co.), in die später auch der jüngste Bruder Gumperz Speyer (1825–1883) eintrat. Ab 1861 bestand auch eine Filiale in London.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Georg Speyer wurde am 1. Januar 1835 als Gustav Speyer, Sohn des Bankiers Lazarus Joseph Speyer und dessen Kusine Therese Ellisen in Frankfurt am Main geboren. Er wuchs in seiner Heimatstadt auf und besuchte dort das Philanthropin. Seine kaufmännische Ausbildung absolvierte er in den Filialen des Familienunternehmens Lazard Speyer-Ellissen in New York und London.

Am 17. Dezember 1857 gestattete der Senat der Freien Stadt Frankfurt ihm, seinen Vornamen in Georg zu ändern. Dafür durfte sein Onkel Gumperz Speyer sich in Gustav Speyer umbenennen.

1862 wurde Georg Speyer Prokurist, 1868 Teilhaber im väterlichen Bankhaus in Frankfurt, wo er bis zu seinem Tod in leitender Funktion tätig war. 1869 heiratete Georg Speyer die Berliner Bankierstochter Franziska Gumbert (1844–1909). 1871 wurde ihr Sohn Alfred Julius Speyer geboren.

Speyer trat neben seiner beruflichen Tätigkeit in Frankfurt vor allem als Förderer sozialer, künstlerischer und wissenschaftlicher Einrichtungen an die Öffentlichkeit. Er war Mitbegründer und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Aktienbaugesellschaft für kleine Wohnungen (1890), die mit Unterstützung anderer Frankfurter Mäzene in ihren Wohngebieten Vereinshäuser, Lese- und Vortragssäle, Kindergärten und -krippen einrichtete. Speyer förderte einen Verein für Volkskindergärten und war 1899 Mitbegründer und Beiratsmitglied der Centrale für private Fürsorge in Frankfurt. Von seinem sozialpolitischen Engagement im Wilhelminischen Deutschland der Vorkriegszeit zeugen seine Mitgliedschaft im Vorstand der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kulturdenkmäler und im Verein zur Abwehr des Antisemitismus.

Eine bedeutende Rolle spielte Georg Speyer bei der Gründung und beim Ausbau der Frankfurter Universität. Dabei unterstützte er neben Wilhelm Merton und anderen Frankfurter Förderern die Arbeit des Oberbürgermeisters Franz Adickes. So finanzierte er zwei Lehrstühle an der 1901 eröffneten Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften, die als Vorläufer der Universität gelten kann, aus den Mitteln der zu diesem Zweck gemeinsam mit seiner Frau ins Leben gerufenen Georg und Franziska Speyer'sche Studienstiftung.

Nach Speyers Tod führte seine Frau Franziska Speyer das Werk ihres Mannes tatkräftig fort, wobei sie 1902 auf ein Stiftungsvermögen von 31 Millionen Mark zurückgreifen konnte. Von ihrem Schwager Ludwig Darmstaedter wurde sie auf die Forschungsarbeit Paul Ehrlichs aufmerksam gemacht, den bereits ihr Mann gefördert hatte. So stiftete sie 1906 eine Million Mark zur Errichtung eines chemotherapeutischen Forschungsinstituts. Es sollte der Arbeit Ehrlichs dienen, war aber gleichzeitig als Zentralgebäude (Georg-Speyer-Haus) einer Akademie für praktische Medizin auf dem Gelände des Städtischen Krankenhauses (heute Universitätsklinikum Frankfurt am Main) an der Sandhofstraße in Frankfurt-Sachsenhausen gedacht.

Nach dem Tod Franziska Speyers wurden die von dem Ehepaar Speyer eingerichteten Stiftungen aus dem Nachlaß durch den Testamentsvollstrecker Eduard Beit von Speyer (1860–1933), einen Schwiegersohn Gustav Speyers, aufgestockt und durch weitere Einrichtungen ergänzt.

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurden alle Speyerschen Stiftungen als jüdische Einrichtungen „arisiert“ und umbenannt oder anderen Stiftungen zugeschlagen. Das Bankhaus Lazard Speyer-Ellissen wurde 1934 liquidiert. 1949 wurden die wichtigsten Einrichtungen als Georg und Franziska Speyer'sche Hochschulstiftung erneut ins Leben gerufen.

Ehrungen[Bearbeiten]

Speyer war ewiges Mitglied der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft. 1896 erhielt er den Preußischen Kronenorden IV. Klasse und 1901 den Kronenorden III. Klasse verliehen. Nach ihm ist eine Straße in Frankfurt-Bockenheim benannt. Sein Grab und das seiner Frau befinden sich auf dem Jüdischen Friedhof Rat-Beil-Straße.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Information zum Haus Goldener Hirsch auf der Weibseite des Museums Judengasse.
  2. Prominent Families of New York, The Historical company, New York, 1897