Georg VI. (Vereinigtes Königreich)

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Georg VI. (offizielles Hofportrait um 1940)

Georg VI., gebürtig Prince Albert Frederick Arthur George, Duke of York (* 14. Dezember 1895 in York Cottage, Sandringham Estate, Norfolk; † 6. Februar 1952 in Sandringham House, Norfolk) aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha (ab 1917 Haus Windsor) war der zweitälteste Sohn König Georgs V.

Nach der Abdankung seines älteren Bruders Eduard VIII. im Dezember 1936 folgte er ihm als Georg VI. auf den Thron nach und war bis zu seinem Tode König des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland, letzter Kaiser von Indien (bis 1948) sowie erstes Oberhaupt des Commonwealth of Nations (ab 1949).

Nachfolgerin ist seine älteste Tochter Elisabeth II., die aktuelle britische Monarchin.

Herkunft und Jugend[Bearbeiten]

von links nach rechts: Georg V., Eduard VIII., Georg VI., Eduard VII. um 1908

Der spätere Georg VI. erblickte am 14. Dezember 1895 in York Cottage, dem Anwesen seines Vaters auf dem königlichen Landsitz Sandringham Estate (Grafschaft Norfolk) das Licht der Welt. Er war der zweitgeborene Sohn des Prinzen Georg, Duke of York (der spätere Georg V.) und dessen Gemahlin Prinzessin Maria von Teck, Duchess of York. „Seine königliche Hoheit Prinz Albert“, so sein offizieller Titel, wurde während der Regierungszeit seiner Urgroßmutter Königin Victoria geboren und stand am Tage seiner Geburt in der Thronfolge hinter seinem Großvater, dem Vater und älterem Bruder Eduard an vierter Stelle.

„Bertie“, wie er in Familienkreisen liebevoll genannt wurde, war ein scheuer, zurückhaltender Junge, der ständig mit seiner schwachen Gesundheit zu kämpfen hatte. Gemeinsam mit seinen drei Brüdern genoss er eine strenge, viktorianische Erziehung, die sich durch Drill, Härte und Disziplin auszeichnete. Verantwortlich dafür waren Kindermädchen, Gouvernanten und Hauslehrer, in deren Hände der Duke und die Duchess of York die Erziehung ihrer Kinder gelegt hatten. Die Mutter gab sich nur sehr selten mit ihren Kindern ab, während Prinz Georg nach der Maxime handelte, seine Söhne sollten regelrecht Angst vor ihm haben, so wie er sich einst vor seinem eigenen Vater fürchtete. Aufgrund der teilweise sadistischen Erziehungsmethoden des Dienstpersonals (z. B. wurde Albert zum Rechtshänder umerzogen, obwohl er geborener Linkshänder war) verlebte der sensible Prinz Albert eine größtenteils unglückliche Kindheit und begann zu stottern. Er sollte diesen Sprachfehler zeit seines Lebens behalten. Die Umstände der Kindheitsjahre schweißten Bertie mit seinem älteren Bruder Eduard (David) eng zusammen und die beiden entwickelten ein sehr enges Verhältnis zueinander.

Nach dem Tod Victorias (1901) und des Großvaters Eduard VII. (1910) bestieg Alberts Vater am 6. Mai 1910 als Georg V. den Thron. Im gleichen Jahr wurde Eduard zum Prince of Wales ernannt und war damit offiziell Thronfolger. Für den schüchternen Albert war schon zu diesem frühen Zeitpunkt klar, dass er selbst niemals König werden wollte. Er war froh, sich hinter seinem selbstbewussten Bruder im Hintergrund halten zu können.

Leben bis 1936[Bearbeiten]

Prinz Albert als Marineoffizier

Im Alter von 13 Jahren trat Albert 1909 in die Royal Navy ein und besuchte als Midshipman zunächst das Royal Naval College in Osborne (Isle of Wight) und später in Dartmouth. Albert, der mit seinen Geschwistern in der Isolation des Sandringham Estate aufgewachsen war, kam jetzt erstmals mit anderen Gleichaltrigen in Kontakt. Es wollten sich aber keine Freundschaften bilden, was auch mit den Wutanfällen des Prinzen zusammenhing. Vielmehr blieb er Einzelgänger und wurde sogar wegen seines Stotterns und schlechter Prüfungsnoten gehänselt. Nach Abschluss seiner theoretischen Ausbildung diente Albert auf dem Kadettenschulschiff HMS Cumberland und bereiste 1913 sechs Monate lang die Karibik und die kanadische Küste. Im September 1913 wurde er dem Schlachtschiff HMS Collingwood zugeteilt und verbrachte anschließend drei Monate im Mittelmeer.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs verblieb Albert auf seinem Posten; er erhielt die Auflage, keiner unmittelbaren Gefahr für Leib oder Leben ausgesetzt zu werden. Die HMS Collingwood wurde Teil der Grand Fleet und verbrachte daher die meiste Zeit in britischen Hoheitsgewässern oder im sicheren Hafen von Scapa Flow. Seiner eingeschränkten Verwendungsbreite zum Trotz nahm er im Sommer 1916 als Beobachter an der Seeschlacht im Skagerrak (31. Mai/1. Juni) teil. Er litt weiterhin unter seiner anfälligen Gesundheit und musste sich wegen chronischer Darmbeschwerden einer Operation unterziehen, weshalb er keine weiteren Kriegshandlungen mehr aus nächster Nähe beobachten konnte. Nach seiner Genesung wurde er im Februar 1918 dem neu geschaffenen Royal Naval Air Service (Luftstreitkräfte der Marine), dem gegenüber er sich sehr aufgeschlossen zeigte, auf eigenen Wunsch zugeteilt. Bis August diente er der „Squadron of The Boy's Wings“ in Cranwell, wo er als erstes Mitglied der Königsfamilie eine Pilotenausbildung absolvierte und damit eine Tradition begründete, die die Windsor-Prinzen bis heute fortführen. Die letzten Wochen des Krieges bis zum November 1918 verbrachte Albert als Generalstabsoffizier im Hauptquartier der Royal Air Force im französischen Nancy.

Im Oktober 1919 verabschiedete sich Albert vom aktiven Militärdienst, um am ehrwürdigen Trinity College in Cambridge Geschichte, Wirtschaftswissenschaften und Staatslehre zu studieren. Im Dezember 1919 wurde Georg VI. ein Mitglied im Bund der Freimaurer (Navy Lodge, No. 2612).[1][2]Am 4. Juni 1920 verlieh ihm sein Vater in einem feierlichen Akt den Titel eines Duke of York, der traditionell dem zweitgeborenen Sohn des britischen Monarchen zukommt. Einher mit dieser Ernennung ging die Übernahme offizieller Pflichten für die Monarchie. Albert blieb lieber im Hintergrund und ging privaten Interessen wie der Natur, der Jagd, dem Angeln oder dem Tennis nach; gleichwohl nahm er seine Aufgaben sehr pflichtbewusst und gewissenhaft wahr. Als Präsident der Industrial Welfare Society besuchte der Prinz eine Vielzahl an Kohleminen, Fabrik- und Bahnanlagen im ganzen Land und zeigte dabei echtes Interesse an den Arbeitsbedingungen der Angestellten, was ihm den Spitznamen „Industrial Prince“ einbrachte. Sein Stottern machte öffentliche Auftritte oder Reden aber zu einer Qual und Alberts Auftreten und Habitus weit weniger eindrucksvoll als das seines Bruders Eduard. Nach seiner desaströsen Abschlussrede anlässlich der British Empire Exhibition in Wembley (31. Oktober 1925) vor 100.000 Menschen überredete ihn seine Frau, eine Therapie bei dem unkonventionellen Sprachtherapeuten Lionel Logue zu beginnen. Logue betreute den Duke of York fortan und bereitete ihn auch als König gezielt auf Ansprachen vor. Als Albert 1927 das australische Parlament in Canberra eröffnete, stotterte er viel weniger und seine Sprachfähigkeit hatte sich merklich gebessert.

Ehe und Nachkommen[Bearbeiten]

Elizabeth und Georg VI.

In einer Epoche, als von Angehörigen eines Königshauses erwartet wurde, andere Mitglieder regierender Häuser zu ehelichen, erschien es ungewöhnlich, dass man Albert bei der Wahl seiner Partnerin relativ viele Freiheiten einräumte. 1920 hatte er auf einem Ball die schottische Lady Elizabeth Bowes-Lyon, die jüngste Tochter des Earls of Strathmore and Kinghorne, kennengelernt und sich entschlossen, diese zu heiraten. Obwohl Lady Elizabeth ein Abkömmling König Heinrich VII. (1457 bis 1509) war, galt sie per Hausgesetz der Windsors als Bürgerliche. Nach zähem Hofieren und zweimaligem Ablehnen eines Heiratsantrages willigte Elizabeth 1923 in die Verlobung mit Prinz Albert ein; das Paar heiratete schließlich am 26. April 1923 in der Westminster Abbey. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor:

  • Elisabeth (* 21. April 1926), seit 1952 Königin Elisabeth II.
  • Margaret Rose (* 21. August 1930; † 9. Februar 2002)

Albert und Elizabeth führten ein als harmonisch beschriebenes Eheleben und seine Frau war dem schüchternen Albert stets eine verlässliche Stütze. Für Albert bildeten seine Ehefrau und Töchter eine Insel der Stabilität und der Duke pflegte zeit seines Lebens eine sehr enge Familienbindung. Gemeinsam lebten sie in einer Stadtvilla im Londoner Nobelviertel Mayfair (145 Piccadilly).

Thronbesteigung[Bearbeiten]

Georg VI.
Hauptartikel: Abdankung Eduards VIII.

Am 20. Januar 1936 verstarb Georg V. im Alter von 70 Jahren und sein ältester Sohn folgte ihm automatisch als Eduard VIII. nach. Da der ledige Eduard noch ohne Nachkommen war, stieg der Duke of York zum präsumtiven Thronfolger auf. Im Laufe des Sommers 1936 wurde öffentlich, dass der König eine Beziehung zu der zweifach geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson pflegte. Als Eduard am 16. November Premierminister Stanley Baldwin seine Absicht mitteilte, die bürgerliche Mrs. Simpson heiraten zu wollen, war der Skandal perfekt. Da die britische Regierung und die Regierungen der selbstverwaltenden Dominions der Heirat nicht zustimmten, entsponn sich eine Verfassungskrise, die die britische Monarchie in ihren Grundfesten erschütterte. Eduard war fest entschlossen, Wallis Simpson zu seiner Frau zu machen und damit seine privaten Bedürfnisse über die Belange der Monarchie zu stellen. Er verzichtete auf die Krone und dankte nach nur elf Monaten Regierungszeit am 11. Dezember 1936 formell ab. Mit der Abdankung seines Bruders fiel die Königswürde an Albert, der dieses Amt nie angestrebt hatte und nun loyal die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllte. Einen Tag später erschien er vor dem Accession Council im St. James's Palace, der ihn offiziell zum König proklamierte und ihm den Treueid abnahm. Um der Bevölkerung eine gewisse Kontinuität zu vermitteln und aus einer Geste des Respekts gegenüber seinem Vater wählte Prinz Albert den Titel Georg VI. Eduard verließ nach seiner Abdankung umgehend das Land und ging ins Exil nach Südfrankreich, wo er Wallis Simpson 1937 heiratete. Georg verlieh seinem Bruder den Titel Duke of Windsor, untersagte dessen Frau jedoch die Anrede „königliche Hoheit“. Das Verhältnis der beiden Brüder, das sich bereits während der Abdankungskrise deutlich verschlechtert hatte, konnte fortan als zerrüttet beschrieben werden.

Anstelle seines Bruders wurde Georg am 12. Mai 1937 in der Westminster Abbey durch den Erzbischof von Canterbury, Cosmo Gordon Lang, mit der Edwardskrone zum König gekrönt. Entgegen der Tradition wohnte seine Mutter, Königin Mary, der Krönung bei, um offen moralische Unterstützung für ihren Sohn zu zeigen. Auf eine Kaiserkrönung in Britisch-Indien verzichtete Georg, um die nationalen Spannungen in der Kronkolonie nicht weiter anzuheizen. Eine kostspielige Krönungszeremonie hätte den indischen Staatshaushalt belastet und damit den Gegnern der britischen Kolonialherrschaft Auftrieb gegeben.

Als König (1936 bis 1952)[Bearbeiten]

Georg VI. mit Clement Attlee, 1945
Balkonauftritt der Royals mit Winston Churchill

Georg VI. übernahm den Thron in turbulenten politischen Zeiten. Das nationalsozialistische Deutsche Reich unter Adolf Hitler betrieb eine aggressive Außenpolitik, rüstete die Wehrmacht vehement auf und steuerte Europa auf einen neuen Krieg zu. Zum anderen war das Ansehen der Monarchie durch die Abdankungskrise schwer beschädigt und noch dazu kokettierte Eduard offen mit dem NS-Regime. Als konstitutioneller Monarch war Georg an die Verfassung des Königreichs gebunden und musste die Appeasement-Politik von Neville Chamberlain unterstützen, der im Mai 1937 Premierminister geworden war. Nach dem Münchener Abkommen (September 1938) erschien Chamberlain mit dem Königspaar auf dem Balkon des Buckingham Palace und ließ sich von der Bevölkerung als Retter des Friedens feiern. Im Frühsommer 1939 besuchte Georg als erster gekrönter britischer Monarch, gemeinsam mit Elizabeth, Nordamerika. Nach dem Statut von Westminster (1931) war er gleichzeitig König von Kanada und bestrebt, in dieser Funktion das Ansehen der Monarchie in einem der wichtigsten Dominions zu verbessern. Ziel der Reise in die USA war es, die isolationistischen Bestrebungen der Amerikaner zu verringern und sie als Bündnispartner in einem möglichen Konflikt mit dem Deutschen Reich zu gewinnen. Zu diesem Zweck kam es zu einem sehr fruchtbaren Treffen mit Franklin D. Roosevelt im Weißen Haus (Roosevelt war von 1933 bis zu seinem Tod 1945 US-Präsident).

Trotz aller Bemühungen um den Frieden scheiterte die Appeasement-Politik der Westmächte und nach dem deutschen Überfall auf Polen erklärten Großbritannien und die Dominions dem Deutschen Reich am 3. September 1939 den Krieg. In einer viel beachteten Radioansprache über die BBC erläuterte König Georg den Menschen im weltumspannenden Empire, warum man nun in den Krieg eintreten müsse.[3]

Chamberlain trat nach der Norwegendebatte zurück; Winston Churchill bildete am 10. Mai 1940 eine Allparteienregierung unter Einschluss der Labour Party. Er selbst übernahm neben dem Amt des Premiers auch das des Ministers für Verteidigung. An ebendiesem 10. Mai begann die deutsche Westoffensive (Fall Gelb) mit dem Angriff auf Luxemburg, Belgien und die Niederlande. Ab dem 24. Mai wurden die alliierten Truppen von Norwegen nach Frankreich zurückverlegt. Während der Schlacht um Dünkirchen gelang es der britischen Admiralität, im Rahmen der Operation Dynamo vom 26. Mai bis zum 4. Juni 1940 das Gros des dort eingekesselten britischen Expeditionskorps (BEF) und Teile der französischen Armee per Schiff nach Großbritannien zu transportieren. Bis zum 4. Juni konnten insgesamt 338.226 alliierte Soldaten, davon etwa 110.000 Franzosen, evakuiert werden; schwere Waffen und Geräte mussten sie zurücklassen.

Am 8. Juni fiel Narvik in deutsche Hand, und mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich trat die Westoffensive in ihre entscheidende 2. Phase (Fall Rot). Am 14. Juni besetzten sie Paris; am 22. Juni unterzeichneten die Franzosen den kapitulationsähnlichen Waffenstillstand von Compiègne.

In der Folge teilte das Königspaar die Entbehrungen des Krieges mit der einfachen Bevölkerung und lebte selbst nur von Lebensmittelrationen. Sie beschlossen, trotz deutscher Bombenangriffe und sogar einer Beschädigung des Buckingham Palace, in London zu bleiben. Nach deutschen Luftangriffen (vgl. Luftschlacht um England) besuchten sie die betroffenen Stadtviertel, spendeten Trost und nahmen intensiv Anteil an den Leiden der Zivilbevölkerung und der Soldaten. Dabei blieb die königliche Familie von Verlusten selbst nicht verschont: Im August 1942 kam Prinz George, 1. Duke of Kent, ein jüngerer Bruder des Königs, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. 1940 wurde Winston Churchill neuer Premierminister und führte das Empire fortan durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs. Der König hatte zwar Lord Halifax als Regierungschef präferiert, jedoch, nach anfänglicher Bestürzung über die Ernennung Churchills, entwickelte sich zwischen König und Premier ein fast freundschaftliches Verhältnis. Churchill traf sich während des Krieges einmal wöchentlich mit Georg und informierte seinen Monarchen mit ungeschönten Lageberichten genau über den Kriegsverlauf. Georg war zwar nominell Oberbefehlshaber der Streitkräfte, doch auf das Kriegsgeschehen nahm er keinerlei Einfluss. Vielmehr widmete er sich intensiv seinen Repräsentationspflichten und sprach bei zahlreichen Besuchen in Rüstungsunternehmen den Arbeitern Mut zu. Dazu kamen selbstverständlich Truppenbesuche an den Fronten: Frankreich (Dezember 1939), Nordafrika und Malta (Juni 1943), Normandie (Juni 1944), Süditalien (Juli 1944) und die Benelux-Staaten (Oktober 1944). Durch ihren unermüdlichen Einsatz und ihre Entschlossenheit avancierten die Mitglieder der königlichen Familie zu Symbolfiguren des nationalen Widerstands gegen den Faschismus. Als nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 (VE-Day) eine jubelnde Menschenmenge vor dem Buckingham Palace „We want the King!“ skandierte, befand sich Georg VI. auf dem Höhepunkt seiner Popularität. Gemeinsam mit seiner Familie und Winston Churchill ließ er sich auf dem Balkon des Palastes feiern.

Großbritannien war zwar als Siegermacht aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangen, hatte den militärischen Sieg aber teuer erkaufen müssen und durchlebte daher eine ungemein harte Nachkriegszeit. Der Krieg hatte die britische Wirtschaft ruiniert und hinter den neuen Weltmächten USA und Sowjetunion spielte man nur noch eine weltpolitische Nebenrolle. Weiterhin hatte der globale Konflikt die nationalen Selbstverwaltungsbestrebungen in den Kolonien und Dominions beschleunigt, weshalb der neue Premierminister Clement Attlee die Umwandlung des Empire in das Commonwealth of Nations vorantrieb. Am 15. August 1947 legte Georg den indischen Kaisertitel ab und Britisch-Indien wurde in die unabhängigen Staaten Indien und Pakistan aufgeteilt. 1949 nahm er den Titel „Head of the Commonwealth“ (etwa: 'Oberhaupt des Commonwealth') an, das andere Staaten wie Burma, Palästina und der Irische Freistaat inzwischen verlassen hatten.

Lebensende[Bearbeiten]

Der Stress und die Anstrengungen der Kriegsjahre hatten nicht nur das Land ausgelaugt, sondern auch vom König ihren Tribut gefordert und ihn zu einem kranken Mann gemacht. Georg war zeitlebens Kettenraucher und bald diagnostizierten die Ärzte Lungenkrebs sowie Arteriosklerose. Nach einer Arterienoperation am rechten Bein im März 1949 war sein gesundheitlicher Zustand so schlecht, dass er eine geplante Überseereise nach Australien und Neuseeland absagen musste. Kronprinzessin Elisabeth musste ihren Vater bei öffentlichen Auftritten immer häufiger vertreten. Als der König Anfang 1952, gegen den Rat der Ärzte, Prinzessin Elisabeth und ihren Ehemann auf dem Londoner Flughafen zu einer Rundreise nach Afrika und Australien verabschiedete, war die öffentliche Sorge um den todkranken Georg groß.

Wenige Tage später, am 6. Februar 1952, verstarb König Georg VI. im Alter von 56 Jahren auf seinem Landsitz Sandringham House in Norfolk. Als Todesursache wurde ein verstopftes Koronargefäß angegeben. Nach seiner Aufbahrung in der St. Magdalene Church (Sandringham) und in der Londoner Westminster Hall wurde er am 15. Februar in der St. George's Chapel von Windsor Castle beigesetzt.

Prinzessin Elisabeth folgte ihm auf den Thron nach und regiert seit 1952. Seine Ehefrau nahm den Titel Queen Elizabeth the Queen Mother (im Volksmund Queen Mum) an und überlebte Georg um fünfzig Jahre. Sie starb 2002 im Alter von 101 Jahren und wurde an der Seite ihres Ehemannes bestattet.

Titel und Wappen[Bearbeiten]

Königliches Wappen Georgs VI.
Herrschermonogramm von Georg VI. am Tower von London
  • 14. Dezember 1895 bis 28. Mai 1898: His Highness Prince Albert of York
  • 28. Mai 1898 bis 22. Januar 1901: His Royal Highness Prince Albert of York
  • 22. Januar bis 9. November 1901: His Royal Highness Prince Albert of Cornwall and York
  • 9. November 1901 bis 6. Mai 1910: His Royal Highness Prince Albert of Wales
  • 6. Mai 1910 bis 3. Juni 1920: His Royal Highness The Prince Albert
  • 3. Juni 1920 bis 11. Dezember 1936: His Royal Highness The Prince Albert Frederick Arthur George, Duke of York, Earl of Inverness, Baron Killarney
  • 11. Dezember 1936 bis 6. Februar 1952: His Majesty George the Sixth, by the Grace of God, of Great Britain, Northern Ireland and the British Dominions beyond the Seas King, Defender of the Faith (Emperor of India, nur bis 1947)

Literatur[Bearbeiten]

  • Keith Middlemas: The Life and Times of George VI. Introduction by Antonia Fraser. Weidenfeld and Nicolson, London 1974.

Verfilmungen[Bearbeiten]

Tom Hoopers Film The King’s Speech (2010) verarbeitet den Werdegang von Georg VI. vom von Selbstzweifeln geplagten Stotterer zum würdevollen Staatsoberhaupt, das Großbritannien und den ehemaligen Kolonien in der Zeit des Zweiten Weltkriegs Mut zusprechen musste. Colin Firth spielt die Rolle Georgs VI. Der Film zeigt unter anderem die Radioansprache vom 3. September 1939 zum Kriegseintritt des British Empire und ihre Vorgeschichte. The King's Speech wurde für zwölf Oscars nominiert und ist bei den Oscar-Verleihungen am 27. Februar 2011 als „bester Film“ ausgezeichnet worden, Colin Firth erhielt den Oscar als „bester Hauptdarsteller“. Außerdem gewann der Film die Oscars für die „beste Regie“ (Tom Hooper) und das „beste Original-Drehbuch“.

Der Film Hyde Park am Hudson (2012) von Roger Michell behandelt den Besuch Georg VI. bei Franklin D. Roosevelt im Jahr 1939, bei dem dieser die Vereinigten Staaten als Bündnispartner in dem sich abzeichnenden Konflikt mit dem Deutschen Reich zu gewinnen versucht. Georg VI. wird hier von Samuel West verkörpert.

Ahnentafel[Bearbeiten]

Ahnentafel König Georg VI.
Ururgroßeltern

Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha
(1784–1844)
∞ 1817
Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg
(1800–1831)

Edward Augustus, Duke of Kent and Strathearn
(1767–1820)
∞ 1818
Victoire von Sachsen-Coburg-Saalfeld
(1786–1861)

Herzog
Friedrich Wilhelm von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg
(1785–1831)
∞ 1810
Luise Karoline von Hessen-Kassel
(1789–1867)

Landgraf
Wilhelm von Hessen-Kassel
(1787–1867)
∞ 1810
Louise Charlotte von Dänemark
(1789–1864)

Herzog
Ludwig von Württemberg
(1756–1817)
∞ 1797
Henriette von Nassau-Weilburg
(1780–1857)

Graf
László Rhédey von Kis-Rhéde

Baronin
Agnes Inczédy de Nagy-Várad

König
Georg III. von Großbritannien und Irland
(1738–1820)
∞ 1761
Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz
(1744–1818)

Herzog
Franz von Sachsen-Coburg-Saalfeld
(1750–1806)
∞ 1777
Gräfin Auguste Reuß zu Ebersdorf
(1757–1831)

Urgroßeltern

Prinz
Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819–1861)
∞ 1840
Britische St.-Edwards-Krone
Königin Victoria (1819–1901)

König
Christian IX. von Dänemark (1818–1906)
∞ 1842
Landgräfin
Louise von Hessen-Kassel (1817–1898)

Alexander von Württemberg (1804–1885)
∞ 1835
Gräfin
Claudine Rhédey von Kis-Rhéde (1812–1841)

Adolphus Frederick, 1. Duke of Cambridge (1774–1850)
∞ 1818
Landgräfin
Auguste von Hessen (1797–1889)

Großeltern

Britische St.-Edwards-Krone
König Eduard VII. (1841–1910)

Prinzessin
Alexandra von Dänemark (1844–1925)

Herzog
Franz von Teck (1837–1900)

Prinzessin
Mary Adelaide von Großbritannien und Irland (1833–1897)

Eltern

Britische St.-Edwards-Krone
König Georg V. (1865–1936)

Prinzessin
Mary von Teck (1867–1953)

Britische St.-Edwards-Krone
König Georg VI. (1895–1952)

Nachkommen[Bearbeiten]

Nachkommen Georgs VI.
Kinder

Königin Elisabeth II. (* 1926)
∞ 1947
Philip Mountbatten (* 1921)


Margaret Windsor (1930–2002)
∞ 1960-1978
Antony Armstrong-Jones (* 1930)

Enkel


Charles (* 1948)
(1) ∞ 1981-1996
Diana Spencer (1961-1997)
(2) ∞ 2005
Camilla Shand (* 1947)


Anne (* 1950)
(1) ∞ 1973-1992
Mark Phillips (* 1948)
(2) ∞ 1992
Timothy Laurence (* 1955)


Andrew (* 1960)
∞ 1986-1996
Sarah Ferguson (* 1959)


Edward (* 1964)
∞ 1999
Sophie Rhys-Jones (* 1965)

David Armstrong-Jones (* 1961)
∞ 1993
Serena Stanhope (* 1970)

Sarah Armstrong-Jones (* 1964)
∞ 1994
Daniel Chatto (* 1957)

Urenkel

(aus 1) William (* 1982) ∞ 29. April 2011
Catherine Elizabeth Middleton (* 1982)

(aus 1) Harry (* 1984)

(aus 1) Peter Phillips (* 1977)
∞ 2008
Autumn Kelly (* 1978)

(aus 1) Zara Phillips (* 1981) ∞ 2011
Mike Tindall (* 1978)

Beatrice (* 1988)

Eugenie (* 1990)

Louise (* 2003)

James (* 2007)

Charles Armstrong-Jones (* 1999)

Margarita Armstrong-Jones (* 2002)

Samual Chatto (* 1996)

Arthur Chatto (* 1999)

Ururenkel

George (* 2013)

Savannah Phillips (* 2010)

Isla Elizabeth Phillips (* 2012)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Militiary Masons-Navy Lodge No.2612 auf der Homepage von: http://www.militarymasons.co.uk/ (Abgerufen am 23.Oktober 2012)
  2. Freemasonry Today Artikel:The King's Freemasonry vom 1. Mai 2011 (Abgerufen am 23.Oktober 2012)
  3. http://www.awesomestories.com/assets/george-vi-sep-3-1939

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Georg VI. (Vereinigtes Königreich) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Georg V. Herzog von York
1920–1952
(vakant bis 1986)
Eduard VIII. König des Vereinigten Königreichs
1936–1952
Elisabeth II.
Kaiserreich Indien König von Pakistan
1947–1952
Elisabeth II.
Eduard VIII. Kaiser von Indien
1936–1950
(Republik Indien)