Georg Wrba
Georg Wrba (* 3. Januar 1872 in München; † 9. Januar 1939 in Dresden) war ein deutscher Bildhauer und Grafiker. Er gehörte zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern des 20. Jahrhunderts und schuf weit über 3000 plastische Werke, unter anderem als Mitarbeiter der Zwingerbauhütte.
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Leben[Bearbeiten]
Georg Wrba wurde als Sohn eines Schmiedes 1872 in München geboren. Sein jüngerer Bruder Max Wrba war in Dresden als Architekt tätig.
Seine Ausbildung begann Wrba bei Jakob Bradl dem Älteren und dessen Sohn Jakob Bradl dem Jüngeren. Von 1891 bis 1896 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste München bei Syrius Eberle.[1] Nach einem Italienaufenthalt (mit Egon Rheinberger), durch ein Reisestipendium von Prinzregent Luitpold ermöglicht, ließ er sich 1897 als selbständiger Bildhauer in München nieder und wurde Leiter der städtischen Bildhauerfachschule. 1906 und 1907 arbeitete er in Berlin, wo er Bauplastiken für die Architekten Ludwig Hoffmann und Alfred Messel schuf. Nach seinem Umzug nach Dresden lehrte er von 1907 bis 1930 an der Akademie für Bildende Künste Dresden. Er verband die Dresdner Bildhauerschule mit den Reformideen des Deutschen Werkbundes. Bei der Dresdner Künstlervereinigung „Die Zunft“ war er Gründungsmitglied. Diese strebten ein Zusammenwirken verschiedener Kunstformen an. Ornamentik lehnten sie als Selbstzweck ab, Malerei und Plastik sollten sich mit der Architektur verbinden. In Dresden errichtete er unter anderem den Marie-Gey-Brunnen in der Nähe des Hauptbahnhofs in der Dresdner Südvorstadt, den der Arzt Dr. Heinze für seine früh verstorbene Frau, eine Studentin an der Kunstakademie, gestiftet hatte. 1910 fertigte Wrba ein Gutachten für die Restaurierung und Ergänzung der fehlenden Teile des Zwingers an. Er leitete die Arbeiten von 53 Steinbildhauern zwischen 1911 bis 1933 und schuf zahlreiche Figurengruppen nach lebendem Modell für den Zwinger.
Georg Wrba starb am 9. Januar 1939 in Dresden. Nach ihm ist eine Straße in Dresden benannt. Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof in München.
Werk (Auswahl)[Bearbeiten]
Georg Wrbas Werk umfasst vor allem Bau-, Brunnen- und Kleinplastiken.
- 1899: Seehund-Brunnen (Bronze), Berlin, im Innenhof des Rudolf-Virchow-Klinikums
- 1899: plastischer Schmuck am Brunnen des Bismarckturms am Starnberger See[2]
- um 1900: Figuren und Steinmetzarbeiten in der Pfarrkirche St. Maximilian in München[3]
- 1900: Diana auf der Hirschkuh, Kunsthalle Bremen
- 1900: Europa auf dem Stier, Kunsthalle Bremen
- 1902: Kriegerbrunnen in Nördlingen
- 1902: Fassadenschmuck für den Erweiterungsbau der Kunsthalle Bremen
- 1905: St.-Mang-Brunnen in Kempten
- 1905: Marmorbüste Prinzregent Luitpold von Bayern
- 1906: Otto von Wittelsbach-Reiterstandbild, Wittelsbacherbrücke, München
- 1906: Hennebrunnen in Aschersleben
- 1906–1908: Putten für die Villa Wollner in Dresden
- 1906–1911: Beteiligung am bauplastischen Schmuck des Stadthauses in Berlin, u.a. Allegorien der Bürgertugenden und Gestaltung des Festsaales („Bärensaal“)[4]
- 1907: allegorische Bronzegruppen als Bekrönung des Charlottenburger Tores bei der Charlottenburger Brücke, Berlin (eingeschmolzen)[5]
- 1907: zwei Marmorportale mit Allegorien in der Eingangshalle des Kaufhauses des Westens in Berlin
- 1907: Bildnisse von Georg Treu, Hans Erlwein, Otto Gussmann, Cornelius Gurlitt, Fritz Schumacher, Martin Dülfer
- 1908: Altarfigur „Der Gute Hirte“ in der Versöhnungskirche in Dresden
- 1909: Bismarck-Brunnen auf Marktplatz in Arnstadt
- 1910: Gruppe „Bacchus auf trunkenem Esel“ und zwei sitzende Bronzelöwen mit Schilden an der Ostseite sowie Hietzigbrunnen an der Westseite des Neuen Rathauses in Dresden[6]
- 1910: Plastik der Aphrodite am Marie-Gey-Brunnen auf dem Friedrich-List-Platz in Dresden
- 1910: Relief „Siegfrieds Einzug in Worms“ am Cornelianum in Worms[7]
- 1910: bronzene Löwen vor dem Neuen Rathaus in Dresden
- 1911: Rathausbrunnen am Neuen Rathaus in Dresden
- 1912/1913: Beteiligung am Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain in Berlin-Friedrichshain
- 1911–1933: künstlerischer Leiter der Restaurierungsarbeiten am Dresdner Zwinger
- 1917: „Große Badende“ auf Muschelschale (Bronze, WV 191) für einen Landsitz in Klein Flottbek; seit 1928 am Schwimmbassin des Palazzo von Max Emden auf der Brissago-Insel am Lago Maggiore in der Schweiz
- 1911: Bronzebüste von Peter von Klemperer
- 1912: plastischer Schmuck am Erker, an den Portalen und am Brunnen im Hof des Rappolthauses in Hamburg[8]
- 1918: Diana auf der Hirschkuh, Stadtpark Hamburg
- 1918: „Große Badende“, Aschersleben
- 1918: Porträtbüste von Max Klinger
- 1921: Statuette „Liebessehnsucht“, Kunstgalerie Gera
- 1922: Bronzebüste von Carl Zeiß
- 1922: Europabrunnen auf dem Königsheimplatz in Dresden[9]
- 1922: Statuette „Nackte Tänzerin“, Sammlung Bleichert, Leipzig
- 1922: Bronzebüste von Gerhart Hauptmann
- 1922: „Kleine Sitzende, Haar ordnend“ (WV 238)
- 1923: Bronzebüste von Alfred Tiedemann
- 1924: „Der Kuss“, in Privatbesitz (WV 264)
- 1925–1930: Ehrenmal für die gefallenen des Ersten Weltkriegs auf dem alten Friedhof in Wurzen, mit Oswin Hempel und Arthur Lange (1875-1929)
- 1926: Mönckeberg-Brunnen in Hamburg (WV 273); Errichtung der Brunnenanlage (nach den Entwürfen in Zusammenarbeit mit dem Architekten Fritz Schumacher) 1914-1920; Ergänzung der seitlichen Bronzefiguren 1926 (1944 stark beschädigt; Rekonstruktion des Löwen durch den Hamburger Bildhauer Philipp Harth 1965)[10]
- 1927: „Die Sinnende“, in Privatbesitz (WV 260,2)
- 1927: Figurengruppe „Witwe mit zwei Kindern“ für das Kriegerdenkmal in Radebeul
- 1928: „Läufer“, in Privatbesitz (WV 290)
- 1929: „Der Schnitter Tod“ für das Krematorium in Forst (Lausitz)
- 1929: Marktbrunnen in Rochlitz
- 1930/1934: Grabmale für Bruno Steglich und die Familie Wiede auf dem Friedhof in Trebsen
- 1932: umfangreiches Ensemble von Architekturplastik im Inneren des Domes in Wurzen
-
Zentaure „Triton“ (1912) im Hamburger Stadtpark
-
Stier-Brunnen vor dem ehemaligen Schlachthof Dresden im Großen Ostragehege
-
Seitliches Marmorportal in der Eingangshalle des KaDeWe, 1908
-
Rathausbrunnen am Neuen Rathaus von Dresden, 1911
-
Rathausbrunnen auf dem Burgplatz am Neuen Rathaus in Leipzig, 1908
Tätigkeit als Preisrichter (Auswahl)[Bearbeiten]
- 1925: Fachpreisrichter im Hochhaus-Idenwettbewerb für das Geschäftshaus des Dresdner Anzeigers in Dresden am Johannesring (jetzt Ecke Dr.-Külz-Ring / Marienstraße / Dippoldiswalder Platz)[11]
Literatur[Bearbeiten]
- Drago Bock: Es sucht seinesgleichen. In: Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Wurzen, vom 10. Mai 2010.
- Günter Kloss: Georg Wrba (1872–1939). Ein Bildhauer zwischen Historismus und Moderne. (= Studien zur internationalen Architektur- und Kunstgeschichte, Band 2.) Michael Imhof Verlag, Petersberg 1998, ISBN 3-932526-20-1.
- Thomas Pöpper (Hrsg.): Georg Wrba (1872–1939). Im Schatten der Moderne. Plöttner Verlag, Leipzig 2009, ISBN 978-3-938442-67-8.
- Rolf Günther: Der Symbolismus in Sachsen 1870-1920. Dresden, Sandstein, 2005, ISBN 3-937602-36-4.
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Georg Wrba im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Artikel zu Georg Wrba im Stadtwiki Dresden
- Ruud van Capelleveen: Georg Wrba. (2006) auf www.CultuurArchief.nl (in niederländischer Sprache)
- Informationen zu fünf Arbeiten Wrbas in Berlin auf www.bildhauerei-in-berlin.de
- Gunther Trentzsch: Brunnen in Dresden – eine Auswahl.
- Historische Aufnahmen der Villa von Max Emden auf der Brissago Insel am Lago Maggiore. Skulptur die "Badende" am Bagno Romano.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ 00833 Georg Wrba. In: Die digitale Edition der Matrikelbücher 1809-1920. Akademie der Bildenden Künste München, abgerufen am 16. April 2013.
- ↑ Bismarkturm am Starnberger See
- ↑ Figuren und Steinmetzarbeiten in der Pfarrkirche St. Maximilian in München
- ↑ Rückkehr des Bären in die Festhalle des Stadthauses Berlin
- ↑ Restaurierung des Charlottenburger Tores in Berlin
- ↑ Kunst im öffentlichen Raum. (Broschüre der Landeshauptstadt Dresden) 1996.
- ↑ Gernot Schnellbacher: Nibelungen-Denkmäler in Worms. (mit Bild des Nibelungen-Reliefs am Cornelianum)
- ↑ Bauschmuck am Rappolthaus in Hamburg
- ↑ Wrbas Europabrunnen auf dem Königsheimplatz in Dresden
- ↑ Bildarchiv Hamburg, Möckebergbrunnen
- ↑ Seite zum Hochhauswettbewerb auf www.das-neue-dresden.de
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wrba, Georg |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Bildhauer und Grafiker |
| GEBURTSDATUM | 3. Januar 1872 |
| GEBURTSORT | München |
| STERBEDATUM | 9. Januar 1939 |
| STERBEORT | Dresden |