George Galloway

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George Galloway im Februar 2007

George Galloway (* 16. August 1954 in Dundee) ist ein britischer Politiker. Er vertrat seit den Unterhauswahlen 2005 bis Mai 2010 die 2004 neu gegründete Respect The Unity Coalition im Unterhaus als Abgeordneter für den Wahlkreis „Bethnal Green & Bow“ im Osten Londons. Zuvor war er Mitglied der Labour Party gewesen und vertrat von 1987 bis 2005 die Wahlkreise Glasgow Hillhead (später Glasgow Kelvin). Im Oktober 2003 trennten sich die Wege von Galloway und New Labour wegen seiner konsequenten Ablehnung der britischen Kriegsbeteiligung im Irak.

Leben[Bearbeiten]

Galloway machte seine Ausbildung an der „Harris Academy“ und arbeitete danach für einen Gartenbaumarkt und für die Reifenfabrik Michelin. 1977 wurde er Organisator der Labour Party und schuf sich rasch einen Ruf für seine feurigen Reden („firebrand speeches“). Er wurde in die schottische Regionalregierung gewählt und wurde 1980 Vorsitzender der schottischen Labour Partei. Seinerzeit war er erst 26 Jahre alt, einer der jüngsten in der Parteigeschichte.

Vom 5. Januar 2006 bis zu seiner „Abwahl“ am 25. Januar nahm Galloway an der Reality-TV-Sendung Celebrity Big Brother teil.

Autobiographie[Bearbeiten]

Seine Autobiographie, I'm Not The Only One, erschien am 29. April 2004. Der Buchtitel ist ein Zitat aus Imagine von John Lennon. Vor der Auslieferung an die Buchhandlungen klagte der damalige parlamentarische Staatssekretär beim Verteidigungsminister Geoff Hoon, Adam Paterson Ingram, wegen Verleumdung gegen Galloway und den Penguin Verlag. Bei der Verhandlung der Klage mussten die Anwälte von Ingram einräumen, dass Ingram in der Band des Oranier-Ordens „kick the pope“ in den frühen 1960ern ein Jahr lang Mitglied war, an drei Umzügen teilnahm und Flöte spielte, woraufhin das Gericht entschied, dass Ingram die Prozesskosten zu tragen hatte.

Unterhauswahl 2005[Bearbeiten]

Am 5. Mai 2005 gewann er seinen Wahlkreis in Ost-London knapp (828 Stimmen Vorsprung) gegen die bisherige Labour-Inhaberin Oona King, eine Unterstützerin von Tony Blairs Kriegsbeteiligungskurs und hielt anschließend eine Rede, in der er Tony Blair vorwarf, er habe „das Blut von 100.000 Leuten an seinen Händen“.

Unterhauswahl 2010[Bearbeiten]

Zur Unterhauswahl 2010 entschied sich Galloway, in einem anderen, wesentlich schwieriger zu erringenden Wahlkreis zu kandidieren,[1] den er allerdings nicht eroberte. Damit verlor „Respect – The Unity Coalition“ bei dieser Wahl ihren einzigen Sitz im Unterhaus. Am 29. März 2012 gewann Galloway die Nachwahl im Wahlkreis Bradford-West mit deutlichem Vorsprung und kehrte damit zurück in das Parlament von Westminster[2][3].

Press TV[Bearbeiten]

Galloway betreibt eine wöchentliche Sendung namens Comment auf dem englischsprachigen Fernsehnachrichtensender Press TV der staatlichen iranischen Rundfunkgesellschaft Islamic Republic of Iran Broadcasting, in der Zuschauer zu aktuellen Ereignissen Stellung nehmen können.[4] Seit 2013 moderiert er unter dem Titel Sputnik, Orbiting the world with George Galloway eine wöchentliche Sendung bei RT TV.[5]

Kontroversen und politische Standpunkte[Bearbeiten]

George Galloway ist in Teilen der britischen Linken umstritten. Während die Socialist Workers Party und bekannte Persönlichkeiten wie Ken Loach und der Gewerkschaftsführer Mark Serwottka mit Galloway eng zusammenarbeiten und Teil von RESPECT sind, halten sich andere Teile der Linken von ihm strikt fern, dabei häufig geäußerte Vorwürfe gegen Galloway sind:

  • Galloway vernachlässige seine Arbeit in Parlament (geringe Anwesenheit, Nichtanwesenheit bei Abstimmung und Debatten über Antiterrorgesetze), Wahlkreis und Partei und setze sich stattdessen über gutbezahlte Veranstaltungsauftritte und in Sendungen wie Celebrity Big Brother medial in Szene und unterliege dabei keiner Kontrolle durch seine Partei. Die Parlamentsstatistik belegt diese Anschuldigung.

Galloway tritt dem entgegen indem er seine hohe Zahl an Reden in der Öffentlichkeit anführt. Er gibt an, sein Auftritt in Celebrity Big Brother sei nur erfolgt, um normalerweise nicht erreichbare Wählergruppen zu erreichen. Allerdings wurden sämtliche politischen Äußerungen Galloways mit Vogelgezwitscher überblendet, wovon Galloway allerdings nichts wusste. Seine Abgeordnetendiät für diesen Zeitraum spendete er.

  • Galloway weigere sich, wie in Teilen der britischen Linken üblich, den Teil der Abgeordnetendiäten, die über einen Facharbeiterlohn hinausgehen, an die Organisation oder wohltätige Projekte abzuführen.
  • Galloway sei zwar ein entschiedener Kriegsgegner, beziehe aber in vielen anderen Fragen wie zu Abtreibung und Homosexualität keine progressiven Positionen und habe auch innerhalb der Labour Party bis zu seinem Ausschluss nicht zur Campaign Group, dem Zusammenschluss sozialistischer Abgeordneter und deren Unterstützer gehört.

Galloway schloss sich allerdings Forderungen nach Gleichberechtigung Homosexueller an und unterstützte auch Gesetze in dieser Richtung. So zum Beispiel die Adoption von Kindern durch schwule und unverheiratete und die Angleichung des Schutzalters Homosexueller an das Heterosexueller.

  • George Galloway habe in seiner Zeit als Generalsekretär bei der linken Wohltätigkeitsorganisation War on Want 1983-87 Misswirtschaft betrieben und sei für deren spätere Insolvenz mitverantwortlich.

Galloway trat zwar wegen Unregelmäßigkeiten von diesem Amt zurück, eine Prüfung durch die regierungseigene Charity Commission (Wohltätigkeitskommission) ergab jedoch nur kleinere Unregelmäßigkeiten für die niemand spezielles verantwortlich gemacht werden könne. Es gebe keine Beweise, dass Gelder nicht satzungsgemäß verwendet worden seien.

  • George Galloway habe versucht, die parteiinterne Krise der Scottish Socialist Party (SSP) im Herbst 2004 auszunutzen und die SSP zu spalten.

Galloway rief im Februar 2009 die ägyptische Bevölkerung zum Sturz des Tyrannen Mubarak auf.[6]

Galloway macht sich in der Öffentlichkeit immer wieder für die Interessen der Muslime in Großbritannien stark. So gehörte er zu den vehementesten Kritikern der Channel 4-Fernsehreportage „Undercover Mosque“, für die im Januar 2007 in britischen Moscheen radikale Muslime mit versteckter Kamera gefilmt wurden, die Hass und Verachtung gegen „Ungläubige“ predigten. Den Autoren der Reportage warf er antimuslimische Parteilichkeit vor, weil sie nicht auch die „Hassverbreitung im Alten Testament“ und bei christlichen Fundamentalisten zum Thema gemacht hätten.[7]

Galloway kritisierte scharf die Feierlichkeiten zum Tode Margaret Thatchers und beklagte die 10 Millionen Pfund, die „für die Kanonisierung dieser bösartigen Frau“ ausgegeben worden seien und nannte es „absurd“, Margaret Thatcher mit dem früheren Premier Winston Churchill zu vergleichen. Thatcher sei für die Deindustrialisierung des gesamten Nordens von Großbritannien und Süd-Wales verantwortlich und das einfache Wort ‘Thatcher’ würde bei Millionen Briten Hassgefühle provozieren.[8]

Galloway erklärte 2014 die Stadt Bradford zur "israelfreien" Zone, was von dem Rabbiner Shneur Zalman Odze mit einem demonstrativen Besuch von Israelis und Briten mit israelischem Pass gekontert, der über Facebook organisiert wurde[9].

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: George Galloway – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neues Deutschland, 5. Mai 2010
  2. http://www.stern.de/news2/aktuell/labour-abweichler-galloway-schafft-wiedereinzug-ins-parlament-1807102.html
  3. Galloway’s victory is the last thing Britain needs, Daily Mail, 1. April 2012
  4. Comment. Webseite der Sendung. Press TV, Teheran.
  5. Sputnik, Orbiting the world with George Galloway. Webseite der Sendung. RT TV, TV Novosti, Moskau.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatCumali Önal: Konvoyla 12 bin km katedip Gazze'ye girdi. In: Zaman Online. Zaman, 11. März 2009, S. 1, abgerufen am 11. März 2009 (türkisch).
  7. Vgl. „George Galloway clashes C4 over Undercover Mosque program“ (YouTube)[1]
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGalloway anger at Thatcher funeral and cancelling PMQs. BBC News, 15. April 2013, abgerufen am 5. Juli 2013 (englisch).
  9. Bericht auf Israel-Netz und Video auf Youtube (Englisch)