George Padmore

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George Padmore, geboren als Malcolm Ivan Meredith Nurse (* 28. Juli 1902[1], in Tacarigua, Arouca District, Trinidad; † 23. September 1959 in London) war ein westindischer Publizist, kommunistischer Politiker und ein Vordenker des Panafrikanismus.

Leben[Bearbeiten]

Malcolm Ivan Nurses Vater Hubert Alfonso Nurse war ein Lehrer und landwirtschaftlicher Berater der britischen kolonialen Regierung der westindischen Insel Trinidad. Der Junge besuchte die Grundschule, Tranquility, dann (1915 bis 1916) das St. Mary's Roman Catholic College und die private Pamphylion High School. Er war Lehrling bei einem Apotheker und danach Journalist beim Trinidad Guardian. C. L. R. James war ein Jugendfreund. Padmore heiratete Julia Semper, sie hatten eine Tochter, Blyden, die in der Karibik blieb. Er ging 1924 in die USA, um an der Fisk University in Nashville, Tennessee Medizin zu studieren (Immatrikulation 1925). Er betätigte sich als Aktivist. 1927 schrieb er sich an der New York University Law School ein, ohne Kurse zu belegen.

1928 trat er der Kommunistischen Partei bei und nahm den Namen eines Cousins, George Padmore, an. Die Partei schickte ihn nach Washington, D.C., an die Howard Law School. Padmore nahm für sie am zweiten Kongress der Liga gegen den Imperialismus in Frankfurt teil. Ende 1929 reiste er nach Moskau, wo er bald zum Chef des neugegründeten Negro Bureau of the Communist International of Labour Unions ernannt wurde. Er organisierte die erste Internationale Konferenz der Negerarbeiter der Liga gegen den Imperialismus am 7./8. Juli 1930 in Hamburg. Padmore hatte in diesem Jahr Moskau verlassen und operierte jetzt von Wien und Hamburg aus. In Hamburg eröffnete er 1930 ein „Negerbüro“ und veröffentlichte bis 1933 die Monatszeitschrift The Negro Worker.[2] 1933 wurde er kurzzeitig inhaftiert und danach aus Deutschland ausgewiesen.

Moskau führte seine abrupte Kehrtwende (Volksfrontpolitik) auch in seinem Antiimperialismus durch. Es trat 1934 dem Völkerbund bei und wollte die westlichen Kolonialmächte nicht unnötig verärgern. Das 1928 etablierte Hauptbüro des Internationalen Gewerkschaftskomitees der Negerarbeiter, in Hamburg (Hafenbüro) war im April 1933 von den Nazis geschlossen worden. Dessen Sekretär Padmore wurde am 23. Februar 1934 aus der sowjetischen KP ausgeschlossen. Er lebte in dieser Zeit in Paris und in London, wohin er Anfang 1934 zog. Padmore arbeitete an Nancy Cunards Negro-Anthologie (1934) mit. Er erneuerte seine Freundschaft mit dem Trotzkisten C. L. R. James.

1945 war Padmore an der Organisation des fünften Panafrikanischen Kongresses in Manchester beteiligt. Im selben Jahr lernte er in London Kwame Nkrumah kennen, mit dem ihn fortan eine fruchtbare Zusammenarbeit verband. Die letzten zwei Jahre seines Lebens verbrachte George und Dorothy Padmore im 1957 unabhängig gewordenen Ghana, als Berater des Präsidenten Kwame Nkrumah. Er starb in London, in medizinischer Behandlung.

Schriften[Bearbeiten]

  • The Life and Struggles of Negro Toilers. R.I.L.U. [Red International of Labour Unions] Magazine for the International Trade Unions Committee of Negro Workers, London 1931.
  • How Britain Rules Africa. Wishart, London 1936.
  • Afrika unter dem Joch der Weissen. Rotapfel, 1936.
  • Africa and World Peace. Secker & Warburg, London 1937. Vorwort: Stafford Cripps.
  • mit Nancy Cunard: White Man's Duty. 1942.
  • mit Dorothy Pizer: How Russia Transformed Her Colonial Empire. Dennis Dobson, London 1946.
  • Africa: Britain's Third Empire. 1949.
  • The Gold Coast Revolution: The Struggle of an African People from Slavery to Freedom. 1953.
  • Pan-Africanism or Communism? The Coming Struggle for Africa. Dennis Dobson, London 1956. Introduction von Richard Wright.

Literatur[Bearbeiten]

  • James R. Hooker: Black Revolutionary: George Padmore's Path from Communism to Pan-Africanism. Pall Mall, London 1967.
  • Imanuel Geiss: Panafrikanismus: Zur Geschichte der Dekolonisation. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1968.
  • Christoph Marx: Geschichte Afrikas. Von 1800 bis zur Gegenwart. Schöningh / UTB, Paderborn 2004, ISBN 3-506-71748-0.
  • Winfried Speitkamp: Kleine Geschichte Afrikas. Reclam, Stuttgart 2007.
  • Carol Polsgrove: Ending british rule in Africa. Writers in a common cause. Manchester University Press, Manchester 2012, ISBN 978-0-7190-8901-5.
  • Holger Weiss: Framing a Radical African Atlantic. African American Agency, West African Intellectuals and the International Trade Union Committee of Negro Workers. Brill, Leiden/Boston 2014, ISBN 978-90-04261631. Darin Teil 3 (überschrieben „George“) zu George Padmore, mit den Kapiteln VII (The ITUCNW in the RILU- and CI-apparatus, 1930-1933) und VIII (The Radical African Atlantic, 1930-1933: Writing Class, Thinking Race).

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. In anderen Quellen wird 1903 als Geburtsjahr angegeben.
  2. Andreas Eckert: Ein Vollzeitrevoluzzer im Negerbüro. In der Zeit zwischen den Weltkriegen war Deutschland ein Zentrum der Kampfes gegen Kolonialismus. Über ein vergessenes Kapitel aus der Rebellionsgeschichte des modernen Afrikas. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 1. Oktober 2014, S. N3.