George Szell

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George Szell, 5. Januar 1954
Fotografie von Carl van Vechten, aus der Van Vechten Collection der Library of Congress

George Szell (eigentlich György Széll, * 7. Juni 1897 in Budapest, Österreich-Ungarn; † 30. Juli 1970 in Cleveland, Ohio) war ein österreichisch-amerikanischer Dirigent, Pianist und Komponist.

Herkunft[Bearbeiten]

György Széll, György Endre Szél, oder Georg Szell wurde am 7. Juni 1897 in Budapest, damals Österreich-Ungarn geboren, wuchs jedoch ab ca. 1900 in Wien auf. Über seine Eltern ist bisher nichts bekannt.

Die Quellen geben als Geburtsnamen unterschiedliche Varianten wieder, bedingt durch die Sprachenvielfalt im damaligen Österreich-Ungarn der K.u.K.-Zeit.

Spätestens seit seiner Ankunft in Amerika 1939 nannte er sich George Szell.

Er begann seine Ausbildung in Wien zunächst bei Richard Robert als Pianist. Hier lernte er Rudolf Serkin kennen. Er wurde sein musikalischer Kooperationspartner und ein lebenslanger Freund.[1] Neben dem Klavier studierte Szell Komposition bei Eusebius Mandyczewski, einem persönliche Freund von Brahms, und bei Max Reger. Im Alter von 14 Jahren unterschrieb Szell einen Zehn-Jahres-Exklusiv-Vertrag mit dem Wiener Verlag Universal Edition. Neben eigenen Kompositionen arrangierte er Bedřich Smetanas 1. Streichquartett, Aus meinem Leben, für Orchester.

Künstlerischer Werdegang[Bearbeiten]

Bereits 1908, also mit elf Jahren, gab er seinen ersten öffentlichen Auftritt als Pianist und Komponist. Sein Debüt als Dirigent gab er 16-jährig mit dem Wiener Symphonie Orchester. Als Siebzehnjähriger leitete er selbst die Aufführung einer eigenen Komposition durch die Berliner Philharmoniker. Noch vor seinem 20. Geburtstag arbeitete er mit den Berliner Philharmonikern sowohl als Pianist, Komponist als auch als Dirigent zusammen. Richard Strauss holte ihn als Korrepetitor an die Berliner Oper (1914–1917). Anschließend wurde Szell als Nachfolger Otto Klemperers Chefdirigent der Straßburger Philharmoniker (1917–1919). Es folgten Stationen beim Deutschen Theater in Prag (1919–1921), in Darmstadt (1921–1922) und in Düsseldorf (1922–1924), bevor er als Erster Kapellmeister an die Staatsoper Berlin engagiert wurde (1924–1929). Gleichzeitig leitete er das Rundfunk-Symphonieorchester Berlin und unterrichtete an der Berliner Hochschule für Musik (1927–1930) und machte auch Aufnahmen mit den Wiener Philharmonikern.

Nach 1933[Bearbeiten]

1936–1939 übernahm er die Leitung des Scottish National Orchestras und 1937–1939 gleichzeitig das Residenzorchester von Den Haag. 1939 kehrte Szell als Generalmusikdirektor und Opernchef nach Prag zurück.

Nach Ausbruch des II. Weltkriegs 1939, Szell beendete gerade eine Tournee durch Australien, ließ er sich mit seiner Familie in New York nieder. Ein Jahr lang unterrichtete er, dann erhielt er vereinzelt Einladungen als Gast-Dirigent. Wichtig unter diesen Einladungen waren 1941 vier Konzerte mit Arturo Toscaninis NBC Symphony Orchestra. 1942 erfolgte das Metropolitan Opera Debut; er dirigierte das Orchester in den darauffolgenden vier Jahren regelmäßig. 1943 erfolgte das New York Philharmonic Debut.

In den Jahren 1940–1942 spielte er als Pianist mit Paul Hindemith und Rudolf Serkin als Partnern auch Kammermusik. 1940 dirigierte er erstmals die New York Philharmonic. Von 1942 bis 1946 arbeitete Szell regelmäßig an der Met und von 1943 bis 1956 mit den New Yorker Philharmonikern.

Nach 1945[Bearbeiten]

1946 übernahm er als Chefdirigent das Cleveland Orchestra, das er auf Weltklasse-Niveau brachte und bis zu seinem Tode 1970 leitete. 1946 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Er gastierte bei den Salzburger Festspiele, wo er 1954 Penelope, 1957 die Die Schule der Frauen von Rolf Liebermann und 1955 die Irische Legende von Werner Egk zur Uraufführung brachte. Aber auch hier konzertierte er v. a. mit den österreichischen Klassikern wie Haydn, Mozart und Beethoven. So sah er sich selbst als einen der größten Beethoven-Interpreten seiner Zeit.

Zu Beginn der Saison 1969/1970 wurde er Music Advisor des New York Philharmonic Orchestra.

Aufnahmen[Bearbeiten]

Mit dem Cleveland Orchestra nahm er hauptsächlich für Epic Records fast das komplette Standard-Repertoire der klassischen Musik auf, erreichte dabei aber fast nie die Verkaufszahlen von Leonard Bernstein, der mit den New Yorker Philharmonikern für Columbia Records und damit für denselben Mutterkonzern (CBS) aufnahm. Der CBS-Geschäftsleitung wird in diesem Zusammenhang das Wortspiel „Szell never sells“ („Szell verkauft sich nicht“) zugeschrieben. Stark dagegen spricht allerdings, dass CBS ihn die großen Klassiker massenweise einspielen ließ und viele Aufnahmen auch heute noch verfügbar sind, u. a. alle Beethoven-Sinfonien und Konzerte (mit Leon Fleisher, ein zweites Mal für EMI mit Gilels am Klavier), alle Brahms-Sinfonien und die Konzerte (mit Leon Fleisher sowie auch hier ein zweites Mal mit Serkin am Klavier, Oistrach und Rostropowitsch an der Violine und am Cello), die Dvorak-Sinfonien 7–9, alle Schumann-Sinfonien (in eigener Bearbeitung), die „Unvollendete“ und die „Große“ von Schubert, Haydn und viele Werke von Mozart (Sinfonien 28, 33, 35, 39, 40 & 41, Posthornserenade, "Eine kleine Nachmusik" u.a.).

Zusammenarbeit mit anderen Künstlern[Bearbeiten]

In Leon Fleisher fand Szell in den 1950er und frühen 1960er Jahren seinen idealen Interpreten für das Klavierkonzert-Repertoire. Von herausragender Qualität sind die Aufnahmen der Klavierkonzerte von Beethoven und Brahms, daneben des Klavierkonzertes Nr. 25 von Mozart sowie der Klavierkonzerte von Grieg und Schumann, den "Symphonischen Variationen" von Cesar Franck und Rachmaninows "Paganini Rhapsody". Weiter arbeitete er zusammen mit Gilels, Serkin, Oistrach und Rostropowitsch.

In den 1950er und 1960er Jahren konzertierte er häufig mit dem Cellisten Pierre Fournier, mit dem er auch das Dvorak-Cellokonzert mit den Berliner Philharmonikern aufnahm.

Schüler[Bearbeiten]

Zu seinen Schülern gehörten u.a. James Levine, die in Berlin geborene Komponistin Ursula Mamlok, sowie Robert Shaw. James Levine wurde später Leiter der Met, der Münchner Philharmoniker und des Boston Symphony Orchestra. Er war in den 1960er Jahren George Szell's Assistent. Ursula Mamlok unterrichtete Komposition an der New York University, der Temple University und über 40 Jahre an der Manhattan School of Music in New York. Durch die Leitung des Chors des Cleveland Orchestra wurde Robert Shaw bekannt. Er leitete später das Atlanta Symphony Orchestra.

Szell als Komponist[Bearbeiten]

Bereits 1908, also mit elf Jahren, gab er seinen ersten öffentlichen Auftritt als Pianist und Komponist. Er schrieb eine Sinfonie in Es-Dur, ein Quintett in D-Dur, ein Rondo für Klavier und andere Werke. Neben seinen eigenen Kompositionen bearbeitete er auch bekannte Werke der klassischen Musik: Diese spielte er auf Schallplatte ein, so u. a. Smetanas Streichquartett „Aus meinem Leben“ und seine Bearbeitung der vier Sinfonien von Schumann.

Die Wiederentdeckung[Bearbeiten]

Seit dem Jahre 1990 wurden viele Aufnahmen von Szell durch Sony BMG Music Entertainment, das Teile von CBS übernahm, durch die Reihe „Essentials Classics“ digital remastered zu recht günstigem Preis (ca. 5 Euro) der jüngeren Generation zugänglich gemacht und sorgten für eine Wiederentdeckung Szells durch die jüngere Generation. Weitere Aufnahmen von Szell findet man bei Phillips mit dem Concertgebouw-Orchester, bei Decca mit seinem Clevelander Orchester und mit dem London Symphony Orchestra.

Bewertung seiner Leistungen[Bearbeiten]

Szell war der Dirigent, der nach Eugene Ormandy am längsten im 20. Jahrhundert eines der amerikanischen „Big Five“-Orchester leitete, und der aus dem Cleveland Orchester erst ein Orchester von Weltruhm machte. Neben Solti, Ormandy, Dorati und Reiner war er Teil der „hungarian connection“, welche die amerikanischen Orchester ab der Mitte des 20. Jahrhunderts auf ein Niveau brachte, das dem der europäischen Orchester ebenbürtig war, in spieltechnischer Hinsicht vielleicht sogar überlegen.

Seine Probenarbeit war gefürchtet. Bekannt geworden ist sein Satz: „The Cleveland Orchestra gives seven concerts a week and the public is invited to two.“ (Das Cleveland Orchestra gibt sieben Konzerte pro Woche, das Publikum ist [nur] zu zweien eingeladen). So eilte ihm der Ruf voraus, als Dirigent mit sich und seinen Musikern unerbittlich streng umzugehen. Seine autoritäre Art wurde nicht von allen Orchestern akzeptiert, führte aber nicht selten zu herausragenden Ergebnissen. Sofern sich diese seiner Meinung nach nicht einstellten, untersagte er die Veröffentlichung der Aufnahme, so geschehen bei einer Aufnahme der 4. Sinfonie von Tschaikovsky mit dem London Symphony Orchestra, die erst Jahre nach seinem Tod erschien, und als eine der besten dieses Werkes gilt. Ebenfalls hochgerühmt werden z.B. seine Aufnahmen der Sinfonien von Dvorak, Haydn und Brahms, sowie die Brahms Klavierkonzerte (mit Serkin und Fleisher).

Hörbeispiele[Bearbeiten]

  • [1] Mozart: Die Entführung aus dem Serail 1. Akt
  • [2] Mozart: Die Entführung aus dem Serail 2. Akt
  • [3] Mozart: Die Entführung aus dem Serail 3. Akt

Erika Köth (Constanze), Lisa Otto (Blonde), Rudolf Schock (Belmonte), Murray Dickie (Pedrillo), Kurt Böhme (Osmin), Hannsgeorg Laubenthal (Pasha Selim), Chor der Wiener Staatsoper, Wiener Philharmoniker, George Szell

Anekdoten[Bearbeiten]

Szell war nicht nur für seine autoritäre Art gefürchtet.

Rudolf Bing, der langjährige Leiter der Metropolitan Opera, meinte auf Szells Aussage hin, dass er (Szell) sich selbst sein (Szells) größter Feind sei: „Nicht, solange ich lebe“.

Berühmt geworden ist auch seine Reaktion auf die euphorische Besprechung (in den Zeitungen) der Leistungen seines Solo-Hornisten Myron Bloom anlässlich einiger Konzerte. Als er diesen danach im Fahrstuhl traf, fragt er nur kurz, ob er diesen einmal berühren dürfe. Bloom sagte Jahre später: „Klarer konnte man es nicht ausdrücken.“

Eine weitere typische Anekdote ist aus dem Jahr 1957 überliefert. In Cleveland wurde Beethovens 2. Klavierkonzert geprobt, Solist war Glenn Gould. Dieser reiste nie ohne seinen eigenen Klavierstuhl, der durch eine Federmechanik sehr sensibel auf Goulds Bewegungen reagierte. Scheinbar schraubte Gould während der Probe an seinem Stuhl herum, was Szell zu der Aussage veranlasste: „Wenn Sie vielleicht ein Sechzehntel Inch von Ihrem Allerwertesten abkratzen, Mr. Gould, könnten wir endlich mit dieser Probe fortfahren.“ Da Glenn Gloud den Satz nach eigener Aussage nicht wahrnahm, kam es zu keinerlei Zerwürfnis. Die Erinnerungen, wie deftig Szell Goulds Hintern titulierte, gehen auseinander.

(Quelle u.a.: Lexikon der Interpreten klassischer Musik im 20. Jahrhundert von Alain Paris dtv/Bärenreiter)

(Aus: Kevin Bazzana: Glenn Gould, Die Biographie. Schott, 2003)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: George Szell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Donald Rosenberg: The Cleveland Orchestra Story: "Second to None". Gray & Company, Cleveland 2000, ISBN 1886228248, S. 238.