Georgenkirche (Wismar)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
St. Georgen (südliches Querschiff und Chor)
Innenraum der Kirche (Oktober 2011)
St. Georgen: Fassade des Querschiffes

Die Kirche St. Georgen gehört neben St. Marien und St. Nikolai zu den drei monumentalen gotischen Sakralbauten der Wismarer Altstadt. Ausgehend von der Baumasse und dem umbauten Raum ist die um 1295 begonnene Georgenkirche das größte dieser Bauwerke. Zugleich ist es auch das jüngste.

Die Georgenkirche war das Gotteshaus der Landesherren und der Handwerker von Wismar. Die im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte und zu DDR-Zeiten weiter verfallene Kirche ist in wesentlichen Teilen bis 2010 wiederhergestellt worden. Sie ist als Teil der Wismarer Altstadt seit 2002 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes verzeichnet. St. Georgen und St. Marien bilden zusammen die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Wismar St. Marien/St. Georgen in der Propstei Wismar, Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die St. Georgen war die Pfarrkirche der Neustadt, sie gehöre zur zweiten Phase der Stadtgründung, die bis 1250 ihren Abschluss fand. Wann genau St. Georgen gegründet wurde, ist nicht überliefert. Die älteste überlieferte Urkunde stammt von 1255, in dieser ist ein Godfridus plebanus sancti Martini als Zeuge genannt. Der Heilige Martin wird in späteren Urkunden als zweiter Patron genannt und Godfridus wurde bis 1296 mehrfach als Pleban erwähnt. Ob sich das erwähnte Kirchengebäude an der Stelle der heutigen Kirche befand, ist nicht sicher, da ein alter Kirchhof von St. Georgen vor der Stadt belegt ist. Wahrscheinlich wurde die Kirche später verlegt.[2]

Maße[Bearbeiten]

  • Höhe des Turmstumpfes: 59 m
  • Länge: 78 m
  • Breite: 44 m
  • Querschiffbreite: 57 m
  • Gewölbehöhe des Quer- und Hauptschiffes: 35 m

Erste Kirche[Bearbeiten]

Der Baubeginn des ersten Gebäudes an seinem heutigen Ort wird auf die Zeit zu Anfang der 1260er Jahre vermutet. Eine erste urkundliche Erwähnung ist in einer Urkunde von 1269 zu finden. Der Fürst Heinrich von Mecklenburg übertrug 1270 das Patronat an den Deutschen Orden in Riga. Zu dieser Zeit besaß die Gemeinde noch kein Pfarrhaus, dies belegt ein zu der Zeit noch junges Kirchspiel. Der Bau der Kirche war um das Jahr 1286 beendet, für dies Jahr ist erstmals ein Kirchturm erwähnt. Von diesem ersten Kirchengebäude sind einige Reste erhalten.[3]

Zweite Kirche[Bearbeiten]

Grundriss (1896)

Der im Osten gerade geschlossene, dreischiffige Chor ist Bestandteil der zweiten Kirche. Er wurde später an der Süd- und Nordseite durch eine Sakristei und Kapellen erweitert. Beginn der Bauzeit wird um 1295 gewesen sein, da für dies Jahr ein Ziegelofen für St. Georgen belegt ist. Der Chor der Vorgängerkirche blieb bis zur Fertigstellung innerhalb des Gebäudes erhalten. Nach der Eindeckung der Dächer wurde der neue Chor eingewölbt. Der Chor dürfte 1350 fertig gewesen sein, da für dies Jahr eine Messfeier, ein Ablass und eine Jubelfeier erwähnt wurden.[4] Für den weiteren Anbau von Kapellen gibt es Hinweise in Urkunden aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Wann der zweite Bau fertig wurde ist nicht belegt, archäologische Grabungen sollen darüber Auskunft geben. Die in der Nordostecke des Chores, noch heute vorhandene, bekrönte Kapelle, wurde 1394 in einer Urkunde erwähnt. Eine nicht mehr vorhandene Kapelle stand in der Mitte, sie wurde als herzoglicher Chor oder Fürstenempore genutzt. Eine neue Sakristei wurde 1495 gebaut. Ursprünglich standen an der Südseite zwei Kapellen, die östliche wurde im 19.Jahrhundert abgerissen, die an der Westseite ist als Ruine erhalten.[4]

Dritte Kirche[Bearbeiten]

Georgenkirche um 1840

Nach einer Bezeichnung in der Turmhalle im Norden, wurde 1404 mit dem heutigen Bau begonnen. Die Arbeiten gestalteten sich langwierig, die beiden Kapellen im Turm wurden wohl erst 1469 fertig gebaut. Eine Kapelle wurde als Wollenweberkapelle bezeichnet, die andere als Marienzeitenkapelle. Die größten Verzögerungen gab es wohl in den 40er Jahren des 15. Jahrhunderts. Es sind Meisterzeichen überliefert, die eine Fertigstellung der Gewölbe für die Zeit vor 1497 belegen. Die Vollendung des Baues ist auf das Jahr 1594 datiert. In einem Buch über Bau- und Geschichtsdenkmäler in Mecklenburg wird erwähnt: Die Jahreszahl 1594 aber am Schluss der Ostwand des Neubaus oberhalb des ältesten Chorfirstes lässt erkennen, dass man damals den Gedanken einer Vollendung des großartigen Planes aufgibt und zugleich gewillt ist, einen Teil des Fachwerkbaues, womit ursprünglich doch ohne Frage nur ein vorläufiger Schluss beabsichtigt war, dauernd von Bestand zu lassen. So ist St. Jürgen zu einem Wahrzeichen des Auf- und Niedergangs der städtischen Verhältnisse während des Mittelalters geworden.[4] Der Westturm mit Glockenstube wurde ebenfalls 1594 fertiggestellt. In der Zeit von 1877 bis 1905 wurden umfangreiche Renovierungs- und Reparaturarbeiten vorgenommen. Die Wände und Säulen im Innenraum mussten stabilisiert werden, der Fußboden erhielt farbige Fliesen und die mittelalterliche Wandfassung wurde wieder aufgebracht. Die Orgel bekam ein neues Gehäuse und das Gestühl wurde neu angeordnet. Zwischen dem alten Chor und dem Bau aus gotischer Zeit stand eine provisorische Fachwerkwand, die durch eine Triumphbogenwand in Backstein ersetzt wurde.[4]

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Bau von zwei Luftminen getroffen und beschädigt. Die Gewölbe des Chores, die Sakristei und das Dach wiesen leichte Beschädigungen auf, die im Turm befindliche Orgel verbrannte. Mit Planungen für die Wiederherstellung wurde 1949 begonnen, dabei wurde der Bau einer Notkirche angeregt. Ein neuer Dachstuhl wurde in den 1950er Jahren über dem Hochschiff aufgebaut. Da er nie eingedeckt wurde, brach er in späteren Jahren zusammen. Die ungeschützten Gebäude verfielen mehr und mehr, ein Abbruch der neuen und alten Sakristei wurde 1961 erforderlich.[4] Im selben Jahr wurde zwischen dem Bezirk Rostock, der Stadt Wismar und der Landeskirche in Schwerin ein Vertrag über die Geistlichen Hebungen geschlossen. Die Stadt verpflichtete sich nach der Sprengung der Marienkirche, die Kirche St. Georgen wieder aufzubauen, den Turm von St. Marien zu sichern und die Heilig-Geist-Kirche zu restaurieren und danach der Kirchengemeinde wieder als ihr Eigentum zur Nutzung zu übergeben. Im Gegenzug verzichtete die Gemeinde auf Grundstücke, vor allem in Wendorf.[4] Da die Stadt Wismar der Kirchengemeinde das Recht auf ungestörte Nutzung (z. B. Gottesdienste) bestreitet, finden seit einiger Zeit keine Gottesdienste in St. Georgen statt.[5]

Architektur[Bearbeiten]

Wie die anderen größeren Wismarer Kirchen wurde St. Georgen im Stil der norddeutschen Backsteingotik errichtet, orientiert sich jedoch nicht so stark am Urvorbild der Lübecker Marienkirche wie jene anderen Bauwerke.

Das Anfangs als Hallenkirche geplante Gotteshaus ist eine dreischiffige Basilika mit Einsatzkapellen, großem Querhaus, niedrigerem Chor und flachem Chorabschluss. Die Westfassade bildet ein aus Kostengründen unvollendeter Turm, von dem nur der Turmschaft erbaut wurde. Nicht zuletzt der niedrige Turmstumpf sorgt neben der ungewöhnlichen Raumaufteilung und dem gewaltigen Querhaus für das eigenwillige und unverkennbare Erscheinungsbild des Bauwerks, das sich hoch und weithin sichtbar über den Altstadtdächern erhebt.

Kurz vor Kriegsende wurde das Bauwerk am 14./15. April 1945 bei einem Luftangriff der britischen Royal Air Force durch zwei Luftminen schwer beschädigt. Das Turmmassiv brannte völlig, der Kirchenraum teilweise aus. Gewölbe und Dachkonstruktionen von Langhaus, Querschiff und Turm stürzten ein. Die Umfassungsmauern blieben erhalten. In der Folgezeit traten Verfallserscheinungen am Gesamtbauwerk, auch am erhaltenen Chorbereich auf.[6] Seit seiner Gründung 1987 hat sich der Förderkreis St. Georgen mit verschiedenen Aktionen zunächst für eine Rettung und dann den Wiederaufbau der Kirche eingesetzt.[7] Am 25. Januar 1990 wurde durch den Orkan Daria der Giebel des nördlichen Querhauses heruntergerissen und zerstörte zwei benachbarte Häuser.[8] Handlungsdruck entstand, es war zur Zeit der Friedlichen Revolution und der Runde Tisch Wismar sandte Hilferufe aus. Von westdeutscher Seite kam rasche Unterstützung, örtliche Betriebe nahmen sich der Aufgabe an, und in der Folge wurde der Wiederaufbau der Georgenkirche umgesetzt.

Wiederaufbau[Bearbeiten]

Der forcierte Wiederaufbau der Georgenkirche ab 1990 kostete 40 Millionen Euro allein bis Anfang 2010. Engagierte Unterstützung und Geld kamen aus verschiedenen Quellen, allein 15 Millionen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Für diese war die Kirche St. Georgen das erste und größte Hilfsprojekt in den östlichen Bundesländern.[9] Bis 2010 dauerte das Projekt bis zur Fertigstellung. Eine der bedeutendsten Kirchen der Backsteingotik wurde für die Nachwelt bewahrt.[10]

Die zukünftige Nutzung der Georgenkirche soll in einer Kombination von Gotteshaus und Kulturkirche liegen.[11] Die Arbeiten gehen aber weiter. So war noch eine Aussichtsplattform auf dem Turm geplant, die im Mai 2014 eröffnet wurde. Die jährlichen Unterhaltungskosten werden auf 400.000 Euro geschätzt.[12] Am 8. Mai 2010 wurde in der Kirche ein Festakt zum vorläufigen Abschluss der Arbeiten abgehalten.

Ausstattung[Bearbeiten]

Die bedeutendsten Ausstattungsstücke waren im Krieg wegen der Luftangriffe ausgelagert und dadurch zunächst gerettet worden, gingen jedoch teilweise nach Kriegsende verloren. Dazu gehörte eine lebensgroße Reiterfigur des Heiligen Georg, die mutwillig zerstört wurde.[6] In der Kirche befand sich auch ein um 1430 entstandenes gotisches Hochaltarretabel. Die Wiederherstellung des Hochaltars wurde vom Förderkreis St. Georgen zu Wismar e.V. durch Spendengelder von über 760.000 Euro bewerkstelligt. Es gibt eine Kontroverse darüber, ob der Altar nach seiner Rückkehr in die Georgenkirche an seinen alten Standort im Chor (Ostteil) des Gotteshauses (Landeskirche, Kultusministerium, Förderkreis, Denkmalpflege, Restauratoren) oder in eine Seitennische kommt (Bürgermeisterin).[13] Für die Aufstellung am historischen Standort haben sich zudem in einer Unterschriftenaktion des Förderkreises bereits ca. 11.000 Bürger ausgesprochen. Neben dem Hauptaltar werden auch die restlichen erhaltenen Ausstattungsstücke (u.a. das mittelalterliche Gestühl und das Triumphkreuz) wieder zurückkehren. Im November 2010 wurde die Orgelstiftung St. Georgen zu Wismar gegründet. Ihr Ziel ist es, die im Krieg komplett zerstörte Orgel durch einen Neubau zu ersetzen und nach dem Einbau deren Wartung und Nutzung zu begleiten.

Glocken[Bearbeiten]

Die Georgenkirche besaß im Westturm ein Geläut aus vier Glocken; die beiden größeren waren 1859 vom Glockengießer Peter Martin Hausbrandt in Wismar gegossen worden, die dritte Glocke 1591 von Gerdt Bincke und die vierte Glocke 1670 von Abraham Grot. Die beiden Glocken aus dem 19. Jahrhundert wurden schon zu Beginn des Zweiten Weltkriegs eingeschmolzen; die vierte Glocke musste später ebenfalls abgeliefert werden und überstand den Krieg auf dem Hamburger Glockenfriedhof, wurde aber 1963 für den Guss einer Glocke für die Nikolaikirche eingeschmolzen. Die dritte Glocke war als einzige in Wismar verblieben, stürzte 1945 bei der Zerstörung der Kirche im Turm ab und zerschellte.[14]

Erhalten haben sich hingegen die 1581 von Gerdt Bincke gegossene Uhrschlagglocke im Dachreiter sowie die kleine Viertelschlagglocke von 1489, ursprünglich ebenfalls aus dem Dachreiter und zurzeit in der Kirche von Zurow.

Altäre um 1500[Bearbeiten]

Es ist eine Aufstellung überliefert, in denen die um 1500 in der Kirche befindlichen Altäre aufgelistet und beschrieben sind. Zum Ende des Mittelalters existierten mindestens 30 Nebenaltäre, von denen 17 oder 18 außerhalb von Kapellen standen.

Hauptaltar[Bearbeiten]

Detail des Hochaltarretabels

Der Hauptaltar stammt aus der Zeit um 1430. Im aufgeklappten Zustand ist er etwa 9,5 Meter breit und mit Predella und Bekrönung 4,42 Meter hoch und ist das größte seiner Art im ganzen Ostseeraum. Das Retabel ist breiter als das lichte Innenmaß zwischen den Pfeilern des Chores.[15] Das Retabel weist 42 Heiligenfiguren auf der Vorder- und 16 Maltafeln auf der Rückseite auf. Das im Krieg ausgelagerte Retabel ist nach Restaurierung im Jahr 2008 in der Südkapelle der St. Nikolaikirche aufgestellt worden. Seitdem finden jeden Donnerstag um 18:05 Uhr Andachten vor dem Hochaltar statt, in denen die einzelnen Heiligen vorgestellt werden.

Lettner[Bearbeiten]

In einem Bericht zu dem Begräbnis von Herzog Magnus wurde 1504 ein Lettner beschrieben. Er war auf die gleiche Weise wie die Schranken gebildet und nicht gemauert. Die Chorschranken reichten bis an die Vierungspfeiler im Osten, der Lettner stand dazwischen. Dies wird auch in einem Grundriss aus dem 19. Jahrhundert bestätigt. Der Lettner wurde 1833 abgebaut.[15]

Kreuzaltar[Bearbeiten]

Der Kreuzaltar wurde vermutlich 1478 geweiht (infra testudinem) Dies wird als Ort unter dem Vierungsgewölbe gedeutet. In einem Visitationsprotokoll wird er als Ein altar an den ersten Pfeiler, mitten in der Kirche erwähnt. Der Altar wurde 1580 abgebrochen.[15]

Altar vor dem Likhus[Bearbeiten]

Dieser Altar stand vermutlich im nördlichen Querhaus vor der östlichen Wand. Die Konrad Buck Kapelle stand vermutlich hier. …De Vicaria D.Cunrhadi Buckes thom altare vor dem likkenhuse funderet… Buck starb 1407.[15]

Nikolaialtar[Bearbeiten]

Der Nikolaialtar stand vor der Kladowkapelle, das Patronat lag wahrscheinlich bei den Seglern, die Vikarie war von der Koegel gestiftet.[15]

Fünfmessenaltar[Bearbeiten]

Besitzer des Altares war die Familie Rampe, er war dem hl. Erasmus geweiht. An ihm wurden die Frühmessen gelesen. Der Altar der fünf Messen wurde auch Fünfmessenaltar oder Erasmusaltar genannt, zu ihm gehörte die Vikarie Ringelmann. Er stand vermutlich ursprünglich im nördlichen Chorseitenschiff an der östlichen Wand. Bei dem Einbau des Ganges zum Fürstenhof zu der Kapelle der Kempe wurde sie verlegt. Der Ratmann Odbertus Leuberstorp und der Bürgermeister Johannes Vrese beschlossen 1447, dem Altar die Vikarien des Eghard Slemmyn und des Johannes Frese zugeteilt werden. Johannes Ringmolen, ein Kanoniker aus Ratzeburg gründete 1466 eine Vikarie zu diesem Altar …ad altare retro summum altare in quo prima missa haberi solet… Ein Jahr danach erfolgte die bischöfliche Bestätigung. Im selben Jahr wurde die Vikarie von Johannes Vick von dem Bischof Johannes IV bestätigt. …ad altare in honore sancti Erasmi martitris…erectum et consecratum voratum altare prime misse als der rampen altar….[16]

Altar der Bolenkinder[Bearbeiten]

Der Altar der Kinder der Familie Bolen wurde 1353 urkundlich erwähnt. Er stand 1533 im Mittelschiff des Chores an der östlichen Wand. Zu ihm gehörte die Vikarie des Ulric Kalsow. Vermutlich wurde er 1582 abgerissen, in einer Urkunde steht geschrieben: die altäre hinter dem Chor, die beiden vor der Beichtkapelle weggeräumt.[17]

Wollenweberaltar[Bearbeiten]

Der Wollenweberaltar wurde auch St. Annenaltar genannt. …ubi commenda vel vicaria Claus Krögers…. Er stand im südlichen Seitenschiff des Chores an der östlichen Wand, dahinter befand sich die Knochenhauerkapelle. Der Knochenhauer Klaus Weitendop bestimmte 1518 für diesen Altar in seinem Testament: Claus Weitendorp carnifex dedit in suo testamento ad missam S. Anne in Ecclesia S. Georgio ante capellam carnificiúm decantare solitam, hummuletum… Der bei Friedrich Schlie aufgeführte St.-Annen-Altar war vermutlich mit diesem identisch.[18]

Krugealtar[Bearbeiten]

Der Altar der Vikarie des Nikolaus Kruge stand vor einem Vierungspfeiler oder einem Pfeiler im Langhaus. Kruge war Priester, er stiftete 1450, kurz vor seinem Ableben, eine Vikarie. Diese wurde im August 1450 von Bischof Johannes II bestätigt, Henning von Dale wurde zum Vikar ernannt.[19]

Altar vor der Pelzerkapelle[Bearbeiten]

Bischof Johannes IV. bestätigte 1475 die Vereinigung zweier Vikarien auf diesen Altar; der Vikar war Jacob Lan. Der Altar wurde vermutlich 1465 gebaut.[20]

Ehemalige Kapellen[Bearbeiten]

Aus der Überlieferung sind Informationen zu ehemaligen Kapellen erhalten.

Kapelle des Droste von Stove[Bearbeiten]

Der Droste von Stove ließ vor 1371 an der Südseite des ersten Kirchenbaus eine Kapelle bauen und richtete hier die von seinem Vater Marquard begründete Vikarie ein. … capelle de meo proprio structe, annexum versus meridiem ecclesie sancti Georgii in Wismar… Diese Kapelle war die erste geschichtlich belegte. Sie wurde im 15. Jahrhundert durch eine Einsatzkapelle ersetzt, die den Namen Fürstenkapelle bekam.[21]

Kapelle des Andreas Hosang[Bearbeiten]

Der Vikar und Priester Andreas Hosang errichtete 1371 eine Kapelle und gründete eine Vikarie. …perpetuam vicariam in capella quadam ipsius ecclesie per eundem dominum Andream hoc annoconstructo in honorem die … Eine zur Vikarie gehörige Rente wurde 1373 vom Kaland bezeugt. …una missa tenenda et celebranda in perpetuum in Capella dicti domini Andree Hosangh in Ecclesia sanct Georgii per ipsum fundata et edificata…[22]

Kapelle des Albert Grope[Bearbeiten]

Albert Grope bestimmte in seinem Testament die Stiftung von 400 Mark für den Bau einer Kapelle in St. Georgen und die Einrichtung einer Vikarie. Von diesem Betrag waren 100 Mark für den Bau bestimmt. …Sed cum C marcis de predetictis CCCC marcis debet edificari capella in Ecclesia predicta…. Im Jahr 1449 wurde in einem Vertrag zwischen dem Werkmeister Hermann Münster und dem Vikar Konrad Böddeker überliefert, dass die Kapelle an der Südseite des Gebäudes stand.[22]

Kapelle des Konrad Buck[Bearbeiten]

Die Kapelle des Konrad Buck wurde 1419 erwähnt, in ihr waren zwei Vikarien ansässig. …in capella dicti Dominis Conradi… Konrad Buck war 1397 Bürgermeister in Wismar und wurde 1407 zum letzten mal urkundlich erwähnt. Die Vikarie des Buck befand sich 1533 an einem Altar vor dem likhus und nicht mehr in ihrer ursprünglichen Kapelle, die wohl an der Nordseite stand. Diese war an den Kirchenbau I angebaut und wurde beim Neubau abgebrochen.[22]

Kapelle der Hagemeister[Bearbeiten]

Albert Hagemeister hat 1392 eine Capelle zu 50 Marck gekaufft und sie bauen lassen. In einer Urkunde von 1454 wurde eine Kapelle der Hagemeister genannt, die zu dieser Zeit schon wieder abgebrochen war. Die Kapelle musste dem Bau III weichen und stand wahrscheinlich westlich vom heutigen Chor.[23]

Wollenweberkapelle[Bearbeiten]

Die Wollenweberkapelle wurde erstmals 1406 in einem Testament des Geistlichen Konrad Vesperde genannt. …missa celebrari debunt… …ad capellam lanificum in Ecclesia sancti Georgii…in Dicta capella… Der Standort der Kapelle ist nicht bekannt.[23]

Marientidenkapelle (Böddekerkapelle)[Bearbeiten]

Die nördliche Turmseitenkapelle diente der Abhaltung von Marientiden und ging auf eine grosszügige Stiftung des aus Wismar stammenden Bischofs Nicolaus Böddeker zurück, dessen Bruder Konrad Vikar an St. Georgen war.[24] 1449 hatte Konrad Böddeker mit dem Werkmeister der Kirche einen Vertrag über den Bau der Kapelle abgeschlossen, die wohl auch als Familiengrablege dienen sollte. Fertiggestellt wurde sie 1458/59.[25] Die Kapelle schmückte eine monumentale Vollbilddarstellung des Bischofs als Stifter knieend unter dem Kreuz; sie wurde in der Literatur als Vorbild für das spätere Bildprogramm des Triumphkreuzes im Lübecker Dom ins Gespräch gebracht.[26] Die Malerei ging durch die Witterungseinflüsse der Nachkriegszeit verloren.

Marienbild[Bearbeiten]

In der Zeit um 1500 wurde ein wundertätiges Marienbild verehrt, es hing nachweislich noch 1534 in der Sakristei. Auch in der Marienkirche befand sich so ein Bild. Der Bischof Nicolaus Böddeker hatte es 1444 geweiht. Er erteilte einen Ablass für alle, die vor dem Bild Andacht verrichten würden.[27]

Pastoren[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Steve Ludwig: St. Georgen zu Wismar. Kiel 1998, ISBN 3-9805480-7-4
  • Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. II. Band: Die Amtsgerichtsbezirke Wismar, Grevesmühlen, Rehna, Gadebusch und Schwerin. Schwerin 1898, Neudruck Schwerin 1992, S. 69 ff. ISBN 3910179061
  • Ingo Sens, Hans Martin Hackbarth: Das Unmögliche wagen – Der Förderkreis St. Georgen zu Wismar von den Anfängen bis zur Gegenwart. Kiel 2013, ISBN 978-3-86935-204-6
  • Herbert Müller Die wahren Geheimnisse der Wismarer Kirchenbaumeister. Hrsg.: Förderverein der Stadtbibliothek Wismar, 1. Auflage 2011, ISBN 978-3-00-035494-6
  • Hans Christian Feldmann, Gerd Baier, Dietlinde Brugmann, Antje Heling und Barbara Rimpel, Dehio-Handbuch Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Mecklenburg-Vorpommern. Deutscher Kunstverlag 2000, ISBN 3-422-03081-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Georgenkirche (Wismar) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Informationen zur Gemeinde
  2. Steve Ludwig: St. Georgen zu Wismar. Kiel 1998, ISBN 3-9805480-7-4, S. 15 und 16
  3. Steve Ludwig: St. Georgen zu Wismar. Kiel 1998, ISBN 3-9805480-7-4, S. 16 und 17
  4. a b c d e f Aufbauverein St. Georgen e.V. – Baugeschichte. Abgerufen am 17. Oktober 2013.
  5. Gottesdienste
  6. a b Arno Krause: Wismar. In: Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg. Hrsg. Götz Eckardt, Henschel-Verlag, Berlin 1978. Band 1, S. 88–89
  7. Website des Förderkreises St. Georgen zu Wismar e.V.
  8. Schäden durch einen Orkan
  9. Dorothee Reimann:Das Wunder von Wismar. monumente. Magazin für Denkmalkultur in Deutschland. Hrsg. Deutsche Stiftung Denkmalschutz. 20. Jg. Nr. 3/4. April 2010. S. 8–17
  10. Wiederaufbau
  11. Nutzung für Konzerte
  12. Gottfried Kiesow: Vollendet ist das große Werk. monumente 3/4-2010, S. 3
  13. Joachim Grehn: Der Altar gehört mitten in die Georgenkirche. Frankfurter Allgemeine Zeitung (Leserbrief), 19. Februar 2009
  14. Nach Claus Peter: Die Glocken der Wismarer Hauptkirchen. Bestand und Quellen. In: Jahrbuch für Glockenkunde 5/6 (1993/94), S. 69–94.
  15. a b c d e Ludwig, Steve: St. Georgen zu Wismar. Kiel 1998, ISBN 3-9805480-7-4, S. 174
  16. Ludwig, Steve: St. Georgen zu Wismar. Kiel 1998, ISBN 3-9805480-7-4, S. 175
  17. Steve Ludwig: St. Georgen zu Wismar. Kiel 1998, ISBN 3-9805480-7-4, S. 175 und 176
  18. Steve Ludwig: St. Georgen zu Wismar. Kiel 1998, ISBN 3-9805480-7-4, S. 176
  19. Steve Ludwig: St. Georgen zu Wismar. Kiel 1998, ISBN 3-9805480-7-4, S. 176 und 177
  20. Steve Ludwig: St. Georgen zu Wismar. Kiel 1998, ISBN 3-9805480-7-4, S. 177
  21. Steve Ludwig: St. Georgen zu Wismar. Kiel 1998, ISBN 3-9805480-7-4, S. 46
  22. a b c Steve Ludwig: St. Georgen zu Wismar. Kiel 1998, ISBN 3-9805480-7-4, S. 47
  23. a b Steve Ludwig: St. Georgen zu Wismar. Kiel 1998, ISBN 3-9805480-7-4, S. 48
  24. Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. II. Band, S. 105–108.
  25. Steve Ludwig: St. Georgen zu Wismar: die Geschichte einer mittelalterlichen Pfarrkirche vom 13. bis zum frühen 16. Jahrhundert. Kiel: Ludwig 1998, ISBN 9783980548076, S. 89
  26. Uwe Albrecht, Ulrike Nürnberger, Jan Friedrich Richter, Jörg Rosenfeld, Christiane Saumweber: Corpus der Mittelalterlichen Holzskulptur und Tafelmalerei in Schleswig-Holstein. Band II: Hansestadt Lübeck, Die Werke im Stadtgebiet. Ludwig, Kiel 2012, ISBN 978-3-933598-76-9 unter Bezugnahme auf Max Hasse und Hans Arnold Gräbke.
  27. Steve Ludwig: St. Georgen zu Wismar. Kiel 1998, ISBN 3-9805480-7-4, S. 177

53.89083333333311.460555555556Koordinaten: 53° 53′ 27″ N, 11° 27′ 38″ O