Georges Bonnet

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Georges Bonnet (1937)

Georges Bonnet (* 23. Juli 1889 in Bassilac in der Dordogne; † 18. Juni 1973 in Paris) war vom 10. April 1938 bis zum 13. September 1939 französischer Außenminister.

Bonnet wurde erstmals 1924 für die Radikalsozialistische Partei in die Abgeordnetenkammer gewählt. Am 10. April 1938 wurde er von Édouard Daladier zum Außenminister ernannt. Im November 1938 besuchte er seinen deutschen Amtskollegen Ribbentrop, bei dem er nicht gegen die Novemberpogrome protestierte, sondern betonte, „wie sehr man in Frankreich an einer Lösung des Judenproblems interessiert sei“. Sein Land wolle keine weiteren Juden aus Deutschland aufnehmen, daher fragte er, ob man nicht „irgendwelche Maßnahmen“ treffen könne, damit sie nicht mehr nach Frankreich kommen. Außerdem bemerkte er, dass auch Frankreich zehntausend Juden „irgendwohin loswerden“ wolle.[1] Bonnet befürwortete das Münchner Abkommen und versuchte noch im August 1939, den Zweiten Weltkrieg zu vermeiden, indem er Mussolini als Vermittler im Konflikt zwischen Deutschland und Polen vorschlug.

Während der deutschen Besetzung nahm Georges Bonnet eine undurchsichtige Stellung ein, da er sowohl Kontakte zum Vichy-Regime als auch zur Résistance unterhielt. 1945 wurde er aus der Radikalsozialistischen Partei ausgeschlossen. Um Verfolgungen wegen seiner Zusammenarbeit mit dem Vichy-Regime zu entgehen, wich er in die Schweiz aus, kehrte aber bald nach Frankreich zurück. 1955 trat er noch einmal als Führer einer linksliberalen Kleinpartei auf, ohne jedoch wieder größere politische Bedeutung zu erlangen. Von 1956 bis 1968 war er Abgeordneter der Dordogne in der französischen Nationalversammlung, von 1955 bis 1965 Bürgermeister von Brantôme.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Georges Bonnet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Das Auswärtige Amt und der Holocaust. Die drängende Sorge, überflüssig zu werden. Abschnitt: Gesamteuropäischer Antisemitismus .FAZ.NET, 14. November 2010. Zuletzt abgerufen am 18. November 2010.