Georgi Jewgenjewitsch Lwow

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Georgi Jewgenjewitsch Lwow (1919)

Fürst Georgi Jewgenjewitsch Lwow (russisch Георгий Евгеньевич Львов, wiss. Transliteration Georgij Ewgenjewitsch Lwow; * 21. Oktoberjul./ 2. November 1861greg. in Dresden; † 6. März 1925 in Paris) war ein russischer Politiker.

Leben[Bearbeiten]

Lwow wurde in einer rurikidischen Fürstenfamilie geboren. Bald nach seiner Geburt zog seine Familie zurück an ihren Heimatort Popowka im Distrikt Alexin, Gouvernement Tula. Er besuchte die höhere Schule in Moskau und studierte danach an der dortigen Universität Recht.

Er war danach bis 1893 im Staatsdienst tätig, als er aus Unzufriedenheit mit der Politik Alexanders III. seine Stellung kündigte. Er begann dann sein Engagement im Gouvernements-Semstwo seiner Heimatregion Tula und war ab 1900 deren Vorsitzender. Im Russisch-Japanischen Krieg 1904/05 baute er eine Hilfsorganisation für Verwundete ähnlich dem Roten Kreuz auf.

1905 wurde er in die 1. Reichsduma gewählt, wo er sich der Fraktion der Konstitutionellen Demokraten anschloss. Das Wyborger Manifest 1906 unterzeichnete er nicht. In der Zeit der Stolypinschen Agrarreformen beschäftigte er sich mit Fragen der Kolonisierung Sibiriens. 1913 wurde er in den Stadtrat von Moskau gewählt, seine Kandidatur jedoch von Innenminister Maklakow für ungültig erklärt.

Nach Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 wurde er Vorsitzender des neugebildeten Allrussischen Semstwo-Verbands. Im folgenden Jahr wurde er führendes Mitglied des Vereinigten Komitees der Semstwo- und Stadträteverbände Russlands (Semgor), das im Auftrag der Regierung die Versorgung der Armee sowie von Verwundeten und Flüchtlingen organisierte. Er wurde ein führendes Mitglied im Progressiven Block, der für die Bildung einer Duma-Regierung eintrat.

Nach der Februarrevolution war er vom 3.jul./ 16. März 1917greg. bis zum 8.jul./ 21. Juli 1917greg. Ministerpräsident und Innenminister der bürgerlichen provisorischen Regierung. Den immer unpopuläreren Ersten Weltkrieg setzte er fort. Nach dem niedergeschlagenen Juliaufstand legte er seine Ämter nieder und wurde von Alexander Kerenski abgelöst.

Nach der Machtübernahme durch die Bolschewiki in der Oktoberrevolution zog Lwow mit seiner Familie nach Tjumen, wo er im Februar 1918 von der Tscheka verhaftet wurde. Über Omsk floh er in die USA, um dort Unterstützung und Geld für die Weiße Armee im Russischen Bürgerkrieg zu beschaffen. Später emigrierte er nach Paris, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1925 in der russischen Emigrantenbewegung tätig war.

Zitate[Bearbeiten]

Private Äußerung Lwows gegenüber einigen seiner Minister zur Bauernrevolution im Juni 1917 und deren Natur als „Rache der Leibeigenen“:

[Die Bauernrevolution ist ein] Ergebnis unserer - und jetzt spreche ich als Gutsbesitzer -, unserer ureigensten Sünde. Hätte es bei uns doch nur eine wirkliche Landaristokratie gegeben wie die in England, die menschliches Taktgefühl besaß und die Bauern als Menschen und nicht wie Hunde behandelte, dann vielleicht wäre alles anders verlaufen.[1]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georgi Lwow zit.n. Figes, Orlando: Die Tragödie eines Volkes. Berlin 20112 (2008), S. 390. (Originalquelle: Historisches Museum Moskau, f. 454, op.3, d.70).
Vorgänger Amt Nachfolger
Nikolai Golizyn Ministerpräsident des Russischen Reiches
15. März 1917 – 21. Juli 1917
Alexander Kerenski