Georgien

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საქართველო
Sakartwelo
Georgien
Flagge Georgiens
Wappen Georgiens
Flagge Wappen
Wahlspruch: ძალა ერთობაშიაdsala ertobaschia („Kraft durch Einheit“)
Amtssprache Georgisch

Regionale Amtssprache: Abchasisch[1]

Hauptstadt Tiflis (georgisch Tbilissi) (offiziell)
Kutaissi (Legislative)
Staatsform Republik
Regierungssystem semipräsidentielles System
Staatsoberhaupt Präsident
Giorgi Margwelaschwili
Regierungschef Premierminister
Irakli Gharibaschwili
Fläche 69.7001 (118.) km²
57.2152(121.) km²
Einwohnerzahl 4.497.600 (Stand Januar 2012. Ohne Abchasien und Südossetien)
Bevölkerungsdichte 661 (101.) Einwohner pro km²
73,42(93.) Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt
  • Nominal
2013[2]
  • 16.162 Millionen US$ (112.)
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 3.605 US$ (114.)
Human Development Index 0,745 (72.)[3]
Währung Lari (GEL)
Unabhängigkeit 26. Mai 1918 (Erklärung)
9. April 1991 (Wiedererlangung)
Nationalhymne Tawisupleba
Nationalfeiertag 26. Mai (Tag der Unabhängigkeit 1918)
Zeitzone UTC+4
Kfz-Kennzeichen GE
ISO 3166 GE, GEO, 268
Internet-TLD .ge
Telefonvorwahl +995 (für Abchasien: +7)
1 = inklusive Abchasien und Südossetien
2 = exklusive Abchasien und Südossetien
Ägypten Tunesien Libyen Algerien Marokko Mauretanien Senegal Gambia Guinea-Bissau Guinea Sierra Leone Liberia Elfenbeinküste Ghana Togo Benin Nigeria Äquatorialguinea Kamerun Gabun Republik Kongo Angola Demokratische Republik Kongo Namibia Südafrika Lesotho Swasiland Mosambik Tansania Kenia Somalia Dschibuti Eritrea Sudan Ruanda Uganda Burundi Sambia Malawi Simbabwe Botswana Äthiopien Südsudan Zentralafrikanische Republik Tschad Niger Mali Burkina Faso Jemen Oman Vereinigte Arabische Emirate Saudi-Arabien Irak Iran Kuwait Katar Bahrain Israel Syrien Libanon Jordanien Zypern Türkei Afghanistan Turkmenistan Pakistan Griechenland Italien Malta Frankreich Portugal Spanien Kanaren Kap Verde Mauritius Réunion Mayotte Komoren Seychellen Madagaskar São Tomé und Príncipe Sri Lanka Indien Indonesien Bangladesch Volksrepublik China Nepal Bhutan Myanmar Kanada Dänemark (Grönland) Island Mongolei Norwegen Schweden Finnland Irland Vereinigtes Königreich Niederlande Belgien Dänemark Schweiz Österreich Deutschland Slowenien Kroatien Tschechische Republik Slowakei Ungarn Polen Russland Litauen Lettland Estland Weißrussland Moldawien Ukraine Mazedonien Albanien Montenegro Bosnien und Herzegowina Serbien Bulgarien Rumänien Georgien Aserbaidschan Armenien Kasachstan Usbekistan Tadschikistan Kirgistan Russland Vereinigte Staaten Malediven Japan Nordkorea Südkorea Republik China Singapur Australien Malaysia Brunei Philippinen Thailand Vietnam Laos Kambodscha IndienGeorgia on the globe (claimed hatched) (Afro-Eurasia centered).svg
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Georgien (georgisch საქართველო Sakartwelo, IPA: [sɑkʰɑrtʰvɛlɔ] anhören?/i), nach der russischen Bezeichnung Грузия (Grusija) früher auch Grusien oder Grusinien genannt, ist ein Staat in Vorderasien. Er liegt in Transkaukasien, östlich des Schwarzen Meeres und südlich des Großen Kaukasus. Im Norden wird er von Russland und den völkerrechtlich umstrittenen Staaten Abchasien und Südossetien, im Süden von der Türkei und Armenien, im Osten von Aserbaidschan begrenzt.

Das Land liegt an einer Nahtstelle Eurasiens.

Geografie[Bearbeiten]

Georgien liegt in Vorderasien, wird aber von seinen Bewohnern als Balkon Europas bezeichnet. Seine Fläche entspricht mit 69.700 Quadratkilometern ungefähr der von Bayern. Gebirge und Vorgebirge bedecken 87 Prozent des Landes. Im Norden liegt die Südabdachung des Großen Kaukasus. Im Süden befinden sich die westlichen Rücken des Kleinen Kaukasus und der Rand des vulkanischen Armenischen Hochlandes.

Über den beiden Hochgebirgen dehnt sich im Westen die Kolchische Tiefebene (nach dem antiken Kolchis), im Osten die Transkaukasische Senke, die sich in die Innerkarteli-, die Unterkarteli- und die Alsasani-Ebene unterteilt. West- und Ostgeorgien werden durch den Lichi-Gebirgszug getrennt, der sich von Norden nach Süden erstreckt.

Der höchste Berg ist der Schchara im Großen Kaukasus mit 5068,9 Metern. Der längste Fluss Georgiens ist die insgesamt 1364 km lange Kura (georgisch Mtkwari), die das Land in ihrem Oberlauf vom Süden (Kleiner Kaukasus) nach Osten auf 351 Kilometer Länge durchzieht. Weitere Flüsse sind der Alasani (351 km), der Rioni (333 km) und der Enguri (213 km). Größter See ist der auf 2073 Metern Höhe gelegene Parawani mit einer Ausdehnung von 37,5 Quadratkilometern. Die Voronya-Höhle ist mit 2190 Metern die tiefste bekannte Höhle der Welt.

Größte Städte sind Tiflis (georgisch Tbilissi; 1.258.085 Einwohner), Kutaissi (178.350 Einwohner), Batumi (118.297 Einwohner), Rustawi (112.624 Einwohner), Sochumi (81.546 Einwohner), Sugdidi (73.014 Einwohner), Gori (46.680 Einwohner) und Poti (46.112 Einwohner) (Stand: 1. Januar 2005).

Im Südwesten Georgiens liegt die autonome Republik Adscharien, im Nordwesten Abchasien, im Norden das Gebiet Südossetien. Abchasien und Südossetien stehen derzeit nicht unter der Kontrolle der georgischen Regierung; die von ihnen beanspruchte staatliche Souveränität wird von fünf Staaten anerkannt und von 6.000 bis 10.000 Soldaten[4] der Russischen Streitkräfte unterstrichen.

Klima[Bearbeiten]

Der Kaukasus schützt Georgien vor Kaltluftwellen aus dem Norden und erlaubt dem Schwarzen Meer, das Land zu erwärmen. Die Klimazonen reichen von einem subtropisch-feuchten Klima im Westen bis hin zu einem trockenen und gemäßigten Kontinentalklima im Osten. Die durchschnittliche Lufttemperatur schwankt zwischen 15 °C im West- und 11 °C bis 13 °C im Ostteil. Der durchschnittliche Niederschlag im Westen beträgt 3000 mm, im Osten 400 mm. Der Frühling in Georgien ist kurz mit abrupten Klimaschwankungen, der Sommer oft sengend heiß. Der Herbst ist sonnig-warm, der Winter schneearm.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Waldgebiete im Kaukasus, Region Swanetien

Georgien hat dank unterschiedlicher Klimazonen eine hohe Artenvielfalt. Abgeschlossene Täler begünstigten die Entwicklung endemischer, nur in dieser Region beheimateter, Pflanzen und Tierarten. Der WWF zählt Georgien zu den 238 wichtigsten Ökoregionen der Erde. Die IUCN hat es als globales Zentrum der Pflanzenvielfalt benannt und BirdLife International als weltweites endemisches Vogelgebiet ausgewiesen.

44 Prozent des Landes sind mit Wald bedeckt, fünf Prozent davon sind Urwald. 40 Prozent der Wälder sind in ihrer ursprünglichen Struktur erhalten geblieben. In den niederen Berggebieten wachsen vor allem Laubwald (Eichen, Buchen), in höheren Lagen Nadelhölzer (Fichten und Tannen, darunter die Nordmanntanne). Oberhalb der Baumgrenze breiten sich subalpine und alpine Wiesen aus. Das Gebirge im Süden, die Tiefebene und die Transkaukasische Senke waren früher Steppen. Heute sind sie überwiegend kultiviert.

Das Land zählt ca. 4100 Pflanzenarten. Davon sind etwa 1000 dort endemisch[5] und 1000 im Kaukasus. Nach einer Zählung des WWF sind in Georgien allein rund 400 Baum- und Straucharten zu Hause. 61 davon sind endemisch, 60 Arten gelten als weltweit bedroht und wurden in die Rote Liste aufgenommen.

Georgien beherbergt rund 1000 verschiedene Wirbeltierarten. Darunter sind etwa 330 Vogelarten, 160 Fischarten, 48 Reptilienarten und 11 Amphibienarten. In den Wäldern leben der seltene Kaukasische Leopard, Braunbären, Wölfe und Luchse. Feuchtgebiete beherbergen den selten gewordenen Fischotter. Das für den namensgebenden Gebirgszug endemische Kaukasus-Birkhuhn hat in Georgien seinen größten Bestand. Es gibt auch verschiedene endemische Eidechsenarten. Das Land ist sehr artenreich an wirbellosen Tieren. Bisher sind über 1000 Spinnenarten nachgewiesen worden.[6]

Umwelt- und Naturschutz[Bearbeiten]

Im Umweltschutz gibt es viele ungelöste Probleme. Dazu zählen die Luftverschmutzung, besonders im industriellen Umfeld von Rustawi, die starke Verschmutzung der Kura und des Schwarzen Meeres bei Poti und Batumi. Die Trinkwasserversorgung ist unzureichend. Viele Böden sind durch giftige Chemikalien kontaminiert.

Im südlichen Kaukasus fehlt eine übergreifende Landnutzungsplanung, die die geschützte Natur von landwirtschaftlichen und industriellen Flächen trennt. Waldgebiete werden großräumig für illegale Exporte in die Türkei abgeholzt.

Georgien hat elf staatliche Naturschutzgebiete. Das größte ist der Bordschomi-Charagauli-Nationalpark im Kleinen Kaukasus (76.000 Hektar). Er wurde mit Hilfe Deutschlands sowie des World Wide Fund for Nature errichtet und 2001 eröffnet. Er ist eines der größten zusammenhängenden Naturschutzgebiete in Asien. Der Nationalpark Tuscheti umfasst 83.007 Hektar, der Nationalpark Waschlowani 25.112 Hektar und das Schutzgebiet Tuscheti 27.903 Hektar. Ältester Nationalpark Georgiens ist der Lagodechi-Nationalpark mit 17.688 Hektar.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Siehe: Demographie Georgiens

Entwicklung der georgischen Bevölkerung 1992 bis 2003

Einwohner[Bearbeiten]

Georgien hat rund 4,5 Millionen Einwohner (2006). Seit der staatlichen Unabhängigkeit 1991 haben rund eine Million Menschen das Land verlassen. Zwischen 2000 und 2005 ging die georgische Bevölkerung jährlich um etwa ein Prozent zurück. Vor allem Einwohner mit hohem Bildungsgrad, die Arbeitsplätze zunächst in anderen Staaten der GUS – später auch in Westeuropa und den USA – finden konnten, verließen Georgien. Die größte georgische Gemeinschaft außerhalb des Landes existiert in Moskau, nach russischen Angaben rund 300.000 Menschen. In letzter Zeit steigt die Bevölkerungszahl wieder. Im Januar 2011 konnte ein Zuwachs von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet werden. Während die Zahl der Neugeborenen in den Jahren 2000 – 2007 bei 47.000-49.000 verharrte, stieg sie 2008 auf 56.565 und erreichte 2009 ihren höchsten Stand mit 63.377. Im Jahr 2010 wurden 62.585 Neugeborene ermittelt.[7] Bis zum Zweiten Weltkrieg war Georgien ein landwirtschaftlich geprägtes Land. Der Politiker Karl Kautsky nannte Georgien 1921 eine sozialdemokratische Bauernrepublik. Mit der von Stalin verfügten Industrialisierung zogen immer mehr Menschen in die großen Städte. Heute leben 52 Prozent der Einwohner in den städtischen Ballungsgebieten, 48 Prozent in Dörfern und ländlichen Gebieten.

Bürgerkriege in Abchasien und Südossetien führten dazu, dass etwa 250.000 Menschen aus ihrer Heimat flohen oder vertrieben wurden. Georgien beherbergte 2004 rund 230.000 Vertriebene aus Abchasien und 12.200 aus Südossetien. Hinzu kamen etwa 3000 Flüchtlinge aus Tschetschenien.

Volksgruppen[Bearbeiten]

Volksgruppen im Kaukasus

Georgien ist traditionell ein multiethnisches Land. Es beherbergt über 26 Volksgruppen: 83,8 Prozent der Einwohner sind Georgier (In Ostgeorgien stellen Georgier 74,81% der Bevölkerung dar, im Westen des Landes hingegen 97,33%), 6,5 Prozent Aserbaidschaner, 5,7 Prozent Armenier, 1,55 Prozent Russen, 0,9 Prozent Osseten, 0,1 Prozent Abchasen, 0,1 Prozent Aramäer und 1,51 Prozent gehören weiteren Volksgruppen wie z. B. Pontos-Griechen, Lasen, Kurden, Juden und andere an (Volkszählung 2002). Nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Öffnung der Grenzen ist ein Großteil der Griechen nach Griechenland und ein großer Teil der georgischen Juden nach Israel ausgewandert. Bei der Volkszählung 2005 wurde die Zahl der Abchasen mit 125.000 (ca. 2,7 %) festgestellt.

In den Phasen des Nationalismus von 1918 bis 1921, während des Zweiten Weltkrieges und zu Beginn der 1990er Jahre wurden viele Volksgruppen in Georgien diskriminiert. 1941 ließ der sowjetische Diktator Stalin 40.000 Kaukasiendeutsche deportieren und 1944 die Mescheten aus Georgien vertreiben. Georgien hat inzwischen das Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten ratifiziert. Das Parlament beschloss jedoch (völkerrechtlich unwirksame) Einschränkungen zur Anwendung der Artikel 10 und 11, in denen das Recht nationaler Minderheiten auf die Verwendung der Muttersprache anerkannt wird.[8]

In einzelnen Regionen Georgiens bilden nicht-georgische Volksgruppen die Mehrheit. In Niederkartlien leben etwa genau so viele Aserbaidschaner wie Georgier. In der Region Samzche-Dschawachetien, die an Armenien angrenzt, sind die Armenier sogar etwas in der Mehrheit. In der zu über 90% armenisch besiedelten historischen Provinz Dschawachetien kam es 2005 und 2006 zu Protesten bzw. Unruhen. Die Demonstranten forderten wirtschaftliche Gleichberechtigung und politische Autonomie. Ein weiterer Punkt war die Benachteiligung im Georgisch-sprachigen höheren Bildungswesen; dieses Problem sorgt auch international für Kritik.[8]

Seit 1989 haben viele Angehörige von Minderheiten, insbesondere Russen, das Land verlassen. So sank der Anteil der russischstämmigen Bevölkerungsgruppe an der georgischen Bevölkerung innerhalb von 13 Jahren von 6,32 % Prozent auf nur noch 1,55 %. Die soziale Mobilität der russischen Diaspora und ihr hoher Bildungsgrad machte es relativ leicht, mit einem russischen Pass das wirtschaftlich besser gestellte Russland zu erreichen. Auch die Zahl der in Georgien lebenden Griechen, Armenier, Ukrainer, Juden und Osseten ist seit der Unabhängigkeit des Landes massiv gesunken.

Sprachen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Sprachen Georgiens

Amtssprache ist das Georgische, das von etwa 4 Millionen Menschen gesprochen wird. Es gehört zur südkaukasischen Sprachfamilie und besitzt ein eigenes Alphabet, das seit dem 5. Jahrhundert n. Chr. belegt, wahrscheinlich aber wesentlich älter ist.

Darüber hinaus werden in Georgien 23 Sprachen aus sechs verschiedenen Sprachfamilien gesprochen. Zu den wichtigsten gehören Aserbaidschanisch (ca. 300.000 Sprecher), Armenisch (ca. 250.000 Sprecher), Abchasisch (ca. 100.000 Sprecher), Ossetisch (ca. 100.000 Sprecher), und Russisch.

Religionen[Bearbeiten]

Metechi-Kirche in Tiflis

Georgien ist ein christlich geprägtes Land, schon 337 wurde das Christentum zur Staatsreligion Iberiens erklärt. Seit dem Früh-Mittelalter ist die Orthodoxie ein Symbol der Nation. 84 Prozent der Bevölkerung gehören der autokephalen Georgischen Orthodoxen Apostelkirche an. Patriarch der Kirche ist Ilia II. An jedem Unabhängigkeitstag steht er mit der Regierung auf dem Podium und er segnet das Parlament zu Beginn einer Legislaturperiode. Ein Konkordat sorgt bei verfassungsmäßig garantierter Religionsfreiheit für eine herausgehobene Stellung der georgischen Orthodoxie, der als einziger Religionsgemeinschaft Steuerfreiheit sowie eine öffentlich-rechtliche Organisationsform zugebilligt werden. Diese Sonderstellung wurde im Oktober 2002 in einem Verfassungsabkommen festgeschrieben, welches die Orthodoxie praktisch zur Staatsreligion erklärt[9].

In Adscharien leben rund 376.000 Georgier, deren Vorfahren unter osmanischer Herrschaft zum sunnitischen Islam konvertiert sind. 9,9 Prozent der Einwohner Georgiens sind Muslime; dazu zählt neben den Adscharen die große schiitische Minderheit der Aseris.

3,9 Prozent verteilen sich auf die Religionsgemeinschaften der Armenier (200.000 Menschen Armenische Apostolische Kirche), der Katholiken (insgesamt 0,8 Prozent der Bevölkerung, davon 60.000 Menschen Armenisch-katholische Kirche, 50.050 Römischer Ritus, 3000 Chaldäisch-katholische Kirche), der Protestanten (Evangelisch-lutherische Kirche, Baptisten und Pfingstbewegung), der Jesiden, Juden (rund 10.000 im Jahr 2004[10]) und der Zeugen Jehovas (rund 15.000 im Jahr 2004).

In den 1990er Jahren wurden Kirchenbauten religiöser Minderheiten, unter anderem der Katholiken, enteignet und der Georgischen Orthodoxen Apostelkirche übergeben. Immer wieder kommt es zu religiös motivierten Ausschreitungen gegen Minderheiten, darunter gegen die Zeugen Jehovas und gegen die Baptisten. Georgien stand bis 2004 auf einer Liste der US-Kommission zur Religionsfreiheit in der Welt (USCIRF), die jene Länder nennt, in denen die Religionsfreiheit am wenigsten gewährleistet ist. Erst nachdem Georgiens Strafverfolgungsbehörden handelten, ließ die Zahl der Überfälle nach und Georgien wurde aus der Liste entfernt. Am 7. Juli 2011 wurden per Gesetz auch die nichtorthodoxen Religionsgemeinschaften, die einen historischen Bezug zum Land haben oder einen entsprechenden Status in einem Mitgliedsland des Europarates besitzen (Katholiken, Baptisten, Juden, Moslems sowie die armenisch-apostolische Glaubensgemeinschaft) rechtlich abgesichert.[11] Der Europarat begrüßte den dadurch gewährleisteten Schutz religiöser Minderheiten in Georgien ausdrücklich.[12]

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Georgiens
Unabhängigkeitserklärung Georgiens, Mai 1918

Aus dem Gebiet des heutigen Georgien stammen frühe Hominidenfunde aus dem Paläolithikum (Dmanisi). Das Neolithikum beginnt bereits im 8. Jahrtausend. Metallbearbeitung setzt mit der frühbronzezeitlichen Kura-Araxes-Kultur ein. Man geht davon aus, dass die erste Eisenbearbeitung durch die Chalyber, einem Stamm, der durch seine geschickten Schmiede bekannt wurde, stattfand.

Im 6. Jahrhundert v. Chr. entstanden die Staaten Kolchis (West-Georgien) und Iberien (Ost-Georgien).

Später unterwarfen die Römer das Land. Im Jahre 327 wurde das Christentum Staatsreligion. Auf die Römer folgten als Eroberer die Perser, die Byzantiner und die Araber.

Am Ende des 10. Jahrhunderts wurde Georgien im Goldenen Zeitalter vereint. Die langjährige Abhängigkeit vom Byzantinischen Reich wurde abgeschüttelt. Unter David dem Erbauer und Königin Tamara wurde Georgien zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert die stärkste Macht in Transkaukasien. Es folgte eine mongolische Invasion unter Timur Lenk. Im 16. Jahrhundert zerfiel Georgien in die Königreiche Imeretien, Kachetien und Kartlien sowie fünf Fürstentümer, die unter osmanischem und iranischem Einfluss standen.

1783 schloss Ostgeorgien (Kartlien-Kachetien) einen Schutzvertrag mit Russland. 1801 wurde Kartlien-Kachetien per Dekret des Zaren annektiert und sein Königshaus entthront. Die Regionen im Westen des Landes blieben noch ein Jahrzehnt lang staatlich unabhängig. Erst 1810 eroberte Russland das georgische Königreich Imeretien. Russland brauchte weitere 54 Jahre, um die vollständige Kontrolle über Westgeorgien zu gewinnen. Die Region Gurien wurde 1828 abgeschafft, Mingrelien 1857. Die Region Swanetien wurde zwischen 1857 und 1859 annektiert, das Fürstentum Abchasien 1864. Im Russischen Kaiserreich gehörte der westliche Teil Georgiens zum Gouvernement Kutaissi, der östliche Teil zum Gouvernement Tiflis.

Nach der Oktoberrevolution erklärte sich Georgien am 26. Mai 1918 unabhängig. Am 16. Februar 1921 wurde die Demokratische Republik Georgien von der Roten Armee besetzt und in die Sowjetunion eingegliedert, zunächst, von 1922 bis 1936, als Teilgebiet der Transkaukasischen SFSR, dann, nach deren Auflösung, als Georgische SSR, die bis zum Ende der UdSSR im Jahre 1991 bestand. Im Verband der Sowjetunion erlebte Georgien die Industrialisierung, die georgische Landwirtschaft spezialisierte sich auf den Export südländischer Früchte und die Republik wurde zu einer der wichtigen Tourismus- und Urlaubsregionen des Landes.

Während der späten 1980er Jahre entwickelte sich eine starke georgische Unabhängigkeitsbewegung. Am 9. April 1991 erklärte sich Georgien erneut unabhängig. In Abchasien und Südossetien kam es zu Sezessionskriegen. Wegen der starken Militärpräsenz Russlands hat die georgische Regierung noch heute keine Kontrolle über Teile ihres Territoriums.

Georgiens Rosenrevolution 2003

Georgiens erster Präsident nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit, Swiad Gamsachurdia, wurde durch einen Putsch abgelöst. Sein Nachfolger wurde der frühere georgische KP-Chef und sowjetische Außenminister Eduard Schewardnadse. Er leitete demokratische Reformen ein. Die Wirtschaft stagnierte jedoch auf niedrigem Niveau. Hinzu kamen eine weitverzweigte Korruption und regelmäßige Wahlfälschungen.

Georgiens langjähriger Präsident Micheil Saakaschwili

Im November 2003 wurde Schewardnadse durch die Rosenrevolution von der Macht verdrängt. Im Januar 2004 wurde Micheil Saakaschwili mit 96 Prozent der Stimmen zum neuen Präsidenten gewählt. Premierminister wurde Surab Schwania.

Für wichtige Reformfelder wurden erfolgreiche Auslandsgeorgier als Minister ins Land geholt. Als vorrangige politische Ziele wählte die Regierung die Entbürokratisierung (und damit die Entmachtung alter Eliten und Netzwerke) sowie die wirtschaftliche Liberalisierung aus. Durch die drastische Straffung der staatlichen Verwaltung konnte die Finanzierung des Staatsapparats auf eine stabile Basis gestellt werden. Der dadurch ermöglichte systematische Anstieg der Gehälter und eine soziale Absicherung machten den Staatsdienst für junge und qualifizierte Arbeitskräfte attraktiv, was zu einer Stärkung der staatlichen Institutionen führte. Die Privatisierung des staatlichen Sektors wurde von einer Gegenelite vorangetrieben, die aus der Diaspora zurückkehrte und über Kontakte zu wichtigen ausländischen Investoren verfügte, sich jedoch durch diese Projekte auch extrem bereicherte. Die Staatsschulden gingen 2004 erstmals zurück.[13] Korruption und Kriminalität wurden energisch verfolgt, wenngleich sich viele Maßnahmen gegen Vertreter der Opposition richteten und radikale Mittel ergriffen wurden. So wurden im April 2004 alle 16.000 Verkehrspolizisten fristlos entlassen.[14]

Es gelang Saakaschwili auch, den adscharischen Machthaber Aslan Abaschidse zu vertreiben und Adscharien mit Georgien wiederzuvereinen.

Am 3. Februar 2005 verstarb Premierminister Schwania. Das Amt übernahm Finanzminister Surab Noghaideli. Die Unzufriedenheit mit der neuen Regierung nahm jedoch bald ähnliche Formen an wie 2003. Nach Massenprotesten gegen die Regierung vom 2. bis 7. November 2007 wurde Lado Gurgenidse neuer Premier. Präsident Saakaschwili trat am 25. November zurück, um den Weg für Präsidentschafts-Neuwahlen am 5. Januar 2008 frei zu machen. Das amtliche Endergebnis dieser Wahlen erklärte den bisherigen Amtsinhaber Saakaschwili mit 53,47 Prozent der ausgezählten Wählerstimmen zum Wahlsieger.[15]

Im August 2008 eskalierte der Südossetien-Konflikt erneut und es kam zum offenen Krieg (Kaukasus-Konflikt 2008) mit Russland, in dessen Folge Russland die Unabhängigkeit Abchasiens und Südossetiens anerkannte.

Nach zwei Amtszeiten durfte Saakaschwili 2013 nicht mehr zu den Präsidentschaftswahlen antreten; sein Nachfolger ist seit November 2013 Giorgi Margwelaschwili.[16]

Politik[Bearbeiten]

Georgien ist eine demokratische Republik mit einem starken Präsidialsystem und zentralisierter Verwaltung. Es wird von Kritikern als defekte Demokratie angesehen. Zwar sei der Zugang zur Politik formell durch freie und geheime Wahlen gesichert, doch würden politische und bürgerliche Rechte sowie die Gewaltenkontrolle oft eingeschränkt. Im Herbst 2007 wurde Präsident Saakaschwili von seinem früheren, zuvor in Berlin festgenommenen Verteidigungsminister Irakli Okruaschwili beschuldigt, Morde in Auftrag gegeben zu haben.[17][18] Die Oppositionsparteien boykottierten aus Protest gegen die ihrer Ansicht nach gefälschten Wahlen vom Mai 2008 das Parlament. Internationale Wahlbeobachter stellten jedoch nur geringfügige Unregelmäßigkeiten fest. Unter dem Druck der internationalen Gemeinschaft fanden nach einem harten Wahlkampf am 1. Oktober 2012 schließlich dann doch „faire und freie Wahlen“ in Georgien statt, denen erstmals in diesem Kaukasus-Land ein friedlicher Machtwechsel folgte.

Regierung[Bearbeiten]

Präsident und Staatsoberhaupt
Giorgi Margwelaschwili (2013)

Der Präsident nominiert den Premierminister, der vom Parlament bestätigt wird. Der Regierungschef steht einem Kabinett aus 14 Ministern sowie mehrerer Regierungskomitees vor. Regierungschef war seit November 2003 Surab Schwania in der Funktion eines „Staatsministers“, ab Februar 2004 erhielt er den Rang eines Premierministers. Er hatte dieses Amt bis Februar 2005 inne, als er unter ungeklärten Umständen umkam. Nach dessen Tode wurde am 17. Februar 2005 Surab Noghaideli auf Vorschlag des Präsidenten vom Parlament zum Premierminister ernannt. Nach zweieinhalb Jahren Amtszeit trat Noghaideli am 16. November 2007 „aus gesundheitlichen Gründen“ zurück. Beobachter vermuten Massenproteste als eigentlichen Grund für seinen Rücktritt. Daraufhin schlug der Präsident am 16. November 2007 Lado Gurgenidse dem Parlament als Nachfolger vor. Knapp ein Jahr später am 27. Oktober 2008 trat Gurgenidze, der die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und angesichts der globalen Finanzkrise die Stabilisierung der Finanzlage Georgiens versprochen hatte, vom Amt des Premierministers zurück. Darauf nominierte Präsident Saakaschwili Grigol Mgaloblischwili zum Premierminister, der schon nach wenigen Monaten von seinem Amt zurücktrat. Als dessen Nachfolger nominierte Staatspräsident Saakaschwili Nika Gilauri, der am 6. Februar 2009 vom georgischen Parlament bestätigt wurde. Gilauri amtierte drei Jahre bis 30. Juni 2012. Nach dessen Rücktritt nominierte Präsident Saakaschwili den bisherigen Innenminister Wano Merabischwili zu dessen Nachfolger als Regierungschef. Auch dieser hielt sich nur kurze Zeit im Amt. Nach dem Wahlsieg des „Georgischen Traums“ bei den Parlamentswahlen am 1. Oktober 2012 wurde dessen Vorsitzender, der Milliardär Bidsina Iwanischwili, von Präsident Saakaschwili mit der Regierungsbildung betraut. Im November 2013 trat Iwanischwili zugunsten seines Innenministers Irakli Gharibaschwili vom Posten des Regierungschefs zurück.[19][20] Somit wechselten im selben Monat Präsident und Premierminister.

Parlament[Bearbeiten]

Bei den Parlamentswahlen am 1. Oktober 2012 errang das von dem Milliardär Bidsina Iwanischwili gegründete Oppositionsbündnis Georgischer Traum einen Erdrutschsieg. Mit 54,85 Prozent erlangte es im Parlament 83 Sitze und hat damit die absolute Mehrheit. Die bisherige Regierungspartei Vereinte Nationale Bewegung (ENM) erlangte 40,43 Prozent und bildet mit 67 Sitzen die Opposition. Die übrigen Parteien scheiterten an der Sperrklausel, die bei Parlamentswahlen bei 5 Prozent liegt.[21] Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa bewertete die Wahl als frei und demokratisch.[22]

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Abchasien Adscharien Kachetien Gurien Imeretien Mingrelien und Oberswanetien Ratscha-Letschchumi und Kwemo-Swanetien Samzche-Dschawachetien Niederkartlien Innerkartlien Mzcheta-Mtianeti Tiflis
Die 9 Regionen, 2 autonomen Republiken Georgiens und die Hauptstadt Tiflis

Georgien gliedert sich in neun Regionen (Mingrelien und Oberswanetien, Gurien, Ratscha-Letschchumi und Niederswanetien, Imeretien, Samzche-Dschawachetien, Mzcheta-Mtianeti, Innerkartlien, Niederkartlien, Kachetien), die Hauptstadtregion Tiflis sowie die zwei autonomen Republiken Abchasien und Adscharien. Das Gebiet von Südossetien gehört verwaltungstechnisch überwiegend zur Region Innerkartlien.

Außenpolitik[Bearbeiten]

Hauptartikel: Außenpolitik Georgiens

Die Außenpolitik Georgiens ist von dem Wunsch geprägt, seine Unabhängigkeit von Russland unumkehrbar zu machen.

Unmittelbar nach der Gründung Georgiens 1991 unterstützte Russland separatistische Bewegungen in Abchasien, Südossetien und Adscharien. 1993 trat Georgien dennoch der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) bei. Die Beziehungen zu Russland blieben auf niedrigem Niveau und verschlechterten sich vor allem nach der Rosenrevolution 2003 in Georgien, die das Ziel, die abtrünnigen Regionen zurückzuholen, wieder in den Vordergrund rückte. Anfang 2007 schloss Russland sämtliche Grenzübergänge und verstärkte damit die Embargopolitik. Schließlich kam es im August 2008 zum militärischen Konflikt mit Russland („Georgienkrieg“), in dessen Folge Georgien aus der GUS austrat.

George W. Bush (2. v. links) zu Besuch in Georgien

Der Westen kümmerte sich bis 1995 wenig um Georgien. Verstärkte Ölförderungen in Turkmenistan und Aserbaidschan rückten den Staat im südlichen Kaukasus als Transitland zur Verschiffung des schwarzen Goldes Mitte der 1990er Jahre wieder in den Blickpunkt. Die NATO schloss mit Georgien eine strategische Partnerschaft ab. Seit 2004 ist Georgien mit der NATO durch einen Individual Partnership Action Plan (IPAP) verbunden. 2006 wechselte Georgien auf eine neue Stufe der Zusammenarbeit mit der NATO, den Intensiven Dialog (ID). Georgien plant langfristig der Europäischen Union beizutreten. Es wurde Mitglied im Europarat und gehört zu den EU-Programmen Europäische Nachbarschaftspolitik (ENP) sowie TRACECA. Im Mai 2009 trat Georgien der Östlichen Partnerschaft bei. Ein wirtschaftliches und politisches Assoziierungsabkommen zwischen Georgien und der EU wurde am 27. Juni 2014 in Brüssel geschlossen.

Die USA haben sich 1999 im Silk Road Strategy Act darauf festgelegt, starke politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Bindungen zwischen den Ländern des Südkaukasus … und dem Westen zu entwickeln. Seit 1994 erhält Georgien US-amerikanische Militärhilfe und seit 2002 sind US-Militärausbilder für verschiedene Programme in Georgien tätig. Ab 2004 war das Land mit 2500 Soldaten im Irak vertreten.

Ein besonderes Verhältnis pflegt Georgien neben der Ukraine und Aserbaidschan mit der Gruppe der Neuen Freunde Georgiens: Estland, Lettland, Litauen, Polen und Rumänien. Seit 2006 baut Georgien seine Verbindungen zum Iran und zur arabischen Welt aus. Es knüpft dabei an seine traditionelle Rolle als Mittler zwischen Orient und Okzident an.

Ende September 2006 verschlechterten sich die georgisch-russischen Beziehungen dramatisch, als die georgischen Behörden vier Offiziere der Spionage für die russische Föderation verdächtigten, verhafteten und einem OSZE-Vermittler übergaben.

Georgien ist seit 1992 Mitglied der Vereinten Nationen und gehört folgenden internationalen Organisationen an: GUAM, OSZE, IWF, Weltbank, EBRD, WTO, Europarat sowie der Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation.

Militär[Bearbeiten]

Die Streitkräfte Georgiens umfassen knapp 37.000 Berufssoldaten in den Teilstreitkräften Heer, Luftwaffe, Marine und Nationalgarde. Hinzu kommen 100.000 ausgebildete Reservisten.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Hauptartikel: Wirtschaft Georgiens

Allgemeines[Bearbeiten]

Bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. war Georgien die Waffenschmiede der Antike. Im Kaukasus wurden Gold, Silber, Kupfer und Eisen abgebaut. Eine lange Tradition besitzt der Weinbau in Georgien.

Hafen von Batumi

Im 20. Jahrhundert konzentrierte sich die Wirtschaft Georgiens auf den Tourismus im Kaukasus und am Schwarzen Meer, den Anbau von Zitrusfrüchten, Weintrauben und Tee sowie den Abbau von Steinkohle, Mangan und Kupfer. Im Westen wurden Rinder, im Osten Schafe gezüchtet. Es gab einen kleinen industriellen Sektor, der Metalle, Maschinen, Chemikalien und Textilien produzierte.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erlitt Georgien im Vergleich zu anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion einen außerordentlich schweren Wirtschaftskollaps. Im Dezember 1990 verhängte Russland eine Wirtschaftsblockade über Georgien. Bürgerkriege und Unabhängigkeitskämpfe in Abchasien, Adscharien, Südossetien und Westgeorgien verschärften die Krise. Die Produktion in Industrie und Landwirtschaft ging zurück. Das Produktionsvolumen rutschte bis 1994 auf ein Viertel des Niveaus von 1989. Die Arbeitslosigkeit in der Hauptstadt Tiflis stieg auf 40 Prozent.

Hilfe vom Westen kam erst 1995, als Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) Georgien Kredite in Höhe von 206 Millionen US-Dollar und Deutschland in Höhe von 50 Millionen D-Mark gewährten. Zwischen 1995 und 1997 stieg das Produktionsvolumen auf etwa 30 Prozent des Niveaus zu Sowjetzeiten; bis 2001 erreichte es etwa 35 Prozent. 32 Prozent der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze, 13 bis 15 Prozent der Haushalte leben in extremer Armut (Statistik 2001). Die Gehälter halten mit der Inflation nicht Schritt, Alterspensionen liegen bei rund 19 Euro monatlich, Bürgerkriegsflüchtlinge erhalten maximal 6 Euro monatliche Unterstützung.

Nach der samtenen Revolution 2003 sind positive Entwicklungen in der georgischen Wirtschaft erkennbar. So ist der Staatshaushalt von 350 Millionen auf 3,1 Milliarden US-Dollar und das Außenhandelsvolumen um mehrfaches gestiegen. Die Höhe der Direktinvestitionen in Georgien stieg 2005 auf 447,8 Millionen US-Dollar und 2006 schon auf mehr als 1 Milliarde USD. Das Kreditportfolio der georgischen Banken belief sich 2007 auf mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar. 2006 würdigte IWF in seinem Bericht positiv die Regierungsmaßnahmen zur Bekämpfung der Armut, das ökonomische Wachstum und strukturelle Reformen des Landes.

Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline

Georgiens größter Außenhandelspartner ist die Türkei, gefolgt von Russland, Aserbaidschan und Deutschland (Stand 2002). Nach den USA ist Deutschland Georgiens zweitwichtigster Partner bei der Entwicklungszusammenarbeit.

Georgiens Auslandsschulden betrugen Anfang 2006 1,75 Milliarden US-Dollar. Ein Großteil des Geldes stammte von der Weltbank [über 600 Millionen], dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Weitere Kreditoren sind die Staaten der GUS, vor allem Turkmenistan und Russland.

Im Oktober 1995 wurde der Lari (GEL) mit Unterstützung des IWF und der Weltbank als neue Währung Georgiens eingeführt. Bis zur Abwertung 1998 war die Währung stabil zum US-Dollar (1:1). Der Lari ist frei konvertierbar.

Georgien setzt seine Hoffnungen für eine wirtschaftliche Erholung auf die Entwicklung eines internationalen Transport-Korridors durch die Schwarzmeerhäfen Poti und Batumi, eine große Ölpipeline vom aserbaidschanischen Baku über Tiflis nach Ceyhan in der Türkei, die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline (BTC) und eine parallel dazu verlaufende Gaspipeline, die Südkaukasus-Pipeline. Diese Pipelines machen Georgien für die Europäische Union und die USA geostrategisch bedeutsam, da sie es ermöglichen, das Öl und das Gas aus den Feldern am Kaspischen Meer an Russland vorbei in den Westen zu transportieren und so die Abhängigkeit von russischen Exporten zu verringern.

Georgiens wirtschaftspolitische Reformen im Beobachtungszeitraum 2007/08 wurden im Bericht „Doing Business 2008“ der Weltbank ausdrücklich gelobt. Das Land konnte sich von Rang 112 auf Rang 18 verbessern und liegt damit zwischen der Schweiz (16.) und Deutschland (20.).[23] Im Beobachtungszeitraum 2008/2009 konnte sich Georgien im Bericht „Doing Business 2010“ der Weltbank nochmals verbessern, von Rang 18 auf Rang 11 und liegt nun zwischen Saudi Arabien (13.) und Norwegen (10.).

Staatshaushalt[Bearbeiten]

Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 4,726 Milliarden US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 3,756 Milliarden US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 8,8 % des BIP.[24] Die Staatsverschuldung betrug 2009 3,692 Milliarden US-Dollar oder 33,6 % des BIP.[25]

Der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche betrug:

Infrastruktur[Bearbeiten]

Georgisches Fernstraßennetz
Georgisches Kfz-Kennzeichen (LKW-Anhänger)

Wie in den meisten Nachfolgestaaten der Sowjetunion ist auch in Georgien das Straßennetz relativ gering ausgebaut. Vierspurige Abschnitte sind vornehmlich in der Metropolregion Tiflis anzutreffen.

Das Schienennetz der georgischen Eisenbahngesellschaft Sakartwelos Rkinigsa hat eine Gesamtlänge von über 1600 km und ist vollständig elektrifiziert. Entsprechend den geographischen Gegebenheiten verläuft die Hauptverkehrsachse im Straßen- wie im Schienenverkehr in West-Ost-Richtung. Insgesamt befinden sich im Land drei wichtige Flughäfen: Tiflis, Batumi und Kutaissi. Die meisten Flüge gehen nach Tiflis. Von Deutschland aus nutzt man entweder die Direktverbindungen mit der Lufthansa von München (täglich) oder FlyGeorgia (montags und freitags von Düsseldorf). Alternativ bestehen Verbindungen von fast allen deutschen Flughäfen mit Pegasus Airlines via Istanbul-Sabiha Gökcen sowie mit Turkish Airlines via Istanbul-Atatürk. Beide Airlines fliegen auch den Flughafen Batumi am Schwarzen Meer an.

Kultur[Bearbeiten]

Hauptartikel: Georgische Kultur

Antike, Mittelalter[Bearbeiten]

Bereits in der Antike wurden auf dem Gebiet des heutigen Georgien goldene Kelche und kunstvolle Schwerter hergestellt. Das Land war reich an metallenen Bodenschätzen, verarbeitete sie seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. und trieb damit Handel. Griechische und römische Reisende beschrieben ausgebaute Straßen, mit Ziegeln gedeckte Häuser, große Städte und Festungen.

Die georgische Kultur des Mittelalters war byzantinisch geprägt. Die frühen ein- und dreischiffigen Basiliken (Nekresi, Dsweli Schuamta) aus dem 4. Jahrhundert stehen auf den Fundamenten antiker Tempel, sind klein und haben einen fast quadratischen Grundriss. Im 10. und 11. Jahrhundert entstanden große Kreuzkuppelkirchen (Swetizochweli-, Alawerdi- und Bagrati-Kathedrale).

Siehe auch: Kunst Georgiens

Literatur[Bearbeiten]

Schota Rustaweli, Schriftsteller des Mittelalters

Die georgische Literatur gliedert sich in eine schriftlose Epoche, eine frühfeudale Literatur im 5. bis 11. Jahrhundert, eine Literatur des Hochfeudalismus im 11. bis 13. Jahrhundert, eine spätfeudale Literatur im 16. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, eine Literatur der Neuzeit von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum ersten Viertel des 20. Jahrhunderts und eine Literatur der Gegenwart.

Das älteste erhaltene Buch der georgischen Literatur ist das Martyrium der Heiligen Schuschanik, eine Hagiographie aus dem 5. Jahrhundert. Ihre Blüte erreichte die georgische Literatur im 11. und 12. Jahrhundert zur Zeit König Dawids IV. des Erbauers und Königin Tamara. Schota Rustaweli verfasste Der Recke im Tigerfell (georgisch Vepchistqaosani), ein Epos auf Ritterlichkeit und Edelmut, die sich über Religion und Nation erheben.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erneuerte Sulchan-Saba Orbeliani Georgiens Literatur aus dem Geist des Erzählens. Sein Zögling, König Wachtang VI., errichtete 1709 die erste Druckerei des Landes und ließ La Fontaines Fabeln verlegen.

Prominente georgische Schriftsteller des 19. Jahrhunderts waren Ilia Tschawtschawadse (Du, meine liebste Heimat, worüber bist du so traurig – 1872, Der See von Basaleti – 1883, Die Mutter Georgiens – 1881, Der Einsiedler – 1883, Briefe eines Reisenden – 1863), Akaki Zereteli (Tornike Eristawi, Der kleine Kachetier, Natela, Suliko, Der Tutor) und Aleksandre Qasbegi (Elgudscha – 1881, Eliso – 1882, Die Vatermörderin – 1882, Der Morgen nach der Hochzeit 1882).

Wichtigste Autoren des 20. Jahrhunderts sind Galaktion Tabidse (Meri, Der Mond von Mtazminda, Ich und die Nacht, Pfirsichblüten, Falben, Heimat), Grigol Robakidse (Das Schlangenhemd – 1928, Die gemordete Seele – 1933), Konstantine Gamsachurdia (Das Lächeln des Dionysos – 1925, Goethes Lebensroman – 1934, Der Raub des Mondes – 1935, Die rechte Hand des großen Meisters – 1939, Rebenblüte – 1956, David der Erbauer – 1942–1961), Tschabua Amiredschibi (Data Tutaschchia – 1975), Otar Tschiladse (Ein Mann ging des Weges – 1973, Jeder, der mich findet… – 1976, Das eiserne Theater – 1981). Zwischen 1915 und 1921 erblühte die Avantgarde um die Gruppe Blaue Hörner, wurde jedoch nach der kommunistischen Machtübernahme unterdrückt.

Als bedeutende Gegenwartsautoren gelten Aka Mortschiladse (Die Reise nach Karabach – 1992, Hunde der Paliaschwili Straße – 1995), Dawit Turaschwili (Merani – 1991, Jeans Generation – 2001) und Davit Gogibedaschwili (Gedichtsammlung Samkauli, Hörbuch Fahrt mich gen Himmel – 2006).

Theater, Oper, Musik[Bearbeiten]

Staatliches Opernhaus, Tiflis

Georgien zählt 58 professionelle Bühnen, 39 davon widmen sich dem Drama. Bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde in Georgien Theater gespielt. Das Georgische Nationaltheater wurde 1791 in Tiflis gegründet, 1851 das Staatliche Theater für Oper und Ballett. Der Bassist Fjodor Schaljapin debütierte dort als Oberpriester in Giuseppe Verdis Aida. Der Tänzer Georgi Balantschiwadse wurde unter dem Namen George Balanchine einer der international wichtigsten Choreografen. Künstlerische Leiterin des Georgischen Nationalballetts ist seit 2004 die Primaballerina des Moskauer Bolschoi-Theaters, Nino Ananiaschwili.

Die traditionelle georgische Musik ist polyphon. Die musikalische Sprache ist vielfältig und regional äußerst unterschiedlich. Die Stimmführung und Harmonik des georgischen Gesangs sind weltweit einzigartig. Die Entwicklung der georgischen Polyphonie geht der europäischen um mindestens dreihundert Jahre voraus. Nach neuen Forschungen basiert sie neben dem eigenen Notensystem auf eigenständigen theoretischen Grundlagen mit eigenem Tonlagesystem. In den in Texten alter Lieder überlieferten Wörtern vermutet man Ähnlichkeiten mit altsumerischen Sprachen, die für die Sprachwissenschaft von eminentem Interesse sind. Die georgische Musik wurde von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Wichtige georgische Komponisten des 20. Jahrhunderts sind Sakaria Paliaschwili, der europäische Klassik und georgische Volksmusik miteinander verband, Otar Taktakischwili, der sich ebenfalls stark an die Volksmusik anlehnte, Sulchan Zinzadse, Sulchan Nassidse und der Avantgardist Gija Kantscheli. Außerdem ist Aleksi Matschawariani zu nennen, der eine Synthese aus Elementen neuerer Musik und georgischer Folklore anstrebte.

Die junge Generation georgischer Komponisten macht mit elektronischer Musik auf sich aufmerksam. Dazu zählen Nika Machaidze (Künstlername: Nikakoi), TBA (gebürtig Tusia Beridse) und Gogi.ge.org (gebürtig Gogi Dsodsuaschwili). Seit 2004 ist die aus Georgien stammende britische Jazz- und Blues-Sängerin Katie Melua in Westeuropa erfolgreich.

Film[Bearbeiten]

Das Staatliche Georgische Institut für Theater und Film in Tiflis

Georgiens Filmkunst ist international angesehen. Am 16. November 1896 wurde das erste Kino in Tiflis eröffnet. Der erste georgische Film entstand 1912. Die Filmindustrie konzentrierte sich in den Grusia-Film-Studios. Internationale Preise erlangten Tengis Abuladse (Magdanas EselCannes 1956, Die ReueCannes 1987), Otar Iosseliani (Die WeinernteCannes 1966, BrigantenVenedig 1997), Nana Dschordschadse (1001 Rezepte eines verliebten KochsKarlovy Vary 1997, 27 Missing KissesBrüssel 2001) und Dito Tsintsadze (SchussangstFestival Internacional de Cine de Donostia-San Sebastián 2003).

Mit dem Niedergang der georgischen Wirtschaft ist auch die Filmproduktion eingebrochen. Viele georgische Regisseure arbeiten inzwischen im Ausland. Seit 2001 hat ein Nationales Zentrum für Cinematografie die Filmförderung übernommen. Es untersteht dem Kulturministerium. Ein unabhängiges Expertengremium wählt jährlich zwei Spielfilmprojekte aus, die zu 75 Prozent vom Zentrum finanziert werden.

Bildung und Wissenschaft[Bearbeiten]

Georgische Akademie der Wissenschaften

In Georgien sind unter 1000 Einwohner statistisch 27,97 Studenten. Das sind mehr als in Deutschland oder in der Schweiz. Georgiens Regierung will die in den letzten Jahren rückläufigen Bildungsausgaben (2001: 2,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) drastisch steigern. Präsident Saakaschwili nannte Georgiens Reichtum nicht Gold und Erdöl, sondern unsere Begabung, unseren Intellekt, unsere Fähigkeiten, unsere Bildung und unsere gebildeten Menschen.

Die wichtigsten wissenschaftlichen Einrichtungen sind die Staatliche Universität Tiflis mit rund 30.000 Studenten an 18 Fakultäten, die Georgische Technische Universität, die Staatliche Pädagogische Universität, die Staatliche Medizinische Universität und die Staatliche Universität für Sprache und Kultur in Tiflis sowie die Akaki-Zereteli-Universität Kutaissi. Die Georgische Akademie der Wissenschaften hat zehn wissenschaftliche Abteilungen und 63 Forschungsinstitute.

Georgien besitzt knapp 5000 Bibliotheken, rund 250 verschiedene Museen und ein Netzwerk von über 70 Archiven.

Sport[Bearbeiten]

Georgien hat eine lange Tradition im Ringen, der Griechisch-Römische Stil wurde vom antiken georgischen Ringstil beeinflusst.[27] Zu beliebten Sportarten gehören Fußball, ausgerichtet vom Georgischen Fußballverband, Rugby Union und das georgische Ballspiel Lelo burti (ლელო ბურთი), das Rugby ähnelt.[28]

Etwa 20 Kilometer von der Hauptstadt Tiflis entfernt liegt die Rennstrecke Rustavi International Motorpark, benannt nach der nächstgelegenen Stadt Rustawi. Die ursprünglich 1978 eröffnete Strecke wurde 2011–2012 entsprechend den FIA-Regeln wiederaufgebaut und gilt als erste professionelle Rennstrecke in der Kaukasus-Region. Der georgische Präsident Micheil Saakaschwili nahm an der Eröffnungszeremonie am 29. April 2012 teil und setzte sich dabei persönlich hinter das Steuer eines Formel-3-Rennwagens.[29]

Für Sport zuständig ist das georgische Ministerium für Sport und Jugend.

Küche[Bearbeiten]

Chinkali, gefüllte Teigtaschen
Hauptartikel: Georgische Küche

Georgiens Küche galt als die Haute Cuisine der sowjetischen Küche. Sie ist für ihre Qualität und regionale Vielfalt bekannt. Am Wochenende treffen die Familien mit Gästen an großen Tafeln, der sogenannten Supra zusammen. Je wichtiger der Anlass oder die Gäste sind, desto traditioneller sind die Gerichte. Dabei wird stets im Überfluss serviert, wodurch die Küche Großzügigkeit symbolisiert. Obgleich es in Tiflis Hamburger-, Kebab- und Pizzarestaurants gibt, hat ausländische Küche kaum Eingang in die georgische Esskultur gefunden.

Typische Vorspeisen sind gefüllte Auberginen mit Walnusspaste (Badridschani) und luftgetrocknetes Rindfleisch (Basturma). Hauptspeisen sind Schaschlik (georgisch Mzwadi), Hähncheneintopf mit Tomaten-Zwiebelsoße (Tschachochbili), und Hammeleintopf mit Auberginen (Tschanachi). Dazu gibt es Walnusssoße (Basche), Mirabellensoße (Tqemali) und verschiedene Peperonipasten (Adschika). Beliebte Desserts sind süsse Würste aus Walnüssen in Traubensaftpüree (Tschurtschkella) oder Nüsse mit Joghurt (Matsoni) und Honig. Den kleinen Hunger stillen Teigtaschen mit Hackfleischfüllung (Chinkali), gebackenes Käsebrot (Chatschapuri) oder eine Rote-Bohnen-Suppe (Lobio).

Traditionelle Getränke sind georgischer Wein, Sekt, Weinbrand und Tschatscha, ein Tresterbrand. Die Festtafel wird von einem Tamada (dt. Tischmeister) geleitet, der während der Mahlzeit kunstvolle Trinksprüche ausbringt. Nach jedem Spruch wird das Glas vollständig geleert und nachgeschenkt. Wer nicht mehr trinken will, zeigt es, indem er das volle Glas stehen lässt. Gegen den Kater am Morgen wird Chaschi, eine starke Brühe aus Pansen mit viel Knoblauch getrunken.

Feiertage[Bearbeiten]

Hauptartikel: Feiertage in Georgien

Gesetzliche Feiertage sind der 1. Januar (Neujahr), der 7. Januar (orthodoxes Weihnachtsfest), der 19. Januar (orthodoxe Epiphanie), der 3. März (Muttertag), der 8. März (Internationaler Frauentag), der 9. April (Tag der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Georgiens), der 9. Mai (Siegestag), der 12. Mai (St.-Andreas-Tag), der 26. Mai (Unabhängigkeitstag), der 28. August (Mariamoba, orthodoxer Mariä Himmelfahrtstag), der 14. Oktober (Mzchetoba, georgisch-orthodoxes Fest) und der 23. November (Giorgoba, St.-Georgs-Tag). Das orthodoxe Osterfest ist beweglich und ebenfalls ein gesetzlicher Feiertag (19. April 2009, 4. April 2010, 24. April 2011, 15. April 2012).

Medien, Publizistik[Bearbeiten]

Printmedien[Bearbeiten]

In Georgien werden 76 gedruckte Publikationen verlegt. Die Zeitungen und Zeitschriften sind unabhängig. Einzelne haben noch eine staatliche Beteiligung. Die beliebtesten Tageszeitungen sind Kwiris Palitra, Alia, Achali Taoba, Asawal Dasawali, Resonansi und die Sportzeitung Sarbieli. Die Auflagen liegen jeweils bei 10.000 bis 12.000 Exemplaren. Daneben gibt es Tageszeitungen der verschiedenen Volksgruppen: Swobodnaja Gruzija und Vetscherny Tbilisi (beide auf Russisch), Gürcistan (auf Aserbaidschanisch) und Wrastan (auf Armenisch).

Fernsehturm Tiflis

Elektronische Medien[Bearbeiten]

Es gibt 52 von der Nationalen Kommunikationskommission Georgiens lizenzierte Fernsehstationen. Dazu gehören sieben öffentlich-rechtliche Kanäle, einschließlich des Öffentlichen Rundfunks Georgiens (SSM) und des adscharischen Fernsehens sowie zwei bis drei russische Programme. Sie werden vom Staat finanziert. Die wichtigsten privaten Stationen sind Imedi TV, Rustawi 2, Mse TV, Kawkasia und 202 TV. Der Öffentliche Rundfunk, Rustawi 2 und Mse TV sind politisch regierungsnah. Seit 2008 unterhält das georgische Militär einen eigenen, flächendeckend ausstrahlenden Fernsehsender Sakartwelo.[30] Seit Januar 2011 sendet der TV-Kanal PIK von Tiflis aus Nachrichten in russischer Sprache[31]. Zielgruppe sind insbesondere die Bewohner des zur Russischen Föderation gehörenden nördlichen Kaukasus.[32][33]

Neben zwei Programmen des Öffentlichen Rundfunks verfügt das Land über viele private Radio-Stationen. Sie sind zumeist regional ausgerichtet. Darunter sind nicht nur Spartensender, sondern auch Sender der verschiedenen Volksgruppen. Radio Ninozminda wendet sich an Armenier in der Region Samzche-Dschawachetien, Radio Marneuli an Aserbaidschaner in Region Kwemo Kartli.[34] In Tiflis produzieren die Stationen Ewrika und Seljonaja Wolna Programme für die russischsprachige Bevölkerung.

Der Internet-Dienst Civil Georgia bietet Nachrichten auf Englisch, Georgisch und Russisch. Allerdings spielt das Internet in Georgien noch keine große Rolle. Nur fünf Prozent der Bevölkerung besitzen einen Computer. Etwa acht Prozent der Bevölkerung nutzt das Internet, ein Prozent verfügt über einen Breitbandanschluss.[35] 27 Prozent erklärten Meinungsbefragern im Juli 2004, sie hätten noch nie vom Internet gehört.

Presseagenturen[Bearbeiten]

Neben der staatlichen Agentur Sakinformi gibt es die privaten Agenturen Caucasus Press und Prime News. Alle wichtigen internationalen Agenturen beschäftigen Mitarbeiter im Land.

Ausländische Medien[Bearbeiten]

Ausländische Fernsehsender werden meist über Kabel angeboten. Dazu gehören fast alle wichtigen russischen Kanäle (ORT, NTW, TWZ) und alle führenden westlichen Programme (CNN, BBC, Deutsche Welle, ESPN, Eurosport). Radio France Internationale hat Sendemasten in Georgien. Das staatliche Radio strahlt den georgischen Dienst von Radio Free Europe/Radio Liberty und der Voice of America aus. Die privaten Radiosender Ewrika und Zeljonaja Wolna übertragen die Programme des russischsprachigen Dienstes der BBC. Die ausländische Presse ist an den Kiosken hauptsächlich durch russische Titel präsent. Die wichtigsten russischen Tageszeitungen und Unterhaltungsblätter werden nach Georgien importiert. Die russischen Blätter Argumenty i Fakty und Komsomolskaja Prawda verfügen in Georgien über eigene Druckereien.

Pressefreiheit[Bearbeiten]

Die georgische Verfassung vom 24. August 1995 garantiert die Pressefreiheit und verbietet Zensur. Sie verbietet zugleich, die Medien oder ihre Verbreitung zu monopolisieren. Das am 17. Juni 2004 novellierte Pressegesetz erschwert es Klägern, Journalisten wegen ihrer Berichterstattung zu belangen. Zuvor waren Redakteure wegen angeblicher Ehrverletzung zu hohen Schadensersatzbeträgen verurteilt worden.

In der Schewardnadse-Ära hatte es immer wieder staatliche Bemühungen gegeben, die Medien einzuschüchtern. Der Journalist Giorgi Sanaia, Redakteur und Anchorman der Sendung Nachtkurier auf dem privaten Fernsehsender Rustawi-2, wurde im Juli 2001 ermordet, nachdem er von einer Videokassette erfuhr, die Beamte des Innenministerium belastete, Rauschgift durch Georgien geschleust zu haben. Der Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung Meridiani war im Februar 2001 von Unbekannten zusammengeschlagen, seine Familie telefonisch bedroht worden. Im Mai 2002 wurden die Redaktionsbüros von Rustawi-2 in Tiflis beschossen.

Im Sommer 2004 kam es erneut zu Einschüchterungen der Presse. Die Staatsanwaltschaft von Tiflis durchsuchte die Büros der Zeitung Georgian Times nachdem sie mehrere Artikel über die Herkunft des Vermögens des damaligen Chefanklägers der Hauptstadt, Waleri Grigalaschwili, veröffentlicht hatte. Grigalaschwili wurde zwei Monate später von seinem Posten abberufen.

Auf der internationalen Rangliste der Pressefreiheit stand Georgien im Oktober 2010 auf Platz 99, in der Rangliste von 2012 hat es sich auf Platz 104 verschlechtert, konnte sich aber im Jahr 2014 auf Rang 84 verbessern.[36]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Georgien – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Georgien

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrich Bock: Georgien und Armenien. Zwei christliche Kulturlandschaften im Süden der Sowjetunion. DuMont Kunst-Reiseführer, Köln 1988. ISBN 3-7701-1464-7
  • Heinz Fähnrich: Geschichte Georgiens. (Handbuch der Orientalistik. Section 8. Central Asia) Brill, Leiden/Boston 2010
  • Károly Gink, Erzsébet Tompos: Georgien. Werner Dausien, Hanau/M. 1975. ISBN 3-7684-1458-2
  • Marie-Carin von Gumppenberg, Udo Steinbach (Hrsg.): Der Kaukasus. Geschichte-Kultur-Politik. Verlag C.H. Beck München 2008 ISBN 978-3-406-56800-8
  • Roin Metreveli: Georgien. Ein Überblick. Tbilisis Univ. Gamomcemloba, Tbilisi 1996.
  • Florian Mühlfried: Postsowjetische Feiern. Das Georgische Bankett im Wandel. Mit einem Vorwort von Kevin Tuite. Ibidem-Verlag, Stuttgart 2006. ISBN 3-89821-601-2
  • Peter Nasmyth: Georgia. In the Mountains of Poetry. Cruzon Press, Richmond 2001 (2. Aufl.). ISBN 0-7007-0955-X
  • Ilma Reisser: Georgien. Herder, Freiburg im Breisgau 1989. ISBN 3-451-21454-7
  • Ilma Reissner: Georgien: Goldenes Vlies und Weinrebenkreuz. Verlagsbuchhandlung Der Christliche Osten, Würzburg 1998. ISBN 3-927894-29-X
  • Heinrich Rohrbacher: Materialien zur georgischen Bibliographie. Deutsches Schrifttum. Habelt, Bonn 1981. ISBN 3-7749-1851-1
  • Roger Rosen, Jeffrey Jay Foxx: Georgia. Sovereign Country of the Caucasus (Odyssey Georgia). Odyssey Publications, Hong Kong 2004. ISBN 962-217-748-4
  • Literatur zu Georgien im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Georgien – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Georgien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikimedia-Atlas: Georgien – geographische und historische Karten
 Wikivoyage: Georgien – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.constcourt.ge/index.php?sec_id=47&lang_id=ENG Verfassung Georgiens, Art. 8
  2. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, April 2013
  3. Human Development Index
  4. Georgiens Furcht vor Russland: «Nach der Krim ist alles möglich» NZZ, 16. Mai 2014
  5. Endemic Species of the Caucasus (englisch)
  6. Caucasian Spiders – A faunistic database on the spiders of the Caucasus (englisch)
  7. News.Az: Georgia’s population increases. 1. Juli 2011, abgerufen am 15. August 2012 (englisch).
  8. a b ACFC [Advisory Committee on the Framework Convention for the Protection of National Minoriries] (2009) Opinion on Georgia. Adopted on 19 March 2009 (ACFC/OP/I(2009)001)
  9. Walter Fleischmann-Bisten: Religiöser Pluralismus in Georgien. In: Bernd Schröder (Hrsg.): Georgien – Gesellschaft und Religion an der Schwelle Europas. Röhrig Universitätsverlag, St. Ingbert 2005, S. 76
  10. Esther Nike Gerritsmann: Juden in Georgien. In: Bernd Schröder (Hrsg.): Georgien – Gesellschaft und Religion an der Schwelle Europas. Röhrig Universitätsverlag, St. Ingbert 2005, S. 134
  11. Georgien Aktuell: Georgisches Parlament stärkt Rechte von religiösen Minderheiten. 7. Juli 2011, abgerufen am 15. August 2012.
  12. Civil.ge: CoE Deputy Secretary General Hails Georgia’s Move on Religious Groups Status. 11. Juli 2011, abgerufen am 15. August 2012 (englisch).
  13. David Aprasidze, Staatsbildung und Demokratisierung in Georgien: Sind die Grenzen erreicht? 2008, http://www.core-hamburg.de/documents/jahrbuch/08/Aprasidse-dt.pdf
  14. Andrzej Rybak, Der König von Tiflis, Financial Times Deutschland 12. September 2012, S. 19
  15. Civil Georgia: Saakashvili Re-Elected as CEC Approves Final Vote Tally. 13. Januar 2008, abgerufen am 15. August 2012 (englisch).
  16. Margwelaschwili löst Saakaschwili ab. In: tagesschau.de. 17. November 2013, abgerufen am 28. November 2013.
  17. Georgien Nachrichten: Okruaschwili erhebt schwere Vorwürfe gegen Saakaschwili. 7. Oktober 2007, abgerufen am 15. August 2012.
  18.  Jürgen Elsässer: Krieg ums kaspische Öl. In: Neues Deutschland. 9. August 2008.
  19. Garibashvili Named as Next PM auf civil.ge, 2. November 2013 (englisch). Abgerufen am 28. November 2013.
  20. Georgia’s Parliament Approves New Prime Minister auf abcnews.go.com, 20. November 2013 (englisch). Abgerufen am 28. November 2013.
  21. Civil Georgia: Parliamentary Elections 2012, Civil.ge, abgerufen 7. Oktober 2012
  22. faz.net: Parlamentswahl in Georgien: Saakaschwili gesteht Niederlage ein, 2. Oktober 2012
  23. englischsprachiger Bericht der Weltbank auf doingbusiness.org via Internet Archive
  24. a b c The World Factbook
  25. Central Government Debt Liabilites by Maturirity, Residency, and Instrument
  26. Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4
  27. Williams, Douglas: Georgia in my Heart. 1999.
  28. Louis, Victor & Jennifer: Sport in the Soviet Union, S. 39. Oxford Pergamon, 1980, ISBN 0-08-024506-4.
  29. Rustavi 2 Broadcasting Company. 29. April 2012. Abgerufen am 21. Januar 2013.
  30. NZZ Online: Devi Dumbadze, Das Phantom der Souveränität, 14. August 2008
  31. http://pik.tv/ru
  32. ShortNews: Neuer TV-Sender PIK weist den Vorwurf, antirussisch zu sein, zurück. 30. Juni 2011, abgerufen am 15. August 2012.
  33. http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/russia/8255700/Georgian-TV-channel-to-challenge-Kremlin-grip-on-news.html
  34. BBC World Service Trust: Making Waves in Georgia. Archiviert vom Original am 19. November 2010, abgerufen am 15. August 2012 (englisch).
  35. http://www.itu.int/ITU-D/icteye/DisplayCountry.aspx?countryId=276
  36. Rangliste der Pressefreiheit 2014

42.01666666666743.733333333333Koordinaten: 42° N, 44° O

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