Georgisch-Südossetischer Konflikt (1918–1920)

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Georgisch-Südossetischer Konflikt (1918–1920)
Datum 1918 bis 1920
Ort Südossetien
Ausgang ossetische Niederlage
Folgen Niederschlagung ossetischer Aufstände durch die Demokratische Republik Georgien
Konfliktparteien
Südossetische Rebellen
SowjetrusslandSowjetrussland Sowjetrussland
Georgien Demokratische RepublikDemokratische Republik Georgien Demokratische Republik Georgien
Flag of the Transcaucasian Federation.svg Transkaukasische Demokratisch-Föderative Republik
Befehlshaber
Kosta Kasijew Georgien Demokratische RepublikDemokratische Republik Georgien Waliko Dschugeli
Georgien Demokratische RepublikDemokratische Republik Georgien Noe Schordania
Georgien Demokratische RepublikDemokratische Republik Georgien Nikolos Tschcheidse
Flag of the Transcaucasian Federation.svg Akaki Tschchenkeli
Verluste
zwischen 5.000 und 18.000 tote Rebellen und Zivilisten
etwa 20.000 vertriebene Osseten
unbekannt

Der Georgisch-Südossetische Konflikt von 1918–1920 war eine Serie von Aufständen in Südossetien und anderen von Osseten bewohnten Gebieten, die sich gegen die Demokratische Republik Georgien richteten. Nach dem Zerfall des Russischen Reichs beanspruchte das nun unabhängige, von Menschewiken regierte Georgien die Region Südossetien. Diese war jedoch mehrheitlich von Osseten bewohnt, die größtenteils mit Sowjetrussland und den Bolschewiken sympathisierten. Anfang 1918 gab es zunächst einen kleineren Aufstand der Osseten gegen Georgien, der jedoch militärisch durch georgische Truppen niedergeschlagen wurde. Es kam zu gezielten „Bestrafungsoperationen“, wodurch sich die ohnehin angespannte Stimmung in der Region weiter zuspitzte. Daraufhin kam es zu zwei weiteren, großen Rebellionen gegen die georgische Regierung, die von Sowjetrussland unterstützt wurden, jedoch nach langanhaltenden Kämpfen ebenfalls allesamt niedergeschlagen wurden. Im Laufe des Konflikts kamen etwa 5.000, einigen Angaben zufolge sogar bis zu 18.000[1][2], Osseten ums Leben, etwa 20.000[3] (anderen Angaben zufolge sogar 50.000[1]) mussten fliehen. Anschließend ließen sich viele Georgier in den entvölkerten Gebieten nieder.[4]

Einige ossetische und russische Autoren und Politiker[5] sowie die Regierung des heute de facto unabhängigen Südossetiens betrachten die Ereignisse des Konflikts als Genozid an den Osseten[6], eine Sicht die zunehmend auch von Russland[7] und der Regierung unter Wladimir Putin geteilt wird. Im Jahr 2006 fasste auch die Regierung Abchasiens einen Beschluss, den Konflikt nach der UN-Völkermordkonvention als solchen anzuerkennen.[8] Georgische Politiker und Historiker weisen diese Angaben als übertrieben zurück und sehen den Konflikt als Versuch Sowjetrusslands, die damalige Demokratische Republik Georgien zu destabilisieren, die schließlich 1921 von der Sowjetunion annektiert wurde. In der westlichen Geschichtsforschung ist der Konflikt bislang weitgehend in Fachliteratur beschrieben. Die Erinnerungen an die Ereignisse von 1918 bis 1920 spielten eine maßgebliche Rolle beim Unabhängigkeitskampf Südossetiens 1991-1992[9].

Verlauf des Konflikts[Bearbeiten]

Nach der Februarrevolution 1917 errichtete die südossetische Bevölkerung in Dsau einen Nationalrat, der schließlich beschloss, eine Selbstverwaltung ossetisch bewohnter Gebiete zu errichten. Viele forderten auch die Vereinigung mit Nordossetien, das zu Sowjetrussland gehörte. Ein Anschluss an Sowjetrussland wurde daher von vielen Osseten befürwortet. Die Bolschewiken entwickelten sich seit März 1918 zu einer wichtigen politischen Kraft in der Region. Anfang 1918 wurde jedoch die Transkaukasische Demokratisch-Föderative Republik mit der Hauptstadt Tiflis gegründet, welche Südossetien beanspruchte.

Schon im Frühjahr 1918 kam es daher zu ersten Aufständen in Südossetien, da sich viele Bauern weigerten, Steuern an Tiflis zu zahlen. Die Lage spitzte sich immer weiter zu, auch wegen einer noch immer mangelhaft umgesetzten Agrarreform. Für einige Tage besetzten ossetische Rebellen auch die spätere Hauptstadt der Region, Zchinwal, bevor georgische Truppen am 22. März 1918 die Rebellion niederschlugen. Es kam zu harten Bestrafungsmaßnahmen, die zur Radikalisierung der südossetischen Bevölkerung beitrugen. Im Mai 1918 brach die kurzlebige Transkaukasische Föderation zusammen, die Demokratische Republik Georgien, in der die Menschewiken die Regierung stellten, wurde daraufhin gegründet. Diese beanspruchte ebenfalls auch Südossetien, wohingegen die Bolschewiken auf immer größere öffentliche Zustimmung stießen.

In der georgischen Politik stießen diese Sympathien auf Befremdung, einige georgische Politiker sprachen offen von den Osseten als „Verräter“, die „hart bestraft werden müssen“.[10] In Südossetien forderte man zudem Autonomierechte, die jedoch nicht gewährt wurden.

Im Oktober 1919 kam es daher erneut zu Rebellionen der Osseten gegen die georgische Herrschaft. Südossetische Politiker in der Nähe von Roki riefen eine sowjetische Regierung aus, Rebellen marschierten in Richtung Zchinwal. Erneut konnte der Aufstand aber zurückgedrängt werden.

1920 kam es zur bislang größten Rebellion in Südossetien. Am 8. Mai 1920 wurde erneut eine sowjetische Regierung ausgerufen, große Rebellenarmeen formierten sich, die durch Freiwillige aus dem zu Sowjetrussland gehörenden Nordossetien verstärkt wurden. Es kam zu schweren Kämpfen zwischen georgischen und ossetischen Truppen. Die sowjetische Regierung forderte Georgien auf, seine Truppen aus Südossetien zurückzuziehen.[4] Nach anfänglichen Siegen und der Besetzung Zchinwals, wurden die ossetischen Rebellen jedoch erneut zurückgedrängt. Der georgischen Armee gelang es unter Waliko Dschugeli noch im Juni 1920 schließlich endgültig, den Widerstand zu brechen. Es kam zu zahlreichen Bestrafungsmissionen und Massakern, auch gegen die Zivilbevölkerung. Zwischen 5.000 und 18.000 Osseten kamen dabei ums Leben, viele starben auch auf der Flucht vor georgischen Einheiten[11]. Etwa 20.000 Osseten wurden vertrieben[3] und flohen überwiegend in das von Russland kontrollierte Nordossetien. Südossetien unterstand nun endgültig der Kontrolle Georgiens.

Nachwirkung[Bearbeiten]

Anlässlich des Kaukasuskriegs 2008 demonstrieren Osseten in Den Haag gegen einen „Genozid an Osseten“

Weniger als ein Jahr später wurde ganz Georgien von der Sowjetunion annektiert, darunter auch Südossetien[12]. Südossetien wurde 1922 Teil der Georgischen SSR innerhalb der Sowjetunion, erhielt jedoch als „Südossetisches Autonomes Gebiet“ zahlreiche Autonomierechte[13]. Als die Sowjetunion 1991 zerfiel, erklärten sowohl Südossetien als auch Georgien ihre Unabhängigkeit. Georgien beanspruchte jedoch Südossetien als Teil seines Staatsgebiets. Es kam zu einem blutigen Bürgerkrieg, der in der De-facto-Unabhängigkeit Südossetiens endete[14]. Der Konflikt von 1918 bis 1920 wird besonders in den letzten Jahren von russischen und ossetischen Historikern als von Georgiern verübter Völkermord an den Osseten betrachtet.

Im Rahmen des Kaukasuskriegs 2008 eröffnete Georgien eine Offensive und versuchte erneut Südossetien unter seine Kontrolle zu bringen, wurde jedoch nach einer Intervention Russlands vollständig aus der Region vertrieben. Die Ereignisse des Kriegs führten dazu, dass schließlich einige Staaten, darunter etwa Russland und Venezuela, die Unabhängigkeit Südossetiens anerkannten, während der Großteil der internationalen Gemeinschaft die Region weiterhin als Teil Georgiens betrachtet.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b http://www.rferl.org/content/article/1072408.html
  2. http://de.rian.ru/comments_interviews/20061121/55867069.html
  3. a b Lang, David Marshall (1962). A Modern History of Georgia, S. 234–236. London: Weidenfeld and Nicolson.
  4. a b Cornell, Svante E, Autonomy and Conflict: Ethnoterritoriality and Separatism in the South Caucasus – Case in Georgia. Department of Peace and Conflict Research, Report No. 61. 258 pp. Uppsala. ISBN 91-506-1600-5.
  5. http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article936951/Historisch-hat-Suedossetien-nie-zu-Georgien-gehoert.html
  6. http://iratta.com/2007/04/27/1920.html
  7. http://iratta.com/2007/05/18/fakty_genocida_1920g_v_juzhnojj_osetii_tradicii_nacizma_v_gruzii.html
  8. http://www.newsru.com/world/02nov2006/genozid.html
  9. http://www.kas.de/zentralasien/de/publications/14356/
  10. Waal, Thomas De. The Caucasus: An Introduction
  11. http://www.abkhaziya.org/server-articles/article-80dd0dda4fe90f28c09b514290a22ef6.html
  12. http://www.georgianweb.com/history/avtandil/ossetia.html
  13. http://www.kas.de/zentralasien/de/publications/14356/
  14. http://universal_lexikon.deacademic.com/306600/Südossetien