Georgius Agricola

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Mineralogen und Gelehrten Georgius Agricola, nicht zu verwechseln mit anderen Personen namens Georg Agricola.
Georgius Agricola

Georgius Agricola (* 24. März 1494 in Glauchau; † 21. November 1555 in Chemnitz) war ein deutscher Wissenschaftler, der als „Vater der Mineralogie“ bekannt wurde. Als herausragender Renaissance-Gelehrter zeichnete er sich außerdem durch besondere Leistungen in Pädagogik, Medizin, Metrologie, Philosophie und Geschichte aus.

Georgius Agricola hieß mit bürgerlichem Namen Georg Pawer[1] bzw. Bauer. Petrus Mosellanus, sein Leipziger Professor, riet ihm zur Latinisierung des Namens.

Biografie[Bearbeiten]

Jugendjahre und Studium[Bearbeiten]

Agricola wurde 1494 als zweites von sieben Kindern eines Tuchmachers und Färbers in Glauchau geboren. Dort erhielt er seinen ersten Unterricht, so dass er im Alter von zwölf Jahren nach Chemnitz in die Lateinschule gehen konnte. Hier verliert sich zunächst seine Spur. Er tauchte zwar kurz in Magdeburg auf, aber sicher ist erst wieder seine Immatrikulation an der Universität Leipzig.[2] Da studierte er von 1514 bis 1518 alte Sprachen bei Petrus Mosellanus (1493–1524), einem Anhänger Erasmus’ von Rotterdam, der ihn anschließend in Zwickau empfahl. So wurde Agricola dort zuerst Konrektor (1518), dann Rektor der Zwickauer Ratsschule (1519) und schuf einen neuen Schultyp mit Latein, Griechisch und Hebräisch-Unterricht in Kombination mit Gewerbekunde: Ackerbau, Weinbau, Bau- und Messwesen, Rechnen, Arzneimittelkunde und Militärwesen.

Aufenthalt in Italien[Bearbeiten]

Nachdem Agricola 1522 erneut in Leipzig studierte, diesmal Medizin, ging er 1523 an die Universitäten von Bologna und Padua.[3] 1524 begab er sich nach Venedig, um im Verlag Aldus Manutius die Galen-Ausgabe zu bearbeiten. 1526 kehrte er nach Chemnitz zurück.

Zurück in Deutschland[Bearbeiten]

Denkmal in Agricolas Geburtsstadt Glauchau
Ersatz der Grabplatte für Agricola im Zeitzer Dom

Im Jahre 1527 heiratete Agricola die Witwe Anna Meyner aus Chemnitz und ließ sich nun als Arzt und Apotheker in St. Joachimsthal (heute: Jáchymov) nieder. 1531 wurde er Stadtarzt in Chemnitz, dort hatte er viermal das Bürgermeisteramt inne (1546, 1547, 1551 und 1553). Zudem war er im Staatsdienst als sächsischer Hofhistoriograph beschäftigt. Als Universalgelehrter forschte Agricola im Bereich der Medizin, Pharmazie, Alchemie, Philologie und Pädagogik, Politik und Geschichte, Metrologie, Geowissenschaften und Bergbau. Agricola verband humanistische Gelehrsamkeit mit technischen Kenntnissen.

So entstand sein Erstlingswerk Bermannus, sive de re metallica (1530), in dem er Verfahren zur Erzsuche und -verarbeitung sowie Metallgewinnung ebenso beschreibt wie die Fortschritte der Bergbautechnik, das Markscheidewesen, den Transport, die Aufbereitung und die Verarbeitung der Erze. In De Mensuris et ponderibus von 1533 beschreibt er die griechischen und römischen Maße und Gewichte – seinerzeit gab es keine einheitlichen Maße, was den Handel erheblich behinderte. Dieses Werk legte den Grundstein für Agricolas Ruf als humanistischer Gelehrter.

Mit mehreren Werken begründete Agricola die Geowissenschaften: So beschreibt er die Entstehung der Stoffe im Erdinneren in De ortu et causis subterraneorum von 1544, die Natur der aus dem Erdinneren hervorquellenden Dinge in seinem Werk De natura eorum, quae effluunt ex terra von 1545, Mineralien in De natura fossilium sowie die Erzlagerstätten und den Erzbergbau in alter und neuer Zeit (De veteribus et novis metallis). Auch der Meurer-Brief (Epistula ad Meurerum) von 1546 gehört zu diesen Werken.

Agricola war zweimal verheiratet und hatte (mindestens) sechs Kinder. Zwei Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau 1540 heiratete der 48-jährige Stadtarzt die 30 Jahre jüngere Tochter Anna von Ulrich Schütz d. J., dem ehemaligen Besitzer der Saigerhütte Chemnitz. Dadurch heiratete er in die damals reichste Chemnitzer Familie ein. Am 21. November 1555, im Alter von 61 Jahren, starb er in Chemnitz. Nach der Reformation in Sachsen verweigerte die Stadt dem katholischen Agricola die Beerdigung auf Chemnitzer Flur.[4] Daraufhin wurde er in der Schlosskirche von Zeitz begraben, was auf die Initiative seines Freundes, des Gelehrten und Bischofs Julius Pflugk von Zeitz, geschah.

De natura fossilium libri X[Bearbeiten]

Gegründet auf viele eigene Untersuchungen fasste Agricola in den zehn Büchern von De natura fossilium (1546) das mineralogische und geologische Wissen seiner Zeit zusammen. Unter Fossilien verstand man damals nicht nur versteinerte Lebewesen, sondern auch Steine und Mineralien. Das Werk gilt als erstes umfassendes Lehrbuch bzw. Handbuch der Mineralogie, welches sich eines systematischen wissenschaftlichen Ansatzes bediente.[5] Darin werden Vorkommen, Gewinnung, Eigenschaften und Verwendung von Mineralien beschrieben. Vor allem klassifizierte Agricola die Mineralien anhand ihrer physikalischen Eigenschaften wie Form, Farbe, Transparenz, Glanz und Gewicht (Dichte).

Im ersten Buch werden allgemeine Mineraleigenschaften behandelt, im zweiten Erden, gefolgt von Büchern über "magere" und "fette" Salze (Bitumen). Im fünften bis siebten Buch werden unter anderem Edelsteine beschrieben, im achten und neunten Buch metallische Schlacken. Das zehnte Buch schließlich befasst sich mit mineralischen Gemischen.

Hauptwerk – De re metallica libri XII[Bearbeiten]

Titelblatt von De re metallica libri XII

Durch zahlreiche Reisen im Bergbaurevier des sächsischen und böhmischen Erzgebirges gewann Agricola einen Überblick über die gesamte Technik des Bergbaus und Hüttenwesens zu seiner Zeit. Das Ergebnis ist sein Hauptwerk: Das Buch der Metallkunde De re metallica libri XII erschien 1556, ein Jahr nach seinem Tod, in lateinischer Sprache in Basel. Später wurde es in zahlreiche andere Sprachen übersetzt. Philippus Bechius (1521–1560), ein Freund Agricolas und Professor an der Universität Basel, übertrug die Schrift ins Deutsche und veröffentlichte sie 1557 unter dem Titel Vom Bergkwerck XII Bücher. Es handelt sich um die erste systematische technologische Untersuchung des Bergbau- und Hüttenwesens und blieb zwei Jahrhunderte lang das maßgebliche Werk zu diesem Thema.

Der erste Band stellt eine zeitgemäße Apologie dar und vergleicht den Bergbau mit anderen Gewerben, beispielsweise der Landwirtschaft oder dem Handel. Im zweiten Band werden die Erschließungsbedingungen erörtert, also geographische Beschaffenheit, Wasserhaltung, Wege, Bodenbesitz und Landesherrschaft; im dritten Band das Markscheidewesen. Der vierte Band äußert sich zur Verteilung der Grubenfelder und den Pflichten des Bergbeamten. Im fünften Band werden die verschiedenen Schachtarten und ihr Ausbau beschrieben, zudem der Gangbau und das Vermessen unter Tage. Der sechste ist der umfangreichste Band und behandelt die Geräte und Maschinen des Bergbaus. Das Probieren der Erze findet sich im siebten Band, ihr Aufbereitungsprozess im achten Band. Das Schmelzen und die Verfahren zur Metallgewinnung inklusive einer Anleitung zum Schmelzofenbau finden sich im neunten Band. In den Bänden zehn, elf und zwölf geht es dann noch um das Scheiden von Edelmetallen, das Gewinnen von Salzen, Schwefel und Bitumen sowie um Glas.

Im Gesamtwerk stehen ausschließlich objektive Eigenschaften zur Diskussion, alle Überlieferungen und alchemistische Aussagen werden auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht. Mangels einheitlicher Maße nimmt Agricola Bezug auf bekannte Angaben: „Bei kleinen, mittleren oder groben Zinnerzstücken braucht der erfahrene Schmelzer … wenn er die ersten verschmilzt, nur langsam Feuer, wenn die zweiten, mittleres, wenn die dritten, scharfes; jedoch viel weniger scharfes, als wenn er Gold-, Silber- oder Kupfererz verschmilzt.“ oder „… man habe noch so lange zu erhitzen als einer braucht fünfzehn Schritte zu gehen.“ Die Beschreibungen der Minerale bauen auf den Werken von Avicenna und Albertus Magnus auf.

Dieses Buch der Metallkunde war auch Francis Bacon bekannt, der daraus wichtige Anregungen entnahm. Es enthält neben einer modernen Theorie der Entstehung von Erzgängen allerdings auch Abschnitte über Kobolde und Drachen in den Gruben, die Agricola „Lebewesen unter Tage“ (De animantibus subterraneis) nannte.

Postume Ehrungen[Bearbeiten]

1926 gründen Oskar von Miller, Schöpfer des Deutschen Museums, und Conrad Matschoß, Direktor des Vereins Deutscher Ingenieure und Nestor der deutschen Technikgeschichtsschreibung, die Georg-Agricola-Gesellschaft beim Deutschen Museum. Erstes Ziel der Gesellschaft ist die Herausgabe der ersten modernen deutschen Ausgabe von Agricolas Hauptwerk.

1960 konstituiert sich beim Verein Deutscher Ingenieure – unter maßgeblicher Beteiligung des Deutschen Verbandes Technisch-Wissenschaftlicher Vereine e.V. und der Montanindustrie – die „Georg-Agricola-Gesellschaft zur Förderung der Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik e.V.

1961 benannte sich das Saalfelder Krankenhaus (heute Thüringen-Kliniken) „Georgius Agricola“, heute trägt das Krankenhaus in Zeitz diesen Namen.

Die Universitätsbibliothek der TU Bergakademie Freiberg wurde 1980 nach Georgius Agricola benannt. In Freiberg gibt es darüber hinaus eine Agricolastraße. Seit dem Jahr 1995 trägt die Fachhochschule Bergbau in Bochum den Namen Technische Fachhochschule Georg Agricola. Auch das Krankenhaus in Zeitz und eine Straße in dieser Stadt sind nach ihm benannt. Eine Studentenverbindung mit Sitz in Aachen und Clausthal-Zellerfeld gab sich 1948 den Namen Akademischer Verein Agricola Schlägel und Eisen und änderte ihn später in Agricola Akademischer Verein. Die Westsächsische Hochschule Zwickau besitzt einen Georgius-Agricola-Bau. In Glauchau und Chemnitz, sowie in Hohenmölsen (Sachsen-Anhalt) gibt es ein Georgius-Agricola-Gymnasium. In den Städten Glauchau und Schneeberg ist eine Straße nach ihm benannt.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Bermannus sive de re metallica, Basel 1530 (Digitalisat)
    • De re metallica, Ausgabe Paris 1541, mit einem Vorwort von Erasmus
    • Bermannus (Le mineur), lateinisch mit französischer Übersetzung und Kommentar, Belles Lettres, Paris 1990, ISBN 2-251-34504-3
  • De mensuris et ponderibus libri V, Paris 1533
  • De ortu et causis subterraneorum libri V, Basel 1546
  • De natura eorum, quae effluunt ex terra, Basel 1546. Nachdruck: SNM, Bratislava 1996, ISBN 80-85753-91-X.
  • De veteribus et novis metallis libri II, Basel 1546
  • De natura fossilium libri X, Basel 1546
  • De animantibus subterraneis liber, Basel 1549. Nachdruck: VDI-Verlag, Düsseldorf 1978, ISBN 3-18-400400-7.
  • De mensuris quibus intervalla metimur liber, 1550 (Digitalisat)
  • De precio metallorum et monetis liber III, 1550
  • De peste libri tres Basel 1554 (Digitalisat)
  • De re metallica libri XII, Basel 1556 (Digitalisat/Transkript)
    • Vom Bergkwerck 12 Bücher (ins Deutsche übersetzt von Philippus Bechius), Basel 1557. Faksimile-Druck mit Kommentarband von Hans Prescher, VCH Verlagsgesellschaft, Weinheim 1985, ISBN 3-527-17535-0; Andere Ausgabe: Verlag Glückauf, Essen 1985 mit begleitendem Text von Wilhelm Treue. ISBN 3-7739-0463-0
    • Berckwerck Buch (deutsche Übersetzung), Frankfurt 1580 (Digitalisat)
    • Englische Übersetzung, London 1912 (Digitalisat)
    • Zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen. Deutsche Übersetzung von Carl Schiffner 1928 (Digitalisat). Faksimile-Druck der 3. Auflage, VDI-Verlag, Düsseldorf 1978, ISBN 3-18-400400-7.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm von Gümbel: Agricola, Georgius. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 143–145.
  • Wilhelm Pieper: Agricola, Georgius. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 98–100 (Digitalisat).
  • Hans Hartmann: Georg Agricola (1494–1555). Begründer dreier Wissenschaften: Mineralogie – Geologie – Bergbaukunde, Stuttgart 1953 (= Große Naturforscher, 13)
  • Hans Prescher: Georgius Agricola - Zum 425. Geburtstag des großen sächsischen Naturforschers In: Erzgebirgische Heimatblätter 5/1980, S. 97-103, ISSN 0232-6078
  • Wolfgang Klose: Das Wittenberger Gelehrtenstammbuch: das Stammbuch von Abraham Ulrich (1549–1577) und David Ulrich (1580–1623), Halle: Mitteldt. Verl., 1999, ISBN 3-932776-76-3
  • Friedrich Naumann: Georgius Agricola - Berggelehrter, Naturforscher, Humanist, Erfurt: Verlag Sutton, 2007, ISBN 3-86680-214-5
  • Friedrich P. Springer: Von Agricolas „pompen“ im Bergbau, die das „wasser durch den windt gezogen“, zu den Gestängetiefpumpen der Erdölförderung, Erdöl/Erdgas/Kohle-Zeitschrift, Heft 10, 2007.
  • Manfred Bachmann (Hrsg.): Georgius Agricola - Bergbauwissenschaftler und Humanist der Renaissance In: Kleine Chronik großer Meister - Erzgebirger, auf die wir stolz sind. Teil 1, Druckerei und Verlag Mike Rockstroh, Aue 2000, S. 13-15
  • José Lima-de-Faria (Hrsg.): Historical atlas of crystallography, Kluwer Academic Publishers. Dordrecht, Boston, London, 1990, S. 6, ISBN 0-7923-0649-X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Georgius Agricola – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Georgius Agricola – Quellen und Volltexte
 Wiktionary: Agricola – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Agricola Forschungszentrum Chemnitz: „Wer ist Georgius Agricola?“
  2. Ralf Kern: Wissenschaftliche Instrumente in ihrer Zeit. Band 1. Köln, 2010. S. 334.
  3. Winfried R. Pötsch, Annelore Fischer und Wolfgang Müller unter Mitarbeit von Heinz Cassebaum: Lexikon bedeutender Chemiker. Bibliographisches Institut Leipzig, 1988, S. 10, ISBN 3-323-00185-0.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Archivdatum nicht im ISO-FormatGisela-Ruth Engewald: Zum 450. Todestag von GEORGIUS AGRICOLA. Technische Universität Chemnitz, 2005, S. 6, archiviert vom Original am 2009–12-08, abgerufen am 2010–05-21 (pdf; 1,1 MB, deutsch).
  5. Kurzbeschreibung von De natura fossilium beim Mineralienatlas