Georgstag

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Georgiritt in Traunstein

Der Georgstag oder Georgitag (auch Georgi) ist der 23. April und der Festtag zu Ehren des heiligen Georg, des frühchristlichen Märtyrers aus Kappadokien.

Der zu den 14 Nothelfern zählende Heilige ist Patron vieler Orte - und seit der Synode von Oxford 1222 der Schutzpatron von England. Deshalb wird an diesem Tag in der Georgskapelle zu Windsor das sogenannte Hosenband-Kapitel gehalten.

Allein in England wurden dem ritterlichen Märtyrer, über dessen Leben allerdings kaum verlässliche Daten existieren, über 160 Kirchen geweiht. Richard Löwenherz erkor ihn zu seinem persönlichen Schutzherrn.

Landes- und Kirchenpatron[Bearbeiten]

Der heilige Georg (legendär der „Drachentöter“) ist unter anderem der Schutzpatron von Katalonien und Georgien, der Stadt Genua, der Stadt Barcelona, der Stadt Freiburg im Breisgau und dem Bistum Limburg. Überall dort wird der Georgstag feierlich begangen.

Georg ist auch Kirchen- bzw. Namenspatron von zahllosen Kirchen, Klöstern, Orten und Schulen. Daher ist Georgi ein beliebter Tag für Kirchweih- und andere Feste. Weiterhin ist er der Schutzpatron der Pfadfinder.
In Anlehnung an eine alte katalanische Tradition ist der Georgstag seit 1995 ebenfalls Welttag des Buches.

Die Georgskirchen gehen meist in sehr frühe Zeiten zurück; manche stehen vermutlich auf Plätzen, wo heidnische Kultstätten lagen. Gehört der heilige Georg doch zu den wichtigsten Seelsorge- und Bekehrungspatronen der römischen und bayrischen Missionierung. Vielerorts erinnert der Georgstag an die Überwindung des Drachens, der zum Symbol des Heidentums wurde. Im Heimatbuch zum mittelalterlichen Roßberg (Baden) steht über St. Georg geschrieben: Die Jungfrau, die er [der Ritter] nach der Sage aus der Gewalt des Untieres befreite, lässt auf uralte mythische Vorstellungen schließen, die mit den zahlreichen Frühlingsbräuchen zusammenhingen.[1][2]

Feste und Brauchtum[Bearbeiten]

Zum Brauchtum um den Georgstag zählen unter anderem der Georgiritt und Reiterprozessionen (die vielerorts wiederbelebt werden), die Freinacht und manche Georgsglocken.

Im Burgenland gehört Georg zu den wichtigsten Heiligen, und ab Georgi dürfen die Felder nicht mehr betreten werden. Als Wetterheiliger wird er im Bauernkalender zum Schneebringer: „St. Georg kommt nach alten Sitten auf dem Schimmel angeritten“ (letzte Schneeflocken). Die Dienstboten konnten am Georgstag ihren Dienstherrn wechseln, und Zinsen wurden höchstens bis zum Georgstag gestundet.

Vielerorts in Bayern und Österreich gedenkt man zu Georgi der Pferde, segnet sie und betet für ihre Bauern und die Reiter. Die traditionellen Pferdeumritte sind meist am folgenden Sonntag oder am Ostermontag. Nur in St. Georg bei Julbach wird der Umritt am Leonhardstag abgehalten. Mancherorts werden alte Georgsriten wiederbelebt, z. B. die Wachaufzüge in Bad Mergentheim, wo man der Schützengilden von 1500-1695 und des Deutschen Ordens gedenkt. Viele Pfadfindergruppen feiern ihren „Ehrentag“ mit einem Geländespiel.

Die Verehrung Georgs begann im Vorderen Orient (v. a. Lydda-Diospolis) sowie im frühchristlichen Ägypten und Äthiopien. Am stärksten verbreitete sie sich auf Zypern, in Kappadokien (heute Türkei) und in Georgien. Von hier aus gelangte der Kult später nach Russland und auf den Balkan, wo er als Đurđevdan/Herdelezi einer der wichtigsten Feiertage der Roma ist. In der slowenischen Region Bela krajina lebt dieses Brauchtum noch beim Jurjevanje-Fest. Hierbei wird ein junger Bursche vollkommen mit grünen Zweigen verhüllt und von Sängern und Musikern begleitet, die alle Kräfte vertreiben sollen, die sich dem Frühling entgegenstellen. Im Westen sind Georgskirchen spätestens im 6. Jahrhundert u. a. in Mainz, Paris und Neapel nachweisbar. In Deutschland erreichte der Georgskult einen Höhepunkt, als Bischof Hatto von Mainz 896 das vermutete Haupt des Märtyrers auf die Bodensee-Insel Reichenau brachte (Stiftskirche St. Georg in Oberzell). Da aber die historische Belegbarkeit mancher Erzählungen bezweifelt wird, ist die Georgsverehrung längerfristig im Abklingen.

Lostag, Wetter- und andere Regeln[Bearbeiten]

Seit altersher hat das Wetter zu „Georgi“ eine besondere Bedeutung und ist ein Lostag für zahlreiche Bauernregeln. Was passiert, wenn es am 22. oder 23. April regnet, gewittert oder die Sonne scheint? Daran soll sich meist ablesen lassen, wie die Ernte ausfallen wird und sich das Wetter in der nächsten Zeit entwickelt.

Gibt es vermehrt Gewitter, wird das als Hinweis auf einen kühlen Sommer gewertet. Sonnenschein am Georgitag soll eine reiche Apfelernte bescheren, und für den Zustand von Weinreben bis zu St. Gallus (16. Oktober) bestimmend sein. Ähnliches wird am Rhein und in Schlesien vom Getreide, von Hafer und Blumen gesagt.

Von allen Apriltagen ist Georgi der wichtigste für die Feld- und Viehwirtschaft. In ganz Süddeutschland gilt die Saat oder das Setzen von Pflanzen im April als vorzeitig. Zum Gemüsesamen sagt man:
"Baust mi in April, kimm i, wann i will -- Baust mi in Mai, kimm i glei."
Dasselbe sagt man im Böhmer- und Egerland vom Erdäpfelsetzen.

Mehrere Sprüche bringen den Verkündigungs- und Georgstag in Zusammenhang - z. B. in Estland: Wenn am Fastenmarientag (23. März) Schnee auf dem Dach, sind am Georgstag Schneewehen am Zaun (kalter Frühling, Weblink 2-3). Hingegen soll Reif am Marien- oder Georgstag warme Monate bringen.

Georgitag, Weißer Sonntag und 1. Mai waren am Lechrain die drei Freinächte der Ledigen, in denen allerlei Unfug getrieben wurde.

Der Hundertjährige Kalender empfiehlt für April Aderlassen oder Purgieren (Heilfasten), was aber vor Ostern (daher spätestens 23./24. April) zu beenden ist. Zum Baden im Freien heißt es in Böhmen, dass alles Wasser bis zum 24. April (Georg) giftig sei und man bis dahin keinesfalls baden soll. Eher zum Aberglauben gehört wohl eine Regel in Litauen (Pillkall), am Georgstag nichts von Tieren, Vögeln und Fischen Stammendes zu essen. Auf der Kraft der Frühlingskräuter beruht der Ratschlag, im April gegrabene und gedörrte Baldrianwurzeln nun gegen Motten in Schränke zu legen.

Diverse Untersuchungen zeigen, dass viele der traditionellen, bäuerlichen Wetterregeln eine hohe Zutreffrate besitzen. Sie sind vorwiegend durch die regionale Erfahrung geprägt, sodass sie sich über größere Gebiete hinweg unterscheiden können. Beim Georgstag ist dies aber (trotz des häufigen "Aprilwetters") kaum der Fall, wie die Übereinstimmung spezieller Regeln mit eher allgemeinen zeigt:

Spezielle Bauern- und Wetterregeln[Bearbeiten]

  • "Regnet´s auf Georgitag, dauert noch lang des Regens Plag." Aber:
  • "Wenn an Georgi die Sonne scheint, werden viele Äpfel reif."
  • "Georg mit Wärme, Nikolaus (9. Mai) mit Futter". (Russland)
  • "Gab es Gewitter am Georgstach, so folgt gewiss noch Kälte nach." (Norddeutschland?)
  • "Will sich Georgi mit Regen zeigen, so verderben die Feigen" (ital.: Aqua de San Giorgi, carestia de fich)
  • "Was bis Georgi die Reben treiben, wird ihnen nicht bis zum Gallus bleiben." (Gallus = 10. Oktober)
  • Zu Georgi „blinde“ Reben · volle Trauben später geben.
  • "Gibt´s zu St. Georg ein Blumenmeer, so sind zu Matthäi (21. September) die Körbe leer."
  • "Am Georgstag soll sich das Korn schon so recken, dass sich die Krähe drin kann verstecken."
  • "Es deutet eine gute Ernte an, wenn sich zu Georg schon die Krähe im Korn verstecken kann." - oder:
Wenn zu Georgi die Roggensaat grünt, isst man zu Jakobi (25. Juli) frisches Brot.

Georgi-Sprüche und allgemeine Wetterregeln[Bearbeiten]

  • "Georgi bringt grüne Schuh."
(Früher mussten die Kinder ab diesem Tag auf ihre Winterschuhe verzichten.)
  • "Auf St. Georg's Güte stehen alle Bäum' in Blüte."
  • Des St. Georg's Pferd, das tritt den Hafer in d' Erd.
  • Der Georgstag, der ist der Pferde Ehrentag.
  • "Georg kommt nach alten Sitten auf einem Schimmel angeritten."
(Schimmel = die letzten Schneeflocken des Frühlings)
  • Georg und Markus (25. April) ganz ohne Trost, erschrecken uns sehr oft mit Frost.
  • Wenn am Georgstag Schneehaufen am Zaun liegen, werden die Bäume am Michaelstag (29. September) Blätter haben.
  • "Kommt der Georg auf einem Schimmel, dann kommt ein gutes Frühjahr vom Himmel." - aber:
  • "Ist's am Georgi warm und schön, wird man noch rauhe Wetter seh'n."
  • "Ist's an Georgi hell und warm, gibt's noch ein Wetter, dass Gott erbarm."

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Georgstag – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Albert Hiß: Kaltbrunn-Wittichen einst und jetzt. Chronik einer Schwarzwaldgemeinde und ihres Klosters. Gemeindeverwaltung Kaltbrunn, 1966.
  2. Die St.Georgs-Kirche auf dem Roßberg. Auf: www.hinterwaelder-rind.de, abgerufen am 23. April 2013