Gera

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gera
Gera
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gera hervorgehoben
50.88055555555612.083333333333194Koordinaten: 50° 53′ N, 12° 5′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Höhe: 194 m ü. NHN
Fläche: 151,93 km²
Einwohner: 94.977 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 625 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 07545–07557
Vorwahlen: 0365, 036695
Kfz-Kennzeichen: G
Gemeindeschlüssel: 16 0 52 000
Stadtgliederung: 40 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Kornmarkt 12
07545 Gera
Webpräsenz: www.gera.de
Oberbürgermeisterin: Viola Hahn (parteilos)
Lage der Stadt Gera in Thüringen
Weimar Eisenach Suhl Gera Jena Landkreis Altenburger Land Landkreis Greiz Tschechien Saale-Holzland-Kreis Freistaat Sachsen Freistaat Bayern Saale-Orla-Kreis Landkreis Sonneberg Niedersachsen Hessen Sachsen-Anhalt Landkreis Eichsfeld Landkreis Saalfeld-Rudolstadt Landkreis Hildburghausen Landkreis Schmalkalden-Meiningen Ilm-Kreis Landkreis Weimarer Land Erfurt Landkreis Gotha Wartburgkreis Landkreis Sömmerda Kyffhäuserkreis Unstrut-Hainich-Kreis Landkreis NordhausenKarte
Über dieses Bild

Gera ist eine kreisfreie Stadt im Osten Thüringens und nach der Landeshauptstadt Erfurt und Jena die bevölkerungsmäßig drittgrößte Stadt, die flächenmäßig zweitgrößte Stadt des Freistaates Thüringen. Gera liegt an der Weißen Elster im ostthüringischen Hügelland in etwa 200 Metern Höhe und gehört zur Metropolregion Mitteldeutschland. Leipzig liegt etwa 60 Kilometer in nördlicher Richtung, Erfurt 80 Kilometer westlich, Zwickau ungefähr 40 Kilometer östlich und Chemnitz ungefähr 70 Kilometer östlich.

Gera hat historische Bedeutung als Landeshauptstadt des Fürstentums Reuß jüngerer Linie (1848 bis 1918) sowie des Volksstaates Reuß (1918 bis 1920). Mit dem Einsetzen der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte die Stadt ein großes Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum. Gera war zur Blütezeit der Stoff- und Tuchindustrie eine der reichsten Städte in Deutschland. Über 100 zum Teil sehr bedeutende Stadtvillen (zum Beispiel Villa Schulenburg) zeugen heute vom Glanz und Reichtum vergangener Zeiten. Die Stadt wurde während des 19. Jahrhunderts auch zum Verkehrsknotenpunkt, da am Hauptbahnhof zahlreiche Bahnstrecken zusammentreffen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Gera teilweise durch Luftangriffe zerstört. Nach der Gründung der DDR wurde die Stadt 1952 Zentrum des neu geschaffenen Bezirks Gera. Seit 1990 gehört sie wieder zu Thüringen und ist hier eines von drei Oberzentren. Die Stadt ist Sitz der Berufsakademie Gera, einer privaten medizinischen Hochschule, und war Veranstaltungsort der Bundesgartenschau 2007.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Blick vom Rathausturm über Gera
Feuerwerk vom Geraer Rathaus bei der Eröffnung des Geraer Weihnachtsmarktes

Gera liegt im Osten des Freistaates Thüringen im Tal des Flusses Weiße Elster und ist fast vollständig vom Landkreis Greiz umschlossen; im Norden grenzt die Stadt an Sachsen-Anhalt. Auch die Grenze zu Sachsen ist nicht weit. An der südlichen Stadtgrenze (bei Wünschendorf) tritt der Fluss aus seinem engen Tal am östlichen Rand des Thüringer Schiefergebirges heraus und fließt in eine breite Tallandschaft, in der sich die Stadt Gera ausbreitet. Während der Westrand des Tales relativ steil abfällt, steigt der Ostrand allmählich an. Zudem werden die Randgebiete der Stadt im Westen sowie im Südosten des Stadtgebietes durch die Täler zahlreicher kleinerer Nebengewässer der Weißen Elster wie dem Gessenbach eingeschnitten.

Gera liegt zwischen 180 m ü. NN (Bett der Weißen Elster) und 354 m (bei Gera-Falka im äußersten Südosten). Als Höhe Geras wird mit 205 m ü. NN meist die Höhe des Marktplatzes angegeben.

Gera hat mit dem Geraer Stadtwald im Westen des Stadtgebietes die größte zusammenhängende Waldfläche aller Thüringer Städte. Ein weiteres großes Waldgebiet – ein Ausläufer des Holzlandes – befindet sich im äußersten Nordwesten der Stadt. Im Nordosten – hinter Aga – befindet sich der Zeitzer Forst (Sachsen-Anhalt).

Geologie[Bearbeiten]

Die hauptsächlich vertretenen Gesteinsarten sind Kalkstein und Buntsandsteine. Die ältesten Gesteinsarten stehen im Osten der Stadt an und verjüngen sich tendenziell nach Westen. Auf einer Linie zwischen Niebra, Kaimberg und Naulitz stehen überwiegend devonische Tonschiefer an. Dem schließen sich vor allem um Collis und Laasen zwei Rotliegend-Zonen an. Während an den Osthängen der eigentlichen Kernstadt überwiegend Zechstein-Formationen zu finden sind, ist das Gebiet jenseits des Elstertals im Westen der Stadt vom Unteren Buntsandstein geprägt. Im äußersten Südosten der Stadt verläuft das Buntsandstein-Gebiet über das Elstertal hinweg bis nach Falka und weiter in Richtung Letzendorf und Pohlen. Im Norden des Stadtgebietes gibt es geringe Vorkommen von Braunkohle, die im 19. Jahrhundert abgebaut wurden. Gleichwohl überwiegt hier an den Hängen auch östlich der Elster der Buntsandstein, während die ebenen Flächen zumeist mit Löss bedeckt sind.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Folgende Gemeinden grenzen an die Stadt Gera. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten genannt:

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Blick auf Gera-Untermhaus

Das Stadtgebiet gliedert sich in 40 Stadtteile, die zu 12 Statistischen Bezirken zusammengefasst sind. Einige der Stadtteile sind zugleich Ortschaften oder bilden mit anderen Stadtteilen eine Ortschaft. In Gera gibt es 15 Ortschaften mit einem eigenen Ortsteilrat und einem Ortsteilbürgermeister.

Die Innenstadt umfasst neben der Altstadt, deren Abgrenzung noch ein Stadtmauerrest und die Gasse Hinter der Mauer bezeugen, auch das Ostviertel und wird im Westen von der Weißen Elster und im Nordwesten vom Hauptbahnhof begrenzt. Im Osten schließt das zusammenhängende Stadtgebiet bereits mit dem an das Ostviertel angrenzenden Stadtteil Leumnitz ab. Im Süden geht auf dem Ostufer der Weißen Elster die Innenstadt im Bereich des Wintergartens in den Stadtteil Pforten über; dem schließt sich südlich das baulich durch Auenflächen und Bahndämme abgetrennte Zwötzen an. Von Zwötzen aus führt ein dünner bebauter Streifen entlang der Salzstraße nach Liebschwitz, das bis 1928 zu Sachsen gehörte. Westlich der Weißen Elster beginnt gegenüber der Innenstadt der langgestreckte Stadtteil Debschwitz, der sich entlang der Wiesestraße anderthalb Kilometer südwärts bis zum in den 1970er-Jahren entstandenen Plattenbauviertel und bis heute einwohnerstärksten Stadtteil Lusan entlangzieht. Den Abschluss des zusammenhängend bebauten Stadtgebiets bildet im Südwesten Zeulsdorf und im Süden Röppisch. Nordwestlich des Hauptbahnhofes erstreckt sich der beiderseits der Weißen Elster gelegene Stadtteil Untermhaus, der durch seine Nähe zur früheren fürstlichen Residenz zu den vornehmsten Stadtteilen Geras zählt. Östlich der Bahngleise schließen sich an den Norden der Innenstadt Bieblach mit seiner prägenden Wohnbebauung aus den 1950er- und 1960er-Jahren sowie Tinz an, das bis zur Autobahn reicht und dort aus Industrie- und Gewerbeflächen besteht. An Bieblach schließt sich das Dorf Roschütz und das Plattenbaugebiet Bieblach-Ost aus den 1980er-Jahren an, nördlich der Autobahn wird das zusammenhängende Stadtgebiet mit Langenberg abgeschlossen.

Klima[Bearbeiten]

Niederschlagsdiagramm Gera-Leumnitz

Der durchschnittliche Jahresniederschlag der Jahre 1961 bis 1990 beträgt an der Messstation Gera-Leumnitz 591 mm und liegt damit außer im Monat April unter dem deutschen Durchschnitt. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni und August.

Geschichte[Bearbeiten]

Historischer Überblick[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte der Stadt Gera
Platz der Republik, Mai 1981

Der Name Gera bezeichnete ursprünglich den Abschnitt des Elstertals, wo sich heute die Stadt befindet. Er entstand vermutlich schon vor der Völkerwanderungszeit und wurde von den seit dem 8. Jahrhundert ansässigen Slawen übernommen. Im Jahre 995 wurde der Name Gera in einer Grenzbeschreibung erstmals erwähnt. 999 kam die provincia Gera in den Besitz des Stiftes Quedlinburg, dessen Äbtissin 1209 die Vögte von Weida als Verwalter des Gebietes einsetzte. Aus diesen entwickelte sich im Lauf der Jahrhunderte durch zahlreiche Erbteilungen das Fürstenhaus Reuß.

Nachdem im Zentrum des Gebietes Gera im 12. Jahrhundert eine Siedlung gleichen Namens entstanden war, erlangte diese im frühen 13. Jahrhundert (vor 1237) das Stadtrecht. Anfangs entwickelte sich die Stadt nur langsam. 1450 wurde sie im Sächsischen Bruderkrieg fast völlig zerstört.

Reußenwappen an der Orangerie

Seit 1564 war Gera Residenzstadt der Linie der jüngeren Reuß. Diese Zeit bedeutete eine Blüte für Gera, in dem die Textilindustrie seit dem 15. Jahrhundert an Bedeutung gewonnen hatte. Unter dem Landesherrn Heinrich Posthumus Reuß nahm die Bedeutung der Stadt weiter zu. 1686 und 1780 wurde die Stadt durch Brände weitestgehend zerstört.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Gera zu einem Industriezentrum. Im Jahre 1882 gründete Oscar Tietz mit dem Geld seines reichen Onkels Hermann Tietz den Laden, aus dem sich im Laufe der Jahre eine der erfolgreichsten Kaufhausketten entwickeln sollte – Hertie. Zehn Jahre später, 1892, nahm die Geraer Straßenbahn ihren Betrieb auf.

Nach der Abdankung des letzten Fürsten in der Novemberrevolution 1918 kam Gera 1920 zum Land Thüringen und bildete dessen größte Stadt.

Während des Zweiten Weltkriegs zerstörte am 6. April 1945 ein schwerer Luftangriff große Teile der Stadt. Insgesamt hatte Gera im Bombenkrieg 514 Todesopfer zu beklagen.[2] Seit April 1945 war Gera wie das übrige Thüringen zunächst von der US-Armee, dann seit Ende Juli 1945 sowjetisch besetzt und wurde damit 1949 Bestandteil der DDR. 1952 wurde es Bezirkshauptstadt.

Gera war ein Schwerpunkt des Volksaufstands am 17. Juni 1953, der durch Ausrufung des Ausnahmezustands mit Einsatz sowjetischer Panzer niedergeworfen wurde.[3]

In der DDR-Zeit wurde Gera durch den Uranerzbergbau bei Ronneburg zur Großstadt und erreichte 1989 mit etwa 135.000 Menschen die höchste Einwohnerzahl seiner Geschichte. Nach der Wende sank die Einwohnerzahl rapide und liegt jetzt nur noch knapp unter 100.000.

Beim Bundeswettbewerb „Unsere Stadt blüht auf“ erreichte die Stadt 2005 und 2009 Gold. Vom 27. April 2007 bis zum 14. Oktober 2007 fand in Gera und Ronneburg die Bundesgartenschau 2007 statt. Es handelte sich dabei um die erste Bundesgartenschau, die gleichzeitig an zwei Standorten stattfand. Im Zusammenhang mit der Bundesgartenschau gab es viele Veränderungen im Stadtbild. Im November 2006 wurde die Stadtbahnlinie 1 von Untermhaus nach Zwötzen in Betrieb genommen. Geras historischer Hofwiesenpark, der Küchengarten sowie die angrenzende Orangerie und das Theater wurden umgestaltet bzw. modernisiert und unmittelbar vor der Bundesgartenschau ihrer Bestimmung übergeben.

Religionen[Bearbeiten]

Die Johanniskirche

Die Bevölkerung der Stadt Gera gehörte anfangs zum Bistum Naumburg. Das Stift Quedlinburg erließ wohl schon vor 1200 eine Kirchenordnung für die Stadt. Gera war Sitz eines Dekanats innerhalb des Archidiakonats Zeitz. 1533 wurde die Reformation eingeführt, nach der die Stadt über viele Jahrhunderte eine fast ausschließlich protestantische Stadt war, wobei das lutherische Bekenntnis vorherrschte. Die Kirche teilte die Geschicke der Landesherren von Reuß: Die kleine „Evangelisch-Lutherische Kirche des Fürstentums Reuß jüngere Linie“, deren Sitz sich in Gera befand, schloss sich 1920 mit sechs anderen Landeskirchen Thüringens zur „Thüringer Evangelischen Kirche“ zusammen, aus der sich später die Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen entwickelte. Innerhalb dieser Landeskirche ist Gera Sitz einer Superintendentur, der zum Aufsichtsbezirk Ost gehört, dessen Kreiskirchenamt sich ebenfalls in Gera befindet. Die heute bestehenden 13 evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden beziehungsweise Pfarrämter gehören somit alle zur Superintendentur Gera.

Im 19. Jahrhundert zogen auch wieder Katholiken in die Stadt. 1894 gründeten sie erneut eine eigene Kirchengemeinde und erbauten die Kirche St. Elisabeth, zu der auch die Katholiken benachbarter Städte und Gemeinden gehörten. Bereits 1903 wurde in der Nicolaistraße 4 in Gera die dortige Fabrikhalle zur Kirche umgebaut und geweiht. Die Kirche erhielt als Schutzpatronin die Heilige Elisabeth von Thüringen. 100 Jahre nach der Einweihung der „St. Elisabeth“-Kirche war die Bausubstanz der einstigen Fabrikhalle nicht mehr sanierfähig. So entschloss die Gemeinde, ein nahegelegenes Grundstück mit einem sanierungsfähigen Gründerzeit-Gemeindehaus und dem Bauplatz für einen Kirchenneubau zu erwerben. Das Gemeindehaus wurde nach komplexen Umbauten im November 2000 eingeweiht. Heute gehören zur Pfarrei St. Elisabeth neben der Hauptkirche auch die Kapellen St. Jakobus in Gera-Langenberg und Maria Geburt in Ronneburg. Ferner gibt es in Gera noch die Pfarrei Hl. Maximilian Kolbe. Die Stadt ist heute Sitz eines Dekanats innerhalb des Bistums Dresden-Meißen.

Daneben gibt es auch noch Gemeinden, die zu Freikirchen gehören, darunter die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten), die Evangelisch-methodistische Kirchengemeinde, die Freie evangelische Gemeinde, die Adventgemeinde (Adventisten), die Evangelische Christengemeinde (Pfingstgemeinde), die Benjamin-Gemeinde (Forum Leben) und die Christliche Gemeinde.

Ferner sind eine Neuapostolische Gemeinde, eine Gemeinde der Apostolischen Gemeinschaft und die Zeugen Jehovas in Gera vertreten.

Ein jüdisches Gemeindeleben hat nach 1938 in Gera praktisch aufgehört zu existieren.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Thieschitz, Kirche

Folgende Gemeinden und Gemarkungen wurden nach Gera eingegliedert:

Die Karte mit den Grenzen der Eingemeindungen nach Gera weist einige Abweichungen auf.[4]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Einwohnerentwicklung von Gera

Die Einwohnerzahl der Stadt überschritt um 1959 die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. Vor dem Fall der Mauer 1989 erreichte sie mit etwa 135.000 ihren höchsten Wert. In dieser Zeit war das Neubaugebiet Lusan weitestgehend fertiggestellt, und Bieblach-Ost befand sich im Bau. Seit Anfang der 1990er-Jahre fällt die Bevölkerungszahl rapide ab und liegt derzeit knapp unter 100.000. Sowohl die Prognosen des Thüringer Landesamtes für Statistik auf der Basis der 12. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung, die eigene Bevölkerungs- und Haushalteprognose der Stadt Gera 2009 als auch die Prognose der Bertelsmann-Stiftung gehen davon aus, dass die Bevölkerung bis 2030 um weitere 15 % sinken wird. Der Bevölkerungsrückgang wird dabei weit weniger von Abwanderung bestimmt sein als vielmehr durch eine bereits heute vorhandene Vorprägung bei der Zahl der potentiell familienbildenden jungen Frauen und Männer.

Politik[Bearbeiten]

Rathaus

Historische Entwicklung[Bearbeiten]

An der Spitze der Stadt Gera stand im 13. Jahrhundert ein cultetus des Stifts Quedlinburg, zu dem die Stadt seinerzeit gehörte. 1306 wurde das Schulzenamt den Vögten und Herren von Gera übertragen. Seit 1360 ist ein Rat nachweisbar. Im 15. Jahrhundert gab es mehrere Räte, zu denen jeweils ein Bürgermeister gehörte. Der regierende Rat besorgte die laufende Verwaltung, der sitzende Rat war für die Gerichtsbarkeit zuständig, und der ruhende beziehungsweise alte Rat wurde zu wichtigen Angelegenheiten hinzugezogen. Ab 1618 gab es noch zwei Kollegien, später wieder drei, und gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es zwei Bürgermeister, von denen der juristische Bürgermeister vom Landesherrn eingesetzt wurde. 1832 erhielt Gera eine neue Stadtverfassung. An der Spitze stand danach ein Oberbürgermeister, der ab 1933 von der NSDAP eingesetzt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg bildeten die sowjetischen Besatzer den Rat der Stadt mit einem Oberbürgermeister. Freie Wahlen gab es während der DDR-Zeit nicht.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde das nunmehr als Stadtrat bezeichnete Gremium wieder frei gewählt. Vorsitzender dieses Gremiums ist der „Stadtratsvorsitzende“. Das Gremium wählte anfangs auch den Oberbürgermeister. Seit 1994 wird dieser direkt vom Volk gewählt. Erster direkt gewählter Oberbürgermeister wurde der später parteilose Ralf Rauch (damals SPD). Einige Stadtteile haben außerdem einen Ortsteilbürgermeister, der auch Vorsitzender des Ortsteilrats ist.

In der Stichwahl zum Oberbürgermeisteramt am 6. Mai 2012 wurde die amtierende Leiterin der Geraer Finanzbehörden, Viola Hahn, mit 59,7 Prozent der Stimmen zur neuen und ersten Oberbürgermeisterin der Stadt Gera gewählt. Sie trat ihr Amt am 1. Juli 2012 an und löste darin Norbert Vornehm ab.

Stadtrat[Bearbeiten]

Nach der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 setzt sich der Geraer Stadtrat wie folgt zusammen:

Partei Wahlergebnis Sitze
nach Wahl
Sitze
aktuell
Die Linke 31,6 % 13 13
CDU 24,4 % 10 11
Bürgerschaft Gera 13,9 % 06 06
SPD 09,4 % 04 04
AfG/FWG 08,0 % 03 03
GRÜNE 04,5 % 02 03
NPD 03,8 % 02 02
FDP 02,4 % 01 00
PIRATEN 01,9 % 01 00

(Stand: 2. September 2014)

Ein für die SPD gewählter Stadtrat trat noch vor der konstituierenden Ratssitzung zur Fraktion der Grünen über, so dass nun beide Parteien über je drei Sitze verfügten.[5] Der einzige Stadtrat der FDP schloss sich der CDU-Fraktion an.[6] Ende August 2014 trat der Stadtrat der Piratenpartei der SPD-Fraktion bei, die somit wieder auf vier Mitglieder anwuchs.[7]

Vorsitzender des Stadtrats ist heute Dieter Hausold, Die Linke.

Im Zuge der Wahl 2014 wurde der Geraer Stadtrat von 46 auf 42 Sitze verkleinert.

Ergebnisse der Kommunalwahlen in Gera

Liste der Oberbürgermeister siehe bei Stadtgeschichte von Gera.

Wahlergebnisse[Bearbeiten]

Bei der Thüringer Landtagswahl am 13. Juni 2004 war Gera in zwei Wahlkreise eingeteilt. In beiden siegten die Direktkandidaten der PDS. In Gera II konnte sich dabei Dieter Hausold mit 41,0 % sogar gegen die amtierende Finanzministerin Birgit Diezel (35,8 %) durchsetzen. In Gera I gewann Margit Jung (38,5 %) gegen Bernd Koob (36,6 %), der damit der einzige CDU-Kandidat war, der nicht über einen Listenplatz in den Landtag einziehen konnte. Bei der Landtagswahl 2009 am 30. August konnten Hausold (Erststimmenanteil 39,6 %) und Jung (Erststimmenanteil 36,2 %) ihre Wahlkreise erfolgreich verteidigen.

Auf Bundesebene gehört Gera dem Bundestagswahlkreis Gera – Jena – Saale-Holzland-Kreis an. In der Stadt Gera hatte die Bundestagswahl 2009 folgendes Ergebnis[8] (dahinter kursiv die Ergebnisse aus dem Gesamtwahlkreis[9]):

Partei Direktkandidat Erststimme
Stadt Gera
Zweitstimme
Stadt Gera
Erststimme
Wahlkreis
Zweitstimme
Wahlkreis
SPD Volker Blumentritt 17,0 % 15,6 % 21,3 % 17,2 %
Die Linke Ralph Lenkert 36,9 % 35,4 % 30,4 % 29,9 %
CDU Roland Richwien 29,8 % 26,9 % 28,7 % 27,6 %
FDP Peter Röhlinger 7,5 % 10,2 % 9,7 % 10,3 %
GRÜNE Olaf Möller 5,3 % 5,2 % 7,1 % 8,1 %
NPD Peter Pichl 3,5 % 3,1 % 2,9 % 2,6 %
REP 0,3 % 0,4 %
MLPD 0,1 % 0,1 %
ödp 0,4 % 0,4 %
PIRATEN 2,6 % 3,4 %

Der parteilose Ralph Lenkert wurde somit einer von zwei Kandidaten der Partei Die Linke, die in Thüringen ein Direktmandat gewannen. Von den unterlegenen Direktkandidaten gelang nur Peter Röhlinger der Einzug in den Bundestag über die Landesliste seiner Partei. Bei der Bundestagswahl 2005 hatten im Wahlkreis noch die SPD und ihr Direktkandidat Volker Blumentritt gewonnen. In der Stadt Gera war schon damals die Linkspartei (mit Bodo Ramelow) stärkste Kraft geworden.[10]

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Das Wappen der Stadt Gera ist das der Vögte von Weida, ein Adelswappen mit Schild, Helm und Helmzier. Blasonierung: „Auf gelehntem Dreiecksschild in Schwarz ein doppelschwänziger, rotbewehrter und -bezungter goldener Löwe. Auf dem goldenen Kübelhelm in Seitenansicht mit (beidseitig) schwarz-goldenen Decken acht fächerförmig angeordnete grüne Federn, die rechten vier mit gekerbter Spitze, die linken vier als Pfauenfedern mit doppelten Pfauenaugen in goldener Umrandung und mit roter Pupille an Spitze und Mitte.“ Der Löwe ist der Plauener Löwe; als Wappentier wurde er von den einstigen Territorialherren, den Vögten von Weida übernommen. Er ist bereits seit dem 14. Jahrhundert nachweisbar. Das heutige Wappen wurde zuletzt 1995 in der Hauptsatzung der Stadt Gera festgelegt.

Die Flagge ist schwarz-gold längs gestreift.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Gera unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden Städten:

  • FrankreichFrankreich Saint-Denis (Frankreich), seit 1950
  • BulgarienBulgarien Sliwen (Bulgarien), seit 1965
  • PolenPolen Skierniewice (Polen), seit 1965
  • RusslandRussland Pskow (Russland), seit 1969, erneuert 1996
  • TschechienTschechien Pilsen (Tschechien), seit 1970
  • FinnlandFinnland Kuopio (Finnland), seit 1972
  • NiederlandeNiederlande Arnheim (Niederlande), seit 1987, erneuert 1991
  • RusslandRussland Rostow am Don (Russland), seit 1987
  • DeutschlandDeutschland Nürnberg (Bayern), seit 1988, erneuert 1990 und 1997
  • Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Fort Wayne (Indiana, USA), seit 1992
  • RumänienRumänien Timișoara (Rumänien), seit 1998
  • Bosnien und HerzegowinaBosnien und Herzegowina Goražde (Bosnien und Herzegowina), seit 2002

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Hauptartikel: Sehenswürdigkeiten in Gera

Theater und Kino[Bearbeiten]

Theater in Gera

Die Bühnen der Stadt Gera fusionierten 1996 mit dem Landestheater Altenburg zum Theater Altenburg-Gera. Dieses trägt seit 2006 den Namen Theater & Philharmonie Thüringen; seitdem wird für die Geraer Spielstätten (Großes Haus mit Bühne am Park, Kleines Theater im Zentrum sowie TheaterFABRIK Gera) wieder die Bezeichnung Bühnen der Stadt Gera verwendet.

1938 gab es fünf verschiedene Kinos in Gera, von denen das Palasttheater am Amthordurchgang mit 1150 Plätzen für eine Veranstaltung das größte war.[11] Die beiden nach der Wiedervereinigung noch verbliebenen Kinos schlossen Ende 1997, als die moderne UCI-Kinowelt eröffnet wurde. Im Metropol-Kino finden gelegentlich noch Filmnächte statt.

Bekannt auch über die Stadtgrenzen ist das Kabarett Fettnäppchen direkt unter dem Rathaus.

Größere Veranstaltungen finden im 1981 eröffneten Kultur- und Kongresszentrum Gera im Stadtzentrum statt.

Museen[Bearbeiten]

Gera besitzt vier städtische Museen, die alle in historischen Gebäuden untergebracht sind.

Orangerie
  • Das Stadtmuseum im ehemaligen Zucht- und Waisenhaus, gegründet 1878, beschäftigt sich mit der Stadtgeschichte. Daneben betreibt das Stadtmuseum die Historischen Höhler unter dem Nicolaiberg, wo in den Jahren 1986 bis 1989 zehn der Geraer Höhler der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.
  • Die Kunstsammlung Gera wurde 1972 in der ehemaligen fürstlichen Orangerie eröffnet. 1991 kam das Otto-Dix-Haus hinzu, das anlässlich des 100. Geburtstags des Malers zum zweiten Museum der Geraer Kunstsammlung umgebaut worden war.
  • Im ehemaligen Schreiberschen Haus in der Altstadt befindet sich seit 1956 das Museum für Naturkunde. Weiterhin gehören zum Naturkundemuseum der unter dem Haus befindliche Höhler Nr. 188, in dem Mineralienausstellungen stattfinden, sowie der Botanische Garten.
  • Das Museum für Angewandte Kunst wurde 1984 im ehemaligen Ferberschen Haus eingerichtet.

Seit 2008 laufen die Planungen für ein neues Museum in Gera: Im von David Chipperfield erbauten ehemaligen Gebäude der Landeszentralbank, direkt am Hofwiesenpark in der Nähe der Orangerie gelegen, soll das Kunsthaus Gera entstehen. Mit rund 3000 Quadratmetern Ausstellungsfläche soll es das Kernstück der Kunstsammlung Gera bilden und erstmals auch großflächige Kunstausstellungen in Gera ermöglichen.

Daneben gibt es noch einige kleinere Museen und Sammlungen von Privatleuten oder Unternehmen, wie das Straßenbahnmuseum der Geraer Verkehrsbetrieb GmbH.

Bauwerke[Bearbeiten]

Salvatorkirche

Das historische Zentrum der Stadt bildet bis heute der Markt mit dem 1576 eingeweihten Geraer Rathaus, dem barocken Simsonbrunnen und der Stadtapotheke. Am Stadtgraben sind Reste der Stadtmauer mit Wehrturm erhalten geblieben. Durch mehrfache Zerstörungen und Stadtbrände (1450, 1639, 1686, 1780), das Wachstum der Stadt während der Industrialisierung, die Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs und schließlich die Stadtumbauten in der DDR sind in Gera nur wenige Bauwerke aus der Zeit vor dem 18. Jahrhundert erhalten. Vor allem seit Ende der 1990er-Jahre wurde aber ein Großteil der historischen Bausubstanz im Stadtzentrum und in den angrenzenden Stadtteilen restauriert.

Bekannte historische Kirchengebäude in Gera sind im Stadtzentrum die Salvatorkirche (Barock mit Jugendstil-Interieur), die Johanniskirche (Neogotik) und die Trinitatiskirche (Renaissance, Neogotik) sowie in Untermhaus die Marienkirche (Spätgotik). Bedeutende sakrale Bauwerke in den weiter außerhalb gelegenen Ortsteilen sind die Dorfkirchen von Langenberg (romanisch-gotisch), Kaimberg (barock), Lusan (romanisch-gotisch) und Alt-Taubenpreskeln (gotisch).

Schloss Osterstein

Auf dem Hainberg oberhalb des Stadtteils Untermhaus finden sich der ehemalige romanische Bergfried aus dem 12. Jahrhundert sowie Reste von Wirtschaftsgebäuden und des Schlosshofes des ehemaligen fürstlichen Residenzschlosses von Reuß jüngere Linie (Schloss Osterstein). Vom Bergfried aus bietet sich ein weitreichender Blick über die Stadt Gera und das Kernareal der Bundesgartenschau von 2007 mit dem Hofwiesenpark. Das Schloss Osterstein entwickelte sich heute zu einem beliebten Ausflugsziel und wird oft für kulturelle Ausstellungen genutzt. In Tinz befindet sich ein barockes Wasserschloss von 1745.

Haus Schulenburg

Eine Besonderheit Geras sind die Geraer Höhler. Diese Tiefkeller, also Keller unter den eigentlichen Kellern der Häuser in der historischen Altstadt, entstanden im 17. und 18. Jahrhundert. Hier wurde das von den Bürgern gebraute Bier gelagert. Nach dem damaligen Stadtrecht war das Braurecht an Hausbesitz innerhalb der Stadt gekoppelt. Die Höhler waren nicht miteinander verbunden und nur vom Haus bzw. Keller darüber zugänglich. Später gerieten die Höhler in Vergessenheit. Einige von ihnen wurden im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker genutzt und im Zuge dessen miteinander verbunden.

Bekannt ist Gera vor allem auch für die durch die einstige Bedeutung als Industriestadt bedingte hohe Anzahl von Villen. Sie sind vor allem nördlich und westlich des Stadtzentrums in den Stadtteilen Untermhaus und Heinrichsgrün sowie im Bereich Berliner Straße/Friedrich-Engels-Straße zu finden. Besonders bekannt sind beispielsweise das Haus Schulenburg von Henry van de Velde und die Villa Jahr.

Auffälligstes Bauwerk und somit einprägsame Landmarke waren über Jahre die 3 Essen des ehemaligen Heizkraftwerks Gera-Nord. Bis Ende 2010 waren sie vollständig abgerissen. An sie erinnert heute ein 30 m hohes Fassadenbild an der Giebelseite eines elfgeschossigen Wohnhauses in der Berliner Straße.

Parks und Gärten[Bearbeiten]

Parkeisenbahn im Tierpark Gera
Der Dahliengarten zur Zeit der herbstlichen Dahlienbepflanzung (Okt. 2007)

Im Stadtteil Debschwitz findet sich der Tierpark Gera, der größte Waldzoo Ostthüringens und einer der größten Zoos in Thüringen. Er zeigt auf einem etwa 20 Hektar großen Gelände über 500 Tiere aus über 80 Tierarten. Attraktionen des Tierparks sind das begehbare Affengehege und die Parkeisenbahn, eine kleine Eisenbahn mit rund 800 m Streckenlänge vom Bahnhof Martinsgrund am Tierparkeingang bis zum Bahnhof Wolfsgehege im oberen Teil des Tierparks.

Blick auf die BUGA 07 im Hofwiesenpark Gera

Im Zuge der Bundesgartenschau entstand mit dem als Hauptausstellungsbereich dienenden Hofwiesenpark ein großer zentrumsnaher attraktiver Stadtpark, in den auch das ehemalige Sommerbad sowie die Villa Jahr einbezogen worden waren. Durch ein Band von neu gestalteten Grün- und Gewerbeflächen war er mit der zweiten Ausstellungsfläche, der Neuen Landschaft Ronneburg, verbunden. Darüber hinaus verfügt die Stadt mit dem Küchengarten, einem barocken Lustgarten zwischen Orangerie und Theater, sowie dem Dahliengarten, einem Schaugarten für Dahlien, und den Botanischen Garten über weitere beliebte innerstädtische Grünanlagen.

Sport[Bearbeiten]

Panndorfhalle

Die großen Sportanlagen Geras konzentrieren sich hauptsächlich auf die früheren „Hofwiesen“ an der Weißen Elster zwischen dem Stadtzentrum und den Stadtteilen Heinrichsgrün und Untermhaus. Hier befinden sich das Stadion der Freundschaft, das Hofwiesenbad (Hallen-Freizeit-Bad), eine Rollhockey-Arena sowie die im Jahre 2005 grundlegend sanierten Tennisplätze des TC 90 Gera. Im Jahre 2004 wurde eine neue Vierfelder-Sporthalle fertiggestellt, welche die alte Panndorfhalle ersetzt. Der Name wurde beibehalten.

Das am Südende des Hofwiesenparks gelegene Sommerbad musste wegen Baufälligkeit geschlossen werden und wurde in das Ausstellungsgelände der Bundesgartenschau 2007 integriert. Naturbäder befinden sich derzeit nur noch außerhalb des Stadtzentrums in den Stadtteilen Kaimberg und Aga.

Weitere kleinere Sportanlagen sind über die ganze Stadt verteilt. Nennenswert sind das traditionsreiche Stadion am Steg, das Reitstadion in Milbitz, das Zwötzener Karl-Harnisch-Stadion und die Rollschnelllaufbahn im Gelände des früheren Heizkraftwerkes.

Stadion der Freundschaft, Leichtathletik- und Fußballstadion
Textimasteg am Hofwiesenpark
Fußgängerbrücke am Elster-Radweg im Norden Geras

Der führende Fußballverein Geras ist die BSG Wismut Gera in der Thüringenliga. Der in der Vergangenheit erfolgreichste Verein der Stadt spielte bis 1996 sowie in der Saison 1999/2000 in der NOFV-Oberliga, musste sich nach einem Konkursverfahren jedoch im Jahre 2003 bis in die Bezirksliga zurückziehen. Seit 2008 spielt die 1. Mannschaft wieder in der Thüringenliga. Der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte ist bis heute der 2. Platz der Vorgängermannschaft BSG Gera-Süd, die im Finale um den FDGB-Pokal 1949 nur knapp Waggonbau Dessau unterlag. 2007 schloss sich die Fußballabteilung des in 1. SV Gera rückbenannten Vereins dem neu gegründeten FV Gera Süd an. Nach einem Beschluss der Mitgliederversammlung vom 3. Juni 2009 startet der Verein seit dem Beginn der Saison 2009/2010 wieder unter dem Traditionsnamen BSG Wismut Gera und spielt ab der Saison 2012/2013 wieder im Stadion der Freundschaft.

Bis zum Januar 2012 spielte mit dem 1. FC Gera 03 ein weiterer Verein temporär in der NOFV-Oberliga. Dieser Verein entstand im Jahre 2003 durch den Zusammenschluss der Fußballabteilungen des TSV 1880 Gera-Zwötzen und des SV 1861 Liebschwitz. 2007 gelang dem Verein der Gewinn des thüringer Landespokals. Der Aufenthalt in der Oberliga währte insgesamt nur kurz, denn die Geschichte des Vereins wurde durch mehrere Insolvenzanträge begleitet, die letztlich in einem Rückzug der 1. Männermannschaft während der laufenden Saison 2011/2012 gipfelten.

Der früher ebenfalls erfolgreiche Fußballverein Dynamo Gera zog bereits nach der Saison 1989/90 seine Mannschaften vom Spielbetrieb zurück. Alle anderen Vereine Geras spielen auf Bezirks- und Stadtebene.

Die Frauenmannschaft des FFC Gera vertritt die Stadt in der höchsten Landesspielklasse, der Thüringenliga. Als Fusion der Frauenfußballabteilungen der BSG Wismut Gera und des 1. FC Gera 03 spielt die Mannschaft in der Tradition des TSV Modedruck/1880 Gera-Zwötzen, der über viele Jahre überregional in der Regionalliga Nordost vertreten war.

Im Bereich Handball sich der Post SV Gera mit einer guten Jugendförderung einen Namen gemacht. Die 1. Männermannschaft spielt derzeit in der Landesliga Thüringen.

Eine der bedeutendsten Sportarten Geras ist seit vielen Jahren der Radsport. Zwischen 1967 und 2001 war die Stadt 14-mal Etappenort der Internationalen Friedensfahrt. Gera verfügt ebenso eine Radbahn aus den 1950er-Jahren. In der Umgebung Geras findet außerdem jährlich eines der bedeutendsten Straßenradrennen für Frauen statt, die Internationale Thüringen-Rundfahrt. Besonders durch zahlreiche Weltmeisterschaftsteilnahmen und den Erfolg der Juniorenmannschaften (LV Team HFB Gera) ist der Geraer Radsport bekannt. Aus der Stadt stammen bedeutende ehemalige Radrennfahrer wie Olaf Ludwig, Hanka Kupfernagel oder Jens Heppner. Mit dem SSV Gera 1990 e. V. verfügt die Stadt weiterhin über einen der erfolgreichsten Radsportvereine im Bund Deutscher Radfahrer, der auf eine lange Tradition zurückblicken kann.

Das Reitstadion Gera-Milbitz ist ein Zentrum des Reitsports in Deutschland. Bereits viermal war Gera Ausrichter der Deutschen Meisterschaften im Dressur- und Springreiten.

Die Geraer Speedskater des RSV Blau-Weiß Gera gehören zur internationalen Spitze; 2008 richtete die Stadt die Speedskating-Europameisterschaft aus.

Auch ist Gera mit dem Flugplatz Gera-Leumnitz ein Zentrum des Fallschirmspringens. 2006 fand die Weltmeisterschaft im Fallschirmspringen in Gera statt.

Der Elster-Radweg verläuft von Süden nach Norden durch die Stadt.

In der Stadt hat auch die Sportwetten Gera GmbH ihren Sitz, die durch Bandenwerbung bei zahlreichen sportlichen Großereignissen auf sich aufmerksam macht und einer der größten Wettanbieter in Deutschland ist. Die Lizenz zum Anbieten von Sportwetten, die das Unternehmen zusammen mit weiteren Anbietern im Mai 1990 noch nach DDR-Recht erhielt, bot schon häufiger Anlass zu Kontroversen über ihre Gültigkeit. In einem Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 22. Juni 2006 bekräftigte das Gericht einerseits die Gültigkeit der Lizenz für die neuen Bundesländer, erklärte aber Aktivitäten dieser Firmen in den alten Bundesländern für illegal, weil diese dort gegen das staatliche Wettmonopol verstoßen. Am 19. August 2009 gab das Unternehmen auf seiner Internetseite bekannt, künftig keine Wetten mehr im Internet anzunehmen bzw. anzubieten.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Geras Innenstadt beim Höhlerfest 2007

Im Lauf des Jahres finden in Gera verschiedene Kunst- und Kulturfestivals statt. Eine der überregional bekanntesten Veranstaltungen ist das Deutsche Kinder-Medien-Festival Goldener Spatz, das seit 1979 und seit 2003 gemeinsam mit Erfurt veranstaltet wird. Verwandte Veranstaltungen sind die video/film tage Rheinland-Pfalz/Thüringen, die abwechselnd in Gera und Koblenz stattfinden, und die Messe GERAmedia mit Symposium und Events am Medienstandort Thüringen.

Die Stadt vergibt zweijährlich den Aenne-Biermann-Preis.

Das internationale Feuerwerksfestival Flammende Sterne findet seit 2005 jährlich auch in Gera auf dem Flugplatz Gera-Leumnitz statt. Seit 1979 finden jährlich im März die Geraer Ballett-Tage statt. Als „Alles Theater“ werden die Theatertage in Gera bezeichnet. Im Rahmen der Museumsnacht öffnen die Museen der Stadt an einer Nacht im September ihre Pforten. Im Mai findet jährlich eine Tierpark-Safari statt.

Von 2006 bis 2009 fand mit dem GERiljA-Festival ein überregionales Amateurbandfestival für Nachwuchsbands statt. Seit 2003 wird das Neonazi-Festival Rock für Deutschland veranstaltet.

Saisonale Stadtfeste sind das Hofwiesenparkfest am letzten Aprilwochenende, das etwa zeitgleich stattfindende Frühlingsvolksfest, das Kinder- und Familienfest „Sommernachtstraum“ (Stadtparkfest) Ende Mai oder Anfang Juni, das Tierpark- und Dahlienfest im September, das Höhlerfest und das Herbstvolksfest im Oktober sowie der Geraer Märchenmarkt genannte Weihnachtsmarkt. Gera-Lusan hat mit dem alle zwei Jahre stattfindenden Lusanfest ein eigenes Stadtteilfest.

Die Eis-Arena-Gera ist eine 900 m² große Eisbahn auf dem zentralen Platz, die jedes Jahr von Anfang Dezember bis Mitte Februar genutzt werden kann.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Gera liegt mitten im „thüringischen Schwarzbierland“ und hat mit der Köstritzer Brauerei im Nachbarort Bad Köstritz die größte und bedeutendste deutsche Schwarzbierbrauerei. Typisch sind ferner die Thüringer Rostbratwürste (kurz: Roster) sowie die Thüringer Klöße. Wirklich typisch für Gera ist aber die Gersche Fettbemme – eine Brotscheibe (Bemme), bestrichen mit Schmalz. Die echten Geraer (Gersche) werden ihretwegen auch „Gersche Fettguschen“ genannt. Eine Anspielung früherer Zeit, auf den meist leicht fettigen Rand um den Mund, der entsteht, wenn man herzhaft in die Bemme hineinbeißt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Autobahnbrücke Thieschitz an der A 4

Durch das nördliche Stadtgebiet führt in West-Ost-Richtung die Bundesautobahn A 4 (Aachen-Görlitz) mit den Anschlussstellen Gera-Langenberg und Gera-Leumnitz. Die dazwischen liegende Anschlussstelle Geraer Kreuz wurde am 21. April 2007 durch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) für den Verkehr freigegeben. Ferner führen die Bundesstraßen B 2, B 7 und B 92 durch Gera. Vor der Kommunalwahl 2004 wurde der Bau einer östlichen Umfahrung der Stadt beschlossen, die im Norden der Stadt beim Stadtteil Cretzschwitz von der B 2 abzweigt, dann die A 4 bei der neuen Anschlussstelle Gera quert und schließlich beim Stadtteil Leumnitz in die Südosttangente mündet. Die Übergabe der Umgehungsstraße erfolgte 2007 zusammen mit dem Geraer Kreuz. Weitere Straßenneubauten wurden in Zusammenhang mit der Bundesgartenschau 2007 im Stadtzentrum vorgenommen. Die Länge des Straßennetzes in Gera beträgt 507 km. Derzeit sind in Gera etwa 56.000 Kraftfahrzeuge zugelassen.

Gera ist Teil der FerienstraßeReußische Fürstenstraße“.

In Gera befinden sich sechs Bahnhöfe bzw. Haltepunkte, die jedoch bis auf den Hauptbahnhof, den Bahnhof Gera Süd und den Bahnhof Gera Zwötzen nur von Regionalbahnen angefahren werden. Am Bahnhof Langenberg halten Regionalbahnen von/nach Leipzig und an den Bahnhöfen Gera-Ost (ehemals Zwötzen-Ost) sowie Liebschwitz die Vogtlandbahn auf Bedarf. Der Bahnhof Thieschitz wurde bereits 1996 aufgegeben, Gera-Gessental folgte mit dem Fahrplanwechsel zum Dezember 2010. Von 1901 bis 1969 verkehrte von Gera nach Wuitz-Mumsdorf bei Meuselwitz die meterspurige Gera-Meuselwitz-Wuitzer Eisenbahn, die neben dem Ausgangsbahnhof in Pforten auf dem heutigen Stadtgebiet auch Zwischenstationen in Leumnitz und Trebnitz besaß.

Gera ist derzeit nach Remscheid im Bergischen Land die zweitgrößte deutsche Stadt ohne elektrifizierten Bahnanschluss sowie eine der deutschen Mittelstädte ohne Fernverkehrsanbindung. 2002 nahm der InterConnex von Gera über Berlin nach Rostock den Betrieb auf, stellte diesen allerdings zum 10. Dezember 2006 wieder ein. Regional-Express-Linien fahren bis Hof und Göttingen, außerdem im dichten Taktverkehr (Einstundentakt) zu den nahe gelegenen ICE-Haltepunkten Leipzig, Jena und Saalfeld. Die Regionalexpress-Linie aus Göttingen führt nach Osten bis Gößnitz. Dort werden die zwei eingesetzten Triebwagen der Baureihe 612 getrennt und fahren anschließend separat nach Zwickau und Glauchau weiter. Seit Einstellung der Direktverbindung infolge der Mittelkürzungen durch den Freistaat Sachsen im Dezember 2011[12] besteht in Glauchau Anschluss an die Regionalbahnen von und nach Chemnitz.

Am 1. Oktober 2012 nahm Berlin Linien Bus eine Direktverbindung nach Frankfurt am Main auf. Dieser Vorlaufbetrieb soll noch im Fahrplan 2012/2013 bis Dresden durchgebunden werden.

Folgende Nahverkehrslinien des Landes Thüringen verkehren in Gera:
Stand 2012.

Im Osten der Stadt befindet sich der Flugverkehrslandeplatz Gera-Leumnitz für eine maximale Abflugmasse von 5,7 t, der auch zum Sportfliegen genutzt wird. Die Flughäfen Leipzig/Halle, Erfurt und Hof/Plauen sind alle etwa 90 Kilometer entfernt. Der nächstgelegene Flughafen ist Leipzig-Altenburg in etwa 40 Kilometern Entfernung, der seit März 2011 jedoch nicht mehr von Linienflügen bedient wird.

Zentrale Umsteigehaltestelle Heinrichstraße des ÖPNV

Den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bedienen drei Straßenbahnlinien (Stadtbahnlinien) sowie 20 Buslinien der Geraer Verkehrsbetrieb GmbH (GVB). Von 1939 bis 1977 verkehrte auch ein Oberleitungsbus. Die Linien des GVB fahren ausschließlich Ziele innerhalb des Stadtgebietes an, mit Ausnahme der Linie 18 (Gemeinde Kauern) und der Linie 20 (Gemeinde Kraftsdorf). Die Busse in der Innenstadt sowie die Straßenbahnlinie 2 fahren im 30-Minuten-Takt (durch Linienüberlagerung bei den Bussen teilweise alle 7,5 oder 15 Minuten), im Ergänzungsnetz im 60-Minuten-Takt, die Stadtbahnlinie 1 im 10-Minuten-Takt, die Linie 3 im 5-Minuten-Takt. Die gegenwärtige Länge des Straßenbahnnetzes beträgt 20,1 km, die gegenwärtige Länge des Busnetzes 235,4 km. In Gera befinden sich 234 Haltestellen. Die Gesellschaft befördert täglich etwa 60.500 Personen. Im Jahre 2010 hat der GVB 18 Mio. Fahrgäste gezählt. Als Besonderheit verkehren die sogenannte „Spatzenbahn“ für Kinder und die „Partybahn“ nach einem festen Fahrplan.

Daneben wird Gera auch von den Regionalbuslinien der Verkehrsgemeinschaft Landkreis Greiz und einigen weiteren Gesellschaften angefahren. Während die zentrale Umsteigestelle des Stadtverkehrs die Haltestelle Heinrichstraße ist, fahren die Regionalbusse vom Busbahnhof neben dem Hauptbahnhof ab, wobei einige auch an der Heinrichstraße und anderen wichtigen Verknüpfungspunkten halten.

Im Dezember 2010 wurde Gera Teil des Verkehrsverbundes Mittelthüringen.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Gera-Arcaden, das größte Einkaufszentrum der Stadt

Traditionell waren die meisten Industriebetriebe im Süden der Stadt angesiedelt, nach 1945 kam im Norden an der Autobahn ein neues Industriegebiet hinzu.[13] Die wichtigsten Wirtschaftszweige vor 1990 haben in Gera heute nur noch eine geringe oder gar keine Bedeutung: Werkzeugmaschinenbau (VEB Wema Union), Textilindustrie (VEB Modedruck), Textilmaschinenbau (VEB Textima), Elektronik und Gerätebau (VEB Elektronik Gera) existieren nicht mehr oder nur in stark verkleinerter Form. Außerdem gab es in Gera Außenstellen des VEB Carl Zeiss Jena sowie eine Brauerei. Ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor war auch der Uranerzbergbau der SDAG Wismut im benachbarten Ronneburg. Ab 1990 fielen auch in Gera zahlreiche Arbeitsplätze weg. Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresdurchschnitt 2011 12,4 %.[14]

Das produzierende Gewerbe in der Stadt prägen heute Dagro Eissmann Automotive GmbH, Iseo Deutschland GmbH, POG-Präzisionsoptik Gera GmbH, Electronicon Kondensatoren GmbH sowie Othüna (Margarineherstellung), außerdem das Kompressorenwerk Kaeser, SMK-Präzisionsmechanik und eine Niederlassung von Max Bögl. 2008 eröffnete D+S Europe ein größeres Servicezentrum mit inzwischen mehreren hundert Mitarbeitern, Rittal verlagerte sein Liefer- und Infozentrum vom benachbarten Bad Köstritz nach Gera. 2012 eröffnete die Lidl Stiftung & Co. KG in Gera ein neu gebautes Zentrallager für Thüringen und Sachsen.

Neues Bettenhaus des Waldklinikums

Im Einzugsbereich des Ostthüringer Oberzentrums leben etwa 450.000 Menschen; dadurch hat Gera eine regionale Bedeutung als Einkaufsstadt. Seit Ende der 1990er-Jahre entstanden im Zentrum der Stadt drei große Einkaufszentren (1998: Gera-Arcaden, 2000: Amthor-Passage, 2003: Elster-Forum).

Das privat betriebene SRH Waldklinikum ist ein Haus der Schwerpunktversorgung und Lehrkrankenhaus der Universität Jena. Es gehört mit seinen mehr als 1700 Mitarbeitern zu den größten Arbeitgebern der Stadt und liegt in exponierter Lage inmitten des Stadtwaldes von Gera. Bis 2013 wurde es als größtes Klinikbauprojekt in den neuen Ländern seit der Wende saniert. Die Gestaltung als Kulturkrankenhaus ist ein weiteres Alleinstellungsmerkmal. Das Waldklinikum betreibt die einzige private Hochschule in Gera.

Die Stadt ist außerdem Mitglied des bundesweiten Gesunde Städte-Netzwerks.

Medien[Bearbeiten]

In Gera erscheinen als Tageszeitungen die Ostthüringer Zeitung und die Thüringischen Landeszeitung (TLZ), die einen gemeinsamen Lokalteil für die Stadt produzieren. Beide Zeitungen werden von der Zeitungsgruppe Thüringen herausgegeben, die zur Essener WAZ-Mediengruppe gehört. Andere regionale Tages- wie auch Boulevardzeitungen konnten sich nicht am Markt halten. Somit fehlt der drittgrößten Stadt Thüringens eine pluralistische Presselandschaft.

Der MDR unterhält in Gera ein Rundfunkstudio. Von 1992 bis 1994 befand sich das Landesfunkhaus Thüringen des MDR-Fernsehens in der Hermann-Drechsler-Straße in Gera-Untermhaus (heutige Kammerspiele). Das Thüringer Privatradio Antenne Thüringen betreibt das Lokalstudio für Ostthüringen in Gera.

Lokale Fernsehsender sind Ostthüringen TV und der von der Thüringer Landesmedienanstalt finanzierte Offene Kanal Gera (OKG). Ein Bestandteil des OKG ist das PiXEL-Fernsehen, der zu seiner Gründung deutschlandweit einzige Offene Kanal für Kinder und Jugendliche. Mittlerweile sind Kinder und Jugendliche fester Bestandteil in fast allen Offenen Kanälen.

In Gera gibt die Zeitungsgruppe Thüringen das wöchentlich erscheinende Anzeigenblatt Allgemeiner Anzeiger als Lokalausgabe für Gera heraus. Seit rund zehn Jahren erscheint in Gera die Wochenzeitung Neues Gera als einzige konzernunabhängige Zeitung, herausgegeben vom Verlag Dr. Frank GmbH. Sie hat neben einem hohen Anzeigenanteil auch einen großen redaktionellen Teil mit Informationen ausschließlich aus Gera.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Amtsgericht

Gera ist Sitz eines Amtsgerichtes und eines Landgerichtes sowie eines Arbeitsgerichtes und eines Verwaltungsgerichtes. Die beiden erstgenannten Gerichte sind wesentlicher Bestandteil des am 22. April 2010 eingeweihten Justizzentrums Gera, das sich im Zentrum der Stadt im Quartier der Amthorstraße/Schloßstraße/Rudolf-Diener-Straße befindet. Zudem beherbergt Gera eine von sieben Thüringer Justizvollzugsanstalten.

In Gera befindet sich seit Januar 1999 eine der vier Dienststellen der Deutschen Rentenversicherung Bund (früher BfA) neben Berlin, Stralsund und Brandenburg an der Havel mit derzeit etwa 750 Beschäftigten. In direkter Lage am Hauptbahnhof befinden sich ein Standort des Bundesamtes für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen und die Bezirksverwaltung der Bergbau-Berufsgenossenschaft.

An Körperschaften des öffentlichen Rechts gibt es die Industrie- und Handelskammer Ostthüringen zu Gera sowie die Handwerkskammer für Ostthüringen.

Gera hat eine lange Tradition als Garnisonsstadt. 1905 bildeten die Verbände der beiden Reuß zusammen mit den Truppen des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt das 7. thüringische Infanterieregiment Nr. 96. 1961 wurde in Gera das Pionierregiment 3 der NVA stationiert. 1991 wurde das Pionierbataillon 701 der Bundeswehr aufgestellt, das in der Pionierkaserne Gera-Hain stationiert ist.

Eine besondere Einrichtung ist die Jugendstation Gera. In einem eigenen Gebäude arbeiten Polizei, Jugendgerichtshilfe und Staatsanwaltschaft unter einem Dach zusammen. Ziel dieser behördenübergreifenden Zusammenarbeit ist eine angemessene Reaktion auf die Straftaten junger Menschen. Diese Reaktion kann in der Jugendstation Gera zeitnah, erzieherisch und präventiv erfolgen und ist Teil der Kriminalprävention.

Bildung[Bearbeiten]

In Gera existieren 44 allgemeinbildende bzw. berufsbildende Schulen.[15]

Von den ursprünglich sechs städtischen Gymnasien sind seit dem Schuljahr 2007/08 nur noch drei vorhanden: das Goethe-Gymnasium/Rutheneum seit 1608 mit eigenen Spezialklassen für Musik und das Zabel-Gymnasium im Stadtzentrum sowie das Karl-Theodor-Liebe-Gymnasium im Stadtteil Bieblach. Das Georg-Christoph-Lichtenberg-Gymnasium wurde 2005 geschlossen, das Albert-Schweitzer-Gymnasium 2007. Das ehemalige Friedrich-Schiller-Gymnasium wurde 2002 mit dem Zabel-Gymnasium vereinigt. Ein viertes Gymnasium, das Osterlandgymnasium, befindet sich zwar ebenfalls in Gera, gehört aber dem Landkreis Greiz und wird daher vorwiegend von Schülern aus dem Umland besucht. Als eine von nur drei Städten Thüringens verfügt Gera über eine Integrierte Gesamtschule.

Außerdem existieren in Gera in privater Trägerschaft mit besonderen Konzeptionen eine Grundschule (BIP Kreativitätsgrundschule Gera), eine Gesamtschule (Freie Waldorfschule Gera), eine freie Regelschule und eine Förderschule (Schule zur individuellen Lebensbewältigung).[15][16]

Neben einer Volkshochschule existieren in Gera außerdem eine Berufsakademie und das Staatliche Studienseminar für Lehrerausbildung. Im Frühjahr 2007 ging die private SRH Fachhochschule für Gesundheit Gera in Betrieb. An ihr können seit dem Wintersemester 2007/2008 die Studiengänge Physiotherapie, Ergotherapie, Interdisziplinäre Frühförderung sowie Medizinpädagogik belegt werden. Trotz ihres Status als zweitgrößte Stadt in Thüringen verwehrte das Kultusministerium Gera bisher jedoch die Ansiedelung einer staatlichen Universität oder Fachhochschule.

In Gera gibt es mehrere höhere Berufsfachschulen. Im Bildungswerk Kaimberg (befindet sich im gleichnamigen Stadtteil) werden Sozialassistenten, Erzieher, Heilerziehungspfleger und Altenpfleger ausgebildet; zudem werden Fortbildungen zum Heilpädagogen angeboten. In der Friedericistraße befindet sich ein Standort der Grundig Akademie für Wirtschaft und Technik gemeinnützige Stiftung e. V.. Hier finden unter anderem Ausbildungen im kaufmännischen Bereich, im IT-Bereich und im Bereich der Automatisierung statt.

Die Stadt- und Regionalbibliothek mit einer Haupt- und zwei Zweigstellen im Stadtgebiet bietet ein umfangreiches Angebot an Literatur.

Im Stadtteil Ernsee befindet sich ein Jugend-Waldheim als Walderlebnis-Schule.[17]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger seit 1945[Bearbeiten]

Otto Dix im Selbstporträt, 1926
Für detaillierte Informationen siehe: Liste der Ehrenbürger von Gera.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der Söhne und Töchter der Stadt Gera.

Die nachfolgenden Personen wurden in Gera geboren und sind nachfolgend chronologisch nach ihrem Geburtsjahr aufgelistet, unabhängig von ihrem späteren Wirkungskreis.

Persönlichkeiten, die vor Ort wirken oder gewirkt haben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gera – Geschichte der Stadt in Wort und Bild. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1987, ISBN 3-326-00225-4.
  • Klaus Brodale, Heidrun Friedemann: Das war das 20. Jahrhundert in Gera. Wartberg, Gudensberg-Gleichen 2002, ISBN 3-8313-1273-7.
  • Klaus Brodale, Frank Rüdiger: Historische Fotografie in Gera. Wartberg, Gudensberg-Gleichen 1991, ISBN 3-925277-70-6.
  • Ferdinand Hahn: Geschichte von Gera und dessen nächster Umgebung. Erster Theil. Gera 1855 (Digitalisat)
  • Anja Löffler: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland - Kulturdenkmale in Thüringen (Band 3). Stadt Gera. E. Reinhold Verlag, Altenburg 2007, ISBN 978-3-937940-33-5.
  • Siegfried Mues: Gera. Aus Vergangenheit und Gegenwart. Teil 2, Gera-Information, Gera 1988.
  • Christel Runge: Das alte Gera. Geschichten von 999 bis 1914. Sutton, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-114-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gera – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Gera – in den Nachrichten
 Wikivoyage: Gera – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Günter Sagan: Ostthüringen im Bombenkrieg 1939–1945. Michael-Imhof-Verlag, Petersberg 2013, ISBN 978-3-86568-636-7, S. 188.
  3. Der Schrei nach Freiheit. 17. Juni 1953 in Thüringen. Ausstellung der Stiftung Ettersberg im Thüringer Landtag im Juni 2012
  4. Karte der Thüringer Landesanstalt für Umwelt mit Grenzen und Daten, (PDF,  92 kB)
  5. SPD-Schwund in Gera hält an: Thomas Weil wechselt zu den Grünen. Ostthüringer Zeitung, 4. Juni 2014, abgerufen am 4. Juni 2014.
  6. Hans-Jörg Dannenberg führt CDU-Fraktion im Stadtrat Gera. Ostthüringer Zeitung, 6. Juni 2014, abgerufen am 7. Juni 2014.
  7. Sylvia Eigenrauch: Pirat Uwe Rüdiger schließt sich der SPD-Fraktion an, Ostthüringer Zeitung, Lokalausgabe Gera, 30. August 2014.
  8. Amtliches Endergebnis für die kreisfreie Stadt Gera beim Landeswahlleiter Thüringen
  9. Amtliches Endergebnis für den Bundestagswahlkreis 194 beim Landeswahlleiter Thüringen
  10. Amtliches Endergebnis für die kreisfreie Stadt Gera beim Landeswahlleiter Thüringen
  11. Gera Chronik. Abgerufen am 21. Oktober 2012.
  12. Ralf Julke: Sachsens Sparwut zeitigt Folgen: Thüringer Landesregierung protestiert gegen Kappung der Schienenanbindung. Leipziger Internetzeitung, 17. März 2011. Abgerufen am 3. Januar 2012.
  13.  Manfred Bensing, Karlheinz Blaschke, Karl Czok, Gerhard Kehrer, Heinz Machatscheck, Heinz Göschel (Hrsg.): Lexikon Städte und Wappen der DDR. 2. neubearb. und erw. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig Juli 1984, S. 149.
  14. Kreisfreie Stadt: Stadt Gera. Thüringer Landesamt für Statistik, abgerufen am 16. August 2012 (Arbeitslosenquote bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen).
  15. a b Schulen in Gera. Stadt Gera, abgerufen am 21. Oktober 2012.
  16. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatFreie Regelschule Gera. Abgerufen am 30. April 2014.
  17. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWaldpädagogik und Jugendwaldheime (Thüringen). In: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Onlinemagazin. Abgerufen am 16. Juni 2010.