Gerald D. Feldman

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Gerald D. Feldman (* 24. April 1937 in New York City; † 31. Oktober 2007) war ein amerikanischer Historiker. Sein Schwerpunkt war die deutsche Wirtschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Von Bedeutung war er als Autor ebenso wie als Koordinator größerer wissenschaftlicher Projekte.

Leben[Bearbeiten]

Feldman stammte aus einer jüdischen Familie, die bereits vor dem Ersten Weltkrieg aus Osteuropa in die USA ausgewandert war. Feldman selbst hat sich zeit seines Lebens als jüdischer Amerikaner betrachtet, auch wenn er die Religion und ihre Speisevorschriften nicht praktiziert hatte.

Mit Hilfe eines Stipendiums begann er seine Studien am Columbia College in New York und ging später an die Harvard University. Nach einem Forschungsaufenthalt in Deutschland promovierte Feldman 1964. Bereits seit 1963 unterrichtete er an der University of California, Berkeley. Dort hatte er schließlich eine ordentliche Professur inne. Später übernahm er die Jane K. Sather-Stiftungsprofessur. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2007 unterrichtete er in Berkeley.

Unterbrochen wurde die Lehrtätigkeit von zahlreichen Forschungsaufenthalten und Gastprofessuren in Deutschland und Österreich.

Für seine Arbeit erhielt er unter anderem das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Feldman war korrespondierendes Mitglied der bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Werk[Bearbeiten]

Forschungen zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte[Bearbeiten]

Seine Dissertation war dem Beziehungsgeflecht von Armee, Industrie und Arbeiterbewegung im Deutschen Kaiserreich während des ersten Weltkrieges gewidmet. Diese Pionierarbeit war eine politisch orientierte Wirtschafts- und Sozialgeschichte Deutschlands dieser Zeit.

Die Arbeit war zentral für die beginnende Erforschung der deutschen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte im ersten Weltkrieg und den Nachkriegsjahren. Feldman selbst hat zur Weiterentwicklung der Forschung maßgeblich beigetragen. Bei der wichtigen Konferenz „Industrielles System und politische Entwicklung in der Weimarer Republik“ 1973 in Bochum war er Berichterstatter für den Bereich Sozialpolitik und soziale Konflikte. Er selbst lieferte einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Demobilisierung.

Im Jahr 1977 veröffentlichte Feldman seine zweite große Monographie über die deutsche Montanindustrie während der Inflation zwischen 1916 und 1923.

Feldman nutzte die Methode eines kritischen Empirismus. Wichtig waren ihm eine dichte Beschreibung und eine gute Quellenarbeit. Auf dieser Basis versuchter er, Theorien oder Konzepte zu verifizieren oder zu widerlegen. Feldman gelang es vielfach, neue Quellen etwa in den Archiven der großen Unternehmen zu erschließen.

Er war zusammen mit Otto Büsch die treibende Kraft hinter der Tagung von 1976 über „Historische Prozesse der deutschen Inflation 1914-1924.“ Von ihm ging ganz wesentlich, das langfristig angelegte Forschungsprogramm zur Erforschung der Inflation aus. Feldman war ein Mitglied des Lenkungsausschusses des Projektes. Zusammen mit den anderen Mitgliedern des Ausschusses gab Feldman in verschiedenen Sammelbändern Erträge der Inflationsforschung heraus, so 1984 zusammen mit William J. Bouwsma den zweisprachigen Band The Experience of Inflation: International and Comparative Studies/Die Erfahrung der Inflation im internationalen Zusammenhang und Vergleich.

Gewissermaßen als Quintessenz erschien 1993 das Buch „The great Disorder.“ Dies war auf 1000 Seiten der Versuch, eine umfassende politische, soziale und wirtschaftliche Geschichte der deutschen Inflationszeit zu schreiben.

Zusammen mit Carl-Ludwig Holtfrerich, Gerhard A. Ritter und Peter-Christian Witt war Feldman in den 1980er Jahren Herausgeber der Beiträge zu Inflation und Wiederaufbau in Deutschland und Europa 1914-1924.

Unternehmer- und Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Später veröffentlichte Feldman eine Biographie über Hugo Stinnes, einen der wirtschaftlichen Hauptakteure während der Inflation. Das Buch bedeutete innerhalb von Feldmans Werk einen gewissen Wandel. An die Stelle der allgemeinen Wirtschafts-, Sozial- und Politikgeschichte traten nunmehr verstärkt die Unternehmer- und Unternehmensgeschichte. An der Entwicklung einer neuen Form der Unternehmensgeschichte war Feldman maßgeblich beteiligt. Bisher entstanden größere Werke meist als Festschriften der Unternehmen, häufig von Nichthistorikern verfasst und auf selektiv zur Verfügung gestellten Quellen beruhend. Nicht selten sparten die Arbeiten strittige Phasen aus.

Als Feldman seit 1989 die Idee zu einer Geschichte der Deutschen Bank den Führungsgremien des Hauses vortrug, beharrte er auf unbeschränkten Quellenzugang und auf einer völligen Unabhängigkeit der Autoren. Feldman selbst übernahm die Geschichte der Bank von 1914 bis 1933. Feldman war auch Koordinator des Projekts. In Hinblick auf den Nationalsozialismus zeigte sich, dass der Konzern vor 1932 keine engeren Beziehungen zur NSDAP gesucht hatte, zur Verteidigung der Republik hat die Bank allerdings auch nicht beigetragen.

Vor dem Hintergrund von Presseberichten über die Verstrickung des Allianzkonzerns in die Verbrechen des Nationalsozialismus, entschloss sich das Unternehmen, die Geschichte von einem unabhängigen Historiker untersuchen zu lassen, dem der Zugang zu allen Quellen zugesichert wurden. Die Aufgabe wurde von Feldman übernommen. Da es kein eigentliches Firmenarchiv gab, hat Feldman in den Archiven Ersatzüberlieferungen erschlossen. Zu den Ergebnissen gehörte, dass die Führung der Allianz schon vor 1933 enge Beziehungen zu einigen führenden Nationalsozialisten insbesondere zu Hermann Göring unterhalten hatte. Ihr Generaldirektor Kurt Schmitt war überzeugter Nationalsozialist und war nach 1933 kurze Zeit Wirtschaftsminister. Im weiteren Verlauf des dritten Reiches hat das Unternehmen in verschiedener Weise von den Verbrechen des Regimes profitiert.

In diesen Zusammenhang gehört auch Feldmans Arbeit über österreichische Banken in der Zeit des Nationalsozialismus. Hervorgegangen war dieses aus einem Bericht einer von unabhängigen Historikerkommission in Zusammenhang mit einer Sammelklage ehemaliger Zwangsarbeiter. Feldman zeigte, dass die von ihm untersuchten österreichischen Banken keineswegs nur Opfer des Regimes waren, sondern eigene Interessen vertraten und sich auch aus eigenem Antrieb auf das nationalsozialistische Regime einließen.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]