Gerd Lüdemann

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Gerd Lüdemann (* 5. Juli 1946 in Visselhövede) ist ein deutscher Theologe und Inhaber des Lehrstuhls für "Geschichte und Literatur des frühen Christentums" an der Universität Göttingen. Zuvor war er bis 1998 Inhaber des Lehrstuhls für Neues Testament an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Göttingen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Verfassungsbeschwerde

Nachdem Lüdemann im März 1998 einen "Brief an Jesus" veröffentlicht hatte, in dem er unter Verweis auf den Konsens der Forschung u.a. die Historizität der meisten Worte Jesu und die Historizität seiner Auferstehung anzweifelte und bekannte, dass ihm Jesus religiös nichts mehr bedeute, verlangte die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen beim niedersächsischen Wissenschaftsministerium anfangs seine Entlassung aus dem Staatsdienst und dann seine Entfernung aus der Theologischen Fakultät. Als die philosophische Fakultät seine Aufnahme ablehnte, verblieb Lüdemann mit einem Sonderstatus an der Theologischen Fakultät. Zuvor war sein konfessionsgebundener Lehrstuhl für "Neues Testament" umbenannt worden in den nicht konfessionsgebundenen Lehrstuhl für "Geschichte und Literatur des frühen Christentums". Das hatte zur Folge, dass Lüdemann fortan an keinerlei Prüfung der Theologischen Fakultät teilnehmen darf. Gerd Lüdemann ist gegen diese Entscheidung juristisch vorgegangen, seine Klage wurde in letzter Instanz vom Bundesverwaltungsgericht am 3. November 2005 abgewiesen. Dagegen wiederum erhob er Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht. Dessen Erster Senat plant im Jahr 2008 darüber zu entscheiden. [1]

[Bearbeiten] Der Papstkritiker

Im April 2007 nannte er das von Papst Benedikt XVI. geschriebene Buch Jesus von Nazareth. Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung eine peinliche Entgleisung. Er sucht anhand zahlreicher Textbeispielen nachzuweisen, dass Joseph Ratzinger die historisch-kritische Bibelkritik „vor den Karren des römisch-katholischen Glaubens spanne“ und „intellektuell unglaubwürdig“ sei.[2]

Gerd Lüdemann bezeichnet sich selbst nicht mehr als Christ, bleibt aber aus beruflichen Gründen Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche Hannovers.[3]

[Bearbeiten] Zitate

Gerd Lüdemann:

"Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesu Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates."
"Die Aufklärung lässt sich nicht an die Ketten des christlichen Glaubens legen. Sie stürzt wie ein brausender Strom heran, gegen den alle Glaubensschleusen und -dämme machtlos sind."
"Das Sprechen des Glaubensbekenntnisses ist das Murmeln einer antiken Religion."

[Bearbeiten] Werke

  • 1995 Osterglaube ohne Auferstehung? Diskussion mit Gerd Lüdemann. Hrsg. v. Hansjürgen Verweyen. Herder, Freiburg, ISBN 3-451-02155-2
  • 1995 Was mit Jesus wirklich geschah. Die Auferstehung historisch betrachtet. Mit Alf Özen. Radius, Stuttgart, ISBN 3-87173-033-5
  • 1997 Bibel der Häretiker. Die gnostischen Schriften aus Nag Hammadi. Mit Martina Janßen. Radius, Stuttgart, ISBN 3-87173-128-5
  • 1998 Der große Betrug. Und was Jesus wirklich sagte und tat. (4. Aufl. 2002) zu Klampen, Springe ISBN 3924245703
  • 1998 Im Würgegriff der Kirche. Für die Freiheit der theologischen Wissenschaft. zu Klampen, Springe, ISBN 3-924245-76-2
  • 2001 Paulus, der Gründer des Christentums. zu Klampen, Springe, ISBN 3-934920-07-1
  • 2002 Die Auferweckung Jesu von den Toten. Ursprung und Geschichte einer Selbsttäuschung. zu Klampen, Springe, ISBN 3-934920-20-9
  • 2004 Das Unheilige in der Heiligen Schrift. Die dunkle Seite der Bibel. 3. Auflage. zu Klampen, Springe, ISBN 3-934920-03-9
  • 2004 Jesus nach 2000 Jahren. Was er wirklich sagte und tat. Mit Beiträgen von Frank Schleritt und Martina Janßen. 2., verbesserte Auflage. zu Klampen, Springe ISBN 3-934920-48-9
  • 2004 Die Intoleranz des Evangeliums. Erläutert an ausgewählten Schriften des Neuen Testaments. zu Klampen, Springe ISBN 3-934920-44-6
  • 2006 Altes Testament und christliche Kirche. Versuch der Aufklärung. zu Klampen, Springe, ISBN 3-934920-96-9
  • 2006 Das Judas-Evangelium und das Evangelium nach Maria. Zwei gnostische Schriften aus der Frühzeit des Christentums. Radius, Stuttgart, ISBN 978-3-87173-366-6
  • 2007 Das Jesusbild des Papstes. Über Joseph Ratzingers kühnen Umgang mit den Quellen. 1. und 2. Aufl. zu Klampen, Springe, ISBN 978-3-86674-010-5
  • 2008 Eyes That See Not. The Pope Looks at Jesus. Polebridge Press, Santa Rosa, CA, ISBN 978-1-59815-006-3
  • 2008 Der erfundene Jesus. Unechte Jesusworte im Neuen Testament. zu Klampen, Springe, ISBN 978-3-86674-022-8
  • 2008 (September) Jungfrauengeburt? Die Geschichte von Maria und ihrem Sohn Jesus. Vollständig überarbeitete und erweiterte Neuausgabe. zu Klampen, Springe, ISBN 978-3-86674-028-0
  • 2008 (Oktober) Arbeitsübersetzung des Neuen Testaments. Mit Frank Schleritt. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen

Ausführliche Bibliographie hier

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Quellen

  1. Geplante Entscheidungen des BVerfG, Erster Senat, Verfahren Nr. 12
  2. Spiegel Online: "Eine peinliche Entgleisung" 26. April 2007
  3. Kirche und Kritik: Der Fall Lüdemann
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