Gereformeerde Kerken in Nederland

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Die Gereformeerde Kerk in Brandwijk. Typisch ist die schlichte Inneneinrichtung.

Die Gereformeerde Kerken in Nederland (GKN) waren bis zum 1. Mai 2004 eine reformierte Kirchenvereinigung in den Niederlanden. Unter Kirche muss man sich dabei eine örtliche Gemeinde vorstellen, die sich mit anderen zum eher losen Bund GKN zusammengeschlossen haben.

Die Reformierten, genauer gesagt die im Niederländischen als gereformeerd bezeichneten, sind streng-gläubige Calvinisten, gehören also einer protestantischen Richtung des Christentums an. Sie bilden etwa vier Prozent der niederländischen Bevölkerung.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die GKN war deutlich strenger im Glauben und im alltäglichen Leben als die Nederlandse Hervormde Kerk (NHK), von der sich die GKN 1892 unter maßgeblicher Leitung von Abraham Kuyper abgespalten hatten. Innerhalb der NHK war eine Gruppe namens Gereformeerde Bond verblieben, die teilweise traditioneller ist als die GKN. Seit der Fusion dreier Kirchen 2004 gibt es die Protestantische Kirche in den Niederlanden, die PKN. Dieser Vereinigung sind die allerstrengsten der gereformeerden ferngeblieben. Das gilt vor allem für die Reformierte Kirchen in den Niederlanden (Befreit) von 1944, die sich von den GKN abgespalten hatte und seit 2004 die zweitgrößte niederländische reformierte Kirche ist (nach der PKN).

Stammbaum der Reformierten in den Niederlanden

Der Ausdruck gereformeerd bedeutet wörtlich „reformiert“, genauso wie das aus niederländischen Wortwurzeln bestehende Wort hervormd. Im Laufe des 19. Jahrhunderts, vor allem nach der Afscheiding von 1834, unterschied man zwischen den freisinnigen hervormden und den strengreligiösen gereformeerden, die beispielsweise den Darwinismus ablehnen und die Sonntagsruhe peinlich beachten. Mit letzterem ist gemeint, dass die gereformeerden sonntags keinen Vergnügungen nachgehen und beispielsweise ihren Kindern kein Eis kaufen, da der Eisverkäufer am Sonntag arbeitet. Dennoch berufen sich beide Richtungen auf Johannes Calvin, wenn auch die hervormden weit offener gegenüber anderen Einflüssen sind.

Politik und Gesellschaft[Bearbeiten]

Ehemaliges reformiertes Waisenhaus im gelderschen Nijkerk

In der Politik etablierte sich 1870 die Anti-Revolutionaire Partij als politischer Arm der gereformeerden. Bei Wahlergebnissen von nur rund zehn Prozent hatte sie einen weitaus größeren Einfluss und stellte mehrere Ministerpräsidenten. Die Partei ging 1977/1980 im Christen Democratisch Appèl auf, zusammen mit der deutlich größeren Katholieke Volkspartij und der ähnlich kleinen Christelijk Historische Unie.

Im Vergleich zur CHU war die ARP mehr die Partei der kleinen Leute, während die CHU eher die Oberschicht und auch den Adel ansprach. Die CHU dachte daran, den protestantischen Charakter des gesamten Landes zu verteidigen, während die ARP skeptischer war, ob dies angesichts der Verweltlichung im 19. Jahrhundert realistisch ist. Der Führer der Antirevolutionären, Abraham Kuyper, sprach daher von der Souveränität im eigenen Milieu (souverain in eigen kring). Die gereformeerden sollten ein eigenes Bildungswesen aufbauen und überhaupt vor allem mit den eigenen Leuten umgehen. Ähnlich gingen die Katholiken vor, später die Sozialisten. So kam es zu einem gesellschaftlichen Partikularismus, der als Versäulung in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Die Bevölkerungsgruppen in den Niederlanden lebten nebeneinander, für den nationalen Ausgleich sorgte die Zusammenarbeit der jeweiligen Eliten. Die Blütephase dieser Versäulung sieht man in den Jahren 1917 bis etwa 1970. 1917 hatten die religiösen Gruppen es erreicht, dass ihr Schulwesen hauptsächlich vom Staat bezahlt wurde; in den 1960er-Jahren nahm die kirchliche Bindung vieler Niederländer stark ab.

Die noch heute bestehende Staatkundig Gereformeerde Partij von 1918 vertritt die besonders radikalen gereformeerden und kommt auf sehr konstante Wahlergebnisse von etwa 1,5 bis 2 Prozent. Sie war stets in der Opposition. Weiterhin gibt es die pragmatischere ChristenUnie, die – außer in religiösen Fragen – deutlich in der politischen Mitte steht. Bei den Themen Umweltschutz und Flüchtlingen ist ihre Position eher links. Anders als die SGP hat die CU seit 2007 Regierungserfahrung.

Bekannte Personen[Bearbeiten]

Bekannte gereformeerden in den Niederlanden sind der Ministerpräsident Jan Peter Balkenende, der TV-Moderator Andries Knevel sowie der Parlamentsreporter Frits Wester. Ehemals gereformeerd waren der Schriftsteller Maarten 't Hart, der sozialdemokratische Minister Eberhard van der Laan (seit 7. Juli 2010 Bürgermeister von Amsterdam) und der TV-Moderator Jack Spijkerman.

Siehe auch[Bearbeiten]