Geretsried

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Geretsried
Geretsried
Deutschlandkarte, Position der Stadt Geretsried hervorgehoben
47.85611111111111.482222222222606Koordinaten: 47° 51′ N, 11° 29′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Bad Tölz-Wolfratshausen
Höhe: 606 m ü. NHN
Fläche: 24,65 km²
Einwohner: 23.219 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 942 Einwohner je km²
Postleitzahl: 82538
Vorwahl: 08171
Kfz-Kennzeichen: TÖL, WOR
Gemeindeschlüssel: 09 1 73 126
Stadtgliederung: 4 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Karl-Lederer-Platz 1
82538 Geretsried
Webpräsenz: www.geretsried.de
Bürgermeister: Michael Müller (CSU)
Lage der Stadt Geretsried im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen
Starnberger See Ammersee Österreich Landkreis Ebersberg Landkreis Garmisch-Partenkirchen Landkreis Landsberg am Lech Landkreis Miesbach Landkreis München Landkreis Rosenheim Landkreis Starnberg Landkreis Weilheim-Schongau Wolfratshauser Forst Pupplinger Au Pupplinger Au Bad Heilbrunn Bad Tölz Benediktbeuern Bichl Dietramszell Egling Eurasburg (Oberbayern) Gaißach Geretsried Greiling Icking Jachenau Kochel am See Königsdorf (Bayern) Lenggries Münsing Reichersbeuern Sachsenkam Schlehdorf Wackersberg WolfratshausenKarte
Über dieses Bild

Geretsried ist mit etwa 24.000 Einwohnern die größte und jüngste Stadt im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

Geographie[Bearbeiten]

Geretsried in der Region Bayerisches Oberland liegt etwa 35 Kilometer südlich der bayerischen Landeshauptstadt München und rund zehn Kilometer östlich des Starnberger Sees.

Das Stadtgebiet liegt zwischen den Flüssen Loisach und Isar und grenzt nördlich unmittelbar an die Nachbarstadt Wolfratshausen. Daraus ergibt sich ein gemeinsamer Wirtschaftsraum mit über 40.000 Einwohnern bzw. ein gemeinsames Mittelzentrum in der Region Bayerisches Oberland.

Das Stadtgebiet besteht aus den Ortsteilen Gartenberg (ca. 11.900 Einw.), Gelting (ca. 1.800 Einwohner), Geretsried (ca. 7.800 Einw.) und Stein (ca. 2.500 Einw.), sowie den kleineren Ansiedlungen Buchberg, Ziegelei und Schwaigwall.

Geschichte[Bearbeiten]

Zusammengefasst wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus einer Doppel-Schwaige eine Stadt:[2]

  • Im Jahre 1083 wurde „Gerratesried“ erstmals urkundlich erwähnt und bestand bis ins 19. Jahrhundert aus Bauernhöfen und der Nikolaus-Kapelle. Später wurde die Ansiedlung auch „Geroldsried“ bzw. Geroltzried genannt. Seit 1736 wird der Ortsname Geretsried verwendet.
  • Auf dem Gebiet der heutigen Stadt gab es während des Zweiten Weltkriegs zwei große Sprengstofffabriken, jeweils eine der Deutschen Sprengchemie (Tochterfirma der WASAG) und der Verwertchemie (Tochterfirma der Dynamit AG), die auf dem Gebiet der heutigen Ortsteile Stein und Gartenberg lagen. Einige der administrativen Gebäude und Lagerhallen wurden nach Kriegsende zu Wohnhäusern umgebaut und finden sich noch heute quer über das Stadtgebiet verteilt. Im Laufe des Krieges wurde in den Fabriken eine immer größere Zahl von Zwangsarbeitern eingesetzt, wobei sie z. T. lebensgefährliche Arbeiten mit chemischen Substanzen verrichten mussten. Die Gefangenen kamen hauptsächlich aus den umliegenden „Lager Buchberg“, „Lager Stein“ und „Lager Föhrenwald“. Bis 1955 erinnerte an der Richard-Wagner-Straße am Eingang zum Ortsteil Stein ein Grab mit sieben KZ-Häftlingen (die später auf den Dachauer Waldfriedhof überführt wurden) an diese Vergangenheit.[3] Im Mai 1945 wurden die gut getarnt und weiträumig im Staatsforst Wolfratshausen gelegenen Fabriken von der amerikanischen Armee besetzt.
  • Im Laufe des Jahres 1946 kamen die ersten Heimatvertriebenen in Geretsried an und wurden in den Barackenlagern Buchberg und Stein und im heutigen Rathaus, der damaligen Verwaltung der Munitionsfabriken, untergebracht.
  • Am 1. April 1950 wurde die Gemeinde Geretsried aus Teilen der Gemeinden Ergertshausen, Gelting, Königsdorf und Osterhofen neu gebildet.[4]
  • Durch stetiges Wachstum der Bevölkerung und die Entwicklung der Industriebetriebe in Geretsried wurde die Gemeinde am 27. Juli 1970 zur Stadt erhoben.

Zusammen mit Kaufbeuren-Neugablonz, Neutraubling, Traunreut und Waldkraiburg ist Geretsried eine der bayerischen Vertriebenenstädte/-gemeinden mit vergleichbarer Kriegs- und Nachkriegsgeschichte.

Gelting

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Gelting wurde am 1. Mai 1978 im Zuge der Gemeindegebietsreform in die Stadt Geretsried eingemeindet.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1840 1900 1925 1938 1950 1960 1970 1980 1990 1990 2000 2006 2011
Einwohner 243 263 458 1.367 3.236 3.236 7.872 17.158 20.034 21.866 23.056 23.337 23.384

Politik[Bearbeiten]

Rathaus

Stadtrat[Bearbeiten]

Bei den bayerischen Kommunalwahlen am 16.April 2014 wurde der Stadtrat wie folgt besetzt (in Klammern die Differenz zur Wahl 2002):

Partei / Liste CSU FW SPD GRÜNE ödp Gesamt
Sitze 14 (+ 2) 7 (- 1) 6 (± 0) 3 (+ 0) 30

Bürgermeister[Bearbeiten]

Seit dem 1. Mai 2014 ist Michael Müller (CSU) erster Bürgermeister der Stadt Geretsried. Er gehört ebenfalls dem Gemeinderat an. Seine Stellvertreter sind Hans Hopfner (SPD) und Gerhard Meinl (CSU).

Wappen[Bearbeiten]

Im Stadtwappen symbolisieren das Zahnrad die lokale Industrie, das Wellenband die Lage an der Isar und der Nadelbaum die Natur.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Eine Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Chamalières in der Auvergne besteht seit 1983. Diese wird durch gegenseitige Besuche von Familien, Vereinen und Schulen gepflegt.

Städtefreundschaften wurden im Rahmen der 40-Jahrfeier der Stadt Geretsried geschlossen mit den Gemeinden Pusztavàm in Ungarn und Nickelsdorf im österreichischen Burgenland. Freundliche Beziehungen bestehen auch zwischen der norwegischen Stadt Eidsvoll und Geretsried.

Seit der Erhebung Geretsrieds zur Stadt 1970 ist diese durch eine Städte-Patenschaft mit Amberg verbunden.

Verkehr[Bearbeiten]

Geretsried liegt zwischen zwei in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Hauptstraßen, die im Stadtgebiet über eine Staatsstraße (ST 2369: Tattenkofer Straße – Tattenkofener Isarbrücke) miteinander verbunden sind:

Über die Autobahn ist Geretsried wie folgt zu erreichen:

Es gibt eine ausschließlich dem Gütertransport vorbehaltene private Bahnstrecke nach Wolfratshausen (Eigentümer ist die Stadt Geretsried).

Geretsried gehört zum Münchner Verkehrs- und Tarifverbund und wird, weil es keine direkte Bahnanbindung gibt, vom Wolfratshausener Bahnhof ausgehend mit entsprechenden Busverbindungen versorgt. Weitere wichtige Regionalbuslinien führen über das Stadtgebiet und der südlichen Nachbargemeinde Königsdorf bis Bad Tölz, Bad Heilbrunn und Penzberg.

Eine direkte Anbindung an das Münchener S-Bahn-Netz ist in naher Zukunft geplant. Hierzu soll die S7 von Wolfratshausen (bisherige Endhaltestelle) über eine neu zu bauende Trasse ins Stadtgebiet verlängert werden. Die Kosten für die 9,3 km lange überwiegend eingleisige Strecke liegen nach einer aktuellen Planung bei etwa 150 Mio. €.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Gelting befinden sich Stützpunkte diverser Logistikunternehmen, u. a. DPD, DHL und Hermes.

Tyczka Totalgaz, Deckel Maho Gildemeister, Byk Gardner, Rudolf Chemie, Pulcra Chemicals und Uniccomp, Werkstofftechnik Dr. Teichmann und Gämmerler sind die größten Arbeitgeber in der Stadt.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Jugendzentrum Saftladen
  • Jugendtreff Ein-Stein
  • Mobile Jugendarbeit Geretsried
  • Stadtbücherei Geretsried
  • Stadtmuseum Geretsried
  • Hallenbad Geretsried
  • Eisstadion Geretsried
  • Freiwillige Feuerwehr Geretsried

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

  • Franz-Marc-Schule, Sonderpädagogisches Förderzentrum (Robert-Schumann-Weg)
  • Grundschule am Isardamm
  • Karl-Lederer-Grundschule (Johann-Sebastian-Bach-Straße)
  • Realschule, Gymnasium und Musikschule (im Schulzentrum an der Adalbert-Stifter-Straße)
  • Mittelschule Geretsried: Karl Lederer Haus (Johann-Sebastian-Bach-Straße), Adalbert Stifter Haus (Adalbert-Stifter-Straße)

Überregionale Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Landesfeuerwehrschule Geretsried
  • Bundesanstalt Technisches Hilfswerk, Ortsverband Geretsried
  • Bildungszentrum des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Die dort früher untergebrachte Zivildienstschule Geretsried wurde 2011 geschlossen, da die Wehrpflicht abgeschafft wurde.

Sportvereine[Bearbeiten]

In Geretsried sind zahlreiche Sportvereine tätig. Der TuS Geretsried (Turn- und Sportverein Geretsried) ist mit circa 2.200 Mitgliedern der größte Verein der Stadt. Er ist in elf Abteilungen aufgeteilt, zu denen neben vielen Ballsportarten und Leichtathletik zum Beispiel auch Badminton, Gesundheitssport, Leistungsturnen und Schach gehören. Der Eishockeyverein ESC Riverrats Geretsried wurde 2006 gegründet und ging aus der früher im TuS Geretsried integrierten Eishockeysparte hervor. Der SV Gelting 1966 e. V. ist der zweitgrößte Sportverein in Geretsried. Seine circa 500 Mitglieder betreiben ebenfalls Ballsportarten und Turnen sowie Gymnastik und Bogenschießen. Des Weiteren werden vom Edelweiß e. V. Boxen und Kickboxen, von den Vereinen WSV 72 (Wassersportverein 72) und der DLRG Schwimmen und von den FFG (Fußballfreunde Geretsried), dem TuS Geretsried und dem Fc (Fußballclub) Geretsried Fußball angeboten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Nikolaus-Kapelle

Liste der Baudenkmäler in Geretsried

Nikolaus-Kapelle[Bearbeiten]

Die an der Bundesstraße 11 gelegene Nikolaus-Kapelle ist das älteste Bauwerk der Stadt.

Pfad der Geschichte[Bearbeiten]

Bunkerreste der Munitionsfabrik

Bei dem Pfad der Geschichte handelt es sich um einen Weg durch Geretsried, der mit Metalltafeln die Geschichte der Stadt beschreibt. Die Bilder der Tafeln zeigen Häuser und Bunker wie sie um 1945–1950 aussahen als das Gebiet zwischen Wolfratshausen und Bad Tölz noch der Wolfratshauser Forst genannt wurde.

Museen[Bearbeiten]

Das örtliche Heimatmuseum befand sich bisher im Dachgeschoss des Rathauses. Seit Oktober 2013 befindet sich das Heimatmuseum an der Graslitzer Straße in eigenen Räumlichkeiten. Hier werden Andenken aus dem Sudetenland, Ungarn, Siebenbürgen und Schlesien gezeigt.

Mondblau Festival[Bearbeiten]

Beim Mondblau Festival handelt es sich um das vom Verein GigsforYou e. V. seit 2005 jährlich veranstaltete Festival. Hier finden regionale und überregionale Nachwuchsbands die Möglichkeit, sich vor großem Publikum und mit bekannteren Headlinern zu präsentieren.

Sonnenrot Festival[Bearbeiten]

Das Sonnenrot Festival war ein Musikfestival, bei dem deutsche und internationale Bands auftraten. Es fand erstmals 2004 statt und wiederholte sich im Jahr 2007 und 2008.

Isartalsternwarte e. V.[Bearbeiten]

Der Verein Isartalsternwarte e. V. wurde 1976 als Volks- und Schulsternwarte Geretsried e. V. gegründet und betreibt im Schulzentrum an der Adalbert-Stifter-Straße eine Sternwarte, die an den Beobachtungstagen auch der Öffentlichkeit zugänglich ist. Der Verein baut z.Z. die Sternwarte „Rothmühle“ in der Nähe der Jugendsiedlung Hochland bei Königsdorf. Diese Sternwarte wird dann ein 60cm Spiegelteleskop beherbergen.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stadt Geretsried: Geretsried – Eine Doppelschwaige wird Stadt. 1999
  • Stadt Geretsried: Chronik unserer Heimat – Gelting - Vom bäuerlichen Dorf zum modernen Stadtteil. 2008
  • Claudia Goetz: Die Reihe Archivbilder – Geretsried. 2003, ISBN 3-89702-636-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Geretsried – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Geschichte der Stadt Geretsried
  3. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 142
  4.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 595.
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 568.
  6. Isartalsternwarte e.V.