Gerhard Janensch

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„Der Schmied“ (Entwurf 1897)
„Bacchant mit Panthern“ (1883, Alte Nationalgalerie Berlin)
Denkmal für Heinrich Schüchtermann in Dortmund am Ostwall (1899)
Kindergruppe am Schüchtermann-Denkmal
Arbeiterfigur am Schüchtermann-Denkmal
„Stahlgießer“ (1918) in Hamburg-Harburg

Gerhard Adolf Janensch (* 24. April 1860 in Zamborst in Pommern; † 2. Februar 1933 in Berlin) war ein deutscher Bildhauer und Medailleur.

Leben[Bearbeiten]

Als 17-jähriger war Gerhard Janensch, nach anderen Quellen auch Adolf Gerhard Janensch,[1] drei Jahre lang Schüler der Berliner Akademie bei Fritz Schaper, Albert Wolff und Paul Thumann. Danach begann er 1880 eine Ateliertätigkeit in Wien, kehrte jedoch 1883 ins Atelier von Fritz Schaper zurück. 1884 erhielt er ein Romstipendium und wurde Mitglied des Deutschen Künstler-Verbandes. Schließlich wurde er 1886 selbständig und im Folgejahr Lehrer an der Akademie in Berlin bis 1924. Dabei gab er Werkstättenunterricht als Tischler, Stellmacher, Schmied, Schlosser und Töpfer.

1892 wurde er Nachfolger von Albert Wolff als Leiter der Modellierklasse an der Berliner Akademie. 1897 wurde er von der Akademie zum ordentlichen Mitglied ernannt. Hier war er im Senat der Akademie bis 1923 tätig.

Janensch starb 1933 und wurde auf dem Friedhof Wilmersdorf beigesetzt.

Werke[Bearbeiten]

Die erste zu erwähnende Arbeit ist der durch die Bildgießerei Gladenbeck in Friedrichshagen realisierte KunstgussBacchant mit Panthern“, die 1883 entstand. Für diese Arbeit wurde er mit dem Rom-Stipendium ausgezeichnet.

Der Berliner Spiralbohrer-Fabrikant und Rittergutsbesitzer Robert Stock galt als Mäzen von Gerhard Janensch. Er war es auch, der das von Janensch auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1897 gezeigte Modell einer lebensgroßen Figur eines Schmiedes auf einem glockenförmigem Sockel ankaufte und als Bronzeguss realisieren ließ. Die Plastik stellt einen Schmied in voller Arbeitskleidung, bestückt mit Hammer und Amboss dar, der sich nach getaner Arbeit den Schweiß von der Stirn wischt. In Anlehnung an Das Lied von der Glocke von Friedrich Schiller ist der glockenförmige Sockel unter anderem mit dem Zitat „Von der Stirne heiß rinnen muß der Schweiß, will das Werk den Meister loben…“ verziert. Die Gesamthöhe der Plastik beträgt 300 cm. Die anteilige Höhe des Schmiedes beträgt 200 cm. Diese Arbeit wurde nach dem Tod von Robert Stock als Grabmalplastik verwendet und ist heute noch auf dem Luisenstädtischen Friedhof an der Bergmannstraße in Berlin-Kreuzberg zu sehen.

Durch die Erstellung von verkleinerten Fassungen (50 cm und 100 cm Höhe) durch die Bronzegießerei Gladenbeck erreichte der „Schmied“ zusätzliche Popularität. Weitere Motive aus der Industrie- und Arbeitswelt ergänzten später diese Arbeit. Als bekannte Motive gelten der „Eisengießer“, der „Mann am Martinsofen“, der „Kesselschmied“, der „Hammerschwinger“, der „Walzer“, der „Emaillierer“ und der „Glasbläser“. Einige dieser Arbeiten wurden 1928 auch auf der großen Ausstellung „Kunst und Technik“ im Essener Museum Folkwang ausgestellt. Hier wurde Janensch neben Wilhelm Lehmbruck und Constantin Meunier in der Sparte „Bronzen“ ausgestellt.

Weitere Werke Janenschs sind:

Museen und Sammlungen[Bearbeiten]

Einige dieser Arbeiten finden sich heute in folgenden Sammlungen wieder: Archäologisches Museum Hamburg in Hamburg-Harburg, auf der Museumsachse Harburger Rathausstraße ist der Eisengießer in Lebensgröße (ca. 172 cm) zwischen den beiden Häusern des Museums zu sehen. Diese Version des Eisengießers ist auch noch im öffentlichen Raum der Stadt Saarbrücken und vermutlich in einem „Haus der Ingenieure“ bei Katowice/Polen platziert. Weitere Arbeiten befinden sich im Rheinischen Industriemuseum Oberhausen, im Kunstgussmuseum Lauchhammer, in der Kunstsammlung Lausitz am Museum Senftenberg, in der „Eckhart G. Grohmann Collection at Milwaukee School of Engineering“ in Milwaukee, im Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg und in der „Sammlung Werner Bibl – Förderung der Kunst im öffentlichen Raum“ in Gelsenkirchen-Buer.

Die plastischen Arbeiten von Gerhard Janensch „Industrie und Arbeitswelt“ reflektieren in eindrucksvoller Art die Stimmung des bedeutenden Gemäldes „Eisenwalzwerk 1872/75“ von Adolph Menzel. Dieses Werk befindet sich in der Sammlung der Alten Nationalgalerie in Berlin.

Literatur[Bearbeiten]

  • Janensch, Gerhard (Adolf G.). In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band XVIII, E. A. Seemann, Leipzig 1925, S. 382–383.
  • Gerhard Janensch. In: Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 2. E. A. Seemann, Leipzig 1955, S. 528
  • Ausstellungskataloge „Ethos und Pathos – Die Berliner Bildhauerschule 1786–1914“ – Skulpturengalerie – Staatliche Museen Preussischer Kulturbesitz, ISBN 3-7861-1598-2 auf Seite 41, 274, 333, 347 und 489 sowie ISBN 3-7861-1597-4 auf Seite 133–135. Ferner befindet sich das Motiv „Der Schmied“ auf den Titelseiten beider Kataloge wieder. Diese bedeutende Ausstellung fand in der Zeit vom 19. Mai bis 29. Juli 1990 unter der Leitung von Peter Bloch u.a. im Hamburger Bahnhof, Berlin statt.
  • Klaus Türk: Mensch und Arbeit. 400 Jahre Geschichte der Arbeit in der bildenden Kunst. The Eckhart G. Grohman Collection at Milwaukee School of Engineering. VMSOE Press, Milwaukee, Wisconsin 2003, ISBN 3-89861-209-0, S. 153, 186.
  • Ausstellungskatalog der Ausstellung „Kunst und Technik 1928“ im Folkwang-Museum zu Essen. W. Girardet Verlag, Essen 1928, S. 99/100.
  • Georg Holländer: Die technische Landschaft. Die Sammlung der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer. Begleitheft zur Ausstellung, herausgegeben von der Stadt Duisburg. Duisburg 1995, S. 11 – Hammerschwinger (1920).
  • Das Werk, 1. Jg., 1921/22, Heft 12. Titelbild

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gerhard Janensch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Janensch, Gerhard (Adolf G.). In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band XVIII, E. A. Seemann, Leipzig 1925, S. 382–383., später bekannter nur als Gerhard Janensch