Gerhard Kubik (Musikethnologe)

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Gerhard Kubik (* 10. Dezember 1934 in Wien) ist ein österreichischer Musikethnologe und Ethnologe. Er erforscht afrikanische Kulturen und die afrikanische Diaspora in Südamerika.

Leben[Bearbeiten]

Gerhard Kubik kam 1946 im damaligen Amerikanischen Sektor von Wien mit dem Jazz in Berührung: Er lernte die Musik von Glenn Miller, Cab Calloway, Lionel Hampton, George Lewis, Bunk Johnson und Charlie Parker kennen. Nach seinem Abitur studierte Kubik an der Universität Wien die Fächer Rechts- und Staatswissenschaft sowie Afrikanistik. Seit 1954 begann Kubik öffentlich mit seiner Jazzband Musici aufzutreten, die 1959 den ersten Preis beim jährlichen Jazzfestival in Wien erhielt (sich aber kurz darauf auflöste); er war weiterhin ebenso wie Oswald Wiener (Trompete), Ernst Steiner (Posaune) und Walter "Padhi" Frieberger (Waschbrett, Perkussion) in der Wirklichen Jazzband tätig. Kubik unternahm - noch während seines Studiums - von Oktober 1959 bis Oktober 1960 seine erste Afrika-Reise, auf der er insbesondere Amadinda-Schüler von Evaristo Muyinda und mit der Hofmusik der Baganda vertraut wurde. Nach weiteren Forschungsreisen promovierte er 1971 über ein ethnologisches Thema und habilitierte sich 1980 über Theory of African Music. Seit 1974 lehrte er an der Universität Wien, außerdem in Mainz und an verschiedenen Universitäten bzw. Instituten Afrikas und Brasiliens.

Kubik publiziert seit 1959 insbesondere zu Musik, Tanz, Totemismus, oraler Tradition und zur Erziehung in Afrika und in afrikanisch beeinflussten Kulturen Venezuelas und Brasiliens. Paradigmatisch ist Kubiks Vorgehensweise beim Studium bzw. bei seiner Vermittlung afrikanischer Musikkultur im Westen. Er ist international als Kapazität im Bereich intrakultureller afrikanischer Kulturforschung anerkannt. Außerdem tritt er seit 1973 regelmäßig mit der Donald Kachamba Kwela Band bzw. der Donald Kachamba Heritage Kwela Band als Klarinettist und Gitarrist auf.

Kubik hat zusammen mit dem Musikethnologen Simha Arom den Komponisten György Ligeti und dessen polyrhythmische Denkweise seit den 80er Jahren wesentlich beeinflusst. In den letzten Jahren sammelt er mit einem Team des Zentrums für Oralliteratur in Malawi auch die mündlichen Überlieferungen in südafrikanischen Dörfern.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Theory of African Music. 1994 ISBN 978-3-7959-0560-6
  • Africa and the Blues. 1999 ISBN 1-57806-146-6
  • African Guitar: Audio visual filed recordings 1966-1993. DVD Vestapol 13017
  • Zum Verstehen afrikanischer Musik. 2. Auflg., LIT, Münster 2004.
  • Totemismus. Ethnopsychologische Forschungsmaterialien und Interpretationen aus Ost- und Zentralafrika, 1962-2002. LIT, Münster 2004.
  • Tusona - Luchazi Ideographs. A Graphic Tradition of West-Central Africa. 2. Auflg., LIT, Münster 2006.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]