Gerhard Lohfink

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Gerhard Lohfink (* 29. August 1934 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher katholischer Priester und Theologe. Er war bis 1986 Professor für Neues Testament an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Lohfink arbeitet als Theologe in der Katholischen Integrierten Gemeinde (KIG). Er ist der jüngere Bruder des Alttestamentlers Norbert Lohfink.

Leben[Bearbeiten]

Lohfink legte 1954 am Heinrich-von-Gagern-Gymnasium das Abitur ab. Er studierte zunächst zwei Semester lang Germanistik und Latinistik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Vom Sommersemester 1955 an studierte er Philosophie und Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen; 1957 legte er das Philosophische Abschlussexamen ab. 1957/1958 studierte er Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München. Das Theologische Abschlussexamen legte er 1960 an der Hochschule St. Georgen ab, im selben Jahr weihte ihn Bischof Wilhelm Kempf zum Priester. Von 1961 bis 1963 war er Kaplan in der Pfarrei St. Ursula in Oberursel.

Auf Anregung der Professoren Heinrich Schlier und Heinrich Bacht erteilte ihm Bischof Kempf die Erlaubnis zur Promotion in Theologie mit der Auflage, zunächst noch ein Jahr lang als Schulpfarrer in Frankfurt auszuhelfen. Vom 22. April 1963 bis 31. März 1964 war Lohfink Schulpfarrer am Heinrich-von-Gagern-Gymnasium in Frankfurt am Main. 1964 setzte er sein Theologiestudium an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg fort. Neben der wissenschaftlichen Arbeit hielt er Vorträge, insbesondere in der katholischen Erwachsenenbildung und in der Priesterfortbildung. 1971 wurde Lohfink in Würzburg mit der Dissertation Die Himmelfahrt Jesu. Untersuchungen zu den Himmelfahrts- und Erhöhungstexten bei Lukas promoviert. Mit der Arbeit Die Sammlung Israels. Eine Untersuchung zur lukanischen Ekklesiologie habilitierte er 1973.

1973 wurde Lohfink zum Wissenschaftlichen Rat und Professor für das Fach Neues Testament am Fachbereich Katholische Theologie der Eberhard Karls Universität Tübingen ernannt. 1976 folgte er dem Ruf als Ordinarius für Neues Testament am Fachbereich Katholische Theologie der Universität Tübingen. 1979/80 war er als Prodekan der Theologischen Fakultät in den kirchlichen Streit um den zuvor von ihm unterstützten Hans Küng verwickelt, wobei er sich am Ende öffentlich (u.a. in der FAZ) für dessen Ausschluss aus der Fakultät ausgesprochen hat.[1] 1987 schied er auf eigenen Wunsch aus dem Universitätsdienst aus, um in der Katholischen Integrierten Gemeinde leben und arbeiten zu können.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Himmelfahrt Jesu – Erfindung oder Erfahrung. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1972 ISBN 3-460-10181-4
  • Braucht Gott die Kirche? – zur Theologie des Volkes Gottes. Herder, Freiburg im Breisgau 1998 ISBN 3-451-26544-3
  • Das Vaterunser neu ausgelegt. Verlag Urfeld, Bad Tölz 2007 ISBN 978-3-932857-32-4
  • Welche Argumente hat der neue Atheismus? Eine kritische Auseinandersetzung. Verlag Urfeld, Bad Tölz 2008 ISBN 978-3-932857-33-1
  • Der letzte Tag Jesu. Was bei der Passion wirklich geschah. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2009 ISBN 978-3-460-33179-2
  • Beten schenkt Heimat. Theologie und Praxis des christlichen Gebets. Herder, Freiburg im Breisgau 2010 ISBN 978-3-451-33052-0
  • mit Ludwig Weimer: Maria – nicht ohne Israel. Eine neue Sicht der Lehre von der unbefleckten Empfängnis. 2. Auflage, Herder, Freiburg im Breisgau / Basel / Wien 2012 (Erstausgabe 2008), ISBN 978-3-451-34139-7.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Hans Küng: Umstrittene Wahrheit. Erinnerungen, München 2009, S. 640f