German (Mythologie)

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German (serbisch-kyrillisch Герман, ˈɡerman) ist eine südslawische Sagengestalt, die in der ostserbischen und nordbulgarischen Folklore anzutreffen ist.

Es handelt sich dabei um eine männliche Gestalt, die für Regen und Hagel sorgt. Dies kann mit positiver oder negativer Folge geschehen. Positiv ist seine Gabe, wenn er für genau die Niederschlagsmenge sorgt, die für einen erfolgreichen Ernteertrag notwendig ist. Negativ ist sie, wenn er für eine Dürre oder zu starke Wolkenbrüche und Hagel sorgt.

Bei den Ritualen für German wird aus Lumpen, gebranntem Lehm und Trockenfrüchten eine große Puppe hergestellt, die ihn mit übergroßem Phallus abbildet. Hergestellt und gebraucht wurde diese Puppe im Ritual ausschließlich von Mädchen oder jungen Frauen[1][2][3].

In Ostserbien pflegten Mädchen eine solche Puppe herzustellen und an ein Flussufer zu bringen, wenn eine Dürre eingetreten war. Je nach regionalem Brauch wurde die Puppe entweder beim Fluss begraben oder in einem kleinen Kasten auf dem Fluss treiben gelassen. Zwei der Mädchen pflegten dabei um die Puppe zu wehklagen. Von anderen nach dem Grund ihrer Klage gefragt, antworteten sie: "Wir weinen um German, weil German wegen der Dürre gestorben ist, um Regen zu bringen." Wenn der Regen danach heftig wurde, wurde die Puppe wieder ausgegraben.[1][2]

In Nordbulgarien folgten die German-Rituale üblicherweise unmittelbar auf Dodola-Rituale, konnten aber auch unabhängig voneinander praktiziert werden. In einigen Dörfern wurden sie am Tag des Heiligen Germanos ausgeführt. Mädchen stellten die Puppe in eine Länge von 20 bis 50 cm her und legten sie auf eine Tafel oder in eine kleine Kiste. Nachdem sie es mit Blumen geschmückt hatten, begruben sie die Puppe mit Bestattungszeremonien. Nach drei, neun oder vierzig Tagen wurde die Puppe wieder ausgegraben und ins Wasser geworfen.[3]

Die Menschen versuchten zerstörerische Sommerhagel durch ein besänftigendes Ritual für German an Heiligabend zu verhindern. Ein solches Ritual ist aus der Gegend von Pirot zu Beginn des 20. Jahrhunderts überliefert. Unmittelbar vor dem Heiligabendessen ging das Familienoberhaupt hinaus zum Holzstoß,[4] um German zum Festessen einzuladen.

Dabei nahm er einen Laib Brot namens "Viel Glück" mit, der speziell für dieses Ritual zubereitet wurde, Sliwowitz, Wein und eine Wachskerze mit sich. Beim Holzstoß schrie er dreimal: "German, German, wo immer du bist, komm zum Abendessen sofort, und lass mich im Sommer deine Augen irgendwo sehen!". Dann zündete er die Kerze an, nahm einen Schluck Sliwowitz, probierte etwas Brot, trank Wein und ging zurück ins Haus. Wenn man ihn fragte, was mit German sei, so antwortete er: "Er kam und wir aßen zu Abend, tranken reichlich Sliwowitz und Wein und gingen wieder auseinander."[1][5]

German, der stirbt, damit sich die Natur durch Regenguss regeneriert, kann man als Pflanzengeist auffassen, der mit der Wiederkunft von Vegetation stirbt und wiederaufersteht. Seine deutlich dargestellten Genitalien dienen als Fruchtbarkeitssymbol. Die Germanpuppe ist wahrscheinlich eine metaphorische Ersetzung des früheren Menschenopfers und kann in den Kreis der anderen slawischen Opferpuppen eingereiht werden, wie z.B. den Jarilo-, Kostroma- und Morena/Marzanna-Puppen eingereiht werden.[1]

Im christianisierten Volksglauben wird German mit dem Heiligen Germanos identifiziert. Dieser ist Schutzheiliger gegen Hagel und gelegentlich auch vor Blitz, obwohl letztere Funktion eher dem Propheten Elija zugeschrieben wird.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Referenzen[Bearbeiten]

  1. a b c d e Janićijević, pages 184-186.
  2. a b Pešikan-Ljuštanović
  3. a b Герман (Bulgarisch) Central Library of Bulgarian Academy of Sciences. 8. April 2008. Abgerufen am 1. Dezember 2014.
  4. Der Holzstoß eines Haushalts gilt als Grenzzone zwischen der belebten und der unbelebten Welt in der mythisch-magischen Weltsicht der Südslawen, Er kann als Kommunikationsmedium mit den Geisterwesen dienen. Vgl. Žarko Trebješanin: Sorcery practise as the key to the understanding of the mytho-magical world image (englisch, PDF; 145 kB) Universität Niš. Abgerufen am 18. September 2008. (Seite 2)
  5. Dieses Ritual könnte eine Beziehung zu einem ukrainischen Brauch aufweisen: Während einer Dürre pflegte ein Bauer den Regen freundlich anzusprechen und ihm geloben, einen Topf Borschtsch für ihn zu kochen, wenn dieser fiele.

Quellen[Bearbeiten]