German Bestelmeyer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Grab von German Bestelmeyer; München, Waldfriedhof, Alter Teil

German Bestelmeyer (* 8. Juni 1874 in Nürnberg; † 30. Juni 1942 in Bad Wiessee) war ein deutscher Architekt und Hochschullehrer. Die von Bestelmeyer realisierten Bauten befinden sich überwiegend im süddeutschen Raum.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Bestelmeyer wurde 1874 als Sohn eines Militärarztes geboren. Von 1893 bis 1897 absolvierte er ein Studium an der Technischen Hochschule München bei Friedrich von Thiersch und an der Wiener Akademie der Bildenden Künste bei Friedrich von Schmidt. Im Anschluss arbeitete er als staatlicher Baureferendar in Nürnberg, als Bauamtsassessor am Landbauamt Regensburg sowie von 1905 bis 1909 als Bauassessor am Universitätsbauamt in München.

1910 wurde er als Professor an die Technische Hochschule Dresden als Nachfolger von Fritz Schumacher berufen. 1911 übernahm Bestelmeyer als Nachfolger von Paul Wallot eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste in Dresden und 1915 an der Akademie der Bildenden Künste in Berlin als Nachfolger von Johannes Otzen. 1919 wurde er dann gleichzeitig auch noch als Professor an die Technische Hochschule Berlin-Charlottenburg berufen. Ab 1922 lehrte er als Professor (Nachfolger von Friedrich von Thiersch) an der Technischen Hochschule München. Von 1924 bis 1942 war er Präsident der Bayerischen Akademie der Bildenden Künste in München.

Bereits 1928 hatte er zusammen mit Paul Bonatz, Paul Schmitthenner, Wilhelm Kreis und Paul Schultze-Naumburg die Architektenvereinigung „Der Block“ als Gegenmodell zum modernistisch-avantgardistischen „Der Ring“ der Architekten Bruno Taut, Martin Gropius und Erich Mendelsohn gebildet. Er bestimmte als Akademiepräsident in München die konservative Richtung der Münchener Architektur und setzte sich immer wieder, häufig mit Rückendeckung des bayerischen Kulturministeriums, gegen fortschrittliche Ansätze wie etwa von Theodor Fischer, Adolf Abel, Robert Vorhoelzer und Richard Riemerschmid ein. Er organisierte u. a eine Ausstellung von Werken des norwegischen Zeichners Olaf Gulbransson und sorgte für die Verlängerung von dessen Lehramtszeit an der Akademie der Künste.[1]

Bestelmeyer war Mitglied im Deutschen Werkbund und im völkisch gesinnten, antisemitischen Kampfbund für deutsche Kultur.[2] Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten trat er 1933 der NSDAP bei. 1935 wurde er zum Reichskultursenator ernannt. Auf sein Betreiben erhielt Hitler 1937 die Ehrenmedaille der Münchner Akademie der Bildenden Künste in Gold, da Hitler „den nationalen Gedanken als Brennpunkt geistigen Lebens und Richtschnur der Künste in sein altes Recht einsetzte.“[2] 1938 war Bestelmeyer mit verschiedenen Projekten auf der ersten Deutschen Architekturausstellung im nationalsozialistischen Haus der Deutschen Kunst vertreten.[2]

Nach Bestelmeyers Tod ordnete Hitler ein Staatsbegräbnis an. Er wurde nach München überführt, in der Akademie der Bildenden Künste aufgebahrt und am 4. Juli 1942, flankiert von 300 HJ-Angehörigen, in den Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität München geschafft. Dort fand in Anwesenheit von Joseph Goebbels und Vertretern der Hauptstadt der Bewegung die Trauerfeier statt. Anschließend ist Bestelmeyer im engen Familienkreis im Waldfriedhof beigesetzt worden.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Bauten[Bearbeiten]

Lichthof der Universität München
Altes Stadthaus Bonn
Krochhochhaus in Leipzig

Denkmäler[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Stahl (Einleitung): German Bestelmeyer. (= Neue Werkkunst.) F. E. Hübsch, Berlin / Leipzig / Wien 1928.
  • Werner Hegemann (Einleitung): German Bestelmeyer. (= Neue Werkkunst.) F. E. Hübsch, Berlin / Leipzig / Wien 1929.
  • Otto Schubert: Bestelmeyer, German Johann Georg. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 184 (Digitalisat).
  • Heinz Thiersch: German Bestelmeyer. Sein Leben und Wirken für die Baukunst. Georg D. W. Callwey, München 1961.
  • Florian Koch: German Bestelmeyer (1874–1942), Architekt. Tradition als Illusion der Permanenz. Der süddeutsche Kirchenbau, romantisch-retrospektiver Traditionalismus im Sakralbau der zwanziger und dreißiger Jahre. München 2001.
  • Hartmut Petzold: German Bestelmeyer und der zweite Bauabschnitt des Deutschen Museums. In: Elisabeth Vaupel, Stefan L. Wolff (Hrsg.): Das Deutsche Museum in der Zeit des Nationalsozialismus. Eine Bestandsaufnahme. Göttingen 2010, S. 287–319.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: German Bestelmeyer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aus einer Veröffentlichung über den Landschaftsmaler Edmund Steppes (1873–1968) und seine Vision einer „deutschen Malerei“; abgerufen am 2. Juli 2009
  2. a b c Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 48.
  3. Homepage Klöster und Kirchen im VVB Nürnberg
  4. Homepage der Erlöserkirche in Schwabing