Gernot Patzelt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Gernot Patzelt (* 1939) ist ein österreichischer Geograph, Hochgebirgsforscher und Polarforscher.

Wissenschaftlicher Werdegang[Bearbeiten]

Gernot Patzelt promovierte 1968 mit der Arbeit Die Gletscher der Venedigergruppe bei Hans Kinzl an der Universität Innsbruck und arbeitete in der Folgezeit als Assistent am dortigen Institut für Meteorologie und Geophysik sowie am Geographischen Institut. Er habilitierte sich 1979 und war von 1980 bis 1999 Leiter des Forschungsinstitutes für Hochgebirgsforschung und gleichzeitig Leiter der Alpinen Forschungsstelle Obergurgl in Tirol. Zwischen 1994 und 1996 war er Vorstand des Instituts für Geographie und seit 1999 Vorstand des Instituts für Hochgebirgsforschung und alpenländische Land- und Forstwirtschaft. Von seiner Ernennung zum Professor im Jahre 1992 bis zu seiner Pensionierung 2004 vertrat er das Fach Hochgebirgsforschung an der Universität Innsbruck.

Forschungsarbeiten[Bearbeiten]

Patzelt forscht zur Klimageschichte und Landschaftsentwicklung, vor allem im alpinen Raum. Von 1981 bis 2009 leitete er den Gletschermeßdienst des Österreichischen Alpenvereins. [1] Patzelt bestätigt zwar einen anthropogenen Einfluss auf die Klimaerwärmung warnt aber vor voreiligen Schlüßen: „Was bislang geschah, ist erstaunlich undramatisch – die Katastrophe findet bisher ausschließlich im Computer statt.“[2]. Seine Untersuchungen an Eiskernen und Seeablagerungen in Hochtälern würden darauf hindeuten, dass Warmphasen wie derzeit in den letzten 12000 Jahren nichts außergewöhnliches waren.

Gernot Patzelt war auch an den Forschungen zum „Ötzi“-Fund beteiligt. Am 25. September 1991 fand er, kurz nach der Entdeckung der Gletschermumie, dessen Köcher mit 12 Pfeilen.[3] In der Folgezeit untersuchte er die klimatischen Bedingungen, die zu der außergewöhnlich guten Erhaltung der Mumie beigetrugen.[4]

Antarktisexpeditionen[Bearbeiten]

Patzelt nahm an fünf Antarktisexpeditionen ins westliche Dronning Maud Land teil, von denen er drei leitete. Er erforschte unter anderem die glaziologischen Verhältnisse in der Umgebung der EPICA-Bohrlokation und suchte in der Heimefrontfjella nach Spuren der permokarbonen Vereisung vor etwa 300 Millionen Jahren.[5][6] Darüber hinaus arbeitete er von 1983 bis 2002 mit dem Alfred-Wegener-Institut zusammen und bildete die Überwinterer der deutschen Georg-von-Neumayer-Station aus.[7]

Ein Nunatak in der Heimefrontfjella wurde im Jahre 2010 Patzeltsporn benannt.[8]

Mitgliedschaft in wissenschaftlichen Organisationen[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Die spätglazialen Stadien und postglazialen Schwankungen von Ostalpengletschern, 1972
  • Die neuzeitlichen Gletscherschwankungen in der Venedigergruppe, 1973
  • Die postglazialen Gletscher- und Klimaschwankungen in der Venedigergruppe, 1973 (gem. mit Sigmar Bortenschlager)
  • Unterinntal-Zillertal Pinzgau, Kitzbühel. Spät- und postglaziale Landschaftsentwicklung, 1975
  • Der zeitliche Ablauf und das Ausmaß postglazialer Klimaschwankungen in den Alpen, 1977
  • Methodische Untersuchungen über die Schneegrenze in alpinen Gletschergebieten, 1977 (gem. mit Günther Groß und Hanns Kerschner)
  • Neue Ergebnisse der Spät- und Postglazialforschung in Tirol, 1980
  • The Austrian glacier inventory: status and first results, 1980
  • Permafrostkartierung im Gebiet der Hochebenkar-Blockgletscher, Obergurgl Ötztaler Alpen, 1982 (gem. mit Wilfried Haeberli) pdf
  • The period of glacier advances in the Alps, 1965 to 1980, 1985
  • Untersuchungen zur nacheiszeitlichen Schwemmkegel- und Talentwicklung in Tirol, 1987 pdf
  • Modellstudie Ötztal – Landschaftsgeschichte im Hochgebirgsraum, 1996 pdf
  • Statistik der Ergebnisse der Längenmessungen an den Gletschern der Österreichischen Alpen von 1890–1998, 1998
  • Discovery of early-Holocene wood and peat on the forefield of the Pasterze Glacier, Eastern Alps, Austria, 2000 (gem. mit Kurt Nicolussi)
  • Untersuchungen zur holozänen Gletscherentwicklung von Pasterze und Gepatschferner, 2001 (gem. mit Kurt Nicolussi) pdf
  • Die Bergstürze vom Pletzachkogel, Kramsach, Tirol, 2012 pdf
  • Die Bergstürze vom Tschirgant und von Haiming, Oberinntal, Tirol, 2012 pdf
  • Datierung von Feuerstellen in Prähistorischen Hirtenhütten im Waldgrenzbereich ostalpiner Gebirgsgruppen, 2013
  • Bergstürze im 2. Jahrtausend v. Chr. im Ostalpenraum, 2013
  • Das Vorfeld des Vernagtferners und seine Umgebung, 2013

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressetext der ÖAV vom 10. April 2009
  2. Die Weltwoche, Zürich, 44/02 (Version vom 15. August 2007 im Internet Archive)
  3. Andreas Lippert: Entdeckung und Bergung des Gletschermannes. In: Alfred Payrleitner (Hrsg.) Der Zeuge aus dem Gletscher. Ueberreuter, Wien, 1992, S. 32
  4. Brenda Fowler: Iceman: Uncovering the Life and Times of a Prehistoric Man Found in an Alpine Glacier. Univ. Chicago Press, 2000, S. 130.
  5. Manfred Pietschmann: Der lange Weg nach Gondwana. In: Geo-Wissen. 4, 1990, S. 30-41.
  6. Gernot Patzelt & Joachim Jacobs: Weitere Untersuchungen zur permokarbonen Vereisung. In: Berichte zur Polarforschung. 86, 1991, S. 102-103.
  7. Skript zum AWI-Bergkurs, S. 4-5 (PDF-Datei; 2,1 MB) abgerufen am 6. Juli 2009
  8. Homepage des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie, aufgerufen am 27. September 2011

Weblinks[Bearbeiten]