Gerontius

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Gerontius (Begriffsklärung) aufgeführt.

Gerontius († 411 in Hispanien) war ein General des weströmischen Gegenkaisers Konstantin III. (407–411). 409 rebellierte er gegen Konstantin und ließ seinen eigenen Sohn Maximus zum Kaiser ausrufen.

Leben[Bearbeiten]

Gerontius stammte aus dem römischen Britannien und hatte sich 407 dem Usurpator Konstantin angeschlossen. Teils wird sogar vermutet, er sei der eigentliche starke Mann hinter Konstantin gewesen.[1] Im selben Jahr zog er zusammen mit dem Franken Edobich aus, um die Gegenwehr von Stilichos Feldherrn Sarus zu brechen, der kurz zuvor Konstantins Generale Justinian und Nebiogastes geschlagen hatte. Gerontius und Edobich zwangen Sarus, der Konstantin in Valentia belagerte, zum Rückzug über die Alpen, setzten ihm aber nicht nach, da man wohl erst die Eroberungen sichern und wollte, bevor er den Angriff auf Italien wagte. Dazu gehörte auch die Unterwerfung Hispaniens, wo Verwandte des legitimen Kaisers Honorius weiterhin loyal zum Kaiser standen. Konstantin befürchtete wohl, sie würden von dort aus eine zweite Front eröffnen, und griff zuerst in Hispanien ein. Konstantin holte auch seinen ältesten Sohn Constans aus einem Kloster, erhob ihn zum Caesar (Unterkaiser) und sandte ihn mit Gerontius nach Spanien. Die loyalen weströmischen Truppen dort wurde geschlagen, wobei zwei Verwandte des Honorius, Didymus und Theodosiolus, gefangen genommen wurden, während es zwei anderen, Lagodius und Verianus, gelang, nach Konstantinopel zu entkommen.

Constans ließ seine Frau und seinen Haushalt in der Obhut von Gerontius in Caesaraugusta (Saragossa) zurück, um sich nach Arles zu begeben, wo sein Vater seine Residenz eingerichtet hatte. Dort allerdings erhielt er den Auftrag, nach Hispanien zurückzukehren, um die Germanen zu bekämpfen, die den Rhein vor knapp zwei Jahren überschritten hatten (siehe Rheinübergang von 406). Diese waren plündernd durch Gallien gezogen und hatten 409 die Pyrenäen erreicht.

Gerontius sollte in diesem Zusammenhang offenbar von seinem Posten abberufen werden. Während der Vorbereitungen dazu erreichte Constans jedoch die Nachricht, dass sich Gerontius erhoben und Maximus, Olympiodoros von Theben zufolge sein eigener Sohn, zum Kaiser erhoben hatte. Gerontius hatte sehr wahrscheinlich deshalb nicht selbst die Kaiserwürde angestrebt, weil er die direkte Kontrolle über das ihm unterstellte Militär behalten wollte, das der entscheidende Machtfaktor war.

410/11 (die Chronologie ist unsicher) gelang es Gerontius, Constans in Vienne einzuschließen. Er nahm ihn gefangen und ließ ihn hinrichten. Anschließend belagerte er 411 Konstantin in Arles. Zur gleichen Zeit sah sich Honorius in der Lage, den Gegenangriff zu unternehmen, nachdem er einen neuen General gefunden hatte, den späteren Kaiser Constantius III., der vor Arles erschien. Constantius schlug Gerontius in die Flucht und belagerte selbst nun Arles. Nachdem Constantius Edobichs Entsatzheer geschlagen hatte, ergab sich Konstantin, der hingerichtet wurde.

Auch Gerontius musste nun seinen Kampf aufgeben, seine Truppen ließen ihn im Stich und er beging in alter römischer Tradition Selbstmord. Auch seine Frau kam ums Leben. Maximus floh, kam bei germanischen foederati unter, die in Spanien geblieben waren, und beanspruchte weiterhin das Kaisertum, bevor er besiegt und 422 hingerichtet wurde.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexander Demandt: Die Spätantike. Römische Geschichte von Diocletian bis Justinian 284–565 n. Chr. (= Handbuch der Altertumswissenschaft. 3. Abteilung, 6. Teil). 2. Auflage. C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-55993-8, S. 180.
  • Stuart Laycock: Warlords. The Struggle for Power in Post-Roman Britain. History Press, Stroud 2009, ISBN 978-0-7524-4796-4, S. 19–40.
  • Ralf Scharf: Der spanische Kaiser Maximus und die Ansiedlung der Westgoten in Aquitanien. In: Historia. Band 41, 1992, S. 374–384.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Vgl. Stuart Laycock: Warlords. The Struggle for Power in Post-Roman Britain. Stroud 2009, S. 27.